Damals war alles noch Freeware...

Kennen Sie den „Grundrissmaker” von „Sachs Marketing”? Das ist eine Software, die lange Zeit als Freeware im Netz herumlag. Sie war laut Anwenderberichten selbst geschenkt noch zu teuer. Aber gut, der Ärger um eine verlorene Stunde ist ja nicht so schlimm, immerhin hat man wenigstens kein Geld dafür ausgegeben. Dachte sich wohl auch der Blogger, Photograph und Journalist Marco Maas.

Bis, ja bis eines Tages die Firma Sachsmarketing auf die Idee kam, mit den vielen, vielen E-Mail-Adressen, die bei ihnen herumlagen, ein Geschäft zu machen.

Also setzte man ein besonders bedrohlich wirkendes Schreiben auf, das man an die ganzen zur Registrierung der „Freeware” benötigten Mailadressen verschickte und in dem man zu einer Zahlung eines Phantasiebetrages aufruft. Inklusive falscher Mehrwehrtsteuer, unsinnigen Mahngebühren und so weiter. Das Perfide an der Geschichte: Der Betrag ist gering. So gering, daß es sich immer noch lohnt, wenn ein paar Tausend Menschen diesen Betrag bezahlen, aber für den Einzelnen nicht hoch. Viele werden also einfach bezahlen, weil sie Sorge vor dem Rechtsweg haben.

letzte aussergerichtliche Mahnung
sicher ist Ihnen entgangen die Rechnung(en)/Mahnung(en) zu begleichen. Wir fordern Sie hiermit letztmalig auf, den Rechnungsbetrag auf das unten genannte Konto zu ueberweisen. Sollten Sie die Zahlung inzwischen geleistet haben, prüfen Sie bitte, ob Sie als Verwendungszweck entweder Kundennummer oder Rechnungsnummer angegeben haben und betrachten Sie bitte die Mahnung als gegenstandslos. Als Anlage Ihre Mahnung/Rechnung im pdf-Format zum Ausdruck für Ihre Unterlagen. Sollten Ihre Angaben unvollständig oder falsch sein, können wir Ihnen auf Anfrage gegen Kostenerstattung von 5 Euro eine Korrekturrechnung zusenden.

Marco bezahlte nicht, informierte sich bei Gutefragen.de und antwortete entsprechend (siehe verlinkter Blogeintrag). Und erhielt dann, Jahre später, nämlich jetzt: Eine Unterlassungserklärung:

hiermit fordern wir Sie auf, die unrichtigen und verläumderischen Einträge zum Thema Grundrissmaker/Sachsmarketing vom 06.01.2008 und folgende zu löschen. Weitere Infos zum Thema erhalten Sie von Staatsanwaltschaft XY

Es ist ein Fall von vielen; das Internet lockt eben nicht nur ehrliche Menschen an. Interessant ist dieser Fall aber schon deswegen, weil er bis jetzt schon so gut dokumentiert ist, und vor allem aber auch, weil es mit Marco endlich einmal jemanden „erwischt” hat, der die Eier in der Hose hat, gegen solche Unternehmen auch tatsächlich den Rechtsweg zu beschreiten. Udo Vetter hat sich bereits des Themas angenommen, in der ihm üblichen, süffisanten Art.

Abgesehen von den juristischen Implikationen sind nun sowohl Produkt- als auch Firmenname dank Google für all diejenigen, die unbedarft nach einem Stück Software suchen, gebührend als potentielle Betrüger entlarvt. Darauf verlassen, daß nun weitere Personen aus Angst die, äh, Schutzgebühr bezahlen, sollte sich nun der gute Mann nicht.

Die URL Grundrissmaker.de ist übrigens mittlerweile bei den einschlägigen Sites als Malware gelistet. Und bei Gutefrage.net ist der ganze Vorfall von vielen, vielen Beteiligten ebenfalls wundervoll dokumentiert. Und bleibt es wohl auch.

Wie Sie ja wissen, konnte ich mich nie so recht mit der Linken anfreunden. Das heißt aber nicht, daß ich nicht auf diese in meinen Augen wichtige Veranstaltung hinweisen kann. Ich werde selbst ebenfalls daran teilnehmen, natürlich in der Yuppie-Variante des Schwarzer-Block-Outfits: Schwarzer Armanianzug, schwarzes Prada-Hemd, schwarze Church’s, schwarzer Lehndorff-Gürtel. Und der blitzenden Chromaxt auf der Schulter.

