Ich blättere eines dieser vielen Magazine durch, die sich mit Kommunikation befassen. Profis, möchte man meinen. Möchte ich meinen. Man soll ja nicht „man” schreiben. Noch weniger natürlich „frau”, weil das neben einer völlig verqueren Einstellung zu Gleichberechtigungsfragen auch noch erhebliche Mängel beim Sprachgefühl beweist.

Diese Profis jedenfalls versuchen etwas, das ich prinzipiell gut finde: Sie versuchen, einen technischen Begriff ins Deutsche zu übersetzen. Das ist zwar nicht unbedingt nötig, aber durchaus mal eine ganz gute Idee, weil ja in unserer Sprache kaum noch neue Ausdrücke erfunden werden, solange man (da! schon wieder!) ja einfach die englischen benutzen kann und dabei auch noch total, äh, hip klingt.

So macht sich also der Autor eines Artikels daran, den Begriff „Single Sign On” zu übersetzen. SSO bedeutet ja, daß der Benutzer sich nur einmal anmelden muß, beispielsweise beim Hochfahren des Rechners, und anschließend Zugriff auf alle Anwendungen hat, die er für seine Arbeit benötigt.

Der Autor aber beachtet lediglich die zu übersetzenden Wörter, eine Herangehensweise, die zu einer Vielzahl von Problemen in der heutigen Sprache geführt hat.

Er übersetzt also SSO mit: Einmalanmeldung.

Klingt erstmal ganz in Ordnung. Aber welche Assoziationen habe ich, wenn ich an Wörter denke, die mit „Einmal-” anfangen? „Einmalhandtuch”, „Einmalzahnbürste (oder auch „einmal Zahnbürste bitte). Also eigentlich ein Wegwerfprodukt.

Die Einmalanmeldung ist also eine Anmeldung, die für ein Mal gültig ist und dann weggeschmissen wird? SSO jedenfalls ist das Gegenteil davon.

Eindeutschen ist eben nicht ganz so einfach. Ich kann nicht einfach hergehen, und alle einzelnen Wörter eines englischen Satzes ins Deutsche übertragen. Und auch noch glauben, daß der Sinn erhalten bleibt.
„Der Wechsel zu einem dedizierten Bediensteten ist für den Benutzer transparent” ergibt, entschuldigung: macht, nämlich keinen Sinn. Das Wort „transparent” bedeutet (meint?), ähnlich wie im Beispiel der Einmalanwendung, in der englischen EDV-Sprache das Gegenteil dessen, was wir unter transparent verstehen. Englisch: „transparent for the user” = Vom Nutzer unbemerkt.

Und wenn dann ein Neusprechler mit einem Menschen kommuniziert, der die alte Bedeutung des Wortes versteht, dann redet man wunderbar aneinander vorbei.
„Wir können eine Einmalanwendung machen, transparent für den Benutzer.”
- „Herzlichen Dank, ich hätte es lieber, wenn meine Anwender sich nur einmal anmelden müssen und gar nicht merken, daß im Hintergrund ein Prozeß diese Anmeldung den anderen Anwendungen mitteilt.”
„Ja, das meine ich ja, der Benutzer realisert die Anmeldung gar nicht.”
- „Wer denn sonst?”