Da gibt es doch tatsächlich Menschen, die glauben, daß diese Krise eine Krise der Marktwirtschaft sei. Das muß man sich einmal vorstellen: Derjenige Markt, der am meisten reguliert wird, bekommt ein von der Regierung verordnetes Programm zum Häuslebauen aufgedrückt, die Häuslebauer wiederum überschätzen sich und ihre finanziellen Mittel, und das vor allem wegen der von Behörden falsch eingeschätzten Entwicklung der Immobilienpreise; und dann geht auch noch einiges andere schief:
Mittlerweile werden ja Kredite in den USA in verschiedene Risikoklassen unterteilt und dann entsprechend verkauft. Also beispielsweise: Wenn von meinen 100 Krediten 20 vermutlich platzen werden, dann kann ich die ersten 60% als 100&ig sicher verkaufen, zumal ich die Kredite ja nicht absolut gesehen verkaufe, sondern eben nur die Tranche derer, die zahlen. Egal, wer das ist. Und bei den letzten 20 handelt es sich dann um hochriskante Geschäfte: Denn von denen habe ich ja bereits von Anfang an vermutet, daß sie nicht zahlen können.
Wenn nun dieses Geschäft reihum passiert und die Kredite immer wieder in neue Tranchen eingeteilt werden, weiß am Ende in der Tat niemand mehr, was er da eigentlich gekauft hat. All das ist aber zunächst mal kein Problem, denn hinter den Krediten stehen ja Menschen, die normalerweise auch nicht über ihre Verhältnisse leben und durchaus wissen, was sie sich an Kredit zumuten können. Und als Sicherheit gibt es ja auch immer noch die dahinterstehenden Werte, im konkreten Fall also die Häuser.
Nun standen diese Werte aber nicht dahinter. Weil sie von den Behörden zu hoch bewertet wurden. Damit sich eben jeder ein Haus leisten kann.
Und zum zweiten wurden die Banken gewzungen, leichter Kredite zu vergeben, also mit geringeren Bonitätsprüfungen. Die Kredite waren also viel risikobehafteter, als das gemeinhin der Fall war.
Also wurde nicht nur die Zahl der Kredite, die platzen würden, drastisch unterschätzt (statt 20 eben vielleicht 50), sondern es wurden auch noch die Sicherheiten überschätzt.
Die Ausgangslage ist also klar: Zwei vom Staat verordnete Programme legten den Grundstein für die Blase. Und dann kamen Managementfehler einiger Banken hinzu, die das Risiko unter- und die Gewinnchancen überschätzten.
Und die Banken haben nun das Problem, das sie selbst kaum einschätzen können, wieviel an faulen Krediten sie selbst eigentlich haben. Für wieviel Geld können sie Kredite nun weiterverkaufen? Oder kaufen? Was geschieht, wenn die Kreditwerte nun angepaßt werden, weil Sicherheit und Risiko offensichtlich zuvor falsch eingeschätzt wurden? Wenn diese Fragen schon im eigenen Haus nicht beantwortet werden können: Wie kann man dann einem anderen Institut Geld leihen? Die könnten ja von heut auf morgen pleite gehen (Lehmann Brothers?)
Nun, nach vorherrschender Meinung müßten solche Fehler ja vom Staat dann korrigiert werden. Die Frage, warum jemand, der Politiker ist, zu einer realistischeren Einschätzung kommt als viele verschiedene Finanzexperten, ist ja sowieso erstmal zu untersuchen. Aber die Antwort lieferte die Krise uns ja: Es klappte nicht. Der am stärksten regulierte Markt in den USA war es eben, der die Krise brachte. Kein einziger Schritt wurde von seiten der Kontrollinstanzen unternommen, um Fehler zu korrigieren. Auch bei uns: Welche Bank war es noch gleich, die am meisten unter den platzenden Krediten zu leiden hatte? Ach ja. Die staatliche KfW.
Die Ausgangslage wurde also von staatlichen Einrichtungen geschaffen, die staatlichen Kontrollmechanismen versagten – aber was ist mit den Rettungsplänen? Jetzt, wo die Kacke am Dampfen ist, da muß dann doch wohl der Staat helfen?
