Die Aktion „Anzüge & Alkohol”, die ich bei Twitter ausgerufen habe, bringt mich mittlerweile in echte Bedrängnis. Denn auf einmal stellt sich mir die Schuhfrage. Bei dem Wetter da draußen ist ein beigefarbener Anzug einfach nicht zu tragen. Das wäre ja erstmal auch kein Problem, schließlich besitze ich genügend graue und blaue Anzüge. Aber: Dazu passen nunmal nur schwarze Schuhe. Und ich besitze lediglich zwei Paar schwarze Pferdeleder-Schnürschuhe. Die Loafer kann ich genausowenig zum Anzug tragen wie die Chelsea-Boots, außer vielleicht am Wochenende.
Es bleibt nur eines: Mal wieder zu Görtz fahren. Und das kurz vor Weihnachten. Vielleicht endlich mal John Lobb probieren?
Welche Alternativen bleiben mir denn? Ich kann ja schlecht die von mir selbst ausgerufene Aktion einfach so, quasi mir nichts, Dir nichts, abbrechen.
Mit dem Alkohol verhält es sich auch schwierig: Der Astra-Vorrat ist schon seit einiger Zeit alle. Und Gin Tonic ist zwar ein ganz hervorragender Drink, aber er schmeckt einfach im Sommer besser.
2. Dezember, 2008 at 21:38
Wagen Sie doch einfach mal etwas. Seien Sie ungezogen. Lassen Sie sich einfach mal gehen. Überschreiten Sie Grenzen. Seien Sie frei. Seien sie LIBERAL – und tragen irgendeine x-beliebige scheiß Schuhfarbe außer Schwarz zu Ihren grauen und blauen Anzügen.
Sie werden sehen: Es tut gar nicht weh. Im Gegenteil: Sie werden sich fühlen wie der gemeinsame Bruder von Che Guevara, Steve McQueen und – Matt.
3. Dezember, 2008 at 09:18
Naturfarbene, auch hellere Schuhe zum dunkelblauen Anzug haben sich doch schon lange durchgesetzt; ich trage schon seit Jahren keine schwarzen mehr dazu.
Etwas winterlicher, als Tonic finde ich Gin mit Campari; oder Negroni (mit 1/3 Vermuoth und 1/3 Campari) (passt auch gut zu dunkelblau ;-)
Ciao
(@dirknolte]
3. Dezember, 2008 at 10:02
ähäm…astra und blaue anzüge?? ich bin etwas irritiert…warum nicht gleich jogging-anzug und öttinger?? damit würde sich auch die schuhfrage beantworten…badelatschen in bleu ;)
3. Dezember, 2008 at 10:38
Lassen Sie sich von den Tuchbanausen bitte nicht durchs Konzept fahren.
3. Dezember, 2008 at 10:47
Matt, das ist ein guter Tip. Ungefähr so, als wenn ich Ihnen empfähle, einfach mal nicht so viel zu denken. Mal fünfe gerade zu sein lassen, nicht ständig über Ihr eigenes Tun und Handeln nachzudenken. Es ginge Ihnen viel besser, da müßten Sie mir zustimmen.
Mit dem Sinn für Ästhetik ist es leider nicht anders. Man kann ihn, einmal besessen, nicht einfach abschalten. Dennoch danke, die Idee ist ja gut.
Dirk: Das ist eine Unsitte, die in Deutschland aufkam, um Italiener zu imitieren. Zu dunkelblauen Anzügen mag ich die Naturfarbe von Cordovan-Schuhen durchaus noch ansehnlich finden, aber dieses Mittel- bis Hellbraun, das sieht einfach übel aus. Es schreit den Betrachter an: „Guck her, nimm mich wahr, ich möchte gerne provozieren, aber auf Gockel-artige Weise, und außerdem möchte ich damit zeigen, daß ich im Herzen Italiener bin”.
Und ganz nebenbei paßt auch die „Wertigkeit” nicht: Dunkelblau ist nunmal die am edelsten aussehende Farbe, die man bei Anzügen tragen kann. Hellbraune Schuhe hingegen sind bei förmlichen Anlässen schon grenzwertig.
Wie gesagt: Gegen die von Ihnen favorisierte Naturfarbe von Pferdelederschuhen habe ich bei blauen Anzügen nichts. Das kann gut aussehen.
Gin mit Campari? Und sonst nix? Hmmm… ich glaub, das probier ich einfach mal. Merci!
Hughunter: Astra – was dagegen? ;-)
(ich halte Astra übrigens in der Tat für ein ganz phantastisches Bier, das muß ich einfach mal sagen)
Tochter: Keine Sorge.
3. Dezember, 2008 at 10:54
Was bitte ist denn „Naturfarbe“ bei Pferdeleder?
UAstra zu mögen muss man sich erarbeiten. Das ist nicht ganz leicht, aber machbar. Und in Hamburg auch absolut überlebenswichtig.
3. Dezember, 2008 at 10:59
Ramses: Gucken Sie sich doch mal bitte den Beitrag „Werbung aus Überzeugung” an: Hier.
3. Dezember, 2008 at 11:15
Den hab ich natürlich gelesen. Aber da stand nix davon, dass die abgebildeten Schuhe „naturfarben“ seien. Ich hätte das einfach „braun“ genannt :-)
3. Dezember, 2008 at 11:16
Das war ja kein Vorwurf an Sie, sondern der Hinweis, wo Sie ein Bild von soner Farbe sehen.
3. Dezember, 2008 at 11:16
Ich finde aber auch, daß die eher rotbraun aussehen. ;-)
3. Dezember, 2008 at 11:59
Naja, ich leb jetzt fast 10 Jahren in Italien, macht nicht den Eindruck, als wenn alle hier das aus Deutschland mitgebracht hätten. Ich find’s jedenfalls ganz angenehm und erlaube mir sogar weiche Sohlen zum blauen Anzug und wenn’s kalt ist einen Kapuzensweater unten drunter. Ich trag einfach gerne Anzüge.
(Diese Italien-Fuzzis gibt’s in D. natürlich haufenweise, da hast Du sicher Recht, aber wer als Einwanderer hier 10 Jahre überlebt hat, der ist in seinem Herzen nichts weniger, als ein Italiener.)
3. Dezember, 2008 at 12:33
Vergessen: Am besten Bitter Campari, also ohne Soda; Schuß Gin und eine Orangescheibe rein. Ist in der Gegend um Rom _der_ Aperitivo.
Ciao.
3. Dezember, 2008 at 13:35
Gegen braune („chestnut“) Schuhe zu dunkelblauen Anzügen ist überhaupt nichts einzuwenden. Ganz im Gegenteil. Ich mag sie mit Schwarz einfach nicht mehr sehen. Ob nun Italiener oder nicht, es sieht einfach besser aus.
Das mit der „Naturfarbe“ von Cordovan ist natürlich ein populärer Irrtum. Bordeaux ist einfach nur eine von vielen möglichen Farben bei Cordovan. Zufälllig die Beliebteste.
