
Auch wichtig: Heilpädagogische Schulen für behinderte Kinder in Südindien
Das ganze Dilemma der Linken offenbart sich in diesem Spiegel-Artikel: „Wie Eltern gute Schulen verhindern”. Es geht darin, soviel sei verraten, um eine ganz und gar verantwortungslose Gruppierung innerhalb unserer Gesellschaft. Eine Lobbyistentruppe mit bizarren und gefährlichen Motiven. Eltern.
„Wie,” so mögen Sie sich fragen, „kann man denn Eltern den Vorwurf des Lobbyismus machen?” Im Prinzip haben Sie mit dieser Frage natürlich recht. Es bedarf dazu einiger Kunstgriffe, die aber ein Linker mühelos beherrscht.
Man benötigt dazu eine Überzeugung, die sich freimacht von bürgerlichen Vorstellungen wie Faktenlage, Erkenntnissen und Zahlenmaterial. Die Überzeugung dagegen muß jeglicher Realität problemlos standhalten, egal, wie heftig sie einem ins Gesicht bläst. Die Überzeugung muß sein: Die beste Schule für unsere Kinder ist die, in der alle gleich sind. Und diese Schule ist nicht nur für die schlechten Schüler gut, sondern auch für die guten und vor allem für unsere Gesellschaft.
Wenn dann aber ein paar von diesen „Eltern” daherkommen und ihre Kinder auf andere Schulen schicken wollen, dann verdienen sie weder Verständnis, noch Mitleid, sondern nur unseren ungeteilten Hass. Denn sie stehen uns im Weg. Im Weg, der in eine bessere Zukunft führt. Ganz perfide an dieser Lobbyistentruppe ist nun, daß sie auch noch zu einem nicht unerheblichen Teil aus denselben Menschen besteht, die lauthals FÜR eine Einheitsschule eintreten. Aber das, so lehrt uns die Dialektik, ist eben auch kein Problem, solange die eigene Überzeugung nur fest genug ist.
Aber diese widerliche Terrorzelle geht ja noch einen Schritt weiter. Nicht nur, daß sie sich, wenn es um ihre Kinder geht, eigene Gedanken zu machen erlaubt, nein, sie respektiert noch nicht einmal die Obrigkeit! „Von oben gab es einhelliges Lob für Zöllners Ideen(…)” schreibt der zurecht empörte Linke, „nur die Eltern polterten.”.
Es bringt das Demokratieverständnis der Linken auf den Punkt: Etwas, das in einem basisdemokratischen Rat in nächtelanger Diskussion mit viel Tee und Canabis von vielen Studienräten ersonnen wurde, das ist etwas, zu dem notfalls das uneinsichtige Volk gerne auch gezwungen werden darf. Dieses Pack! möchte man ausrufen, was bildet es sich bloß ein, die Interessen der eigenen Kinder über das Große Ganze zu stellen?
Doch es wird noch schlimmer. Der Chefideologe der Eltern hat noch einen Pfeil im Köcher. „Berlins Eltern-Cheflobbyist heißt André Schindler, er drohte dem Senator gar: »Wir Eltern werden Wege finden, unsere Kinder aufs Gymnasium zu bringen.«”
Jetzt werden sogar schon Senatoren fast körperlich bedroht, indem man ankündigt, die Kinder zur Schule zu schicken!
Hier muß etwas getan werden. Denn wenn wir den „Eltern” weiterhin gestatten, offen zu reden, dann kommen sogar teuflische Botschaften ins Spiel:
„Als in Bayern über die Zusammenarbeit von Haupt- und Realschulen nur nachgedacht wurde, fragte Ingrid Ritt, Landesvorsitzende der Realschuleltern, sofort dämonisch: «Was folgt als Nächstes? Der willkürliche Austausch von Schülern zwischen den Schularten?» Gerade so, als wären Hauptschüler eine ansteckende Krankheit.” Eben! Es ist doch völlig egal, ob ein Kind nun auf eine Hauptschule geht oder nicht. Und so ansteckend ist doch eine Hauptschule gar nicht, immerhin schaffen es auch ein paar wenige Kinder von da aus auf die Realschule. Also ruhig mal ein paar intelligente Kinder in die Hauptschule stecken, quasi als Strafe dafür, daß sie als Gymnasiasten ja ansonsten vielleicht wohlhabende Manager und Heuschrecken geworden wären.
12. Juni, 2009 at 17:18
Aber wohin gehen die eigenen Kinder der Linken? Mir dem Prekariat auf die gleiche Schule?
12. Juni, 2009 at 17:44
Natürlich nicht. Wo kämen wir da denn hin? Dafür gibt es doch Privatschulen.
12. Juni, 2009 at 20:26
Sprechen Sie mir langsam nach: Y – Psi – Lan – Ti
12. Juni, 2009 at 22:50
Klingt mir eher nach Wal-dorf.