Wo müßte er wohl ansetzen? Bei den Häuslebauern, die sich teilweise wohl mit vollem Bewußtsein überschuldet haben? Bei der Regierung, die die Banken gezwungen hat, günstige Kredite dafür zu vergeben? Eigentlich ist es eine simple Rechnung: Wo wird das Gemeinwesen wohl am wenigsten bezahlen? Hält man die Preise für Häuser künstlich hoch, wird die Blase künstlich am Platzen gehindert. Garantiert man die Kredite, unterbindet man die Kreditvergabe der Geldinstitute untereinander noch weiter. Ganz ehrlich? Ich habe keine Ahnung, was man tun kann. Ich bin nämlich auf diesem Gebiet kein Experte. So, wie die meisten Politiker auch. Umso erstaunlicher ist es, wenn viele Menschen nun glauben, im Staat eine Möglichkeit zu sehen, solche Krisen zu umgehen, zu verhindern, zu managen.
Denn letztlich bedeutet das ja nichts anderes, als zu glauben, daß Frau Merkel so schlau ist, daß sie alle Risiken vorhersehen, alle Krisen verhindern könnte, weil sie einfach ein viel schlauerer Mensch als alle anderen ist.
Oder glauben diejenigen, die nach mehr Staat schreien, vielleicht nur, daß der Staat nur dann unfehlbar wäre, wenn sie selbst ihn leiteten?
Microsoft jedenfalls macht es richtig: Auf ihrem Messestand zeigen sie natürlich ihre eigenen Lösungen. Wenn auch nicht unbedingt auf ihrem eigenen Betriebssystem.
Viel eloquenter werden diese Gedanken auch schon bei den Freunden der offenen Gesellschaft beschrieben.

8. Oktober, 2008 at 17:15
Ich glaube nicht, dass die Politiker sich für schlauer halten als die Banker. Was sie aber momentan versuchen, ist absolut sinnvoll: Bedingungen zu schaffen, die künftig eine größere Transparenz herstellen – so dass man nicht mehr Gott persönlich sein muss, um die eigenen Produkte noch zu verstehen.
Warum Sie aber ausgerechnet die USA, wo bis zum Crash jede Investmentbank nach Belieben mit Leerverkäufen und absurden Wettspielen rumhasardieren konnte, als überreguliert bezeichnen, versteht wohl auch nur der oben angesprochene Gott … ;-)
Wo haben Sie überhaupt gesteckt die letzten Tage? Dachte schon, mein (ihr) Handy sei kaputt.
8. Oktober, 2008 at 17:21
Schöner Artikel. Nur eins zur Überregulierung in den USA. Gerade die Regulierungen wie z. B. Basel II und damit die Risikovorsorge hinsichtlich Eigenkapitalhinterlegung und beurteilung von Kreditrisiken sind in den USA nicht umgesetzt worden, weil man dort eigentlich eher der Auffassung ist, die Märkte nicht regulieren zu wollen, im Gegensatz zu den Europäern, denen schon eher nachgesagt wird, gerne die Märkte ‘über’-regulieren zu wollen, z. B. wird ja auch Sarkozy in dem von dir getwitteten Times-Artikel dazu als Paradebeispiel zitiert.
8. Oktober, 2008 at 17:23
1. Der Bankensektor ist der am höchsten regulierte in den USA. Daran ist nicht viel zu rütteln. Ein Industrieunternehmen kann ganz anders agieren.
2. Die Politiker haben bereits Möglichkeiten der Einflußnahme. Diese wurden nicht genutzt. Im Gegenteil: Das ganze Problem ENTSTAND ja erst durch den Einfluß der Politik.
3. Sorry! Wir hatten Veranstaltungen. Das bedeutete, Tag und Nacht durchzuarbeiten. Donnerstag? Also morgen? Ein Bier?
Ich hatte mir eigentlich auch gestern eingeplant. Aber da kam ich ungefähr um 11 von der Arbeit. Da lohnte es sich nicht mehr. Zumal ich auch dem Team nicht viel an Hirn hätte zur Verfügung stellen können.