Am 13.12. soll Claude Lanzmanns Film „Warum Israel” aufgeführt werden. Wie Sie sicher noch wissen, wurde die vorige Vorstellung von einigen Nazis verhindert, die „Judenschweine” und ähnliches gebrüllt haben und potentielle Besucher angegriffen haben.

Leider scheint es mittlerweile wirklich wieder soweit zu sein in Deutschland, daß wir den Anfängen wehren müssen. Antisemitische Parolen haben nichts, aber auch gar nichts in einer Stadt wie Hamburg zu suchen. Dabei ist es mir auch scheißegal, aus welch hehren Motiven man glaubt, Juden hassen zu dürfen.

vom @schriftstehler

Wenn der Schriftstehler einlädt, an einer Veranstaltung teilzunehmen, die er mitgestaltet, moderiert oder einfach nur gut findet, dann sollte man das tunlichst tun. Nicht nur der albernen Alliteration wegen, sondern vor allem, weil es dann meist ein kurzweiliger Abend wird, selbst wenn einem das Thema bisher noch gar nicht so spannend vorkam.

Gestern ging es also Poetry Slam. OK, ich halte das an sich für moderat interessant, aber andererseits bin ich neugierig. Und meine Exkollegin F. auch, so daß wir um ziemlich genau 2000h an den Kammerspielen stehen und uns einen Tisch suchen. Da wir uns direkt neben dem Eingang zum Rückzugsraum der Vortragenden aufhalten, werden wir wohl für Mitorganisatoren gehalten, vielleicht lag es auch an meinem marineblauen Pullover von Armani, oder am strahlenden Lächeln meiner Exkollegin F., aber eine junge, attraktive Dame mit wundervoll verrauchter Stimme und roten Haaren schüttelt uns die Hand und stellt sich artig vor als: Heidi. Daß sie eine der Vortragenden ist, werde ich erst in Kürze erfahren.

Während der ersten beiden Paarungen votieren wir stets für den unterlegenen Künstler (verdammt, es geht hier nicht nur um Humor, sondern auch um Sprechtechnik, um Gesamteindruck, um Kunst, verdammte scheiße!), liegen immerhin bei der Entscheidung für die vorher getroffene Künstlerin richtig, und erwarten dann den Auftritt eines schönen Szenetypen. Und der legt dann auch ordentlich los: Zu einem völlig unbedeutenden Thema, nämlich der verklausulierten Aussage, daß er neidisch auf erfolgreichere Künstler ist, redet er sich dermaßen in Rage, daß ich nicht umhin kann, ihn für einen kurzen Moment sympathisch zu finden: früher dachte ich immer, ich sei der einzige Mensch auf der Welt, der sich über Nichtigkeiten aufregen kann.

Nachdem er also seine selbstgerechte Litanei heruntergebrüllt hat, tritt ein anderer Mensch auf die Bühne, und automatisch wählen wir diesen. Natürlich erfolglos.

Ein weiterer Schlagabtausch wird zur Tragödie: Ein großartiger Künstler beginnt mit einem Zweizeiler, steigert sich mit einem ebenfalls kurzen, aber perfekt vorgetragenen Gedicht bis kurz vor den Sieg – und verschenkt alles, indem er eine Selbstbeweihräucherung des Künstlers an sich herunterbetet, die alles zunichte macht. Konsequenterweise fliegt er in der ersten Runde raus.

Und dann die alles entscheidende Schlacht: Heidi vs. selbstgerechter Schreihals. Sie beginnt. Und sie beweist, daß sie nicht nur in ihren Texten selbst mit dem Tempo umgehen kann, auch die Steigerung gegenüber ihrem ersten Text ist deutlich und läßt mich gespannt aufs Finale warten.

Aber davor steht der Egomane. Er zieht alle Register: Primitive Beschimpfungen aller Menschen, die Arbeit haben, herausgebrüllte Hasstiraden gegen jeden Geschmack, der nicht sein eigener ist, konformistischer Nonkonformismus und Preisen der Pisse als besonders authentisches Berlin-Statement.

Es kommt, wie es kommen muß: Er gewinnt. Wir gehen. Wir müssen ja am nächsten Tag arbeiten.