3. Dezember, 2008 at 13:36
Gegen braune („chestnut“) Schuhe zu dunkelblauen Anzügen ist überhaupt nichts einzuwenden. Ganz im Gegenteil. Ich mag sie mit Schwarz einfach nicht mehr sehen. Ob nun Italiener oder nicht, es sieht einfach besser aus.
Das mit der „Naturfarbe“ von Cordovan ist natürlich ein populärer Irrtum. Bordeaux ist einfach nur eine von vielen möglichen Farben bei Cordovan. Zufälllig die Beliebteste.
So long
3. Dezember, 2008 at 17:29
@Psycho: Ich habs auch nicht als Vorwurf aufgefasst.
3. Dezember, 2008 at 20:44
Mit derselben Begründung, Edgar Hugo, dürften Sie überhaupt keine Anzüge mehr tragen („nicht mehr sehen”).
Wir könnten nun lange hin- und herdiskutieren, aber zu keinem Ergebnis kommen. Für mich ist dieses hellbraune-Schuhe-zum-dunkelblauen-Anzug in etwa das Gleiche wie lilafarbene Pullis überm Hemd oder gelockte Haare bei Stirnglatze. Für Sie mag es einfach gut aussehen. Leider trägt hier in HH irgendwie jeder pseudo-jungdynamische Mensch diese braunen Schuhe zum dunkelblauen Anzug, und bei all diesen ist weder das eine noch das andere gut sitzend.
In bezug auf die Naturfarbe muß ich mich bedanken. In der Tat hielt ich diesen Bordeaux-Ton für die Naturfarbe. Jedenfalls meinte ich diesen Ton, den ich für durchaus gelungen in der Kombination mit dunkelblau halte. Wenn eben auch nicht so feierlich und schön wie schwarz.
Dirk: Ich glaube, wenn sich jemand wirklich im Anzug wohl fühlt und aus einem Stilbewußtsein heraus variiert, dann ist das Ergebnis meist gut. Wenn jemand einen Stil zu kopieren versucht, dann geht es meist in die Hose. Und vermutlich ist das bei braunen Schuhen auch so. Bei den Leuten, bei denen ich das bisher gesehen habe, sah es stets gewollt aus.
Nach 10 Jahren ist man assimiliert, ja. :-)
12. Dezember, 2008 at 00:21
CHEALSEA-BOOTS?? Es gibt also noch Chelsea-Boots-Träger in dieser Welt? Hach! Mein Herr, fühlen Sie sich subscribiert! ^^
15. Dezember, 2008 at 10:46
Ich finde Chelsea-Boots eigentlich ganz hervorragend, vor allem im Herbst und im Winter.
13. Januar, 2009 at 15:50
Sehr geehrter Herr GP,
ich bin nun seit einiger Zeit stiller Mitleser Ihres Blogs. Vorab möchte ich Ihnen Lob aussprechen, ich amüsiere mich immer wieder köstlich. Dies gilt im Übrigen auch für Herrn Matt’s Blog (bitte Grüsse ausrichten!). Da ich ebenfalls in Hamburg residiere, ist das Ein oder Andere sehr nachvollziehbar.
Sie „duellieren“ sich, so ist es mir in einigen Geschichten aufgefallen, kleidertechnisch mit Herrn Matt, wobei Sie wiederum jedesmal herausstellen, wie armselig Herr Matt oder wieviel besser Sie gekleidet zu meinen scheinen. Ich bin ebenfalls Anhänger der guten Schneiderkunst und teile u. a. ebenso Ihre Meinung bezgl. der oben thematisierten Schuhfrage. Was ich aber nicht nachvollziehen kann, ist, warum Sie in Gottes Namen Armani Anzüge tragen und gleichzeitig scheinbar auch Mantelträger von der fantastischen Manufaktur Kiton sind? Konfektionsware gepaart mit Maßarbeit? Ich bitte Sie GP, bei den Schuhen halten Sie es doch auch stilsicher. Oder lässt sich die Damenwelt eher von Armani als Kiton, das geschlechtsbedingt zugegebenermaßen eher unbekannt sein dürfte, leichter beeindrucken? Bitte fühlen Sie sich nicht angegriffen, es interessiert mich einfach nur Ihr Standpunkt zu diesem Thema.
Mit sartorialischen Grüßen,
13. Januar, 2009 at 16:17
Ach, das mit Matt darf man nicht so eng sehen. Das ist kein echtes Duell. Und ich würde mir auch nie anmaßen, ihn ernsthaft zu kritisieren. Ich erlaube mir das bloß, weil ich ihn so gut kenne, daß er versteht, wie es gemeint ist.
Jetzt aber zu Armani und Kiton. Ich habe exakt gegenteilige Erfahrungen gemacht. Kiton werde ich ganz sicher nicht mehr kaufen, weil deren Ware im Verhältnis zum Preis nicht besonders gut ist. Ja, die Knöpfe sind mit der Hand drangenäht. Was bringt mir das? Wenn ich sie nach wenigen Tagen beim Schneider wieder drannähen lassen muß?
Einen Kiton-Mantel habe ich mal komplett neu schneidern lassen müssen. Also mit Ärmel ab und allem. Der Schneider war ziemlich entsetzt von der Arbeit. Dasselbe ist mir bei der Komplettänderung eines Armani-Sakkos nicht passiert.
Armani hingegen setzt ausschließlich auf maschinelle Arbeit, das aber mit hochwertigen Materialien. Ich besitze fünf oder sechs Armani-Anzüge, und selbst der älteste davon sieht immer noch aus wie neu. Und das Design ist eben zeitlos, aber nicht auf die Altherrenart, die man bei Kiton und Brioni öfter findet. Und mal ehrlich: Wenn ich bereit bin, die Preise für Anzüge zu bezahlen, die man bei Kiton und Brioni aufruft, dann gehe ich doch lieber zum Maßschneider. Beispielsweise zu Oliver Kresse, der mittlerweile schon zwei Anzüge für mich gemacht hat. Da hat man dann wirklich etwas Besonderes.
Und mal rein optisch: Armani schneidert die Anzüge eng. Ich mag das. Die Optik bei Kiton und Brioni ist, auch aufgrund der Herstellungsart (Innenfutter und so), eben etwas breiter, bulliger. Eher so wie amerikanische Anzüge. Das sagt mir persönlich einfach nicht zu.
Ein wichtiger Punkt noch am Ende: Armani paßt mir perfekt von der Stange. Wenn ich also einen Anzug von der Stange kaufe, dann läuft es nach einigem Probieren letztlich immer auf Armani raus.
Keine Sorge: Ich empfinde das nicht als Angriff. Ich diskutiere sogar sehr gerne darüber. :-)
13. Januar, 2009 at 23:53
„Das ist kein echtes Duell“???
Ich hyperventiliere!