4. Wieso haben Sie meinen Überschriftskalauer nicht gewürdigt? Den habe ich extra für Sie geschrieben? ;-)
8. Oktober, 2008 at 17:23
Der “Markt” bekommt von der Regierung ein Programm “aufgedrückt” und die Häuslebauer vertun sich, weil die “Behörden” Immobilienpreise falsch einschätzen? In den USA herrscht also Planwirtschaft. Vielleicht sollte denen mal jemand stecken, dass Wirtschaft nur funktioniert, wenn der Staat sich raushält. Erklären Sie das aber am besten auch gleich Herrn Ackermann, der hat das nämlich auch noch nicht begriffen.
8. Oktober, 2008 at 17:24
Überreguliert ist ein Markt dann, wenn der Staat durch die Regulierung eine Krise auslöst, finde ich ;-)
Und Basel II hat ja nun auch die hiesigen Banken nicht daran gehindert, diese Kredite zu kaufen. Was ja nur wieder heißt, daß diese Regularien offensichtlich nichts bringen.
8. Oktober, 2008 at 17:30
Ramses: Dann erklären Sie mir doch bitte kurz Ihre Sichtweise! Wer hat die Kredite denn Ihrer Meinung nach gefördert, wenn nicht der Staat?
8. Oktober, 2008 at 17:48
“Förderung von Krediten” klingt ja schon ganz anders. Das macht die US-Wirtschaft* aber 1. nicht erst seit gestern und 2. nicht nur bei Immobilien.
Wenn die US-Regierung aber die Banken wirklich gezwungen hat, die Immobilienwirtschaft in den Abgrund zu treiben, warum hat dann kein einziger (!) der Betroffenen Bänker rechtzeitig Alarm geschlagen?
*Und ich trenne hier bewusst nicht zwischen Staat und Unternehmen (VISA & Co), denn in einer Volkswirtschaft kann man das eben nicht so einfach separat betrachten, wie Sie das gerne hätten. Oder wer soll in Ihrem Traumstaat beispielsweise die Leitzinsen bestimmen? American Express?
9. Oktober, 2008 at 00:37
Nee, das liegt eindeutig an der Grund einstellung der Amerikaner. Ein Beispiel: in der naechsten Strasse ist ein Elktromarkt, ungefaehr der Groesse einer Etage von Media Markt Altona. Hier wird fas aussschliesslich an Hispanics verkauft. Die Preise sind alles andere als niedrig (ein normale $100 Drucker kostet hier dann $120 – $130). In der Woche ist hier nicht viel los, aber am Wochenende. Ab morgens um 10h ist der Laden voll. Weiterhin hat der Laden im Eingangsbereich 16 Kreditschalter. Vor jedem Schalter sitzt 1er und zwei warten. Das geht den ganzen Tag und Sonntags so. Normale Angebote werden hier im Elektronic Bereich so ausgelegt, das es entweder einen Mail in Rabatt gibt (ausfuellen, an die Zentrale schicken und 4 Wochen warten, dann gibts eine Gift-Kreditkarte. Die zweite Moeglichkeit: eine Summe von $1000 ausgeben und 24 Monate nichts zahlen. Gerade bei Elektronik sind die Geraete dann nur noch 20% (?) wert.
Das Problem sind die Amerikaner, sie bescheissen sich gegenseitig (egal was du hier fuer einen Deal machst, du musst immer hellwach sein). Sparen, egal in welcher Form, Geld, Enegie wird einfach nicht gemacht. Der Amerikaner zieht sich eher ein Seweatshirt ueber, als das er die AC runter dreht. Dazu wird nicht im ausreichenden masse investiert um Ressorcen zu schonen, bzw. zu erhalten. Sonnenenergie bei mehr als 300 Sonntentagen im Jahr Fehlanzeige. Hier gilt jeder al toller Hecht, der es schafft einen anderen zu uebervorteilen. Jeder will etwas vom Kuchen abhaben, ich frage mich nur bei der Verchuldung, von welchem Kuchen? Die Kreditkriese ist groesstenteils von der Fed verschuldet, da das Geld zu lange zu billig. Alles hat sich immer reicher und reicher gerechnet. Das aergerliche dabei, ein paar schlaue Baenker haben es kommen sehen und noch versucht, alles was geht ins Ausland zu verkaufen.
9. Oktober, 2008 at 08:43
Ich glaube die Antwort ist ganz einfach, warum der Staat eingreift. Er kann selbst die Regeln bestimmen(Geld drucken,Steuern erhöhen). Insofern kann sich auch Angie hinstellen und Garantien aussprechen.