Edit:
Ich habe natürlich den wahren Höhepunkt des Abends verschwiegen: Der außer Konkurrenz laufende Viktor, der vor allem mit seiner Abhandlung über die Unterhaltungstechniken von Frauen für mich persönlich der Sieger des Abends hätte sein sollen.

„Sie Idiot!” steht in der Betreffzeile der E-Mail, und ich bin geneigt, dem zuzustimmen. Die Mail ist nämlich von meiner Exkollegin F., die mir als Anhang einen Screenshot meiner blödesten Tweets schickt.

Die einzig denkbare Reaktion für jemanden, der stets cool bleibt, auch in extremen Streßsituationen: Ich schalte erstmal panisch alle meine Web2.0-Dinge offline. Und überlege, wie ich nun vorgehen sollte. Erste Reaktion: Ich laß mir von diesem Internet-Ding nicht in mein Liebesleben hineinpfuschen. Dann, beim Nachdenken: Es ist ja nicht das Internet, es sind einfach die Gedanken, die ich halt auf dem einen oder anderen Kanal rauslassen muß. Diese Dinge sind ja auch nie so richtig ernstgemeint. Aber wie zum Teufel soll man das beim Lesen erkennen? Ich selbst kann nicht mehr 100%ig erkennen, welcher Teil älterer Storys nun einen echten Hintergrund hat und welcher frei erfunden ist. Die Figur des German Psychos war ja anfangs mal als reines Kunstprodukt angelegt, hat sich aber mehr und mehr mit meinem echten Leben überschnitten.

Einen Entwicklungsprozeß erkennt der Leser auch, aber auch nur, wenn er chronologisch mitgelesen hat. Nicht, wenn er neu hinzukommt und bei den aktuellen Einträgen beginnt, dann nach und nach die älteren liest. Dann findet nicht nur keine Entwicklung statt, sondern im Gegenteil: die Person wird immer unreflektierter.

All diese Dinge mögen meiner Exkollegin F. durch den Kopf gegangen sein, als sie unser kleines Psychopathenblögchen las. Und glauben Sie mir, es war nicht leicht für mich, meine eigenen Texte zu lesen und zu verstehen, was ich damit damals gemeint habe.

Ich stelle auch fest, daß mein Blog mittlerweile fast nur noch politische Aufsätze beinhaltet. Und die gehörten, machen wir uns nichts vor, nie zu den stärksten Artikeln hier. Da ich aber nun nicht der Freund groß angekündigter Veränderungen bin, die ich anschließend vielleicht doch nicht umsetze, ziehe ich daraus keine Schlußfolgerung, kein neues Wissen wird aus diesen Informationen extrahiert. Oh, ich schweife schon wieder ab. Immerhin: das geht schon wieder ganz gut.

Meine Exkollegin F. und ich jedenfalls lassen am Ende der Diskussion das Blog Blog sein und fassen den einzig vernünftigen Beschluß: Wir folgen uns nun gegenseitig auf Twitter. Bringt immerhin jeweils einen weiteren Follower.

Bevor Sie fragen: Nein, ihren Twitternamen verrate ich nicht. Das muß sie schon selbst tun.

Und nun entschuldigen Sie bitte die lange Pause hier. The show might go on.

Gegen alles!

Immer wieder lese ich davon, daß Landsleute von mir entführt werden. Sei es in der ägyptischen Wüste, vor der Küste Somalias oder in den Bergen Afghanistans. Es ist müßig, sich darüber Gedanken zu machen, ob es feige oder mitfühlend war, den Grundsatz „keine Geschäfte mit Terroristen” aufzugeben, de facto sind wir mittlerweile bekannt dafür, daß mit unseren Geiseln ordentlich Kohle zu machen ist. Nicht nur das: Spätestens seit der abgeblasenen Militäraktion gegen die somalischen Piraten weiß nun auch ein jeder Entführer, daß er nicht unbedingt sein Leben riskiert, wenn er deutsche Staatsbürger entführt.