14. Januar, 2009 at 11:03
Ich weiß, dass Sie Herrn Matt immer nur aufziehen, auch hier habe ich das ein oder andere Mal sehr schmunzeln müssen. Kauft Herr Matt eigentlich immer noch bei H&M? Ich hoffe, dass Sie es ihm austreiben konnten…? Dieser Punkt sollte sonst, nein müsste, beim nächsten Astra unbedingt auf die Agenda.
Ich teile Ihre Meinung bezgl. Kiton vs. Armani nicht, habe entsprechend gegenteilige Erfahrungen gesammelt. Natürlich kann man über den Preis streiten, ich empfinde es generell auch als zu teuer. Ich gebe auch unumwogen zu, nicht der klassische „Kiton im Flagship-Store Käufer“ zu sein. Viel mehr muss ich mich im Sale bzw. ausgewählte Angebote auf Mientus, Braun etc. beschränken.
ABER, Herr GP, die Qualität lässt hier eigentlich keinen Raum für Diskussionen. Es salopp mit einem per Hand angenähten Knopf, der nach etwaigen Gebrauch der Schwerkraft zum Opfer fiel, abzutun, ist, wie ich finde, nicht gerecht. Vielmehr ist das ganze Sakko handverarbeitet, mit viel Liebe zum Detail, das der Kenner zu schätzen weiß. Des Weiteren lassen sich auch Kiton Sakkos perfekt an den Körper anpassen. Daher teile ich Ihre Meinung bezgl. eines bulligen Auftritts nicht. Natürlich gebe ich Ihnen recht, dass Kiton, vermutlich aufgrund der Preisklasse, eher die ältere Käuferschicht anspricht, ergo nicht von vorne herein topmodern und supereng schneidert. Dies kann aber jeder bessere Schneider den Wünschen entsprechend abändern. Im Übrigen macht es auch Kiton Hamburg, unabhängig ob das Stück dort erstanden wurde. Ich zähle beispielsweise ein 180′S Sakko in navyblue mein Eigen, welches bombastisch und figurbetont sitzt. Momentan hängt es trist, wie einige andere Stücke auch, überwiegend im Schrank da das Weihnachtsgebäck mit meinem Körper doch wieder Dinge angestellt hat, die weniger erfreulich sind. The same procedure as every year…
Ich bin froh, dass Sie meine Ausführungen nicht als Angriff sehen. Ihre Montblanc Kugelschreiberspitze im näheren Bereich meiner Augen behagt mir nämlich nicht, ebenso wenig, wie der Missbrauch meiner Haut, zum kurzfristigen Beenden Ihres Genußkonsums…;-)
Herr Matt, schön Sie hier „kennenlernen“ zu dürfen. Ich bin ebenfalls Anhänger Ihres Blogs. Gegen das hyperventilieren hilft sicher eine Papiertüte von Budni, sofern Ihnen eine zur Verfügung steht und nicht für das Entsorgen von Altpapier von Nöten ist…
P.S. Oliver Kresse kenne ich nicht, werde mich aber diesbezgl. informieren. Ich kann Ihnen die baldige Eröffnung eines Ladens, dessen Name mir gerade entfallen ist, in der Nähe der Colonnaden ans Herz legen. Er verkauft italienische Schneiderwaren in Top-Qualitäten zu einem Drittel von Kiton Preisen. Den Namen reiche ich noch einmal nach…
15. Januar, 2009 at 01:23
Ich sehe, Sie verfügen über Insiderkenntnisse (Budnitüten). Das stimmt mich milde.
18. Januar, 2009 at 23:27
Signore, aber allein dadurch, daß Kiton die Schicht zwischen Innenfutter und außen (durchaus hochwertig) mit einem echten Stück Stoff anfertigt, KANN das Sakko ja gar nicht so schön eng am Körper liegen, wie es eines von Armani tut.
Außerdem habe ich ja nicht nur die Knöpfe erwähnt. Der Maßschneider, der den Kiton-Mantel auseinandergenommen hat, hat mir ja erst erklärt, daß die Arbeiten an dem guten Stück zwar manuell, aber eben auch nicht gut ausgeführt seien.
Wie gesagt: Bei einem Anzug für 3000 Euro mache ich lieber häufiger einen Zwischenstop in London (oder bei Oliver Kresse oder bei Tom Reimer) ein: Das ist dann wenigstens ein maßgeschneiderter Anzug, kein maßkonfektionierter.
Colonaden: Genau da sitzt der Herr Kresse übrigens. Den Namen des neueröffnenden Ladens interessierte mich aber doch!
Was aber lehnen Sie konkret bei Armani ab? Die Stoffqualität? Die maschinelle Verarbeitung? Ich sage ja, daß Handarbeit per se kein Qualitätsmerkmal ist: Wenn eine Maschine eine Näharbeit genausogut oder besser ausführen kann, dann stört es mich nicht. Wichtig sind für mich drei Kriterien: Es muß gut aussehen. Und es muß lange gut aussehen. Und es muß bequem sein.
:-)
21. Januar, 2009 at 11:19
Ja, lieber Herr GP, ich lehne die maschinengefertigte Konfektionsware ab. Ich habe im Übrigen nichts speziell gegen Armani, falls es so fälschlich verstanden wurde. Es gibt duchaus akzeptable Dinge bei Herrn Giorgio, ich nutze hin und wieder gern das EdT „Acqua di gio“…
Nein, im Ernst, Armani ist so schlecht nicht, wie ich oben bereits erwähnte. Es ist halt auch immer ein Anspruch an sich selbst und die eigene Geschmacksfrage. Ein dickes Kaschmir Sakko von Kiton sitzt sicher nicht so toll, wie ein hauchdünnes Micron-Stöffchen. Allerdings soll es das ja auch nicht. Armani wirbt darüber hinaus um eine ganz andere Käuferschicht, Lifestyle etc. „Seht her, ich trage Armani“. Das mag, vielleicht, nicht auf Sie zu treffen, aber viele sind einfach Markenjunkies. Da kann es manchmal nicht plakativ genug sein. Die Kiton-, Attolini- oder Brioni-Klientel hat mit diesen Leuten Nichts zu tun – und möchte es auch nicht. Hier zählt schlichtweg Eleganz und das beruhigende Wissen, nicht denselben Anzug wie der Tischnachbar zu tragen.
Des Weiteren ist ein handvernähter Anzug flexibel, das ein oder andere Pfund, welches zu- oder auch abgenommen wird, verschwindet beim Tragen, ohne ein hässliches, wurstiges Spannen zu verursachen. Natürlich mag das für Sie, GP, ein weniger wichtiger Kaufgrund sein, aber einen 4000,- Euro Anzug ständig zum Ändern zu bringen, ist auf Dauer auch nicht sinnvoll.
Die Lage zwischen Innenfuter und außen ist mir bisher nicht aufgefallen. Was meinen Sie hier genau? Vielleicht war Ihr sezierter Mantel doppellagig? Ich kann Ihnen versichern, dass sich sämtliche Jacken, die ich zu tragen pflege, wie eine zweite Haut an mich schmiegen.
