Die drei Herren von der Werbeagentur sitzen vor mir, aufgereiht wie die Hühner auf der Stange. Sie erfreuen sich an den schönen Standardformulierungen ihres Chefs. Dieser wird nicht müde, von „Order Mufti” zu sprechen und auch ansonsten Platitüde an Platitüde zu reihen. Die wenigen Sekunden, die er benötigt, um Luft zu holen, füllt mein Kollege mit mißglückten Satzfragmenten wie „muß man harvesten, hmm-mm.”

Ich stiere vor mich hin, schaue mir die bunte Truppe an. Eine besonders erfolgreiche Agentur kann es nicht sein. Billige Karosakkos, Lee-Jeans, ausgewaschene Pullis. Das ist nicht einmal der viel beschworene Schanzen-Look, bei dem alles billig aussehen, aber teuer eingekauft werden muß. Aber unser Budget ist vermutlich ebenso klein wie deren Kleidungspauschale.

Nach einigen Minuten, die mir wie Stunden vorkommen, bin ich geistig weit weg, nämlich auf Mallorca, am Pool, mit einem Gin Tonic in der Hand und einer exotischen Frau im Arm. Während sie mir in meinen Gedanken noch den Nacken krault, werde ich jäh in die Wirklichkeit zurückgerissen: „Kannst Du wohl dieses Online-Ding mal erklären?”

Ich bin vorbereitet, also spule ich schnell meinen Text ab, ohne darauf zu achten, ob mich jemand versteht. Sie können ja zwischendurch fragen. Oder mich bremsen. Fünf Minuten später bin ich fertig. Ich habe ihnen alles beigebracht, was ich über das Internet weiß. Was soll ich auch irgendjemandem irgendetwas vormachen? Das ist alles so banal, daß es eigentlich als Allgemeinbildung durchgeht.

Es kommen keine Nachfragen, jedenfalls keine, die man als solche bezeichnen kann. Und keine, deren Beantwortung ich ernsthaft in Erwägung ziehe. Nur die generischen Pseudofragen werden an mich gerichtet, die von der Art, die man stellt, um Interesse zu heucheln. Zwischendurch noch ein paar Zusammenfassungen, die völlig am Sinn der Diskussion vorbeigehen.

„Gutes Meeting,” resümmiere ich dann lange vorm geplanten Ende der Besprechung. Ich stehe auf, greife mir das Armani-Jackett, rücke den Knoten meiner Hermès-Krawatte zurecht und verlasse den Raum, nicht ohne jedem Anwesenden, Kollegen inklusive, die Hand zu schütteln. Höflichkeit muß sein.

Der Chef kommt fünf Minuten später in mein Büro: „Das war jetzt mal wirklich produktiv.”