Grün ist schün

Grün ist schün

Die gute Nachricht: Neil Young kann richtig rocken, obwohl er älter ist als mein Vater. Letzterer hingegen, ach, lassen wir das.

Ich stehe inmitten einer Menge Menschen. „Bei einem Neil-Young-Konzert”, so erläutert mir Matt, „ist die Arschlochdichte besonders niedrig.” Natürlich glaube ich ihm das unbenommen, schließlich hat er ja einige hundert Konzerte mehr besucht als ich. An alternde Hippies denke ich, an Rocker mit Rauschebart, an junge Leute, die einfach mal wieder richtigen Rock sehen wollen, an schwärmende Mädchen, deren Mütter und Großmütter, denke ich.

Realitätscheck: Vor mir steht ein ungefähr 30jähriger Mann in Jeanshosen und -jacke, der voller Stolz einen Aufnhäher trägt, auf dem steht: „Gehasst, verdammt, vergöttert” – eine Liebeserklärung an die Böhsen Onkelz, deren Fans mir zumindest suspekt sind. Daneben wankt ein etwas älterer Herr mit wirren Haaren umher, der nicht nur total betrunken ist, sondern dabei auch noch einen äußerst aggressiven Gesichtsausdruck mit sich herumträgt. Ich wende den Blick ab, streife ein nettes Lesbenpärchen, das schmusend zum Takt hin- und herwippt, als mich auf einmal ein Ellenbogen im Nacken erwischt. Der Urheber grinst mir merkwürdig zu, singt mich an. Er ist textsicher, das will er den Umstehenden zeigen. Leider nicht besonders musikalisch, so daß die Darbietung nicht das Maß an Bewunderung einbringt, die er sich erhofft hatte.

Das alles aber kann mich gar nicht groß schockieren, schließlich singt da vorne Neil Young, einer der wirklich großen im Rock’n Roll. Und wenigstens gehört Matt zu den lockeren Journalisten, die niemals akribisch alle Details eines Konzertes festhalten, um sie anschließend in einem sinnentleerten Artikel unterzubringen. Ich will meine Beobachtungen mit ihm teilen, aber als ich mich zu ihm umdrehe, ist er hektisch dabei, die Reihenfolge der Lieder auf einem Zettel zu notieren.

Kurz darauf kippt mein Hintermann sein Bier auf meiner Hose aus.

Aber Neil Young spielt „Hey Hey, My My”, wir wechseln den Standort, und somit sind mir diese Kleinigkeiten auch völlig egal. Bis ich versuche, ein Photo zu schießen und feststelle, daß die Kamera des iPhones wirklich so scheiße ist, wie alle immer sagen.