Das Unverständnis, einen Kiton-Anzug für viel Geld, der dennoch von der Stange ist, zu kaufen, teile ich schon etwas mehr. Das Problem ist, dass viele einfach nicht 8-10 Wochen auf Ihren Anzug warten wollen oder können. Daher hat, wie Armani, RL etc., auch Kiton Stangenware im Angebot. Diese sind auf Maße des Durchschnittseuropäers abgestimmt und auch hier bereits in verschiedenen Schnittformen (z. B. drop 8R) zu haben. Drop 8R bedeutet, dass die Differenz zwischen Schulterpartie zur Taille 4 cm je Seite beträgt, also zusammen 8. Nun gibt es drop 4,5,6,7,8,9,10 etc. Darüber hinaus wird bei Kauf eines Anzugs auf die eigenen Körpermaße abgestimmt, hier 1 cm und dort 1 cm…
Bei Armani gibt es eine Gr. 50 und das war es!
Abschließend bleibt festzuhalten, dass auch die sog. Stangenware von Kiton Handarbeit bleibt. Die Stoffe sind mit Nichts, aber auch wirklich Nichts von Armani(ich sage immer wieder Armani, dabei meine ich sämtliche Konfektionsware), zu vergleichen.
Dazu fällt mir eine kleine witzige Geschichte ein, die ich vor kurzem erleben durfte. Ich treffe also einen alten Freund (länger nicht gesehen und gehört) und mir fällt schon von weitem auf, dass sein Anzug toll sitzt und seiner Figur gut schmeichelt. Im Laufe des Gesprächs mustere ich ihn unauffällig, schaue mir jene kleine, aber feine Details an. Abgesehen von dem billigen Glanz, der mich fast zwang eine Sonnenbrille aufzusetzen, und den schäbig aufgenähten Knöpfen (wenn man sowas Knöpfe nennen darf und „richtige“ Knöpfe damit nicht beleidigt), blieb nicht mehr viel vom ersten, zugegebnermaßen guten Eindruck. Nebenbei und mit gespieltem Interesse fragte ich ihn, auch um ihn zu testen, wie er diese merkwürdige Körperhülle zu beschreiben mag, woher er diesen Anzug hat. Er sagte nicht „Ach der, der ist von C&A, war ganz billig und nicht der Rede wert“, nein, er sagte, „Ja der, der ist von C&A“. Die hätten dort eine bestimmte Linie, und er nannte einen italienischen Namen und zeigte mir das Logo in der, ähem, „Jacke“, aus italienischer HANDARBEIT! Er sagte HANDARBEIT! Im Nachhinein hätte ich mir in diesem Moment die Anwesenheit eines Montblanc-Füllers gewünscht.
Kurz gesagt, jemandem, der sich auskennt, wird auffallen, dass es sich um einen „billigen“, maschinengefertigten Anzug hält.
P.S. Kresse schaue ich mir gern einmal an. Zu Tom Reimer gehe ich schon aus Prinzip nicht. Jemand, der sich SELBST über Brioni und mit Kiton auf eine Stufe stellt, fällt bei mir raus. Wenn andere es über ihn schreiben würden – okay, aber sich selber so zu hypen ist mir zuwider.
Die Beschreibung des neueröffnenden Ladens folgt…
21. Januar, 2009 at 11:52
Wieso lehnen Sie die maschinelle Arbeit per se ab? Ich meine, AN SICH ist es doch egal, wie etwas hergestellt wurde. Wichtig ist doch das Ergebnis. Wenn also bspw. das manuelle Annähen von Knöpfen dafür sorgt, daß es haltbarer ist, besser aussieht, dann verstehe ich Sie. Aber etwas, das keinerlei Vorteile bringt, nur deswegen zu bevorzugen, weil die Arbeit mit der Hand ausgeführt wurde, das erschießt sich mir nicht.
Und wir sprechen ja nicht von Maßschneiderei gegenüber Konfektion. Da hat natürlich die Handarbeit große Vorteile. Aber bei einem Konfektionsanzug ist es doch gar nicht wichtig, ob nun eine Nähmaschine eine Naht gezogen hat, oder ob das ein Arbeiter war? Im Gegenteil, ich behaupte mal, daß bei Fließbandarbeit, wie es ja bei Konfektionsware (auch bei Kiton und Ko) die Maschine dem Menschen überlegen ist.
Zwischenfutter: Zwischen dem Innenfutter und dem Stoff ist bei jedem Sakko (außer bei den ungefütterten natürlich, aber die sind ja selten) eine Schicht. Die kann entweder aus einem echten Stück Stoff sein (teuer, hochwertig) und vernäht sein. Oder sie kann aus einer klebstoffähnlichen Masse bestehen, die aber durchaus atmungsaktiv sein kann. Beides hat Vor- und Nachteile, von den Kosten mal abgesehen.
Das Innenfutter aus Stoff ist die traditionelle Herangehensweise. Es bedeutet aber, daß das Sakko nicht richtig eng geschneidert werden kann. Das sehen Sie bei Brioni-Sakkos übrigens auch sofort, wenn Sie sie mit bspw. Armani vergleichen.
Allerdings hält das Innenfutter länger, vor allem, wenn man den Anzug häufig reinigen läßt. Da kann das verkleben keinesfalls mithalten.
Kresse beispielsweise schwört dennoch auf das Kleben, weil es ihm ermöglicht, die Sakkos wie eine zweite Haut zu schneidern. Meinen Geschmack ist das (momentan) auch, allerdings kann ich mir vorstellen, daß ich in zehn Jahren vielleicht eher auf die traditionelle Fertigungsweise stehen werde.
Armani ist übrigens genau der Designer, auf den Ihre Beschreibung nicht zutrifft. Die „Glamour”-Designer sind eher Gucci oder D&G. Armani –deswegen schätze ich diese Anzüge ja so – setzt auf schlichte Eleganz. Keine Logo-Ware. Enganliegende, klassische Anzüge mit klaren, geraden Linien. Fast Understatement.
Aber natürlich ist es auch eine Geschmacksfrage: Mag ich den englischen oder den italienischen Stil? Und so, wie ich bei Schuhen den englischen bevorzuge, so schätze ich bei Anzügen doch eher den italienischen.
Über Käufer von C&A- oder Dolzer-„Maß”anzügen” spreche ich übrigens nicht. Denn wir reden ja über Stil. ;-)
Markenjunkie klingt übrigens immer sehr plakativ. Aber was ist denn ein Markenjunkie? Jemand, der ein paar Hersteller gefunden hat, von denen er kauft, weil er mit der Ware zufrieden ist? So geht es mir bspw. bei Armani. Ich gehöre allerdings auch zu den Leuten, die gerne Auswahl im Kleiderschrank haben (zuviel weibliche Hormone?)
