Matt hat die zündende Idee, wie ich den Sonnabend, den ich bisher schon sehr erfolgreich mit Herumgammeln, Sport und Einkaufen (Hugo-Freizeitanzug, T-Shirts, Hemden) begonnen habe, nun zu einem würdigen Abschluß bringen kann. Die großartige Tish spielt in einem Café in Hamburg. Zwar nur vor der eigentlichen Gruppe, die aus mexikanischen Mariachi besteht, aber ihr zu lauschen ist immer wieder ein Hochgenuß.

Also werfe ich mich in meinen soeben neuerweorbenen Hugo-Anzug (schwarz, leicht schimmernd, ich befürchte einen Synthetikanteil von mindestens 20%), ziehe mir anschließend, so schwer das auch fällt, ein hellgraues T-Shirt mit Totenkopfmotiv darunter, bekleide meine Füße mit Loafern aus Pferdeleder (Dinckelacker) und streife meine Revue-Thomen-Fliegeruhr übers Handgelenk.

Und treffe vor allen anderen ein. Nur der sehr gelangweilte Kellner, in der typischen Uniform (schwarze Hose, schwarze Weste, ockerfarbenes Hemd) ist anzutreffen. Er erläutert mir äußerst gelangweilt, was heute hier geboten wird. Ich höre ihm nicht zu und drücke ihm einen Zehner in die Hand, was ihn offensichtlich zufriedenstellt. Das mir angebotene Cocktail-Surrogat stelle ich auf draußen ab, ohne es vorher zu probieren. Ich weiß, wie es schmecken würde, und genau diesen Geschmack beschreibe ich allen, die es hören wollen. Oder nicht schnell genug „aufhören, aufhören” brüllen.

Dann, nach einer gefühlten Stunde, aber nur realen zehn Minuten: Matt und Mrs. Columbo erscheinen. Ich beginne, mich besser zu fühlen. Tish ist natürlich mal wieder großartig, ganz im Gegensatz zu der mexikanischen Kombo, die das übliche Geplärre von sich gibt, was man solchen Bands eben zutraut.

Interessanterweise steht eine mexikanisch gekleidete Deutsche mit gefärbtem Haar neben der Gruppe und tut – nichts. Sie singt nicht, sie tanzt nicht, sie spielt kein Instrument. Sie ist einfach nur da. Und hässlich. Matt hat die einzig plausible Theorie für ihr Verhalten parat: Sie ist nur präsent, um den Trompeter (später widerspricht Matt sich und bringt den Gitarristen ins Spiel) davon abzuhalten, die in der Tat recht hübsche Geigerin zu verführen. Da mir keine bessere Begründung einfällt, nehme ich das einfach so hin. Aber die Musik geht mir dennoch auf die Nerven.

Ich stehe draußen und rauche. Matt kommt hinzu. Ich erwähne, daß alle Bandmitglieder keinerlei Arsch besäßen, er guckt hin und stimmt zu. Außerdem klärt er mich darüber auf, daß auch die Frontseite nicht besser bestückt sei. Als wir wieder hineingehen, kann ich dementsprechend den Musikern nur noch in den Schritt gucken, was irgendwie auch irritierend ist.

Also nach draußen. Telephonieren. Die Kieler Woche scheint ähnlich scheiße zu sein. Obwohl man da immerhin die Texte versteht. Was nicht immer gut ist.

Recht früh trete ich den Heimweg an. Ich überlege mir noch, in eine schlechte Kneipe zu gehen, um dort mit polnischen Bedienungen herumzuflirten, besinne mich dann aber doch eines besseren und fahre mit dem nächstbesten Taxi nach Hause.

Denn dort wartet GTA IV auf mich.