Verschleierungstakti

Verschleierungstaktik

Ein sehr lehrreiches Video über einen ziemlich mißglückten Sketch habe ich da eben gefunden. Es ist schon erstaunlich, was für ein Echo die angebliche Fehlübersetzung Ahmadinejads hierzulande erfahren hat. Gerade im Gegensatz zu den Reaktionen im, sagen wir mal, Iran: Dort hat sich niemand, Ahmadinejad eingeschlossen, über die Übersetzung „von der Landkarte tilgen” geärgert. Sie mag nämlich vom Wortlaut her leicht verändert sein, aber vom Sinn her meinte unser kleiner Irrer im Iran natürlich genau das.

Vielleicht ist es ja gar nicht so erstaunlich, daß sich auf einmal alle Menschen darüber aufregen, daß statt „Israel” „dieses jerusalemer Besatzungsregime” wurde, obwohl ich persönlich nun darin keinen Unterschied sehe, wenn ich mich in die Position des Iraners versetze. Und ob es nun „vom Blatt der Zeit ausradiert werden” sollte oder von der Landkarte, nun, das dürfte Iranern wie Israelis ziemlich egal sein, wenn es soweit kommt.

Aber die Reaktion ist eben nicht deswegen so heftig, weil inhaltlich etwas anderes gesagt wurde. Sie ist deswegen so heftig, weil eine große Welle der Erleichterung automatisch bei all denen eingesetzt hat, die sowieso nur hören, was sie hören wollen. „Das hadda ga nich gesacht! Alles Propaganda!”

Daß die angebliche Propaganda zwar dasselbe bedeutet wie die angeblich bessere Übersetzung, ist völlig egal. Man hat etwas, mit dem betont werden kann, daß alle Zionisten und Betonköpfe ja eh nur dem armen Ahmadinejad ans Leder wollen. Und man kann aufatmen: So schlimm ist er ja doch nicht, daß man jetzt langsam mal die Fronten wechseln müßte. Geht doch, man darf weiterhin auf die imperialistischen Zionisten schimpfen, ohne sich zu schämen. Hadda ga nich gesacht.

Und später, wenn der Iran dann vielleicht doch mal die Atombombe hat und einsetzt, dann werden die Menschen sagen: „Ich hab davon aber nichts gewußt.”

Das klappt nämlich immer.

Passend dazu: Verschleierte Treppen im East-Hotel.