
Neuer Firmenwagen?
Das Einkaufszentrum war noch nie besonders schön, aber mit den Baumaßnahmen, die überall durchgeführt werden, gewinnt es eine ganz besondere Note. Die Parkhausanlage, die anzeigt, ob noch verfügbare Plätze vorhanden sind, scheint ziemlich überfordert zu sein. Zig Autos fahren kreuz und quer durch die Hallen, alle auf der Suche nach einem Wegfahrer. Kurz vor mir sehe ich, wie jemand in seinen Wagen steigt. Wenn ich jetzt anhalte, staut sich hinter mir der Verkehr, also fahre ich an dem Auto vorbei, quetsche mich ganz rechts an den Fahrbahnrand und warte. Warte darauf, daß der Wagen hinter mir an mir vorbeifährt, damit es kein völliges Chaos gibt. Ich setze den Blinker, um anzuzeigen, daß ich diese entstehende Parklücke tatsächlich gerne benutzen möchte. Doch der Wagen hinter mir bleibt stehen, blinkt ebenfalls. Und parkt tatsächlich ein. Ich steige aus, frage höflich die Dame mittleren Alters, die am Steuer des Ford Kombis sitzt, ob das nun ihr Ernst sei. Und dann plappern zwei aufgeschreckte Frauen und ein Mädchen hektisch auf mich ein, daß derjenige, der zuerst den Blinker setze, den Anspruch auf den Parkplatz habe.
Ich versuche gar nicht erst, ihnen den Unterschied zwischen Recht und Anstand zu erklären, hole die Chromaxt hinter meinem Rücken hervor und spalte den ständig auf- und zuklappenden Unterkiefer sauber vom Rest des Kopfes ab. Die beiden anderen Frauen fangen dafür umso lauter an zu kreischen. Ich flüstere ihnen zu, daß sie jetzt besser den Mund hielten, weil sie mich von der Arbeit abhielten, aber das scheint sie auch nicht zu interessieren.
Meine Schwester reicht mir die Schlagbohrmaschine, die ich eigens mit einem leistungsstarken Akku versehen habe, und ich beginne mit der Heimwerkertätigkeit. Eine halbe Stunde später bin ich fertig. Und stolz auf mein Werk: Mutter, Tochter und Großmutter liegen übereinandergestapelt im Fond, die Händer der Mutter umklammern (wie festgenagelt) aber weiterhin das Lenkrad. Die Tochter guckt aus dem hinteren Fenster heraus, obwohl ihr Oberkörper der Windschutzscheibe zugeneigt scheint. Die Großmutter hält ihr Herz in beiden Händen, die sie wiederum auf die Brust gepresst hat. Mit einzelnen Bohrlöchern steht auf ihrer Stirn geschrieben: „Mein Herz, mein Herz!”, was den Ermittlern einen kleinen Tip auf die Todesursache geben soll.
Kurz überlege ich mir, ob ich den Wagen noch aus der Parklücke entfernen soll, stelle aber fest, daß es einen viel besseren Platz direkt neben der Eingangstür gibt. Dann gehen wir Shoppen. Ich brauche dringend einen neuen Anzug.
18. Mai, 2009 at 14:26
Dieses Stillleben (auch wenn es eher konträr zum Gesundheitszustand der Damen steht), gehört ins Museum! Mindestens auf die Dokumenta. Den Zusammenhang mit dem neuen Firmenwagen hab ich zwar nicht verstanden und ganz sicher gibt es gar keinen. Aber ich versuche ihn gerade in den neuesten Wirtschaftsnachrichten zu erkennen …
18. Mai, 2009 at 14:27
Das Komma ist natürlich zuviel und als Mahnmal zu verstehen …
18. Mai, 2009 at 14:39
Es gibt keinen. Ich wollte nur das Photo dieses wundervollen Gefährtes irgendwie benutzen.
18. Mai, 2009 at 15:56
Wundervolles Bild!
So parke ich ab jetzt auch!
18. Mai, 2009 at 16:09
Sie haben sich den neuen Viertürer von Porsche bestellt? Gute Wahl, wie ich finde.
Oder meinten Sie, Sie parkten ab jetzt auch so wie die drei Grazien? Mit Bohrmaschinenlöchern in der Stirn und so?
Oder hab ich Sie einfach nicht verstanden? ;-)
18. Mai, 2009 at 18:10
Sieht der Panamera, wenn er so vor einem steht, eigentlich auch wie eine Fotomontage aus?
18. Mai, 2009 at 18:23
Girls fron Panamera… *sing*
Mift, nun hab ich ‘nen Ohrwurm. Kann den mal bitte jemand entfernen?
18. Mai, 2009 at 18:30
Also bzgl. der Fahrzeugwahl teile ich nicht ganz ihre Vorlieben. Aber was die Szenerie mit dem Ford angeht, verspühre ich hellauf Begeistertung!
18. Mai, 2009 at 18:33
Das haben sie sauber hingekriegt!
Ich hoffe, der Anzugkauf war ähnlich erfolgreich.
18. Mai, 2009 at 20:01
Also, ich sag Sie was, werter Guest68: das ist momentan echt eines der in meinen Augen schönsten Autos überhaupt. Und die Perspektive bitte ich zu entschuldigen, Sie wissen ja um die Qualität der iPhone-Kamera. Und ich wollte aus, äh, Gründen das Nummernschild nicht zeigen.
Jedenfalls freut es mich, daß Ihnen mein kleines Stilleben gefällt.
Der Anzugkauf war erfglos, aber meine Schwester meinte, Rot stünde mir eh gut.
18. Mai, 2009 at 22:41
Ich finde, Sie haben leicht überreagiert.