9. Oktober, 2008 at 08:59
Ramses, die Art und Weise, wie dies bei den Krediten und dem Haubsau getan wurde, zeigt eben die Gefahren des staatlichen Eingriffs auf. Das ist doch das Problem des staatlichen Eingriffs: Einzelne Unternehmen können sich Fehler erlauben, denn es gibt Konkurrenz. Und nicht alle Konkurrenten machen denselben Fehler. Bei einem staatlichen Eingriff gibt es keine Konkurrenz. Da muß das so gut durchdacht sein, wie es eben kein Mensch kann.
Daher mögen andere Eingriffe zeitweise funktioniert haben. Und daher ist es auch logisch, daß irgendwann so etwas total schiefläuft.
Aquii: Ich tue mich schwer mit Begriffen wie „die Amerikaner”, zumal ja die USA soviele unterschiedliche Menschen hervorbringen. Einen Kalifornier mit Umweltbewußtsein und Hippie-Überzeugung wird man schwerlich unter einen Hut bringen mit einem Penner aus New York oder einem Farmer in Texas. Oder?
Richtig ist natürlich, daß das Verhältnis zu Kredit und Geld ein anderes ist als es bei uns der Fall war (wobei ich glaube, daß sich das bei uns auch gewandelt hat).
Denn zu einem großen Teil sind an der Krise natürlich auch die Menschen schuld, die mehr Schulden gemacht haben, als sie eigentlich schultern konnten. In der Hoffnung, daß alles irgendwie exponentiell wachsen würde.
Beraternase: Ja, zumal diese Garantien ja auch im Idealfall recht günstig sein können. Nämlich dann, wenn sich der Markt beruhigt und die Garantien nicht in Anspruch genommen werden müssen.
9. Oktober, 2008 at 09:13
Nochmal: Welche Behörde hat den Banken welches Programm “aufgedrückt”? Das ist an mir vorbei gegangen, ich habe nur eine Zinssenkung der FED mitbekommen. Wenn Sie die Zinssenkung als “Eingriff” werten, dann auch nochmal: Wer, wenn nicht die Notenbanken sollte so etwas wie eine Leitzinssenkung denn sonst verantworten? Eine Volkswirtschaft funktioniert nicht ohne Staat.
9. Oktober, 2008 at 09:16
PS: Man kann durchaus kulturelle Eigenheiten und Eigenarten feststellen, die auf Grundmentalitäten einer Landesgemeinschaft basieren. Ob das jetzt bei Deutschen, Franzosen oder eben Amerikanern ist. Das würde jetzt zwar zu weit führen, als Lektüre kann ich da aber (eingeschränkt) “Der Kultur-Code” von Clotaire Rapaille empfehlen.
9. Oktober, 2008 at 09:39
Also: Wieso wird der Zins ständig unverhätlnismäßig niedrig gehalten? Warum werden staatsnahe Institute (Fanny und Freddie) dazu angehalten, Kredite zu kaufen?
Ich weiß die Antworten doch auch nicht, Ramses, denn ich bin kein Finanzexperte.
Eine gute Zusammenfassung habe ich von Hans D. Barbier gelesen:
„(…) Man erinnert sich doch wohl, dass am Anfang dieser Kapitalmarktkrise die „subprime-crisis“ in Amerika stand. Da war der auslösende Akteur „der Staat“: hier als Dreieinigkeit des Präsidenten, der Treasury und der Notenbank. Es sollte Gutes für das Volk getan werden; das heißt, es sollten attraktive Konditionen für den Wohnungsbau geschaffen werden. Und es sollten die günstigen Darlehen marktgängig gehalten werden, damit die Wohnungsbauwelle nicht zu klein geriet. So wurde die Fed gedrängt, den Geldhahn zu öffnen. Die Banken wurden nachdrücklich gebeten, sich dem sozialen Anliegen in den Konditionen nicht zu versperren. Und das „Markt“-Duo Freddie und Fannie wurde angewiesen, die Wohnungsbaukredite zu kaufen und verbrieft in ihren Bestand zu nehmen, damit eine politisch gewollte Marktverzerrung nicht erkennbar werde. Auf einem unpolitisierten Markt für den Handel mit Kapital wäre das nicht möglich gewesen. Diese politische Manipulation war aber der Keim einer Kapitalmarktkrise(…)”
Kulturelle Eigenheiten: Ja, aber das kommt schon auf die Gruppe an. Wenn ich die USA als Land nehme, dann glaube ich nicht, daß man typische Eigenschaften findet. Dafür ist das Land zu heterogen und zu groß, die kulturelle Herkunft der Bewohner zu unterschiedlich.
