Also, diesmal bin ich ja echt stolz auf die Besucher dieses Blogs: Nahezu alle Menschen, die heute zufällig über Suchmaschinen auf meine Site kamen, hatten zumindest auch schon ein merkwürdiges Bauchgefühl, als sie über Herrn Schirmbecks Nazivokabular mehr wissen wollten. Und in der Tat findet der geneigte Suchende ja auch kaum etwas im Netz über die ungeheure Wortwahl dieses CDU-Experten.

Ich frage mich nur: Wieso? Auch beim Heuschreckenvergleich des Herrn Müntefering, der übrigens ähnlich sinnvoll und exakt so sensibel war, gab es lediglich den einen oder anderen kleinen Aufschrei.

Sind wir mittlerweile abgestumpft? Ist es einfach so, daß der Nazivergleich zu oft und zu unbegründet gezogen wurde, um sich in der politischen Diskussion durchzusetzen?

Momentan erleben wir allerdings das Phänomen, daß Politiker solcherlei Nazivokabular nicht nur aus Versehen falsch verwenden, sondern tatsächlich exakt in der Bedeutung, in der diese Begriffe damals gedacht waren. Die Heuschrecken waren damals die „Finanzjuden”, die Ausbeuter, die Kapitalisten, die Investoren, die Bankiers. Was Müntefering sich gedacht haben mag, um mit diesem Wort Ausbeuter, Kapitalisten, Investoren und Bankiers zu beschimpfen? Denn eines unterstelle ich dem Herrn an sich nicht: Antisemitismus. Aber anscheinend nahm er das billigend in kauf, um eine schöne Metapher aus der Zeit, in der Metaphern noch groß in Mode waren, benutzen zu können.

Und Herr Schirmbeck ist da genauso konsequent: Wenn wir das Thema Rechtssicherheit allesamt nicht mehr ernstnehmen, wenn wir alle lieber aus der Emotion heraus Gesetze, Verordnungen und Urteile fällen wollen, dann ist es auch nur richtig, uns alle daran zu erinnern, daß eine solche Zeit schon mal da war.