13. Juni, 2009 at 07:56
war es nicht der heutige arbeitsminister, der davon träumte, die “lufthoheit über den kinderbetten” erobern zu können?
13. Juni, 2009 at 22:39
schulreform hin oder her, es mag sinnvoll sein da etwas zu ändern, ich denke nur, der kern des problems liegt woanders: wenn die, von denen die kinder lernen sollen nicht befähigt werden zu lehren, weil diese wiederum von lehrenden lernen, die selbst nicht lehren können: wie solls denn besser werden? durch ein schulsystem, dass nicht benachteiligt, wird dieser mangel nicht aufgehoben. aber offenbar interessiert das weder die linke noch die eltern oder irgendwen sonst.^^
14. Juni, 2009 at 10:51
Eine Freundin von mir ist Lehrerin an einer sogenannten Problemschule mit 80 % Migrantenanteil. Sie hat mir mal erzählt, wie es dort so zugeht. Auf meine Frage, ob sie während ihres Referendariats auch dahingehend ausgebildet wurde, mit schwierigen Schülern umzugehen – z. B. mittels Kursen in Kinderpsychologie – meinte sie, “Nein, nichts!”.
Wer an solchen Schulen unterrichtet und nicht über ein gerütteltes Maß an natürlicher Autorität verfügt, wird bei lebendigem Leibe gefressen. Daß Eltern ihre Kinder nicht dorthin geben wollen, nur um den Egalitätsträumen einer bestimmten politischen Kaste zu genügen, kann ich sehr gut nachvollziehen.
15. Juni, 2009 at 08:16
Ich bekenne mich. Ich gehöre auch zu jenen nahezu terroristischen Eltern, die ihr Kind lieber auf ein Gymnasium schicken wollen, als am Experiment Primarschule teilnehmen zu wollen. Wobei ich der Idee der Primarschule an sich nicht unbedingt negativ gegenüber stehe – nur sehe ich derzeit nicht, dass sich unter diesem Label Lehrerausbildung, Lehrerquote, Lehrmittel und Lehrsystematik verändern werden. Gerade in der aktuellen Phase der Umstrukturierung werden die Kinder, die es als erste mitmachen müssen die Leidtragenden sein. Mal abgesehen davon wird ein ehemaliger Hauptschüler nicht per se besser, nur weil es einfach keine Hauptschule mehr gibt und er jetzt einen “Stadtteilschulabschluss” bekommt.
Insofern nutze ich doch die letztmalige Wahlmöglichkeit sowie die Beurteilungen und Noten meiner Tochter und melde sie am Gymnasium an. Hat mir übrigens schon interessante Kommentare seitens der Grundschule eingebracht: “Wollen Sie nicht, dass unsere Grundschule Primarschule wird? Wenn wir nicht genügend Kinder anmelden können, werden wir vielleicht aufgelöst.” – spannende Logik eigentlich …
15. Juni, 2009 at 15:34
Heldin / spritkop: Wir haben anscheinend vor allem ein Problem mit der Ausbildung der Lehrer. Und mit der Klientel, die Lehrer werden möchte. Neben vielen Idealisten gibt es nämlich immer noch diejenigen, die von einem lockeren Job mit viel Freizeit träumen.
Geld genug stecken wir in das Schulsystem rein, daran kann es nicht liegen. An der Dummheit der Bevölkerung (diesmal) auch nicht, schließlich galten wir noch in den 70ern als vorbildlich, was die schulische Ausbildung betraf.
Vielleicht wäre es ja mal richtig schlau, anstatt den Eltern immer weniger Entscheidungen zu überlassen, vielmehr a) den Schuldirektoren die Führung der Schule zu überlassen und b) den Eltern völlige Entscheidungsfreiheit zu geben. Dann wird sich schnell herausstellen, welche Methode und welche Schule sich für die Kinder einsetzt. Konkurrenz belebt das Geschäft, und das stimmt eben nicht nur für das Wirtschaftsleben.
Guest68: Ich finde ja, daß in Ihrem Satz „ein ehemaliger Hauptschüler (wird) nicht per se besser, nur weil es einfach keine Hauptschule mehr gibt” das Dilemma offenbar wird: Es liegt eben nicht an der Schulform, ob jemand dumm ist oder nicht. Es liegt nur an der Schulform, ob man lieber die Schlauen dem Niveau der Dummen anpassen möchte, oder ob man akzeptiert, daß Menschen nunmal unterschiedlich begabt sind.
Letzteres kann man natürlich nicht akzeptieren, wenn man Füller heißt.
15. Juni, 2009 at 20:17
interessant finde ich diesen artikel:
http://lev-thueringen.de/2008/02/pressespiegel-vom-28022008/#artikel_1
was den südhessen das “bayrische abi”, ist den osthessen das “thüringer abi”.