Es stellt sich natürlich die Frage, ob Lösegeld nun zwingend von der Gemeinschaft getragen werden muß. Nehmen wir mal als Beispiel eine Studienreise in den Irak. Das Auswärtige Amt tut ja, was es kann und warnt vor solchen Reisen. Aber mehr als Warnen kann es zunächst ja nicht. Die Studienreisenden aber sind Freunde des irakischen Volkes und sagen sich, daß sie das Schicksal auch in einer Großstadt wie Hamburg (Berlin zu erwähnen wäre in diesem Zusammenhang sicher kontraproduktiv; besser wäre aber vielleicht noch: New York) ereilen könnte. Nun werden sie aber dennoch von einigen Verbrechern entführt, die auch leider nicht gut genug Deutsch sprechen, um ihnen zu erklären, daß sie gerade Freunde des irakischen Volkes entführen. Vermutlich wäre es ihnen auch egal, denn sie möchten ja auch nur Geld für ihre Familien und die Dorfgemeinschaft erpressen.

Nun verhandelt also der deutsche Staat mit diesen Entführern, wägt die Risiken eines möglichen Befreiungsversuches ab und kommt zu dem Schluß: Absolute Sicherheit, daß unsere Studienreise wieder unversehrt zurückkehrt, gibt es nur, wenn man Lösegeld bezahlt.

Und die anderen Bürger fragen sich: „Wieso muß ich eigentlich, der ich vielleicht alle vier Jahre mal an die Ostsee fahren kann, weil ich es mir einfach nicht leisten kann, mit meiner Familie so entfernte Orte wie den Irak zu bereisen, wieso muß ich also auch das Lösegeld bezahlen?”

So völlig unberechtigt ist die Frage nicht: Wieso soll die Gemeinschaft dafür bezahlen, daß einzelne Menschen sich über alle Sicherheitsbedenken hinwegsetzen? Wenn diese Menschen mit ihrem Leben spielten, weil es klar ist, daß der deutsche Staat nicht mit Terroristen verhandelt, so wäre dieses Risiko ihr eigenes. So aber ist es das Risiko der anderen Bürger.

Wie also kann dieses Problem gelöst werden? Die Variante, die unserer Staatsgläubigkeit am nächsten käme, wäre wohl: Die Listen des Auswärtigen Amtes verbindlich machen. Nicht mehr nur Vorschläge, sondern konkret: Ausreiseverbote. Oder noch besser: Für Reisen ins Ausland ist ein Antrag zu stellen, den das Auswärtige Amt nach Sichtung der Gefahrenlage positiv oder negativ bescheiden wird.

Das klingt zu sehr nach DDR? Natürlich! Die DDR hielt ja auch das Ideal der „sozialen Gerechtigkeit” hoch. Und zwar so hoch, daß Themen wie Freiheit dabei vernachlässigbar waren. Wenn unser Staat also so fürsorglich sein will, daß er Terroristen lieber Geld bezahlt, anstatt das zu tun, was man gemeinhin in solchen Fällen zu tun pflegte, dann muß er konsequenterweise auch einfordern, daß seine behüteten Bürger sich seinem weisen Ratschluß beugen.

Wenn doch nur ein Menschenleben dadurch gerettet werden kann…

der arme Berater

der arme Berater

In der Nacht wälze ich mich unruhig von einer Seite auf die andere. Ich schlafe kaum. In meinem Kopf schwirren die ganzen unsinnigen Gedanken herum, die ich von der Arbeit mit nach Hause nehmen mußte. Es ist aber auch wirklich so, daß die letzten Tage die schlimmsten in meinem bisherigen Arbeitsleben waren.

Ich liege wieder im Gästezimmer, weil ich das häufiger tue, wenn ich allein zuhause bin, manchmal auch, wenn ich nicht alleine bin. Normalerweise wache ich in diesem Zimmer von ganz alleine auf, sobald es draußen heller wird. Für heute habe ich mir ausnahmsweise mal einen Wecker gestellt, den ich auch dringend brauche: Um 0800h bin ich nämlich erst seit wenigen Stunden eingeschlafen. Mißmutig gehe ich ins Bad, beginne das Morgenritual. Fahre die dafür viel zu kurze Strecke zur Arbeit. An die vor mir liegende Besprechung denke ich. Daran, daß der Kunde zu Recht verärgert ist. An die unangenehmen Vier-Augen-Gespräche mit Chef und Mitarbeitern.

Als ich aus dem Parkhaus trete, sehe ich in einem kleinen Café zwei Menschen einander gegenüber sitzen. Eine ältere Dame, die ihrem offensichtlich geistig behinderten Sohn den Mund abwischt.