Ich mag glauben, daß man pro Staat innerhalb der USA solche Eigenheiten findet. Aber für die gesamten USA? Ich weiß nicht. Muß das Buch mal lesen.
9. Oktober, 2008 at 09:52
Dann wurde der Grundstein der Krise also in der Privatisierung von Fannie Mae 1968 gelegt. Hammer ja wieder mal die Welt erklärt ;-)
Wie auch immmer: Tatsache bleibt, dass die Banken, Barbier schreibt es, nicht gezwungen wurden, sondern gebeten. Banken wollen eins: Geld verdienen. Und das haben sie in den USA versucht und zwar ohne Rücksicht auf Verluste und Folgen. Das nennt man Kapitalismus und wenn der Staat den fördert, ist er ein Teil des Kapitalismus, das kann man, wie gesagt, nicht voneinander trennen. Sonst könnte so etwas wie Staatskapitalismus ja auch gar nicht existieren.
Zum Thema Eigenheiten: Doch, kann man. Sonst könnte man beispielsweise eine Automarke auch gar nicht landesweit mit der gleichen Kampagne bewerben. Das Buch kann ich Ihnen gerne mal leihen. Lesenswert, auch wenn der Klappentext nicht hält, was er verspricht. Ich habe auch in meiner Amazon-Rezi ein bisschen was dazu geschrieben.
9. Oktober, 2008 at 10:05
Daß die Banken einen Teil der Schuld tragen, bestreite ich ja nicht. Ich sage ja nur: Der Grundstein liegt (vermutlich) in der durch Staatsprogramme und staatlich gelenkte Zinsen erzeugten Immobilienblase lagen.
Staatskapitalismus ist eben ein Teil des Problems, nicht ein Teil der Lösung.
Aber: Ich maße mir in der Tat nicht an, diese Zusammenhänge völlig zu verstehen. Das muß ich mal ganz klar sagen. Ich sehe nur keine Alternative zu einem Markt, weil alle Verstaatlichungsideen ja genau in die Richtung gehen, aus der, soweit ich es bisher beurteilen kann, das Problem zu kommen scheint.
Eigenheiten: Bewirtb man denn Automobilmarken in den USA einheitlich? Ich dachte immer, so ein Smart bspw. sei in Großstädten mit umweltschutzaffiner Bevölkerung erfolgreich usw.?
9. Oktober, 2008 at 10:12
Zwei Anmerkungen:
1) Der Hauptgrund für die niedrigen Zinsen war doch der Zusammenbruch der New Economy und der Herr Greenspan wollte durch die niedrigen Zinsen die Realwirtschaft ankurbeln.
2) Die FED ist keine staatliche Bank.
9. Oktober, 2008 at 10:12
In den USA herrscht aber kein Staatskapitalismus. Warum kommt denn die Krise aus den USA und nicht aus China?
Das Beispiel mit dem Auto war spontan gewählt, der Rapaille in seinem Buch zum Beispiel aufschlüsselt, was der Jeep für Amerikaner bedeutet, und wofür er bei Deutschen steht. Dass ein Farmer nicht im Smart über seine Felder juckelt, ist mir natürlich klar.
9. Oktober, 2008 at 10:20
Richtig, er wollte die Wirtschaft ankurbeln. De facto hat er aber eine Blase am Platzen gehindert. Und dadurch eine neue, viel größere verursacht. Aber das kann man ihm nicht vorwerfen, man kann eben diese Entwicklungen nicht abschätzen. Daher ist es ja auch so dramatisch, wenn einzelne Institutionen Entscheidungen treffen, die den gesamten Markt betreffen.
Ob die FED nun staatlich oder privat ist (und sie ist eine Mischung aus beidem, siehe Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Fed) ist letztlich egal: Ein Privatunternehmen ist nicht per se besser als ein Staatsunternehmen, wenn die Gegebenheiten gleich sind: Also eine Stellung, in der Entscheidungen zentral für Alle getroffen werden müssen.