Daher kann ich mich nicht auf drei, vier Maßanzüge konzentrieren, sondern bin über meine Auswahl an zwölf hochwertigen, aber größtenteils von der Stange (eben Armani) gekauften Anzügen sehr froh. Auch das ist natürlich wieder Geschmackssache, und ich kann jeden Menschen verstehen, der lieber weniger und dafür teurere Anzüge kauft.
22. Januar, 2009 at 09:57
Guten Morgen Herr GP,
es geht mir nicht darum Armani schlecht zu machen sondern Kiton im Verhältnis darzustellen. Und da gibt es im Qualitätsbereich keine 2 Meinungen. Spätestens wenn Sie ein feinen Zwirn von Kiton im Vergleich zu einem Ihrer Armanis „fühlen“, würden Sie den Unterschied merken. Ob, und da geb ich Ihnen Recht, das den riesigen Preisunterschied rechtfertigt, sei einmal dahin gestellt. Ich gehe mit Ihnen d’accord, dass Kiton etc. teils brutal sind, ganz klar.
Maschinell gefertigte Nähte reissen unmittelbar bei zu starken Bewegungen, eine Naht von Hand gleicht dies durch Flexibilität überlegen aus. Und ich muss wieder auf die kleinen Details zu sprechen kommen, eine Handstichnaht sieht einfach edler aus. Und der Kenner sieht es nun einmal. Verstehen Sie mich auch nicht falsch, es soll gar nicht so klingen, als trage ich meine Kiton zur Schau a la „Seht her, aufknöpfbare Ärmel oder Handstichnaht, tata, tja… maßgeschneidert… von Kiton“. Ganz ehrlich, so ist das nicht. Ich möchte nur die feinen Unterschiede herausstellen. Und ICH für MICH weiß, dass ich einen guten Anzug trage, und mein Gegenüber, der sich vielleicht auskennt, nimmt das dezent zur Kenntnis. Vielleicht spricht er einen darauf an und was gibt es dann Schöneres als über Stil, Kultur etc. zu diskutieren, so wie wir es auch gerade tun. Mir macht es jedenfalls Spaß!
Vielleicht habe ich mich bezgl. Markenjunkie falsch ausgedrückt. In der Tat meine ich Leute, die plakativ auftreten oder einfach Marken tragen, weil es „in“ ist und nicht weil sie den Designer so mögen. Warum ist die Stadt plötzlich voller D&G Gürtel, Gucci Schuhen (mit Monogram natürlich) und Burberry Schals? Abgesehen davon, dass meiner Meinung nach mindestens die Hälfte davon gefälscht ist. Aber warum tragen die Leute einen gefälschten D&G Gürtel? Doch nur um ANDEREN zu imponieren, denn er/sie selbst weiß doch, dass er nur 10 Euro in der Türkei bezahlt hat. Warum kauft sich eine Frau eine gefälschte Kelly-Bag, um dann auf einer Party peinlich entlarvt zu werden. Aber ich schweife ab…
Es spricht Nichts dagegen seine Marke zur Schau zu tragen, aber eben mit etwas Understatement, wie ich finde. Ich spreche hier von RL Polo Shirts, die Sie, wie ich auch, sehr schätzen. Der große Reiter geht schon wieder in die assige Richtung, meiner Meinung nach. Plakativ!
Ich habe eine Zeit lang sehr gern die Sneakers von Prada getragen. Nirgendwo stand Prada, außer IM Schuh. Und nur im Fersenbereich wurde man durch den roten Gummistrich dezent auf den Hersteller des Schuhs hingewiesen. Jetzt ballert Prada seine Schuhe nahezu voll mit Ihren Schriftzügen, zu abartig und für mich ein Grund, dies nicht mehr zu kaufen.
Armani hat sicher mit D&G oder Gucci nicht soviel zu tun , da gebe ich Ihnen abermals Recht. Vielleicht habe ich Armani auch zu doll über den Kamm geschoren, kann schon sein. Es ging mir eben primär um Konfektion against „Maßanzug“ (ja ja, ich weiß Kiton und die Stangenware…).
Zwischenfutter: Ich werde heute Abend meine Sakkos inspektzieren und mich zu dieser Problematik dann äußern.
Anmerken möchte ich auch, dass ich nicht tagtäglich Anzug trage. Oft gehe ich auch in Jeans (Closed), Hemd und dünnem Pullover ins Büro. Dazu Turnschuhe oder Santoni’s…
Ich besitze von daher keine 12 Anzüge, es würde ja auch keine Sinn machen. Vielmehr habe ich 3 Anzüge, 4 Sakkos + div. Hosen zum Kombinieren. Dafür aber zu 95% Kiton…
Manchmal ist weniger mehr (wo ist Phrasenschein…?).
P.S. Gestern durfte ich dem Spiel Hannover-Milan beiwohnen. Für vergleichsweise läppische 10 Euro gab es Beckham, Ronaldinho, Kaka, Seedorf, Shvechenko und und und. Hannover Verlor 2:3, es hat sich demnach deswegen schon gelohnt. Wie ich den Blogs entnahm, sind auch Sie und Herr Matt Fußballanhänger. Ich gehöre allerdings zu den Rautenfreunden…
22. Januar, 2009 at 10:04
Mein lieber Scholli, einige Rechtsschreibfehler sind doch vorhanden. Das Eingabefenster ist aber auch klein…;-)
22. Januar, 2009 at 10:11
Beim Stoff ist das ja völlig klar. Deswegen mag ich diesen Kiton-Mantel ja auch sehr. Wie gesagt, mich hat es sehr erstaunt, daß die Verarbeitungsqualität laut Fachmann so mies sein soll. Also nicht mies absolut gesehen, sondern eben relativ zum Preis.
Kiton und Brioni bieten ja auch keine maßgeschneiderten Waren an, sondern Stangenware und Maßkonfektion. Wie Sie es ja auch beschreiben. Ich persönlich bin kein Freund der Maßkonfektion, weil ich es für Augenwischerei halte. Einen individuell für Ihren Körper geschneiderten Anzug kann man eben doch viel genauer anpassen, als wenn man von einer Stangengröße ausgehend Anpassungen vornimmt.
Daher: Maßgeschneidert ist schon auf den ersten Blick einer Maßkonfektion weit überlegen. Daher ja auch meine Kritik an Kiton und Brioni: Ja, das Zeuchs ist gut, aber für das gleiche Geld gibt es eben auch etwas VIEL besseres.
Armani ist halt für mich so ein vernünftiger Kompromiß. Ich glaube, es gibt für die meisten Menschen einen Konfektionär, der so schneidert, daß die Anzüge auch von der Stange gut sitzen. Dieser eine ist bei mir eben Armani. Und ich behaupte, daß ich mit den Armani-Anzügen, die ich besitze, gegen maßkonfektionierte jederzeit bestehen könnte.
