Während ich also mit St.-Pauli-Hemd irgendwelches Metall von A nach B stemme, nur um sie anschließend wieder nach A sinken zu lassen, komme ich nicht umhin, einige Unterhaltungen mitzuhören, die einige knapp 40jährige Männer führen, die offensichtlich jede freie Minute (und davon dürfte es viele geben in ihrem Leben) dazu nutzen, Gewichte zu heben.
„Und dann nimmst du sie von hinten und ich von vorn.”
- „Logisch, Digga, das sagen wir der aber vorher nicht.”
„Aber ich könnt das nicht, wenn ich dir dabei ins Gesicht gucke.”
- „Alda, ich müßt auch dauernd lachen.”
Ich unterbreche mein Training, um weiter zu lauschen. Nach fünfmaligem Wiederholen desselben Sachverhaltes sind sie dann endlich beim Wesentlichen. Nämlich der Frage, wie sie denn am Wochenenden „Perlen klarmachen” können. Nun habe ich da eine ganz eigene Meinung, wenn ich mir die drei Verlierer so anschaue: Dumm sind sie, leider so dumm, daß man es in ihren Gesichtern sehen kann. Ungepflegt auch. Ich bin sicher, daß sie zu den Männern gehören, die auch beim Feiern immer leicht nach Fitneßstudioschweiß riechen. Ihre Figuren sind tadellos, keine Frage. Vielleicht etwas zu viel, aber das ist ja Geschmackssache. Wie sie außerhalb des Clubs aussehen? Nun, ich kann es mir vorstellen, möchte es aber eigentlich lieber nicht. Hier, im Studio, sind ja Klamotten völlig nebensächlich. Die elegante Dame, die mit geschmackvollem Kostüm und dezenter Schminke zur Tür hereinspaziert, wird gleich zu der mit der komischen Hinternform. Und die billige Schabracke, deren Gesicht zu abstoßend wirkt, entpuppt sich als perfekt durchtrainiert. Beim Sport zählt nicht, welche Bildung die Menschen haben, es zählt nicht ihr Geschmack, es zählen nur noch Beine, Bauch, Po. Einer der vielen Gründe, warum ich mich grundsätzlich mit niemandem hier unterhalte. Die Chance, einem Volldeppen zuhören zu müssen, ist einfach zu hoch.
Die drei Pumper sehen das sicherlich anders. Aber auch sie scheinen ihre „willigen Stuten” wohl nicht in diesem Revier zu suchen. Vermutlich, weil das hier ihr Wohnzimmer ist.
Zehn Minuten später. Ich habe ein paar weitere Übungen absolviert. Und wieder stehen sie da, diese Typen. Und ihr Thema hat sich nicht geändert. Fast glaube ich, in einer Szene aus „Das Boot” mitzuspielen. Thema Nummer 1. Wie denn die Blonde letztes Wochenende in ihr Dekolletee gekübelt habe, was für eine Sau im Bett die Brillenschlage gewesen sein müsse. Ich gucke mir die Männer nochmal genauer an. Aber es stimmt schon, sie sind in der Tat der Jugendlichkeit schon seit längerem entwachsen. Leider wohl nur körperlich.
Ich wische die von mir benutzte Maschine ab, wende mich mit dem Hochgefühl geistiger Überlegenheit ab – und renne eine dralle Blonde fast über den Haufen.
„Was für eine geile Sau,” denke ich mir.
24. Juli, 2008 at 16:18
“Warum liegt denn hier überhaupt Stroh rum?”
24. Juli, 2008 at 17:38
Laufen Sie doch lieber um die Alster. Bessere Luft und geilere Schl-eute.
24. Juli, 2008 at 17:54
„Die Chance, einem Volldeppen zuhören zu müssen, ist einfach zu hoch“, schreiben Sie.
Jetzt wird mir klar, warum auch ich trotz zahlreicher Versuche nie mit Ihnen ins Gespräch komme zwischen Hantel und Brustpresse.
24. Juli, 2008 at 18:46
Ich kann mich erinnern, dass mir Leute tatsächlich sagten: Wenn du in eine neue Stadt kommst, meld dich im Fitness-Studio an, da lernste Leute kennen!
Jaja. Ich hab bis heute in meinem Studio nicht -einen- normalen Menschen getroffen. Und bin sowieso dazu übergegangen, auch dort iPod zu hören, weil erstens die Musik dort nicht erträglich ist (sie spielen Scooter.) und ich so auch nicht in den Genuss der “Gespräche” komme. Allerdings finde ich es befremdlich, dass sich regelmäßig der gleiche Schlag Mann hinter mir auf dem Laufband postiert, wenn ich mit Radfahren beginne. Brrr.
24. Juli, 2008 at 20:41
Ich danke Ihnen, Platypus, daß Sie meinen Artikel in den korrekten Zusammenhang stellen.
Dramatick hingegen muß ich schärfstens ermahnen: Sie können sowas nicht schreiben, wenn ich eine Kaffeetasse in der Nähe meines Laptops habe!