15. Juni, 2009 at 23:07
“turboabitur”? man witzelte ja hinter vorgehaltener hand, dass das eine jahr mehr nur dazu da ist, die ausgefallenen stunden zu kompensieren…geschadet hats keinem, aber ich bin ja auch der meinung, dass man heute nicht mehr mit 16 in der lage ist/sein kann sich für einen beruf zu entscheiden, den man dann 45 jahre lang ausüben wird. und nach der ausbildung,wie auch immer die geartet ist, fragt auch niemand mehr nach dem einen jahr mehr.
im übrigen könnte man hier eine sicherlich sehr spannende diskussion über lehrplaninhalte gleich anschließen, oder darüber, dass schule mehr sein könnte als wissensvermittlungsort. naja.
16. Juni, 2009 at 22:56
Ich dachte, ich hätte Ihre Polemik längst scharf kommentiert, und bin nun zurückgekehrt, um Ihre Replik zu goutieren – wobei ich feststellen muss, überhaupt nicht kommentiert zu haben und auch keinen Schimmer mehr zu haben, was ich ggflls. kommentiert hätte. #redundanz
17. Juni, 2009 at 05:01
Herr Matt,
hier handelt es sich nicht um Twitter ;)
17. Juni, 2009 at 23:18
Das wollen wir doch mal sehen.
18. Juni, 2009 at 23:09
Typen wie Roger Willemsen würden von Verkapselungen in virtuellen Foren sprechen welche weder glaubhaft, im Lebenswandel verbunden und sonstwo domestiziert wären.
Der Knacks ist scheinbar die Offenbarung…
22. Juni, 2009 at 10:30
Joshuatree, in den glorreichen alten Zeiten, als wir uns noch auf meinem anderen Blog beharkten, als gäbe es kein Morgen, da hätte ich nun so getan, als wäre mir Ihr Beitrag völlig klar.
Es sind aber andere Zeiten, wir sind beide weiser und ruhiger geworden (also Sie weiser und ich ruhiger), da kann ich es mir wohl mal erlauben: WTF meinen Sie damit???
;-)
23. Juni, 2009 at 20:50
Ich habe es auch nicht verstanden und harre gespannt der Auflösung.
23. Juni, 2009 at 21:27
NaHüHaHa,
so aus rein psychologischer Sicht ist die Schulform erstmal egal, wichtiger ist der Lehrer und seine Ausbildung. Aber alle Ausbildung ist für die Katz, wenn die Klassen zu groß sind. Da kann dann auf nachgewiesene unterschiedliche Lernstile (Falmagne et al, wenn’s jemanden interessiert) nicht eingegangen werden. Ich würde mal charmant die monetäre Ausstattung hinterfragen, wie kommen sie zum Statement “Geld genug stecken wir in das Schulsystem rein” kommen? Stillstand (seit den 70′igern) ist im Vergleich ein Rückschritt! Die anderen haben aufgerüstet, nur so der Hinweis aus dem Off …
Anyway, trotzdem kann ich das Bedürfnis “Chromaxt für die Eltern” in Teilen gut verstehen, nur ist mir das guddste Stück zu human da zu schnell & klar im Schnitt! Wie kann es sein, das in einer vierten Grundschulklasse gerade mal 5 von 25 Kindern schwimmen können? Warum sind die am lautesten lamentierenden Eltern nicht in der Lage, ihrem Balg bei den Hausaufgaben zu helfen oder gar mal beim Elternabend aufzutauchen oder für ordentliches Essen (sprich Pausenbrot, ist erstaunlich was das bewirken kann, Silbereisen et al) zu Hause sorgen können? Da klappt bei mir ein kleines, mieses, verrostetes schartiges Messer auf, ehrlich.
24. Juni, 2009 at 21:48
@GP: Nah, es war eine Assoziation, deren Grundimpuls ich jetzt selbst nicht mehr genau nachvollziehen kann ;-) Ich spiele ab und an Improvisationstheater, wissen Sie…
No need to argue, anyway ;-)
25. Juni, 2009 at 00:11
Nachtrag als Frage: Sind hier auch Eltern schulpflichtiger Kinder?
25. Juni, 2009 at 10:31
Nöö, ein Faß wollt ich deswegen auch nicht aufmachen. Mich hätte es nur interessiert, weil ich die Assoziationskette einfach nicht aufgelöst bekam.
Die Frage nach den Eltern kann ich übrigens nicht beantworten. Ich habe keine. Ich dachte immer, Sie hätten welche?
29. Juni, 2009 at 22:47
Ja, habe welche. Und lasse (ließ) sie, so gut es möglich ist, frei aufwachsen. Ihr Blick interessiert mich mehr, als der Blick der dogmatisch-politisierenden Bezahlpolitiker mit ihren sich ständig ändernden Vorstellungen des Abbilds einer Realität bezüglich der Erziehung eines Kindes.
Rousseau war übrigens so schlecht nicht.
29. Juni, 2009 at 23:06
Frei aufwachsen lassen, sie eigene fehler machen lassen, ja, ich glaube un sachen kindererziehung bekämen wir furchtbar schnell einen konsens hin.