9. Oktober, 2008 at 10:21
Ramses: Dieses Buch werde ich in der Tat mal lesen müssen.
Ich wollte gerade persönliche Erfahrungen anbringen, habe aber gemerkt, wie unsinnig das in einer Debatte über Eigenheiten eines gesamten Volkes wäre ;-)
9. Oktober, 2008 at 12:16
Joseph Ackermann ist übrigens schon einen Schritt weiter als Sie. Ich zitiere: “I no longer believe in the market’s self-healing power.”
9. Oktober, 2008 at 22:50
“Warum kommt denn die Krise aus den USA und nicht aus China?”
weil die kommunistische einheitspartei chinas bei der ausbeutung der eigenen bevölkerung viel effizienter ist und mit ihrem modell jede menge kohle scheffelt, die sie dann in staatliche zockerfonds steckt.
ironischerweise haben diese staatlichen zockerfonds jetzt ebenfalls sehr viel geld verloren.
staatliche zocker, wie bspw auch unsere landesbanken oder die ikb als tochter der kreditanstalt für wiederaufbau können am markt agieren, mit unterstützung des staates und einem impliziten, steuerfinanzierten risikoschirm. die höheren renditen der staatlich “kontrollierten” und damit de facto geförderten banken erhöhen aber die risikobereitschaft der anderen marktteilnehmer, die ebenfalls höhere renditen erzielen wollen. und so schaukelt sich das hoch: “wenn die ein höheres risiko eingehen, können wir das erst recht, dann verdienen wir noch mehr!”, sagen sich die landesbanken.
ironie dieser geschichte: die gewinne, zb der kfw – so rund 6 mrd euro im jahr in guten zeiten – wurden übrigens in den bundeshaushalt abgeführt, der damit u.a. sozialleistungen finanziert.
wir sehen also: es sind zumeist halb-staatliche oder wenigstens staatlich geförderte marktakteure, die für eine verzerrung der risikowahrnehmung verantwortlich sind. wie bei freddie und fanny.
10. Oktober, 2008 at 09:41
weil die kommunistische einheitspartei chinas bei der ausbeutung der eigenen bevölkerung viel effizienter ist und mit ihrem modell jede menge kohle scheffelt, die sie dann in staatliche zockerfonds steckt.
Ja. Das ist böse. Und? Übrigens hat sich auch die NZZ* für zeitweise Verstaatlichungen ausgesprochen. Aber was wissen die linksradikalen Marktverweigerer schon. Die sollten mal lieber hier im Blog nachfragen.
*Artikel in der Ausgabe vom letzten Samstag, leider nicht online verfügbar.
10. Oktober, 2008 at 11:39
lets keep this friendly, Ramses, ok? :-)
10. Oktober, 2008 at 12:08
Nagutok. Mir geht es ja auch letztlich gar nicht darum, wer Schuld hat. Sondern darum, wie der Karren wieder aus dem Dreck gezogen werden kann. Dass das Finanzsystem aufgefangen werden muss, ist klar. Nur wie der Markt das schaffen soll, hat bisher noch keiner (!) sagen können. Die Experten, deren Meinung ich im Rahmen meiner Möglichkeiten als fundiert einschätzen kann, sagen jedenfalls: Durch staatliche Hilfe bis hin zur zeitlich begrenzten Verstaatlichung. Und das sind alles markthörige und kritische Experten.
10. Oktober, 2008 at 12:26
Nachtrag:
Da der Artikel wie gesagt online nicht abrufbar ist (bzw. die Suche auf nzz.ch eine einzige Web1.0-Katastrophe ist), hier ein Auszug. Der Redakteur beschreibt ein „Manual für staatliche Hilfe“ und zieht Parallelen zur Medizin. Grundtenor: Einen Husten (Firmenpleiten) kann man (der Markt) selber auskurieren, bei einem Tumor (Finanzabstürze) muss man sich allerdings einer Chemotherapie (staatliche Intervention) unterziehen.