In einem Punkt muß ich Ihnen uneingeschränkt recht geben: Ihre Haltung, lediglich 3 Anzüge und 4 Sakkos plus diverse Hosen zu besitzen, ist weitaus vernünftiger als mein Kleiderschrank mit 12 Anzügen, 10 Sakkos (meist Zegna, aber auch teilweise indiskutables Zeuchs wie Boss oder Lezard) und so, ist deutlich sinnvoller.
Bei Freizeithosen setze ich bspw. auf Stone Island, jedenfalls bei Leinenhosen. Hab noch nichts besseres gefunden. Jeans: Momentan 7 for all Mankind, weil die gut sitzen.
Raute vs. Totenkopf: Ich bin da einer der wenigen Menschen, die stets für die Manschaft aus der eigenen Stadt ist. Also gleichermaßen für den HSV wie auch für St. Pauli ist. Nur im direkten Vergleich wäre ich dann doch eher stadtteilverbunden.
22. Januar, 2009 at 11:13
Wie kommen Sie darauf, dass Kiton oder Brioni nicht maßschneidern? Und ob Sie das tun? Sie können Sich vermessen lassen, den Stoff, das Muster und gewünschte Seidenfutter auswählen, Anzahl der Knöpfe am Ärmel (hier Perlmutt, Horn, Gold etc.). Bundfalte ja oder nein, 2- oder 3-Knopf Sakko mit aufgesetzten Taschen, Paspeltaschen etc.. Alles ist möglich, es kostet nur entsprechend.
Es spricht absolut Nichts gegen einen gefüllten Kleiderschrank, solange man jedes Teil mag und auch trägt. Bei mir ist es leider so, dass ich eher selten die feinere Kluft trage. Bei uns im Büro tragen halt alle leger, bis auf den Vorstand. Die beiden Herren tragen zwar Anzug aber, ja Sie ahnen es schon, das geschulte Auge… Unsere Herren pfeifen sich ein beachtliches Salär rein und wissen sich nicht angemessen zu kleiden. Keine Beachtung der Schuh-Etikette, ja nicht mal rahmengenähte Schuhe sind es. Die Hose zu lang, das Sakko lodderig am Körper. Es ist teils so traurig, was sich hinter manchen Büromauern abspielt.
Und nun stellen Sie sich vor, ein normaler Angestellter läuft im hellgrauen Kiton-Anzug, kombiniert mit brauen Santonis, dazu weißes Hemd mit hellblauer Krawatte auf. Unter Umständen ein gefaltetes Leinentuch in der Brusttasche. Sie bemerken, ich befinde mich in einer Zwickmühle.
Im Freizeithosenbereich trage ich neben Kiton und Zegna auch die Hausmarke von Herrenausstatter Braun. Im Jeansbereich gestehe ich nur Hosen von Closed und Diesel zu besitzen. Ich hatte mal welche von Paper Denim, aber der Schnitte war irgendwie nicht für mich gemacht, und so gab ich sie weg. 7 for all Mankind habe ich noch nie angehabt, sprich nicht einmal anprobiert. Ich weiß selbst nicht warum und werde dies bei einem nächsten Stadtbummel nachholen.
Sie wohnen demnach auch im Bereich „Kiez“, da Sie stadtteilbezogen schrieben? Las ich nicht irgendwo Ottensen? Wie dem auch sei, ich residiere in den Walddörfern, also gaaanz andere Ecke.
Ich bin tendenziell auch immer für die Hamburger Vereine. Im direkten Vergleich halte ich es dann aber blau-schwarz…
22. Januar, 2009 at 13:47
Naja, irgendwie ist der Kiez ja quasi meine zweite Heimat. Jedenfalls halte ich mich sehr häufig auf der Reeperbahn und der Schanze auf. Ottensen kenne ich ebenfalls sehr gut. HSV ist für mich aber eher eine andere Gegend. Winterhude oder so.
Ich mag auch gar nicht so sehr auf diesen Unterschied eingehen, bin gar kein so großer Fußballfan (wie bspw. Matt). Ich sehe ab und an ein paar Spiele. Zu Europa- und Weltmeisterschaften hingegen mutiere ich zum richtigen Fan.
Kiton/Brioni: Ja, aber die meisten Läden bieten doch eben nur deren Stangenware an, bzw. Maßkonfektion. Eine echte Maßanfertigung findet ja nur statt, wenn einer der Schneider mal eine Rundreise macht, wenn ich das richtig verstanden habe.
In der Tat ist es grauenhaft, wie bei uns Manager herumlaufen. Wenigstens Schuhe könnten sie sich ja mal leisten, aber genau da, wie Sie ja auch beobachten, sieht es ganz schlimm aus.
Und dann diese Unsitte, Anzüge ohne Krawatte zu tragen. Das mag ja in der Freizeit mal gehen, aber ich sehe das immer häufiger in Besprechungen. Und finde es furchtbar langweilig.
Kennen Sie noch jemanden, der in der Freizeit mit Sportsakko und evtl. sogar Krawattenschal herumläuft? Ich nicht, und ich finde das sehr schade. Vor allem der Krawattenschal ist eigentlich so eine tolle Sache. Kann man aber kaum machen, weil man stets schief angeguckt wird.
Weißes Hemd, hellblaue Krawatte, hellgrauer Anzug: Klingt nach einem äußerst geschmackvollen Sommerauftritt. Welche Krawatten bevorzugen Sie? Ich habe mich ja mittlerweile ein wenig auf Hermès eingeschossen, seitdem sie etwas weg von dem ländlichen Look sind. Geheimtip: Jim Thompson aus Thailand. Habe zwei blaue Krawatten daher; gehören zu den schönsten, die ich besitze. Großartige Seide. Leider bei uns schwierig zu bekommen.
Jeans: Diesel passen mir nicht, Closed hab ich noch nicht probiert. Sollte ich?
7 hat natürlich das Problem, daß sie sehr angesagt sind. Das treibt den Preis meist in zu große Höhen. Von Qualität und Schnitt bin ich begeistert. Sind eher derbere Jeans, also keine „Designer”-Stücke wie bspw. True Religion oder Rock & Republic. Letztere habe ich auch, trage sie aber selten, weil sie nicht sehr haltbar sind. Würde ich nicht empfehlen.
22. Januar, 2009 at 15:33
Unbedingt sollten Sie Closed probieren! Es gibt dort sehr schöne (leider oft wenige) Modelle in versichiedenen Schnittformen. Wer dünn und schlaksig ist bekommt dort genauso so eine Jeans, wie jemand der eher kräftige Beine hat. Zu letzterer Sorte gehöre ich, jahrelanges Fussballspielen.
