Wenn Bond Zuhälter wäre

„Die werden uns eine lupenreine Trilogie abliefern,” meint Ramses, als wir den aktuellen James Bond besprechen, „und im dritten Teil kommt dann auch das Intro wieder am Anfang.” Ich hoffe sehr, er möge Recht behalten, bezweifle das aber insgeheim. In vielen Punkten merkt man „Ein Quantum Trost” ja auch an, daß die Macher unbedingt einen Neuanfang haben wollten. Und so schlecht ist das ja auch nicht. Zu verspielt war die Serie mit Pierce Brosnan, wenn er mit unsichtbaren Autos mit offener Tür durch den Matsch fuhr und anschließend lediglich ein Staubkorn von der Schulter wischen mußte. Daniel Craig wird verletzt. Und das sieht man endlich auch. Craig ist kein Gentleman, der nebenbei Agent ist, sondern ein Agent, der das Gentleman-Image benutzt, so wie er seine Mitmenschen benutzt.

In vielen Punkten soll Bond moderner werden. Das fing mit der Figur M.s an, die jetzt eine Frau ist. Oder bei der Art und Weise, wie heutige Kommunikation eingebaut wird. Moderne Autos. Unabhängig von der Reihenfolge der Geschichten in der Romanvorlage.
Natürlich ist Casino Royale im Prinzip der erste Bond. Und so wird die Geschichte auch erzählt, glücklicherweise aber eben dennoch in der heutigen Zeit spielend. Diese Unlogik ist gewollt, in Ordnung und war im Film auch nie ein Problem.

Wieso aber trägt Bond dann auf einmal wieder eine Walther PPK? Eine Waffe, die in der heutigen Zeit eine völlig unsinnige Entscheidung ist. Brosnan bekam logischerweise das Nachfolgemodell P99. Die PPK, so könnte man argumentieren, wurde von Fleming allerdings sehr ausführlich beschrieben, anders als Bonds Autos oder Uhren. Fleming hatte auch einen Grund dafür: In der damaligen Zeit war die PPK eine sehr gute Wahl: Sie war handlich, leicht und klein, so daß sie verdeckt getragen werden konnte, verschoß aber 7,65×17- oder 9×17-Geschosse, die deutlich durchschlagskräftiger waren als die verbreiteten Konkurrenzmodelle (.22er).

Aber heute? Heute träfe kein Mensch, der auch nur im Entferntesten etwas von Waffen versteht, die Entscheidung, einem Mann, dessen Leben davon abhängen kann, eine völlig veraltete Pistole in die Hand zu drücken. Klar, ein James Bond kann auch mit einer schlechteren Waffe schießen. Aber er benutzt eben auch keine Telegramme mehr, wenn er seine Vorgesetzten informieren will, er fährt keinen DB-5, wenn es drauf ankommt. Ian Fleming wollte seinem Protagonisten eine Pistole geben, mit der er den meisten anderen Waffen dieser Kategorie überlegen wäre. Es ist also gerade im Geiste Flemings, wenn man Bond mit der aktuell bestmöglichen verdeckt zu tragenden Handfeuerwaffe ausstattet. Ob das nun eine P99 sein muß, weiß ich nicht. Vielleicht trüge der heutige Bond eher Sig-Sauer oder Glock. Aber das ist eine Frage für die Kommentarfunktion.

Eines aber weiß ich genau: Er schleppte keinesfalls eine PPK mit sich herum.

Anstatt also bei der Ausrüstung traditionelle Werte hochzuhalten, hätten die Macher vielleicht doch lieber auf einen Hip-Hop-Song als Titelmelodie verzichten können. Oder eben den Film wieder so beginnen lassen, wie Bond-Filme nunmal beginnen: Mit dem Blick durch den Lauf einer Waffe.