19. Mai, 2009 at 06:54
Endlich GP ist back!
19. Mai, 2009 at 06:55
@ Matt, Sie werden so milde…
19. Mai, 2009 at 08:26
Matt, das bestürzt mich. Sie denken wirklich, ich hätte es mit dem Einsatz der Axt bewenden lassen sollen?
19. Mai, 2009 at 09:32
Vor allem hätten Sie den Schutz Ihres Anzuges bei der Abwägung aller Handlungsoptionen höher gewichten sollen.
Ich erkenne Sie gar nicht wieder.
19. Mai, 2009 at 09:53
Ich trug einen einfachen Anzug von Boss. Daher war es nicht schade drum. Aber Sie haben prinzipiell natürlich recht: Wenigstens einen simplen Regenmantel sollte man für solche Fälle stets dabeihaben.
19. Mai, 2009 at 10:28
Sehr geehrter Herr GP,
ich bin immer wieder von Ihrem Konfliktlösungspotential begeistert…
Wie mein Bruder sagen würde: “Das kannst nich lern”
Aber dennoch: Haben Sie schon einmal drüber nachgedacht, soetwas wie Wochenendseminare in Konfliktlösung anzubieten? Als kleiner Anreiz: Der Übriggebliebene bekommt die Seminargebühr erstattet…
19. Mai, 2009 at 14:24
Herr Psycho,
Sie sind einfach ein Schnuckiputzimäuschen. Ich knuddele ihren Kopf zwischen meinem Busen.
19. Mai, 2009 at 16:17
hughunter, vielen Dank! Sie haben mir die Augen geöffnet (auf eine andere Weise, als ich das normalerweise tue) – ich werde sofort meine Konfliktberatung GP Inc. gründen. Vor allem mit der Battle-Royale-Pointe gefällt mir das Geschäftsmodell ausgesprochen gut.
Tochter, wenn ich mich richtig erinnere, dann haben Sie mittlerweile keine mehr. Oder verwechsele ich Sie mit Ihrer Mutter?
19. Mai, 2009 at 20:02
Bitte denken Sie bei den Seminaren auch an ein gewisses Kontingent für akkreditierte Journalisten (natürlich nur als Beobachter; wir wollen ja noch berichten können, hinerher).
19. Mai, 2009 at 21:31
sie sollten das nächste mal “ich werde nie wieder einen parkplatz stehlen” in die stirn eine panamera fahrerin bohren. das hätte abschreckende wirkung auf nachahmungstäter (“erna, bloss nicht in die parklücke! das könnte eine falle des irren parkplatzmörders sein”). und das fahrzeug könnten sie dann ach gleich beschlagnahmen – und dabei daran denken: wer zuletzt blinkt, blinkt länger.
p.s. und wer es gerne etwas alltagstauglicher möchte, der lässt einfach die luft aus mind. zwei reifen des delinquenten und wartet, bis diese(r) vom einkauf zurück kommt: “ach, da habe ich ja glück gehabt, dass nicht ich in diese parklücke mit den ganzen glasscherben gefahren bin, tststs…”
20. Mai, 2009 at 03:37
Durch langfristig aufgebaute Kontakte kann ich jedem interessierten Leser dieses alltäglichen Erlebnisses ein Werkpraktikum bei der Firma Hilti anbieten. Zulassungsbeschränkungen sind ausschließlich eine Körpergröße von >1,70m (für die Bedienung von Diamant-Trennschleifern) bzw. eine zertifizierte Nichtmitgliedschaft in der NRA (lebende Verwandte von Charlton Heston ausgenommen). Chromäxte sind mitzubringen, werden aber vom Fachpersonal kostenfrei geschärft
20. Mai, 2009 at 07:56
Matt, ich wollte das eigentlich Ihnen exklusiv überlassen. Ich wüßte eh nicht, wer sonst kompetent darüber berichten könnte.
Einheitskanzler: Mir gefällt die Idee mit der Signatur. Jedenfalls größtenteils: Man müßte nicht mehr so oft zur Axt greifen… ach nein, das war der große Nachteil dieser Methode.
Aber die Sache mit dem Luftrauslassen, die probier ich demnächst. Versprochen. Kommen Sie am Wochenende eigentlich mit dem Auto?
schlenzalot: Diese Synergieeffekte zeigen doch deutlich auf, wie wichtig in unserer Zeit das Web2.0 ist. Wo sonst bekommen Interessierte derart unbürokratisch ein Praktikum beim Weltmarktführer angeboten? Und dann noch mit Chromaxtschleifbonus! Ich bin überwältigt.
20. Mai, 2009 at 20:39
Danke sehr. Und das, obwohl ich bei „hinerher“ offensichtlich ein t vergessen habe.
22. Mai, 2009 at 08:25
So eine Drecksschleuder fahren Sie? Enttäuschend.
22. Mai, 2009 at 08:34
Nicht einmal das, Herr Hugo, nicht einmal das. Von der Karre träume ich. Ja, ich bin mir nicht zu fein, das zuzugeben: Ich kann mir die Karre nicht leisten, hätte sie aber gerne.
Ich selbst fahre einen Audi A4. Benziner natürlich.
22. Mai, 2009 at 10:17
diesel geht gar nich…
2. Juni, 2009 at 21:39
Auch auf die Gefahr hin das ich wegen schlimmen Schleimertums Morgen mit präzise abgetrennten Händen aufwache: Es sind genau diese Geschichten die mich an einem trüben Morgen freudig strahlen, und mich wieder Ruhe und Konzentration auf meine Ziele finden lassen. Danke dafür, Herr GP. -Der Herr Devox