Flughafen Wien nach 2100h

Flughafen Wien nach 2100h

Mein Opa wollte ja immer nach Ägypten, kam aber über Libyen nicht so recht hinaus. Er hat mir zwar ein paar schöne Photos einer weißen Moschee in einem kleinen Kaff gezeigt, das ansonsten nur aus einer Bahnstation zu bestehen schien, aber ich will mehr von der arabischen Welt sehen.

Also suche ich mir einen plausiblen Grund, lasse mir den nächstbesten Flug buchen, und sehe mir das Ganze mal aus der Nähe an. Vielleicht hätte ich vorher ein wenig recherchieren sollen, denn kurz nachdem mein Reiseziel feststeht, erfahre ich, daß Dubai mit Arabien ungefähr so viel zu tun hat wie Disneyland mit Frankreich. „Gut,” denke ich mir, „dann machen wir eben erstmal die Anfängertour, da muß ich dann vermutlich auch nicht auf Bier verzichten.”

Der einzige Flug, der zu mich zu vertretbaren Zeiten hin- und zurückbringt, ist der von Austrian Airlines. Warte ich eben auf dem Flughafen in Wien, an den und die dortigen Geschäfte habe ich noch gute Erinnerungen. Nur, daß ich vergessen habe, daß diese Geschäfte an einem Sonntag um 2100h (vielleicht auch früher, aber früher war ich eben nicht da) geschlossen sind. Da mich Bonuskarten einen Dreck interessieren und ich meine Fluggesellschaften häufig wechsele, komme ich aktuell in keine der Vielflieger-Lounges rein. Es bleibt mir also: Ein ungemütlicher Plastikstuhl neben einem (geschlossenen) Duty-Free-Laden und einem (geschlossenen) Café. Mir gegenüber sitzt eine Russin, die ich glaube, von der Reeperbahn her zu kennen. Es kann aber auch am Ski-Outfit liegen, und an ihrem osteuropäischen Aussehen.

Wenn jemand unbedingt Vorurteile gegenüber Russen bestätigt sehen möchte, dann möge er unbedingt in der Wartehalle des Wiener Flughafens Platz nehmen. Es dauert keine fünf Minuten, bis man vom ersten Betrunkenen angesprochen wird, inklusive Wodkafahne und lustigen Akzent. Nebenbei hören ein paar andere Russen lustige Weisen, und zwar aus ihrem Nokia-Telephon, krächzend, aber voll aufgedreht. Es ist eine schwierige Situation. Ich weiß, daß mir jeder der anderen Wartenden zustimmen würde, wenn ich die drei besoffenen Jugendlichen aus ihrer traurigen Existenz erlöste, aber andererseits brächte ich damit wohl meinen Teilnahme am Anschlußflug in Gefahr.

Als mich die Kiez-Russin ansieht und mit angedeutetem Blick auf die Krachmacher ihre Augen verdreht, wird die Entscheidung leicht. Die Axt habe ich natürlich nicht mitgenommen, weil das seit den jüngsten Antiterrormaßnahmen nicht mehr so leicht ist, aber das MacBookPro leistet mir auch hier gute Dienste: Ich schlage es dem dunkelhaarigen Pseudobart-Träger von hinten gegen den Kopf, so daß er mit dem blonden Totalausfall zusammenprallt; beide sacken ineinander verschlungen zu Boden. Das sollte mir genügend Zeit für Nummer Drei geben, aber ich habe die Mitwartenden unterschätzt: Vier Leute hacken auf ihm herum, mit Gehhilfen, mit Samsonite-Koffern, ich sehe ein paar Feuerzeuge in seiner Augennähe aufflammen.

Gut so: Mehr Zeit, mich um die beiden am Boden liegenden zu kümmern. Deren Kehlköpfe sehen mich schon ganz erwartungsvoll an.

(Photos, vermutlich nicht vom Geschehen, folgen in einigen Stunden)