Im Krawattenbereich trage ich, wenn, querbeet diverse Marken. Ich habe einige Modelle von Hermes, die Seide ist natürlich ein Traum. Allerdings fällt mir hier immer wieder auf, dass der Knoten oft nicht bis zum Ende des Tages hält. Das habe ich z. B. bei Kiton (einmal mehr, ich langweile Sie schon, stimmt’s?) oder auch Borrelli nicht. Allerdings auch hier nur bei den verstärkten Modellen, sprich nicht die sog. two-face-Krawatten. Ich habe auch eine blaue Krawatte von E. Marinella Napoli, die ja als Inbegriff der Krawatten gelten. Vor einiger Zeit habe ich sie mal bei Ebay erstanden da diese Marke sonst sehr schwer erhältlich ist(ich meine in Hamburg nirgends).
Kiton/Maßanfertigung: Sie können jederzeit bei Kiton einen Maßanzug in Auftrag geben. Sie werden hier von dem anwesenden Schneider(meister) vermessen. Diese Maße werden nach Italien geschickt, wo der Anzug bzw. das erste Gerüst geschneidert wird. Die Rundreise eines Schneiders gibt es auch, dieser ist dann höchstpersönlich von Kiton aus Italien. Ich glaube, dass man auch direkt nach Neapel reisen könnte, um sich vor Ort vermessen zu lassen. Ich bin mir aber nicht sicher.
Anzug-Kombination: Das war jetzt nur einmal eine beliebige Kombination. Wobei ich mich hier auch nicht nur auf den Sommer beschränken würde. Tagsüber, bei ordentlichem Wetter, kann dies auch durchaus im Winter getragen werden, wie ich finde.
Sie fragten, ob ich jemanden kenne, der Sportsakkos trägt. Ja, … mich! Ich habe ein wunderschönes Sportsakko aus hellem Cord (die Marke will ich nicht schon wieder nennen) mit aufgesetzten Taschen. Ein Traum zu hellen Jeans und braunen Schuhen, ehrlich.
Ich kenne darüber hinaus niemanden der Krawattenschal trägt und tue es auch selber nicht. Nicht das ich es ablehne, nur für mich ist es nix. Die Blicke, die Sie ansprachen, kann ich mir aber gut vorstellen. Oftmals glotzen die Leute, um innerlich sicher oft festzustellen, dass es gar nicht schlecht aussieht. Ich habe bspw. eine Leinenhose (NICHT Kiton, um das mal herauszustellen…), die mal creme war und einen nicht-mehr-rausgehenden Fleck hatte, kurzerhand gefärbt, in koralle… Ich wollte sie eigentlich nur blass färben, also einen leichten korallfarbenden Stich, hatte mich dann aber doch in der Dosierung vertan. Nun ist die Farbe kräftig aber ich finde es toll. Ich habe natürlich den einen oder anderen Kommentar über mich ergehen lassen müssen aber im Endeffekt wurde ich gefragt „ist das schwer die so zu färben“ oder „mmmh, so schlecht finde ich es nun nicht“. Fazit, die meisten würden es ebenfalls gern tragen, trauen sich nur nicht. Die schiefen Blicke bleiben natürlich, wobei es eben manchmal auch Anerkennung ist/sein kann.
Ich werde mich bei Gelegenheit mal bezgl. 7 for all Mankind widmen. Vielleicht ist es ja etwas für mich.
Im Krawatten-Bereich kann ich Ihnen Mientus oder auch Braun ans Herz legen. Im „Sale“ sind hier wirklich noch tolle Stücke zu ergattern, allesamt zwar aus der vergangenen Kollektion, aber wen juckt das?
Ich habe vor ca. 3 Wochen bei Mientus am neuen Wall 3 herrliche Kiton Krawatten erstanden – von je 145,- auf 29,- Euro heruntergesetzt! Es gibt dort auch Etro, Brioni, Gucci etc. Es ist wirklich lohnenswert dort einmal vorstellig zu werden.
22. Januar, 2009 at 15:40
Bei Mientus bin ich in der Tat Stammkunde. Dort habe ich auch bereits einige Krawatten erstanden, ebenso einige Anzüge. Die hatten bspw. mal eine Zeit lang eine großartige Eigenmarke aus Zegna-Stoffen. Leider nicht mehr.
Mit den Knoten bei Hermès haben Sie leider recht. Da ist es absolut unabdingbar, ab und an mal den Sitz zu kontrollieren, bzw. den Knoten straff zu ziehen.
Maßanfertigung Kiton: Ich dachte bisher immer, der von Ihnen beschriebene Vorgang liefe dann auf eine Maßkonfektionierung hinaus. Aber ich lerne ja gerne dazu.
Ich trage ja auch ab und an meinen Brioni-Blazer, bin auch sehr zufrieden damit, allerdings ist es eben schon ein Kleidungsstück für gesetztere Leute. Mit 25 hätte ich den jedenfalls nicht getragen, dazu ist er zu wenig figurbetont. Aber wir drehen uns im Kreis.
Zu Braun gehe ich nicht mehr, seit ich von einer Verkäuferin in einer Art behandelt wurde, die mir zeigte, daß man dort mein Geld nicht nötig hat. Das ist mir bei Mientus nie passiert.
Dabei fällt mir ein: Ich sollte mir mal eine gelbe Krawatte besorgen. Die finde ich sicher auch dort im Sonderangebot. Irgendeine 7-fold hätte ich gerne, glaube ich.
22. Januar, 2009 at 16:06
Meinen Sie das Ernst? Sie und eine gelbe Krawatte? Ich dachte, dass wäre nix für Sie? Oder Ironie, die ich nicht verstanden habe…?
Witzig, dass Sie es ansprechen. Ich habe exakt dieselben Erfahrungen bei Braun gemacht! Abgesehen davon, dass ich meist links liegen gelassen werden, begegnet man mir teils auch schroff. Das hat den Grund, dass ich dort auch nur noch sehr gelegendlich vorbeischaue. Ich wollte es Ihnen nur zwecks der Angebote „empfehlen“.
Die angesprochende Hausmarke Mientus’ aus Zegna-Stoffen ist/war mir nicht bekannt, sicher war sie nicht schlecht, glaube ich gern.
Wenn Sie mal Zeit haben, gehen Sie zu Kiton am neuen Jungfernstieg. Achten Sie mal gezielt auf deren Kleidungsstil, insbesondere auf den, der jüngeren Verkäufer. Sie werden Ihre Meinung ändern, ich bin mir sicher. Ich war vor einigen Wochen mal dort, schaute mich und wurde wirklich sehr, sehr nett beraten. Obwohl ich nichts erwarb, begegnete man mir nett und auch 2 Kaffee + Wasser waren an diesem Tag inbegriffen. Man führte mir dies oder jenes Modell vor, auch mal mit Hintergrundinformation zum jeweiligen Stück. Wussten Sie, dass es mittlerweile Sakkos aus Hemdenstoff (!) gibt? Das ist die allerhöchste Schneiderkunst, wie mir näher gebracht wurde. Na ja, in dem netten Gespräch fiel mir auch die tolle Bekleidung der anwesenden Personen auf, natürlich Kiton, wie ich auf „freche“ Nachfrage erfuhr. Wie die Sachen geschneidert sind, einfach nur perfekt! Dabei erfuhr ich eben, was ich ja auch schon anmerkte, dass Kiton Hamburg auch Stücke, die dort nicht erworben wurden, gern ändert. Gegen Bezahlung natürlich, aber ich werde es mir überlegen, ob ich nicht hier und da an 2-3 Stücken von mir noch etwas machen lasse.
