„Der Amoklauf von Winnenden fand auch live bei Twitter und anderen sozialen Netzwerken statt. Das zeigt deutlich: Egal, wo etwas Dramatisches passiert: Der Jedermann-Journalismus bringt Nachrichten sofort ins Internet. Ohne Rücksicht auf Rechte und Verluste”, schreiben Sie. Ich möchte es etwas anders formulieren:
Der Amoklauf von Winnenden fand auch in der Presse statt. Das zeigt deutlich: Egal, wo etwas Dramatisches passiert: Der Journalismus bringt Nachrichten sofort ins Internet. Ohne Rücksicht auf Rechte und Verluste. Denn was einer Ihrer (Print-)Kollegen da ablieferte, das hätten Sie, wenn es denn auf Twitter von einem Nicht-Journalisten gebracht worden wäre, sofort als „Das Jeder-kann-mitmachen-Internet zeigt seine Fratze” bezeichnet.
Aber so ist es: Eine satirische, eventuell geschmacklose, aber eben journalistische Arbeit, die es vor jeglicher Zensur zu bewahren gilt. Natürlich.
Was nun? Zynismus ist gar nicht nur im Internet zu finden? Wie? Journalisten können auch etwas anderes, als nur den Betroffenen zu spielen?
Update: Weitere Beispielsweise für seriösen Qualitätsjournalismus:
Die letzten Minuten des Amokläufers bei SkyNews
Hinweis auf dieses Video bei Stern Online
Seriöse Fotostrecke mit weinenden Menschen bei Spiegel Online
Der Amoklauf als Flash-Video zum Nachspielen bei Bild Online
Und Selbsterkenntnis statt Twitter-Bashing im Journalistenverband
Im Gegensatz zu den Pöbeleien in Blogs wie diesem, jenem oder jenem.
12. März, 2009 at 11:07
Daumen hoch!
12. März, 2009 at 11:28
Schließe mich an.
12. März, 2009 at 11:35
Das PDF war ein schönes Stück Satire – damals, nach Erfurt. Mit massig Empörung in der Folge und viel Geschimpfe. Heute hingegen ist es ein großartiges Stück Satire. Denn, ob bewusst oder unbewusst vermag ich nicht zu sagen: Das REcyclen der Satirereaktion persifliert das Recyclen der Politiker- und Medienantworten aufs trefflichste. Nicht eine Schlagzeile, nicht ein Politikerspruch, der nicht generisch gewesen wäre – bisher.
12. März, 2009 at 11:41
Ich hoffe in der Tat, daß dies so beabsichtigt war. Und ich muß es zugeben: Ihre Sichtweise ist mir bisher gar nicht in den Sinn gekommen. Aber sie ist folgerichtig.
12. März, 2009 at 13:55
Das Bildblog enthüllt die Fratze des Sensationsjournalismus:
Tim K. bei AmokVZ nicht registriert
12. März, 2009 at 15:31
Enthüllungsjournalismus @ its best!
12. März, 2009 at 20:06
lassen sie dem stern doch die angst vor der neuen technik. was der bauer nich kennt, frisst er nich. und wenn ers frisst, dann knurrt er jeden an, der sich dem näpfchen nähert.
was die journalisten implizit fordern, ist ein journalisten-tüv. so, wie nicht jeder penner taxifahrer spielen darf, so sollten auch newschannel (blogs, twitter, newsletter, einfach alles) einer staatlichen lizensierung unterliegen.
damit hätte der staat eine neue einnahmequelle erschlossen. ausserdem ist die lenkungswirkung dieser neuigkeiten-verbreitungs-gebühr in richtung seriösität und professionalisierung der szene unbestritten. und die kosten für die kontrolle kann man sich am ende sparen, wie bei den taxifahrern.
so wäre einfach allen geholfen.
12. März, 2009 at 23:17
Amokläufe bringen wie Baader-Meinhoff früher heute die Menschen in Aufruhr. Und den Staat und das “Gemeinschaftsgefühl” zusammen – manchmal braucht man halt zufällige Ablenkung…
btw: In der ARD wollte Herr Rech die ersteintreffenden Polizisten zu Helden machen; genial war die Antwort des Moderators: Naja, da waren auch viele ehrenamtliche Notfallfürsorger vor Ort…
13. März, 2009 at 09:21
…dass alle einfach die Schnipsel nachplappern
und sich am Ende immer noch Journaille nennen…… Henri Nannen würde es in seiner Kiste auf mindestens 3600 Umdrehungen bringen.
Eigentlich muss der Titel lauten:
“Die Praktikantisierung der deutschen Medien”
Qualitätssicherung und visionäre
Kommentare bleiben heutzutage anscheinend
völlig aus.
Setzen. Sechs.
- Grussregierung.
13. März, 2009 at 09:48
junkhead: Ja, der gute alte Führerschein für alle Branchen. Wenn wir doch endlich dazu kämen, daß der Staat wieder über alles wachte, dann hätten wir nur noch Qualitätsjournalismus (staatliches Fernsehen und staatliche Medien), wertvolle Computerspiele (der VEB Unterhaltungselektronik) usw usf.
Joshuatree: In der Tat ziehe ich aber meinen Hut vor den Herren Polizeibeamten. Nach dem neuen Konzept gehen ja normale Streifenbeamte mit minimalem Schutz und geringer Ausbildung für solche Szenarien direkt gegen den Amokläufer vor. Das erfordert Mut. Und manchmal Glück… es scheint ja so, als habe dieses Konzept Schlimmeres verhindert.
Weltregierung: Dieses Chat-Ding? Ja, im Stern (Sie wissen schon, dieses Qualitäts-Ding) stand diese Ente heute morgen noch.