„Wenn wir jeden ausschließen, der mal Blödsinn erzählt, wird’s auf die Dauer einsam”, sagt ausgerechnet Herr Gabriel, und er sagt das natürlich, weil er Angst davor hat, selbst rausgeschmissen zu werden. Er hat ja recht. Gucken wir uns mal die heutigen Genossen an: Ypsilanti, Beck, Gabriel, Eichel, Nahles äh, welche wichtigen Menschen habe ich noch vergessen? Schwan vielleicht.
Ja, wenn nun wirklich jeder, der mal Unsinn redet, mit Parteiausschluß rechnen muß, dann wird es ziemlich ruhig um die Volkspartei. Die guten Leute sind ja eh schon weg. Müntefering, Clement (noch nicht ganz), Schröder. Richtig gute Leute gibt es eh seit Willy Brandt und Helmut Schmidt nicht mehr. Mit Münte als möglicher Ausnahme.
Wenn aus der Nachwuchsorganisation nicht so erschreckend viel Blödheit käme (der kleine Nils in der großen, weiten Welt, die irgendwie anders ist als in der Uni gelernt), dann müßte die SPD die Aussage glatt als große Chance zur Erneuerung begreifen. Vielleicht sollte sie sich mal Klinsmann als Trainer holen. Der weiß ja, wie man sowas macht.
31. Juli, 2008 at 16:18
Hi, witzige Polemik. Aber, ich glaube, Clement wird da bleiben, wo er ist. Die BundesSPD wird ihre schützende Hand über ihn halten. Es sei denn, Clement ist so beleidigt, dass er uns das Sommertheater noch etwas spannend macht.
A.
31. Juli, 2008 at 16:18
den gabriel mag ich überhaupt nicht, aber wo er recht hat, hat er recht.
ich denke mal, dass sich da in sachen clement einiges an der basis angestaut hatte, in den letzten jahren (wer innert sich nicht an seinen cholerischen ausraster im wahlkampfbus, als er ein kamerateam lautstark zur schnecke machte?).
jedenfalls steht clement in der spd für kernkraft, agenda 2010 und wirtschaftlichen sachverstand. damit hat er aber in der spd nichts mehr zu suchen.
31. Juli, 2008 at 21:24
die bundes-spd wird ihre schützende hand über ihn halten? wohl kaum. und wenn doch, ist es: dumm.
die spd hat jetzt die wahl, das entweder durchzuziehen – was zwar auch parteischädigend wäre. allerdings nicht so sehr wie die sogenannte schützende hand, mit der die genossen sich noch lächerlicher machen würden, als sie es dieser tage eh schon sind.
und herr clement will zwar berufung einlegen – was es aber nützt, sich in eine partei zurück zu klagen, das weiß wohl niemand so genau.
1. August, 2008 at 09:57
„von Schäuble lernen heißt siegen lernen“ – so oder so ähnlich müssen sich die Genossen das gedacht haben, als Sie Clement gebeten haben zu gehen. Getreu Schäubles Motto „wer nicht für uns ist plant Terroranschläge“. Und was liegt da näher, als einen potentiellen Terroristen erstmal rauszuschmeißen?!
Irgendwie fügt sich damit ja alles zusammen: Selbstbestimmtes Handeln, Meinungsfreiheit und konstruktive Kritik sind unerwünscht – in diesem schönen Land und endlich auch in der SPD.
Viel spannender finde ich jedoch noch einen anderen Aspekt: wie schaffen es so viele Leute (Funktionäre und Mitglieder der SPD) über so lange Zeit, sauber aufeinander abgestimmt, sich immer wieder unmöglich – und damit unwählbar – zu machen? Steckt dahinter ein großer Masterplan? Ist Beck einfach unterschätzt und führt die SPD mit eiserner Hand zur Selbstauflösung?
Ich muss mal einen Sozialpädagogen fragen…
1. August, 2008 at 10:05
Er hat dann in der Partei nichts zu suchen, wenn die Partei nicht für offenen Diskurs sondern für eine harte ideologische Linie steht. Das war für mich das Schöne unter Schröder: Die SPD wirkte pragmatischer, moderner, mutiger. Jetzt hingegen wirkt es so, als wolle man partout zurück ins behütete Nest der sozialistischen Ideologie, da braucht man nicht nachzudenken, dan hat man immer schön irgendein Manifest, in das man bei Glaubenskrisen hineinschauen kann. Das schlaue Buch von Fähnlein Fieselschweif für politische Fragen.
Ich jedenfalls glaube auch nicht, daß die Bundes-SPD ihn retten wird.
Und Beck ist der beste Mann, den die CDU je hatte…
1. August, 2008 at 10:10
Politiker wegen Dummschwatz kaltzustellen, kommt einem Berufsverbot für haareschneidende Friseusen gleich.
Bedauerlich, dass sich die Parteiorgane mit Vorliebe selbst zerfleischen, statt sich der in ausreichendem Maße vorhandenen Reformarbeit zu widmen und ENDLICH mal etwas sinnvolles zu tun.
