Beim Rauchen sehe ich mir gerne das Bürogebäude gegenüber an. Ich weiß nicht, was für ein Unternehmen dort angesiedelt ist, aber es ist mit Sicherheit keine Werbeagentur, keine Unternehmensberatung, kurz: nichts, was unbedingt hip sein möchte.

Ich sehe mir den Manager an, der nur einen Molotowcocktail-Wurf entfernt sitzt. Er dürfte in etwa in meiner Position arbeiten. Aber was für ein Unterschied: Er trägt jeden Tag Anzug, stets mit Krawatte. Und fast immer mit blauem Hemd, nur manchmal, da trägt er weiß, ich nehme an, er tut es immer dann, wenn Kunden oder Vorstände zu Besuch sind.

Jetzt sitzt er da, in seinem schwarzen, schweren Ledersessel, eine Pfeife in der einen Hand, eine Zeitung in der anderen. Er saugt genüsslich den Rauch ein, läßt ihn langsam aus dem Mund gleiten, sinniert dem blauen Dunst hinterher. Dann greift er sich seine Zeitung, beginnt zu lesen.

Auf seinem Schreibtisch steht ein alter Rechner, vermutlich mit Windows 2000 als Betriebssystem. Die Tür zum Vorzimmer ist geschlossen, eine Sekretärin tippt dort munter vor sich her. Vor ihr liegt ein Diktiergerät, das ich auch schon in seiner Hand gesehen habe.

Kurz: Die Szene erinnert an den typischen Büroalltag, wie ich ihn als Kind bei meinem Vater erleben durfte, wenn ich ihn besuchte. Es gibt Hierarchien und Privilegien. Zeitungen und Pfeifen. Ledersessel und Zierpflanzen. Einen Rechner, der zur Arbeit nicht unbedingt nötig ist.

Ich vergleiche: Bei mir steht ein Schreibtisch in einem kahlen Raum, dafür liegt auf ihm ein MacBookPro. Das Telephon ist alt, es wird nicht so sehr gebraucht wie der Rechner. Eine Sekretärin kümmert sich nicht nur um mich, sondern auch um die Geschäftsführer und einen anderen Bereichsleiter. Vor der Tür, die natürlich stets offen sein muß, ist ein Großraumbüro mit ständig wechselner Sitzordnung, es ist laut, aber die Leute haben auch Spaß am Chaos. Mein Sessel ist aus Stoff. Mein Anzug besteht aus einer Stone-Island-Leinenhose und einem La-Martina-Polohemd. Läse ich während der Arbeitszeit Zeitung, erntete ich merkwürdige Blicke. Allerdings stört es niemanden, wenn ich parallel zu den ganzen beruflich notwendigen Websites auch Spiegel Online, die Welt, Heise, MacRumors und ein privates Blog geöffnet habe.

Und wenn ich mit Krawatte zur Arbeit erscheine, werde ich gefragt, ob wir Kundentermine haben.

Würde ich tauschen wollen? Nein, natürlich nicht. Aber es gibt ein paar Dinge, die in der alten Geschäftswelt gar nicht so schlecht waren. Vor allem natürlich die Ledersessel und die Raucherlaubnis.