Und da fällt mir erst wieder auf, wie merkwürdig unser Hirn doch reagiert: Wenn ich mir meine beiden Horrortage mal vergegenwärtige, dann sollte ich eigentlich mit debilen Grinsen im Gesicht durch die Gegend laufen: Für eine ganze Menge Menschen sähre der Tag nämlich ganz anders aus:

Die Nacht verbringe ich nicht auf der stinkenden Straße, sondern in einem äußerst komfortablen Bett in einer gut beheizten Wohnung. Ich habe wenig geschlafen, weil mich all die tollen Unterhaltungselektronikgeräte, die ich früher nur aus Anzeigen der Zeitungen kannte, mit denen ich mich zudeckte. In den letzten Tagen hatte ich zudem endlich einmal wieder das erhebende Gefühl, im Job wirklich gebraucht zu werden. Ich war kein Rädchen im Getriebe, sondern mußte tatsächlich Entscheidungen treffen, konnte durch meine Arbeit dafür sorgen, daß ein Unternehmen die Produktion wieder aufnehmen konnte.

Aus lauter Dekadenz schlafe ich im Gästezimmer, das allein schon besser ausgestattet ist als die Wohnungen, die ich früher mal hatte. Ich verschlafe ein wenig, lasse mich von den morgendlichen Sonnenstrahlen wecken. Und begreife auch, was für eine großartige Arbeitsstelle ich habe: Wenn ich eine halbe Stunde zu spät komme, wird mir nichts vom Gehalt abgezogen, ich bekomme höchstens mal einen blöden Spruch zu hören. Ich beginne mit einer ausgiebigen Körperreinigung unter der heißen Dusche. Welch ein Luxus, meinen Körper mit verschiedenen Cremes und Seifen einzureiben, einen der schönen Anzüge aus dem großen Schrank zu nehmen. Mit meiner Lieblingsmusik fahre ich in einem großen, neuen Auto zur Firma, muß mich nicht um Parkplätze kümmern, weil ich stets Tiefgaragenplätze zur Verfügung habe.

Und ich freue mich darauf, wieder die Kollegen zu treffen, mit denen ich mich auch abseits der Arbeit gut unterhalten kann, freue mich darauf, Probleme lösen zu dürfen. Ohne einen Gedanken daran verschwenden zu müssen, ob ich mir etwas zu essen leisten kann.

„Man könnte sich ja mal wieder auf ein Bier treffen,” meint die Exkollegin F. betont lässig, und ebenso locker antworte ich ihr, daß ich mal meinen Terminkalender befragen müsse, aber grundsätzlich auch nicht abgeneigt sei.

Einen Tag später stehe ich leicht fahrig vor ihrer Wohnung, um sie abzuholen. Sie kommt mir entgegen. Ihr Aufzug ist atemberaubend: ein schlichter, knapper Rock in beige, dazu eine moderne, taillierte Bluse mit tiefem Ausschnitt. Gekonnt lässig begrüße ich sie mit einem „äh, äh, äh, also, hallo.”

Wenige Stunden später. Wir sitzen in einer Lesung einer unterhaltsamen Truppe, die über alle möglichen Menschen lästert. Also ein konsensfähiges Thema. Dennoch bin ich ziemlich abgelenkt. Ich habe mir von ihr ja nun diverse Absagen abgeholt, insgesamt drei. Warum ich immer noch mit ihr ausgehe? Ich weiß es nicht. Aus irgendeinem Grunde habe ich das Gefühl, es wäre nur eine Frage der Zeit, bis wir zusammenkommen.

Pause. Untergehakt laufen wir nach draußen, verlieren ungefähr zwanzig Sekunden mit Reden, bevor wir uns küssen.

Diese Begegnung ist nun ungefähr drei Wochen her. So genau weiß ich das auch nicht mehr. Aber die Soap, die wir über die letzten zwei Jahre (größtenteils im Blog dokumentiert) abgezogen haben, ist somit (vorerst) vorbei.

Das neue Guido-Mobil?

Das neue Guido-Mobil?

Alle Menschen, die ich kenne, sprechen davon, daß die SPD eine große Niederlage erlitten habe. Und natürlich sieht das auf den ersten Blick auch so aus: Keine Regierungsverantwortung, ein kümmerliches Zweitstimmenergebnis, links und rechts bedroht von Gegnern und Freunden.

