Matt meinte, wir müssten mal wieder ein Konzert besuchen, anstatt uns einfach nur wie jeden Donnerstag zulaufen zu lassen. Nun bin ich ja jederzeit bereit, mich musikalisch weiterzubilden. Aber als er den Namen „Annett Louisan” erwähnt, bin ich doch kurz schockiert. Ich halte nun von ihrem „Spiel” (übrigens der einzige Song, den ich von ihr bis dato kannte) überhaupt nichts und daher nichts von ihr als Künstlerin. Eine kurze Umfrage auf Twitter und Identi.ca bestätigt diesen Eindruck: „überhyptes Frolleinwunder”, „Piepsstimme”, „pseudo-cool” sind die Schlagwörter, die ich zu lesen bekomme.
Ich treffe mich altruistischerweise dann doch mit Matt, schließlich will ich nicht, daß er bei strömenden Regen mit dem Fahrrad zum NDR fahren muß. Wir betreten das hässliche Gelände, werden konsequent öffentlich-rechtlich mit Wasser oder Orangensaft (aus Orangensaftkonzentrat) begrüßt: es sollte das einzige sein, was an Verköstigung angeboten wurde.
Eine ihre Sache recht ordentlich machende Moderatorin kündigt mit den üblichen, pathosbeladenen Worten die Künstlerin an, und dann tritt Annett Louisan wohl auf die Bühne. Genau weiß ich es nicht, denn ich kann nichts erkennen. Also verstehen Sie mich nicht falsch, ich kann die Oberkörper des Gitarrespielers und auch des (sitzenden) Schlagzeugers sehen, aber daß da vorne noch eine Frau steht, kann ich nur aufgrund des nun einsetzenden Gesangs erahnen.
Und was ist das für ein Gesang! Fast wie Bertolt Brechts „Dreigroschenoper” kommt das erste Lied daher, Frau Louisans Stimme klingt in natura doppelt so sexy wie die zweitsexieste Stimme, die ich kenne. Ich beginne, mitzuwippen. Matt registriert das, aber wenn er triumphierend grinst, dann ohne es sich äußerlich anmerken zu lassen. Auch das zweite Stück gefällt mir ausgesprochen gut, und ich beginne, mich zu fragen, ob ich Annett Louisan nicht vielleicht verwechselt habe, aber dann singt sie zum Glück eines der Stücke, die ich mit ihr verbinde; auch das wiederum klingt besser, als ich es in Erinnerung habe, aber kurz darauf steigert sie sich wieder, spielt mit Worten und Akkorden, ich hole seit langem zum ersten Mal wieder Luft und stelle fest: ich bin begeistert.
Ich krame also mühsam das iPhone heraus, stelle mich irgendwo an den Rand der Bühne, verpasse aber natürlich den richtigen Moment, nämlich den, als sie direkt dem Bühnenrand zugewandt ist. Sie will sich wegdrehen, registriert mein enttäuschtes Gesicht, harrt noch etwas länger aus, ermöglicht mir mein Photo und befaßt sich dann wieder mit dem Publikum auf der anderen Seite.
Das Konzert ist zuende, die Moderatorin erklärt umständlich, daß sich Frau Louisan nun etwas ausruhen müsse, bevor sie zurückkäme, um irgendetwas zu tun, ich nehme an, Fans mit Eddings bekritzeln oder so, jedenfalls keine Sache, die ich mir unbedingt ansehen muß, sehr wohl aber ihre Ausruhphase: hektisch schreitet sie durch die Tür, die Zigarette noch nicht angezündet, sehr wohl aber schon im Mund.
Matt und ich sind auf dem Weg nach draußen, als wir über einen streunenden Photographen stolpern. Das einzige, was man in einer solchen Situation machen kann, tun wir: wir knipsen ihn bei der Arbeit und freuen uns darüber, gerade so, als hätte diesen tollen Witz noch keiner zuvor gebracht.
Ich bin sicher, daß Marcos Bilder wieder großartig geworden sind. Deswegen lassen Sie uns nun gemeinsam sein Blog besuchen, ja?


17. Oktober, 2008 at 10:42
Hat das iPhone einen zuschaltbaren 70er-Jahre-Filter?
PS http://www.youtube.com/watch?v=MRRWHSY7ZwI ;-)
17. Oktober, 2008 at 10:59
Der ist großartig, oder? Und das Beste: Er schaltet sich selbsttätig ein und aus.
17. Oktober, 2008 at 11:16
ich hab ja glücklicherweise nen knackarsch – aber steht irgendwo geschrieben, dass man fotografen immer gesäß-präsentierend ablichten muss?
17. Oktober, 2008 at 11:20
Diese Regel kennt jeder. Also jeder, der kein Photograph ist.
Und ja, das Photo ist durchaus schmeichelhaft ;-p
17. Oktober, 2008 at 14:33
ich habe die dame auch einmal live gesehen und mir ging es exakt gleich. vorher: kein bock – nachher: zurückhaltende begeisterung.
17. Oktober, 2008 at 14:45
ui. hat sie das blond abgelegt?
im übrigen hatte ich mir ihr erstes album zugelegt. auf diesem – wie auch bei einigen anderen – gefällt mir nicht alles. aber es gefällt dass sie abseits der anderen ist.
17. Oktober, 2008 at 15:34
von mir die bitte das die option „ich beete für ihren tot“ noch in das voting mit aufgenommen wird. Ich hasse diese frau und ihre musik abgrundtief. auch in live für mich zum speien.
hyterisch ist übrigens viel besser als hysterisch. viel exotischer.
17. Oktober, 2008 at 16:05
Devox, Sie sind Gärtner? Interessant. Aber im Herbst weniger, nehme ich an.
Wer übrigens Marcos Superjeans NOCH besser ausgeleuchtet betrachten möchte, sei herzlich auf der Rückseite der Reeperbahn willkommen.
17. Oktober, 2008 at 16:32
ich entschuldige mich untertänigst herr matt, aber als ungläubiger heide bin ich nur sehr schlecht informiert über den akt der gott/götterpreisung. und das rote beete in keinster weise etwas mit der zeremonie zu tun hat weis ich auch erst seit jetzt, dank ihnen.
17. Oktober, 2008 at 16:57
Mist. Ich kann die Umfrage nicht mehr so einfach nachträglich ändern, scheint mir. Jedenfalls nicht so ohne weiteres. Also bleibts bei hyterisch. Daher auch keine rote Beete als Auswahlmöglichkeit. Sonst gerne. Bin da ja nicht so.
17. Oktober, 2008 at 23:39
VERNICHTUNG
18. Oktober, 2008 at 13:54
das alles hätte ich ihnen auch vorher schon sagen können.
19. Oktober, 2008 at 08:40
hamse aber nicht.
21. Oktober, 2008 at 12:01
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23. Oktober, 2008 at 21:31
hättense ma gefragt.