“Wichtig ist jedeoch, zehntens, der geordnete Rückzug, der wohl heikelste Aspekt einer Staatshilfe à la Paulson. Man muss den Körper wieder der Medikamente entwöhnen, ihn sich selbst überlassen. Das ist in der Wirtschaftspolitik ebenso schwierig wie in der Medizin. Vor allem Regulierungen und Steuern werden selten zurück genommen. Verstaatlichungen haben da, so paradox es klingen mag, fast einen Vorteil. Sie werden in einem im Grundsatz liberalen Ideen verpflichteten Staat eher rückgängig gemacht als Regulierungen, an denen meist noch die Enkel der Regulatoren zu nagen haben. (…) Für Nothilfe ist der Staat, wie es manchmal hämisch heißt, gut genug.“
Das meine ich. Es nervt einfach, wenn immer gleich jemand „Planwirtschaft!“ schreit, sobald er „staatliche Intervention“ hört.
10. Oktober, 2008 at 22:55
nix für ungut, aber ich finde “kapitalismuskritiker” in etwa so spannend wie die kritiker schlechten wetters. zu beidem gehört nicht übermässig viel analytischer sachverstand und dennoch können beide auch keine besseren alternativen anbieten.
(ausser die chinesen vielleicht: die schiessen chemie-raketen in den himmel, um wahlweise die wolken zu vertreiben oder es regnen zu lassen.)
was ackermann angeht: das ist ein schweizer, der einfach nicht kapiert, welche wirkung sein victory-zeichen vor gericht und seine planlosen interviews in d. haben. natürlich reguliert sich der markt selbst! nur eben nicht zu ackermanns gunsten, das ist aber sein problem.
wenn sich banker verspekuliert haben, gehen sie pleite und verschwinden vom markt. banken wird es auch nach einem crash geben, den kapitalismus sowieso. und nichts ist heilsamer als die selbstregulierung durch den markt. wer diese kräfte auszutricksen versucht, der wird damit langfristig nicht erfolgreich sein.
die amis haben es mit dem leben auf pump zu weit getrieben?
der markt reguliert das automatisch. und wenn der staat versucht, das durch zu billige zinsen aufzuschieben und so weiter zu machen, wird der knall am ende trotzdem kommen, nur eben lauter.
die deutschen wollen das „fire“ durch kündigungsschutzgesetz schwer machen und den marktmechanismus austricksen? im ergebnis macht er auch das „hire“ schwerer und die zeitarbeit wird zur boom-branche.
übrigens: wenn der staat davon profitieren kann, indem er schlingernde banken für einen appel und ein ei in staatsbesitz bringt und irgendwann wieder zum wohle der staatsfinanzen verkauft, soll mir das recht sein. bei der AIG hat der staat für seinen kredit die aktienmehrheit bekommen.
ich bin allerdings ein gegner von „rettungspaketen“ wo milliardenfach das sauer verdiente steuergeld den marktversagern nachgeworfen wird, damit sie nicht so laut aufschlagen. das ergebnis wird sein, dass der schock weniger heilsam ist.
11. Oktober, 2008 at 16:15
War ja eh klar, daß ich genau dann auf dieser dämlichen Konferenz sein muß, wenn es hier wieder spannend wird.
Ramses, gegen die Verstaatlichung, wie sie in England betrieben wird, ist ja auch gar nichts zu sagen. Genaugenommen ist das sogar ein sehr vernünftiger Weg, weil er bedeutet, daß der Staat nur kurzfristig eingreift, die Risiken überschaubar sind und marktwirtschaftlich agiert wird. Denn nach einer entsprechenden Übergangszeit werden die verstaatlichten (sprich: gekauften) Anteile ja wieder verkauft.
Die „Verstaatlichung”, wie sie in England gerade ausprobiert ist, ist eigentlich der marktwirtschaftliche Weg aus der Krise.
Nur: Klappen muß es halt. Wie schon der Zwei-weh-oh im Boot sagte.
12. Oktober, 2008 at 01:47
Nun, GP, Sie haben in Ihren Überlegungen nicht berücksichtigt, das Kapitalismus nur funktionieren kann, wenn die elementaren Risikoentscheidungen durch die Kapitalgeber getroffen werden – was am derzeitigen Finanzmarkt augenscheinlich nicht der Fall ist, den hier treffen nicht die Kapitalgeber, sondern die Kapitalverwalter die wesentlichen Entscheidungen, deren Eigenengagement denkbar gering ist (und die zudem über aussreichende asymmetrische Information verfügen).