1. August, 2008 at 10:14
Wieso, das tun sie doch? Sie helfen uns, uns vor uns selbst zu schützen, indem sie uns vor Rauchen und Gruppenzwang schützen. Sie helfen uns, terroristische Neigungen zu erkennen, bevor etwas passiert, indem sie uns Tag und Nacht durchleuchten und auskundschaften. Sie helfen uns, den Armen zu helfen, indem sie uns die Hälfte unseres Einkommens wegnehmen und davon ein Viertel den Armen geben. Sie helfen uns, die Umwelt zu retten, indem sie uns vorgibt, wie oft wir pupsen sollen.
1. August, 2008 at 10:17
… und sie helfen uns dabei endlich zu begreifen, dass Demokratie nichts mit freier Meinung, eigenem Willen, persönlicher Freiheit und all diesem Zeugs zu tun hat – aber auch gar nichts!
1. August, 2008 at 10:21
…, sondern mit einem fürsorglichen Vater Staat, der einfach weiß, was für seine Kinder gut ist.
1. August, 2008 at 12:38
Kann mich GermanPsycho nur anschließen: Gerade die kompetenten Fachkräfte aus der SPD wissen, was am besten für die einfachen Leute ist. Undankbar, wenn die das nicht einsehen wollen …
1. August, 2008 at 16:20
und die ironie bei der geschichte ist:
der rauswurf clements wird auch auswirkungen auf die spd in hessen haben, denn den abgeordneten dürfte seit gestern klar sein, dass die frontlinie nicht mehr zwischen spd und cdu verläuft, sondern zwischen linkem und rechtem flügel innerhalb der spd.
wenn die „reformer“ zurückschlagen wollen, dann bei der wahl ypsilantis. freinach dem motto: schiesst du meinen clement raus, lassen wir deine ypsilanti gegen die wand fahren…
1. August, 2008 at 16:24
„Wand? Ich seh keine Wand. BAMM.” So schreiben Sie doch so treffend in der Einheitskanzlei…
Alles, was der Ypsilantin schadet, hilft Hessen. Also machen lassen…
Achja: Kann irgendwer Gesinchen wieder ins Heim zurückbringen, bitte?
1. August, 2008 at 20:33
..ich glaube, die ist gar nicht draussen. Die haben nur die Vorhänge beiseite geschoben und lassen uns zuschauen.
2. August, 2008 at 02:45
Tja, leider wird die SPD hauptsächlich von Otto Rehhagel favorisiert. Seine Taktik hat alles, nur nichts von Erneuerung: hinten mauern, kein Flügelspiel, weder über rechts noch über links, und sich auf eine einsame Spitze verlassen. Öde.
2. August, 2008 at 17:44
Mal unabhängig von der Clement-Debatte -soviel Verdruss auf eine Demokratie, in der man seine Meinung frei äußern kann, finde ich schon interessant. Man könnte meinen, wir brauchen erst mal wieder eine Diktatur, damit man Demokratie (auch so, wie wir sie haben) wieder schätzen kann.
Wir genießen dermaßen viele Freiheiten, von Reisefreiheit über Konsumvielfalt bis zur freien Meinungsäußerung (ok, das gilt vermutlich nicht für politisch organisierte Vereine), aber wir meckern ständig an der Staatsform herum, als wär’s das blödeste auf der Welt. Das bedeutet nicht, dass man alle Ideen aus dem Innenministerium gut finden muss (obwohl man bereits heute auf privater Seite durch Amex, Payback & Co – von Mobiltelefonen und dem www mal ganz zu schweigen – deutlich mehr Daten sammelt und für dubiose Zwecke nutzt, als es der Staat machen möchte), aber vielleicht muss die Kritik nicht immer so einseitig ausfallen.
4. August, 2008 at 09:39
Selbstverständlich stimme ich Ihnen zu, Guest68. Aber wir nehmen die Freiheit mittlerweile auch als gegeben hin. Gucken Sie sich doch mal bitte um: wieviele Menschen machen sich überhaupt noch Gedanken um den abstrakten Begriff der Freiheit? Wichtiger geworden sind andere Dinge: Umverteilung, „soziale Gerechtigkeit”, Klimaschutz, Terrorbekämpfung… all das erscheint uns viel wichtiger als die Freiheit.
Und in einzelnen Bereichen ist das ja auch durchaus zu diskutieren. Aber wenn den Leuten entfallen ist, was Unfreiheit eigentlich bedeutet (und leider scheint es einigen Menschen ja äußerst schnell entfallen zu sein), dann ist es durchaus mal angebracht, das Thema wieder hervorzuholen, meinen Sie nicht?
Payback und Konsorten: Klar, diese Informationen werden gesammelt. Bei Payback bspw. werden sie ausschließlich von den teilnehmenden Unternehmen genutzt, was ja auch logisch ist: Das Geschäftsmodell spricht einem Verkauf der Daten an Konkurrenten entgegen.
Schwierig wird es für mich dann, wenn die Daten vermischt werden. Der GEZ-Beamte, der nebenberuflich Versicherungsmakler ist. Die Mautstationen, die auch Geschwindigkeitsübertretungen filmen könnten. Der Personalausweis, der auch biometrische Daten enthält.
Erst die Verquickung dieser Daten in einer zentralen Stelle macht das Ganze extrem gefährlich. Und an dieser Zentralisierung arbeitet eben vor allem der Staat.
Wie eingangs gesagt: Grundsätzlich stimme ich Ihnen natürlich zu. Wir sollten uns auch immer wieder aktiv darüber freuen, daß wir in einem der freiesten und friedlichsten Länder der Welt und der Geschichte leben.