Matt wiederum muß ich ebenfalls danken, und zwar dafür, daß Sie mir exakt die Antwort geliefert haben, die ich erwartet habe. Selbstverständlich waren SIE ausgenommen von den beschriebenen Leuten.
Und Madame Murkel: Ich bin ehrlich: Wir Männer sind so. Wir gucken ALLE auf IHREN Hintern. Genetik und so. Kann man nichts machen.
Die Musik ist übrigens genauso beschissen in “meinem” Fitneßstudio. Remixe und Trashfloor-Covers von Alice Cooper bis Nicole.
24. Juli, 2008 at 23:27
Was soll man sagen … ?! Die Grundmuster sind wohl tief verwurzelt und liegen nicht in Gänze in unserer Hand … ;-)
Aber, es ist etwas Wahres dran, wir alle kämpfen jeden Tag den gleichen Kampf, uns von der Masse abzuheben … und ertappen uns dabei, wie wir über unseren eigenen Horizont einfach nur schwer hinauskommen … wahrscheinlich sind einfach nur ein paar Gewichte zu schwer …
Wir sollten uns nicht wundern und uns zu viele Gedanken machen, denn schließlich können wir doch alle nix dafür … oder etwa doch … ?!
25. Juli, 2008 at 01:39
Ich wundere mich sowieso seit Wochen, wieso Sie sich nicht mit Ihrem eigenen Musikprogramm über die selbst auferlegten Qualen hinwegtrösten. Irgendetwas scheint Ihnen doch zu gefallen an Alice-Cooper-Trashfloorcovers.
25. Juli, 2008 at 07:46
naja, trozt aller muskelspielerei: abgerechnet wird am schluss! unter der dusche. da kommts nämlich nicht mehr auf die muskeln an, sondern auf den charakter!
25. Juli, 2008 at 09:25
Ich finde, Frauen und Männer sollten gemeinsam Duschen. DAS wär doch mal Gleichberechtigung.
25. Juli, 2008 at 09:48
Ich bin ein großer Freund der Gleichberechtigung, lieber Guest68, weswegen ich Ihren Vorschlag natürlich auch unterstütze. Gemeinsam genutzte Toiletten würden auch einiges, äh, erleichtern.
M.: Sie meinen auf den Charakter und auf die Standfestigkeit?
Matt: Ich habe einfach keine Lust, so wackelnde Dinger in meinen Ohren zu haben, während ich mich sportlich betätige.
gilco: Richtig, und je mehr man sich bemüht, von der Masse abzuheben, umso konformistischer verhält man sich.
25. Juli, 2008 at 10:53
solche tricksereien (vor dem duschen nochmal schnell aufs laufband, in unmittelbarer nähe der sekundären geschlechtsmerkmale einer hübschen frau) kommen einem unerlaubten doping gleich und sind hinlänglich bekannt und führen zur disqualifikation in der duschwertung!
ausserdem, wie würden SIE einen duschenden einschätzen, der sie im freudig unrelaxten zustand unter der dusche angrinst?
25. Juli, 2008 at 11:12
Gar nicht: Ich meide diese Gemeinschaftsduschräume nämlich.
25. Juli, 2008 at 11:53
Schlechter Witz zum Thema:
SIE SAGT: “Ich muss zum Sport.”
Keiner sagt was.
SIE WIEDER: “Ich muss zum Spoooort.”
ER: “Was machste denn?”
SIE: “Bauch, Beine, Po!”
ER: “Davon haste doch genug, mach doch mal TITTEN! ”
(hier selbst gelesen: http://www.oleoleole.de/blogg/?p=2011)
25. Juli, 2008 at 12:04
Das ist großartig.
Komisch auch: Je mehr die Frauen in „meinem” Studio trainieren, desto kleiner scheinen die Titten zu werden. Ich sachs ja: Frauen sollten keinen Sport betreiben.
25. Juli, 2008 at 13:04
Schöner Text.
Ein Grund, warum ich Groupfitness mache: ich muß dann mit den Leuten nicht reden, die schlechte Musik ist sowieso zu laut.
25. Juli, 2008 at 15:05
ich war EINMAL in meinem Leben in einem Fitnessstudio und da wurde mir schlecht und ich konnte kurz fast nichts mehr sehen!! Ursache hätte der Zorn angesichts der dämlichen Gespräche, die man mitanhören muss, sein können.
(Tatsächlich wars aber der Kreislauf, hüstel)
25. Juli, 2008 at 16:18
Reden klingt ja auch so nach Kommunikation. Das wäre aber schon ziemlich euphemistisch. Daher tun Sie gut daran, wie ich finde.
Frater, leider ist es ja immer so, daß die richtigen Begründungen unzutreffend sind, aber ich finde, es ist an der Zeit, daß Sie sich diese Lüge solange selbst immer und immer wieder einreden, bis Sie sie glauben.
Die Kreislaufgeschichte ist einfach zu normal.