Daher ist die Verstaatlichung des Bankenwesens tatsächlich die einzige Alternative: Wer zahlt, bestimmt die Musik, oder: wer die Bank rettet, muss die angestellten Betriebswirte in den Griff nehmen, da diesen offenbar nicht per se genügend Ratio gegeben ist.
Einzig sinnvolle Alternative wäre, den Finanzmarkt durch einen großzügigen Kollaps einer grundsätzlichen Reinigung zuzuführen, was ich persönlich grundsätzlich begrüßen würde (da treffen sich übrigens Marktradikale mit Anarchisten) – allerdings würde diese Lösung die Transaktionskosten für die Gesamtwirtschaft so unerträglich steigern, dass die zu erwartenden realwirtschaftlichen Verluste die Ineffizienz der Staatsbürokratie sehr weit übersteigen.
Just my 2c.
13. Oktober, 2008 at 09:40
@Junkhead + Psycho: Ich bin in etwa so kapitalismuskritisch wie Hans-Werner Sinn. Interessantes Interview in der FAZ vom Sonntag übrigens. Aber egal. Sie wissen es besser.
13. Oktober, 2008 at 09:46
PS: Wobei Sie mit Ihrer Einschätzung der Verstaatlichung in England natürlich recht haben.
14. Oktober, 2008 at 23:11
Dieses „Sie wissen es besser” verstehe ich nicht, denn letztlich habe ich Ihnen ja nur zugestimmt.
15. Oktober, 2008 at 21:48
@ gp
Warum lassen sie sich eigentlich so verbiegen! Bleiben sie bei ihren erstgenannten Standpunkt!
16. Oktober, 2008 at 10:00
1. Grundsätzlich halte ich viel davon, den eigenen Standpunkt ständig zu überdenken. Die Chance ist immer sehr hoch, daß die eigene Überzeugung falsch ist. Viel höher als die Chance, richtig zu liegen.
2. Im vorliegenden Fall habe ich meine Überzeugung allerdings beibehalten, weil ich nicht vom Gegenteil überzeugt wurde. Daß ich einer Verstaatlichung der Banken zustimme, liegt einfach daran, daß ich diesen Vorgang (trotz seines ungeheuerlich klingenden Namens) für die marktwirtschaftlichste Lösung halte.
16. Oktober, 2008 at 11:44
“… wissen es besser” bezog sich eher auf Junkhead, Sie hab ich nur wegen des Ursprungsbeitrags mit ins Boot geholt.
Daß ich eine(r) Verstaatlichung der Banken (…) für die marktwirtschaftlichste Lösung halte.
Und genau das ist der Punkt. Der Staat ist nämlich Teil der Marktwirtschaft. Wer glaubt, es könne einen Markt ohne Staat unter Laborbedingungen geben, der muss sich auch den Vorwurf gefallen lassen, ein Marktromantiker zu sein. Äquivalent vielleicht zum Sozialromantiker, der ja ebenso argumentiert, nämlich für ihn ideale Konstrukte voraussetzend.
16. Oktober, 2008 at 11:52
Nun, wenn Sie den recht harten Vorwurf der Besserwisserei nach dem Schrotflintenprinzip verteilen, dann können Sie davon ausgehen, daß sich eben auch mehrere Personen angegriffen fühlen – vor allem, wenn Sie sie namentlich nennen.
Aber was solls? Wenn ich nun behaupte, daß alle Blgoschreiber Besserwisser seien, und das Sie selbstverständlich einschlösse, antworteten Sie sicherlich mit einem lapidaren „habe mich auch nie ausgeschlossen”. Oder? :-)
Wie Sie wissen, halte ich überhaupt nichts von einer reinen Marktwirtschaft, weil sich diese automatisch ordnen würde: zu Monopolen.
Daher sehe ich selbstverstsändlich den Staat in der Pflicht, den Markt zu ordnen. Aber eben so wenig wie möglich. UND! so günstig wie möglich für den Steuerzahler, denn wir müssen ja das Geld für all diese Leistungen aufbringen.
Es ist also völlig klar, daß ich das englische Modell befürworte.
16. Oktober, 2008 at 12:11
So hart finde ich den Besserwisservorwurf gar nicht. Ich weiß ja schließlich auch alles besser. Wie eigentlich jeder im Internet.