Aber ist es wirklich so, daß die Sozialdemokratie in Deutschland ein Problem hat? Ich glaube, das genaue Gegenteil ist der Fall. Die SPD hat nicht so wenig Stimmen erhalten, weil es mit sozialdemokratischen Überzeugungen in Deutschland nicht weit her ist. Wäre dem so, dann hätte die FDP noch viel mehr Stimmen erhalten. Denn, und hier kommen wir zu dem Punkt, der viele vergessen: Die FDP ist die einzige Partei, die eben keine sozialdemokratischen Überzeugungen hat.

Fangen wir bei der LINKEN an: Gut, natürlich betrachte ich die LINKE an sich sehr skeptisch, muß aber auch zugeben, daß sie wohl nicht zu denjenigen gehört, die als erstes einen Schießbefehl einführen und einen Zaun um Deutschland bauen würden. Sie mögen sehr linke Überzeugungen haben, stellen aber vermutlich die Demokratie an sich nicht in Frage. Ja, ab und an versteigt sich sogar ein LINKER zu der Behauptung, daß er ja nicht einmal die Staatswirtschaft wieder einführen wolle. Also ist die LINKE: de facto sozialdemokratisch.

Die GRÜNEN sind zwar mittlerweile eine bürgerliche Partei geworden, die auch einige liberale Ansätze vertritt, aber sie gehört sowohl programmatisch als auch von der Selbsteinschätzung her zum linken Lager. Und da auch die GRÜNEN nicht die Demokratie und die Marktwirtschaft abschaffen wollen, darf man ihr mit gutem Gewissen sozialdemokratische Grundwerte unterstellen.

Bleibt die CDU. Früher eine explizit christilich orientierte und wertkonservative Partei, ist sie mittlerweile von der SPD kaum noch zu unterscheiden. Die Umwandlung begann unter Kohl, der in seiner 16jährigen Amtszeit konsequent auf ALLE Arten von Aktivität verzichtete. Nach dem Sieg der SPD unter Schröder hat die CDU deutlich mehr gelernt als die SPD: Sie erkannte, daß man außerhalb der eigenen Klientel die Mitte abgreifen muß. So, wie das Schröder hervorragend gelungen war. Und während die SPD versuchte, ihr „Profil zu schärfen”, also mit leicht klassenkämpferisch angehauchten Sprüchen Stimmen zu gewinnen, wurde aus der CDU die frühere SPD. Kein Gedanke mehr daran, das grunlegende Prinzip der Umverteilung in frage zu stellen. Wenn ein Herr Erhard noch wetterte, daß nur sozial sei, was Arbeit schaffe, setzt Merkel die gleichen Prioritäten wie sie die SPD immer setzte: Gleichheit vor Freiheit.

Das Problem der SPD ist also nur, daß sie viel zu erfolgreich ihre Standpunkte in andere Parteien injiziert hat. Sie verliert deswegen an Stimmen, weil ihre Grundwerte mittlerweile (fast) gesellschaftlicher Konsens sind. Sie verliert, weil sie gewonnen hat.

Politikersprache

So langsam bin ich ja doch etwas verwundert. Ich persönlich glaubte ja tatsächlich, daß wir in unserem Lande erst einmal Pause machten mit dem Antisemitismus. Ich dachte wirklich, in Deutschland zumindest ist das Thema durch. Unsere Politiker beteuern das ja auch immer wieder, wenn sie mal in Israel sprechen dürfen.

Nur: Wenn ich mir ein paar Zeitungsmeldungen der letzten Wochen so ansehe, dann komme ich doch ins Grübeln. Horst Köhler, der bisher eigentlich recht kompetent und gründlich erschien, ehrt kurz nacheinander zwei verdiente Israelhasser und Antisemiten. Gut, beim ersten Mal kann das ja passieren: Google ist bekanntlich jünger als Köhler, und die zehn Sekunden, die man benötigt, um Frau Langers Gesinnung herauszufinden, mögen in einem präsidialen Zeitplaner nicht immer verfügbar sein.

