Eine gute Garderobe soll her, aber bei den meisten Menschen ist das Budget doch eher begrenzt. Gerade zu Beginn einer Karriere als Träger von Anzügen ist es nahezu unmöglich, sich hochwertige Qualität in den unterschiedlichen Farben und Formen zu kaufen, die es eigentlich zu besitzen gilt.
Als ich anfing, mich mehr für Anzüge zu begeistern, hieß das: Standardmarken kaufen. Hugo Boss, Joop, Armani. Und Armani war für mich schon etwas Besonderes. Später erst merkte ich, daß es eine ganz eigene Welt oberhalb dieser von vielen schon als „Designermarken“ wahrgenommenen Anbieter gibt. Nur: Was bringt dieses Wissen, wenn doch ein Kiton-Anzug locker 4.000 Euro verschlingt? Oder ich bei Anderson & Sheppard mindestens 4.000 Pfund (Sterling, nicht gehackte Milz) hinblättern muß?
Eben. Und ich vermute, dies ist einer der Gründe, warum ich im Stadtbild eine Masse von Menschen in teilweise wirklich mies sitzenden schwarzen oder grauen Anzügen von Roy Robson, H&M oder Hugo Boss (oh, wie frech: Orange!) sehe, die allesamt nicht so wirken, als trügen sie ihre Anzüge mit Begeisterung.
Dann entdeckte ich eBay. Wow! EBay. „Wie bescheuert ist der GP denn?“, werden Sie sich denken, „das ist doch ein alter Hut.“ Und Sie haben recht: EBay ist eigentlich eine völlig logische Wahl, wenn wir teure Dinge günstiger einkaufen wollen. Aber wie gehe ich mit der Plattform um?
Zunächst einmal muß ich mir darüber klar werden, welche Marken ich kaufen möchte. Nicht ein oder zwei, sondern besser gleich zehn oder mehr unterschiedliche Hersteller sollten es sein, denn ich muß, um wirklich günstig an Produkte ranzukommen, Auswahl haben.
Eine kleine Auswahl meiner persönlichen Favoriten:
Kiton, Brioni, Gieves & Hawkes, Andersen & Sheppard, Richard James, Huntsman, Hardy Amies, Boss Selection (!), Regent, Baldessarini, Corneliani, Ermenegildo Zegna.)
Die Liste hat keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit – und bei einigen der Anbieter gibt es Fallstricke. So hat Richard James auch für Marks & Spencers Anzüge entworfen, die auf eBay natürlich als Richard James angepriesen werden. Baldessarini wiederum fertigte phantastische Anzüge (die keiner kaufen wollte), als sie noch bei Hugo Boss waren, während die heutige Qualität deutlich nachgelassen hat. Ermenegildo Zegno ist nicht nur Hersteller von Anzügen, sondern auch rein von Stoffen – und viele einfach verarbeitete Anzüge, die aus Zegna-Stoffen sind, werden bei eBay angeboten als: Ermenegildo Zegna.
Abgesehen von diesem Problem gibt es gerade bei den bekannten Marken noch das Problem der Fälschungen. Vor allem bei Kiton und Brioni sollten wir eine gewisse Vorsicht walten lassen. Wenn ich bei tausenden von negativen Bewertungen auch nur eine finde, die von einer Fälschung spricht, lasse ich lieber die Finger von der Auktion.
Nun haben wir also: Eine Liste möglicher Anbieter, das Wissen um mögliche Tücken im Kopf – was fehlt noch? Genau: Geduld. Viel Geduld. Legen Sie sich gespeicherte Suchen für Ihre Vorlieben und für Ihre Größe an. Gucken Sie sich neben dem Angebot aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vor allem auch das der Engländer an!
Dann notieren Sie sich einen Preis, den Sie bereit sind, für den Anzug auszugeben (Faustregel: 5 – 10% des Neupreises). Und dann tippen Sie diese Werte in automatische Bietagenten wie myiBidder.com! Bieten Sie nicht direkt bei eBay, sonst passiert es zu leicht, daß Sie vom Auktionsfieber gepackt werden (siehe dazu eine der tausenden eBay-Hilfewebsites).
Und zu guter Letzt: Suchen Sie sich einen richtig, richtig, richtig, richtig, (…) richtig guten Änderungsschneider. Denn der macht aus einem passabel geschnittenen Stück Stoff für meist recht wenig Geld den perfekten Anzug. Machen Sie sich frei von der Vorstellung, ein Anzug müsse passen, wenn er Ihnen geliefert wird! In den meisten Fällen wird er an Ihnen herunterhängen wie ein Sack. Zu “Ihrem” Anzug wird er erst durch den Schneider.
Kalkulieren Sie also das Geld ein, das Sie bei einem Schneider für die Änderung bezahlen müssen. Das können auch gerne 100 Euro werden, wenn viel zu tun ist (Ärmel kürzen und verschlanken, Schulterpolster verkleinern, taillieren, Bundweite der Hose ändern, Hosenbeine kürzen, Schritt nach oben korrigieren – um mal die üblichen Schritte zu nennen, die bei meinen Käufen gemacht werden).
Und bitte achten Sie vor dem Kauf auf Mottenlöcher: Löcher zu stopfen ist weitaus schwieriger, als man annimmt. Ganz im Gegensatz zu den unzähligen Änderungen, von denen der Laie annimmt, man könne sie an einem fertigen Anzug gar nicht mehr vornehmen. Die dann aber für 20 Euro zu haben sind.
Und wenn ich Ihnen einen Tip für Ihre Garderobe geben darf: Kaufen Sie zunächst einmal einen dunkelblauen Anzug. Der paßt zu nahezu allen Anlässen. Für den Beruf auch einen grauen. Nadel- oder Kreidegestreifte können zur Abwechslung später hinzukommen. Und lassen Sie die Finger von rein schwarzen Anzügen – es sei denn, Sie gehen wirklich zu einer Beerdigung. Ansonsten ist nachtblau oder navy stets die bessere Wahl.