22. Januar, 2009 at 16:13
Habe den Laden bisher nur von außen gesehen. Meine einzige Begegnung mit Kiton war ja bisher der Wintermantel, den ich allerdings bei Mientus erworben habe. Sakko aus Hemdenstoff? Ich glaube, ich muß mir das noch mal in Ruhe ansehen. Vielleicht ändere ich wirklich meine Meinung.
Aber die Preise sind schon ziemlich unverschämt. Ich habe halt bei Kiton immer das Gefühl, daß die Sachen das Geld nicht mehr wert wären. Und beim Mantel bin ich mir da sogar sicher: Neupreis wären ca. 3k Euro gewesen, plus 200 oder so fürs Ändern. Und 3x so gut wie mein Armani-Mantel ist er einfach nicht.
Nun ja, dafür gibt es ja wohl diese Sonderangebote.
Gelbe Krawatte: In der Tat, noch (!) meine ich das ironisch. Aber ich kenn mich: Ich kaufe dann irgendwann doch eine solche, zunächst aus Ironie, trage sie dann aber irgendwann doch und fange an, der Welt zu erklären, daß gelbe Krawatten völlig in Ordnung seien.
Sorry, aber ich kenn mich.
22. Januar, 2009 at 16:20
Was ist denn stilistisch so verwerflich an der Farbe gelb für Krawatten?
(Ich meine abgesehen von der Tatsache, dass man damit aussieht wie ein besonders eifriger Ortsgruppenleitungsstellvertreter der FDP)
22. Januar, 2009 at 16:27
Ach, an sich ist dagegen gar nichts einzuwenden (sehen Sie? Es geht schon los!)
Gelb war halt in den 90ern derart omnipräsent, daß es einfach gar nicht mehr ging. Es stellt sich außerdem die Frage, wie man das kombiniert. So sieht eine gelbe Krawatte auf weißem Hemd meistens (!) nicht besonders gut aus. Obwohl ich letztens ein Photo von mir gefunden habe, daß dies widerlegt: Zu einem hellgrauen Dreiteiler kann eine gelbe Krawatte auf weißem Hemd sogar ordentlich aussehen.
Naja, und bei blauen Hemden ist es halt zu sehr FDP-farben.
23. Januar, 2009 at 09:26
Ich habe speziell gegen gelbe Krawatten nichts einzuwenden, ist halt ebenfalls Geschmackssache und natürlich eine Frage der richtigen Kombination.
Ja, Herr GP, suchen Sie Kiton bei Gelegenheit einmal auf. Es wird Ihnen gefallen, da bin ich mir sicher. Die Preise sind zwar unverschämt, hier kommen wir ja auch überein, aber so manches Teil ist wirklich der Hammer. Und Sie werden feststellen, wie toll Kiton sitzen kann.
Haben Sie Ihren Kiton-Mantel eigentlich noch? Was musste dort so aufwändig geändert werden, mit Ärmel ab etc.? Das ist doch eher ungewöhnlich.
24. Januar, 2009 at 22:03
Habe eben am Hamburger Flughafen tatsächlich bei Hermès einige ganz hübsche gelbe Krawatten gesehen. Und eine neue, nette Idee: Eine Art Krawatte, aber an beiden Enden gleich geformt, aus derberer Seide, in blassen, modernen Farben. Kann man gut als Krawattenschalersatz tragen. Ich muß mir das nochmal näher ansehen, aber ich glaube, das ist eine ganz coole Sache. Geht nämlich auch als Schal.
Kiton-Mantel: Ich hatte bei der Anprobe irgendwie nicht gut geguckt. Er saß einfach scheiße; zu kastenförmig. Der Schneider mußte also die Schultern enger zusammennähen, aber dazu gehört nunmal, wenn die Ärmel nicht zu kurz geraten sollen, den ganzen Mantel mehr oder weniger auseinanderzunehmen.
Dabei dann gleich noch die Länge angepaßt, weil er zu lang für einen Kurzmantel und zu kurz für einen langen war. Das wiederum zog nach sich, die Knöpfe zu versetzen, weil es sonst nicht gut ausgesehen hätte.
Jaja, wenn man einmal mit sowas anfängt.
26. Januar, 2009 at 11:43
Zu meiner Schande muss ich mehr oder weniger gestehen, noch nicht am „neuen“ Hamburger Flughafen gewesen bin. Somit bin ich auch noch nicht mit den neu ansässigen Geschäften vertraut. Hermes ist nun auch da? Nicht schlecht, ich muss ihn mir bei Gelegenheit mal ansehen müssen.
Gelbe Krawatte: Das von Ihnen beschriebene Modell ist mir nicht bekannt, wäre aber Ihrer Erzählung nach, ein schöner Kompromiss, oder? Sie werden sicher grübeln, so wie ich Sie nun kennengelernt habe…
Kiton Mantel: Ja, das Problem kenne ich, es war bei mir nicht anders. Mein Mantel musste zwar nicht in der Länge gekürzt werden, dafür aber in der Taille und Schulter enger gemacht werden. Ja, enger…!
Demnach wurde die Schulterpartie ebenfalls geöffnet, mein Schneider hat hier nichts Negatives erwähnt (außer der Rechnung, die betraf allerdings mich…).
Heutiger Dress im Büro: helle Chelsea Boots (Tricker’s), Jeans (Closed), Hemd (Lorenzini) und Sportuhr (Bvlgari). Sollte ich vor die Tür treten, wärmt mich eine schwarze Daunenjacke (Prada Sport).
Wie dürfte ich Sie heute auf der Strasse erkennen?
30. Januar, 2009 at 17:10
Ich hab mich äußerst undeutlich ausgedrückt. Die gelbe Krawatte und das anschließend beschriebene Zwischending zwischen Krawatte und Schal waren zwei unterschiedliche Dinge. Sorry. Aber einen Blick ists wert. Das auf jeden Fall.
Kiton-Mantel: Genauso wars bei mir auch. Die Schulterpartie bei Kiton ist absurd breit. Das muß man mal ganz klar sagen.
Bürodress: Klingt sehr geschmackvoll. Gut, über Daunenjacken kann man streiten. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich am 26. angezogen war. War das nicht der Abreisetag? Da steckte ich in einem Dilemma. In Hamburg war es eiskalt (wie Sie ja wissen), in Dubai hingegen über 20 Grad warm. Ich flog also mit Leinenhose (Stone Island, beige), langärmligen T-Shirt (D&G, ich weiß…) und dunkelblauem Pulli mit einer Art Rollkragen (ebenfalls D&G, aber hey: niemand ist perfekt).