Herr Köhler bedauerte dann ja auch die Ehrung, für die es aber immerhin mehr Grundlage gegeben haben muß als für deren Aberkennung. Vor allem aber, und das ist nun mit Versehen oder mangelnder Recherche nicht mehr zu erklären, gibt es offenbar genügend Grundlagen für eine Auszeichnung eines weiteren Antisemiten. Über die Aussagen dieses Romanschreibers gibt es ja an anderer Stelle mehr zu lesen, aber wer über Israel sagt, „Der Untergang dieses verächtlichen Apartheidsystems ist das einzig denkbare Resultat, da es notwendig ist”, der muß sich rhetorisch auf jeden Fall mit dem Autobahnbauer aus Braunau messen lassen.

Gut, so ist also der Präsident unseres Landes dem Antisemitismus näher, als mir lieb ist. Aber das heißt ja nicht gleich, daß die Polizei gegen israelfreundliche Demonstranten vorgeht. Oder israelische Flaggen gewaltsam aus Wohnungen räumt.

Und solange das so ist, müssen wir uns ja auch keine Gedanken machen.

Hier fängt Gewalt bereits an: Handtasche der Fetischmarke „Devota”

Hier fängt Gewalt bereits an: Handtasche der Fetischmarke „Devota”

Ich habe es ja immer schon vermutet: Das Schlafzimmer darf nicht länger ein rechtsfreier Raum sein! Ich meine, mal unter uns: Was wissen wir denn, was unsere Mitmenschen so hinter den zugezogenen Gardinen für riskante Dinge tun? Wer weiß, vielleicht wird dort Analverkehr praktiziert? Oder es betreiben gar Homosexuelle ihre gleichgeschlechtlichen Phantasien, wenn sie sich unbeobachtet fühlen? Dort werden außerdem Kinder mißbraucht und Persönlichkeitsstörungen, beispielsweise die masochistische, ausgelebt.

Natürlich höre ich da wieder diese Neoliberalen, die meinen, man müsse den Menschen ihre sogenannte Freiheit lassen. Aber wieso denn? Wenn doch nur ein Kind davor gerettet werden kann, Opfer dieser homosexuellen Masochisten zu werden, dann ist es doch wohl ein kleiner Preis, mal die Schlafzimmerfenster offen zu lassen, oder? Wer normalen Geschlechtsverkehr betreibt, bei dem übrigens auch ab und an mal die Frau oben liegen darf, der hat doch nichts zu befürchten.

Wir müssen uns aber schon wehren, vor allem gegen diese furchtbar perfiden Masochisten, die nämlich prädestiniert dafür sind, Amok zu laufen. Persönlichkeitsstörungen sind nunmal ein heikles Thema. Es ist bekannt, daß sämtliche dieser Störungen dazu führen, daß Menschen zu Killermaschinen werden. Vielleicht sogar Killerspiele konsumieren oder gar herausbringen. Sexuelle Perversionen sind selten; denn wie uns allen ja klar ist, gibt es ausreichend Möglichkeiten, sich auf normale Weise mit dem korrekten (dem anderen!) Geschlecht zu vergnügen, so daß diese Pseudo-Freiheit, grenzenlose Geschmacklosigkeiten zu begehen, nur weil man unbeobachtet ist, wohl kaum vom Grundgesetz gedeckt sein kann. Oder glauben Sie ernsthaft, die Väter des Grundgesetzes zusammengesessen haben und meinten: „Also, wenn die sich Strapse anziehen und sich auspeitschen wollen, dann müssen wir das eben per Gesetz schützen”. Nein? Eben. Und kommen Sie mir nicht mit irgendwelchen diffus-allgemeinen Freiheitsbegriffen. Das Schlafzimmer kann eben nicht der Ort der Kriminalität und des Amoklaufs werden, nur weil irgendwelche Sex-Spinner da herumkrakeelen.

Wichtig ist es jetzt, daß jeder Bürger genau hinsieht: Welchen meiner Nachbarn, Bekannten oder Kollegen habe ich schon einmal in der Boutique Bizarre angetroffen? Wer verhält sich auffällig gegenüber Kindern, Männern oder Frauen, die älter, gleichalt oder jünger sind? Wer kauft auffällig viele Stricke und Wäscheklammern im Baumarkt? Melden Sie es! Denn nur so können Sie verhindern, daß auch IHR KIND demnächst einem dieser homosexuellen Masochisten zum Opfer fällt.

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