Beweismittel

Beweismittel

Der Franke geht ja, trotz durchaus nicht immer positiver Berichterstattung, beharrlich mit Matt Wagner essen. Das eine oder andere Mal durfte ich diesem Ereignis sogar beiwohnen. Da ich in dieser illustren Runde als Neuankömmling natürlich nicht sofort als „noch so ein Blogger” erscheinen wollte, hielt ich mich stets zurück.

Aber jetzt geht es nicht mehr. Ich kann nicht mehr. Die Wahrheit muß aus mir heraus. Der Enthüllungsjournalist in mir weigert sich, das schändliche Tun Matt Wagners weiterhin durch Wegschauen, Nicht-Schreiben und Mitlaufen zu unterstützen.

Der Franke ist gar keine übermenschliche Essensvernichtungsmaschine. OK, das war hart. Sie alle kennen die Geschichten, in denen der Franke eigenhändig ganze Landstriche leerfrißt, kleinen afrikanischen Kindern das letzte Reiskorn wegnimmt mit den Worten „gimmaherichhabnochunga”. Und so amüsant diese Erzählungen auch sind: Sie lenken nur von der erschreckenden Tatsache ab, daß die einzigen beiden, die beim mittäglichen Schmausen große Portionen hochwertiger Teigwaren in einer Geschwindigkeit in sich hineinstopfen, als gäbe es kein morgen, Matt Wagner und ich sind.

Als Beweis der Teller des Franken im Photo. Unsere Teller waren bereits Minuten vorher völlig leergegessen, ich glaube sogar, mich daran erinnern zu können, wie ich kleine Saucenreste vom Teller gekratzt habe, um bloß nichts zu verschenken. Der Syrer hingegen aß, wie es sich für einen Gast geziemte: ruhig, kontinuierlich, aber nicht verbissen. Der Franke jedoch stellte als einziger aus unserer Runde den Teller würdevoll von sich weg, nachdem er das nötige gegessen hatte, um sich gut ernährt zu fühlen. In dem Wissen, daß jeder weitere Happen lediglich der Völlerei diente, ließ er also seine Tagliatelle zurück und war als einziger aus der Runde wohl nicht arbeitsunfähig.

Ein wenig verschämt gucke ich auf mein tomatensaucenverschmiertes Hemd, erkläre jedem, der mich anschaut, es sei Blut, und gehe gesenkten Hauptes zurück zum Auto. Heute habe ich nicht nur eine Journalistenlegende sterben sehen, sondern auch noch bemerkt, daß meine Tischmanieren mittags zu wünschen übrig lassen.