
ffm
Als ich am Morgen die Behausung meines Polizeifreundes verlasse, sagt er zur Verabschiedung, daß ich mir für die nächste Nacht ein Hotel suchen müsse. Die Wohnung sei zu klein und die Katzen würden zu nervös bei Besuch. Die Ansage trifft mich nicht unvorbereitet; die Katzen hinderten nicht nur ihn am Schlafen. „Irgendetwas werde ich schon finden,” murmele ich, danke ihm für die erwiesene Gastfreundschaft und fahre zu meinem ersten Termin.
Ich rufe eine alte Freundin an, die damals wohl mal verliebt in mich war, ich aber nichts davon bemerkt hatte. Natürlich falle ich nicht mit der Tür ins Haus, sondern verabrede mich zum Feierabendcocktail. Mal sehen, ob ich auf diese Weise zu einer Privatübernachtung komme, was sich nämlich bei den Reisekostenabrechnungen immer ganz gut macht. Sie soll etwas aufgegangen sein, hörte ich zuvor, aber das macht mir im Moment auch nichts aus: Sex gegen Dach überm Kopf, gutes Geschäft.
Der einzig unangenehme Umstand wird sein, daß ich mich nicht einfach nur verführen lassen kann, sondern auch noch aktiv diesen Prozeß steuern muß. Denn damals verhielt ich mich, wenn ich mich richtig erinnere, nicht unbedingt so, daß ich übermäßige Freundlichkeit erwarten darf. Aber man wird sehen.
Als ich in dem vereinbarten Laden ankomme, bin ich der erste Gast. Die Kellner decken Tische, der DJ stellt Playlisten zusammen (auf einem Acer-Laptop mit Winamp 3.0), der Barkeeper bereitet gelangweilt meinen Capuccino zu, ich werde fast ein Teil der Belegschaft. Sogar Strom stellt man mir zur Verfügung, damit ich diese belanglosen Zeilen heruntertippen kann. Nebenbei sehe ich „IT Crowd”, wogegen ja an sich auch überhaupt nichts einzuwenden ist.
Eine äußerst unförmige Frau kommt die Treppe heraufgeschnauft, ich habe Angst, daß es sie sein könnte, aber sie geht an mir vorbei, nickt nur kurz. Sie gehört zur Belegschaft, vermutet in mir einen Kollegen, weil das Stromkabel meines MacBooks zur Steckdosenleiste des DJs führt.
Als sie endlich erscheint, bin ich zunächst erleichtert: Sie sieht gut aus.
Zwei Stunden später sitze ich beim Einheitskanzler aufm Sofa. White Russian trinkend.
13. Mai, 2009 at 23:17
Winamp 3.0 – des DJs Übergangswunder!
„FIRE. Exclamation mark. FIRE. Exclamation mark. Looking forward to hearing from you.“
16. Mai, 2009 at 08:45
Der Absatz war auch extra für Sie ;-)
17. Mai, 2009 at 16:31
Sex gegen Dach überm Kopf? Nun ja, zu früheren — zugegebener Weise auch jüngeren — Zeiten sah ich schon Personen Blowjob gegen Snickers (ja, solche Schokoriegel) tauschen, weil sie gerade Hunger hatten. Da klingt Sex gegen Übernachtung doch auch nach einem völlig alltäglichen Tauschhandel.
18. Mai, 2009 at 11:06
-note-
unbedingt ein oder gleich mehrere Snickers kaufen!
-note end-
18. Mai, 2009 at 12:22
Junkhead, selbst mit Snickers hätte ich nicht, also Sie wissen, nix gegen Sie, aber, äh…
18. Mai, 2009 at 21:38
keine sorge, bei ihnen mach ich mir schon mehr mühe und mixe einen WR…