Immer wieder wenn irgendwo etwas Schreckliches passiert, wird schnell nach dem Staat gerufen. Kinder werden im Osten ermordet? Der Staat soll einen Elternführerschein einführen. Das Lottospiel ist unfair der Unterschicht gegenüber? Dann müssen die Menschen eben davor beschützt werden. Computerspiele schaffen Mörder (und umgekehrt)? Verbieten, zum Schutz der Kinder. In Filmen kommt zuviel Gewalt vor? Zensieren, was das Zeug hält.
Es sind ja immer alles sehr fromme Wünsche. Niemand käme auf die Idee, dem Satz zu widersprechen: „Wir müssen mehr auf unsere Kinder achten.” Daß dies nun zwingend die Aufgabe des Staates ist, nun gut, das ist vielleicht eine andere Frage. Und was geschieht? Wenn ich mir als Erwachsener Mann einen Horrorfilm ansehen möchte, dann muß ich erst im Internet recherchieren, ob es überhaupt in Deutschland eine ungeschnittene Version gibt. Wir haben uns sogar schon daran gewöhnt! Manche beruhigen sich dann selbst mit bescheuerten Phrasen wie „man MUSS doch nicht unbedingt diese kranken Dinge sehen”. Nein, man muß nicht. Aber wenn man es möchte? Als freier und erwachsener Mensch? Man muß „der Kinder wegen” darauf verzichten.
Was tue ich also, wenn ich Filme sehen möchte? Ich kaufe sie im Ausland. Ich gucke also den Schund, den ich sehen möchte. Lasse mir nicht vorschreiben, wie ich Splatterorgien wie „Freitag, der 13.” zu beurteilen habe. Ich erfreue mich sogar an Filmen wie „Saw”, „Hostel” und „Starship Troopers”. Mein Geld allerdings fließt ins Ausland. Dank der deutschen Politik der Bevormundung.
Und was sagt uns das? Das Gleiche, was ich bei Filmen tue, machen andere Menschen auch. Und zwar immer dann, wenn ihnen die Regelungswut des Staates zu sehr auf die Nerven geht. So wandern Firmen aus Angst vor dem deutschen Steuerrecht ins Ausland ab, Manager schaffen ihr Geld nach Liechtenstein, Minderjährige ziehen sich illegale Kopien von Unterhaltungsmedien aus dem Netz.
Der Effekt: Es tritt nicht das ein, was das Gesetz eigentlich bewirken sollte. Es kommt nicht mehr Geld von den Reichen, die Firmen bezahlen nicht mehr für die bereitgestellte Infrastruktur, die Kinder gucken nicht weniger Horrorfilme und spielen nicht weniger „Killerspiele”. Sondern es kommt weniger Geld von den Reichen, die Firmen zahlen gar nichts mehr und die Kinder gucken mehr und schlechtere Filme in schlechterer Qualität.
An dieser Art von Gesetzgebung erfreut sich vor allem das (westliche) Ausland. Und in meinen konkreten Fall Amazon.co.uk.

23. Juli, 2008 at 13:44
Für die Recherche nach verschiedenen Filmfassungen kann ich Ihnen http://www.ofdb.de und http://www.schnittberichte.com sehr empfehlen.
23. Juli, 2008 at 13:46
OFDB kannte ich noch nicht. Vielen Dank!
23. Juli, 2008 at 14:15
Na, da liegt der Fall doch klar auf der Hand: Privater Handel mit dem Ausland MUSS staatlich verboten werden, um das inländische Bruttosozialprodukt wieder zu stärken. Ankäufe aus dem Ausland werden streng reglementiert und nur dann zugelassen, wenn ein vergleichbares Produkt im Inland nicht in schlechterer Qualität zu einem höheren Preis verfügbar ist.
Es wird in Deutschland doch nicht unter FALSCHER Politik und Bevormundung gelitten, sondern lediglich unter einem QUANTITATIVEN Mangel an eben dieser!
23. Juli, 2008 at 14:18
Letztlich ist dieser Ansatz eine gute Idee, geht aber nicht weit genug. Sie müssen sich da mehr anstrengen, global denken: Nicht nur der private Handel mit dem Ausland muß eingeschränkt werden, sondern es muß die Globalisierung an sich rückgängig gemacht werden. Zur Not eben mit zeitlich begrenztem und wenn nötig auch erzwungenem Isolationismus, Abschottung der Grenzen und starken Strafzöllen.
Parallel könnte JvM mit einer Marketingkampagne beauftragt werden: „Kauft nur bei Deutschen” oder so. Dann versteht es auch die Bevölkerung besser.
23. Juli, 2008 at 14:42
Freiheit = Auslaufmodell. Tja, die Medien/Öffentlichkeit fordert einfache Lösungen für Themen für die es keine einfache Lösung gibt. Resultat: Regeln und Regulierung
23. Juli, 2008 at 14:49
Leider. Immer mit dem Totschlagargument: „Wollen SIE denn, daß Kinder / Menschen / die Natur sterben / stirbt / sozial verarmen / verhungern / als Sexsklaven mißbraucht werden?”
Pubklikumswirksam kann gegen so ein Argument nichts gebracht werden. Denn die Erklärung dauert länger. Hört ja keiner mehr zu.
23. Juli, 2008 at 15:50
Bin schon gespannt auf die nächsten Reg(ul)ierungsvorschläge im Wahljahr 2009.
23. Juli, 2008 at 16:17
Es ist ja auch einfacher vordergründig die Symptome zu bekämpfen als sich bis zur Wurzel allen Übels durchzuschlagen. Es muss ja auch bedacht werden, dass da Stellen von abhängen. Für jede Regelung braucht’s ja wieder eine Kontrollinstanz… und wer kontrolliert die Kontrolleure?
23. Juli, 2008 at 19:56
man könnte der problematik doch einfach mit der erweiterung des entsendegesetzes beikommen. indem man den geltungsbereich nicht mehr nur auf in deutschland erbrachte leistungen (von ausländern) beschränkt, sondern auf in deutschland konsumierte leistungen erweitert, also eine gleichstellung von inländischen produkten und importen herbeiführt, geregelt über einen entsprechenden zoll oder zuschlag (oder -eher unwahrscheinlich – rabatt), dessen berechnung sich auf die umstände der produktionsbedingungen vor ort bezieht, die wiederum von der hiesigen regierung/verwaltung bewertet werden.
aber dazu müssen wto, iwf und die ganzen anderen verbrecherischen freimarktler weg.
23. Juli, 2008 at 20:50
Vielleicht sollte man einfach überall auf der Welt deutsche Beamte haben, die das kontrollieren? Ich schlage vor, wir beginnen in Polen, arbeiten uns dann über unsere belgischen und holländischen Nachbarn nach Frankreich vor, diskutieren die Sache mit England und entsenden dann ein paar Leute nach Rußland?
Vielleicht könnte man zwischendurch noch was mit Norwegen und/oder Nordafrika machen?
23. Juli, 2008 at 21:21
das ist die zweite stufe, ja. weil die erste stufe so teuer ist, dass die bevölkerung zwangsläufig verarmt und dann radikale parteien wählt, die die stufe 2 in gang setzen. also bewaffnete gewerkschaftler, die vor ort deutsches arbeitsrecht durchsetzen.