Ich bin ja vielleicht nicht der einzige Mensch in der Bundesrepublik, der mit dem Rauchen aufhört. Ob es nun mir oder irgendeinem Leser hilft, weiß ich nicht. Vielleicht scheitere ich ja auch grandios und fange wieder an mit dem Qualmen. Aber wenigstens kann ich mal wieder etwas anderes schreiben als die für einige Leser eh schon viel zu langweiligen Politikaufsätze.

Warum eigentlich aufhören? Ja, das ist eine gute Frage. Bis vor kurzem gehörte ich ja zu der Fraktion „überzeugter Raucher”. Die negativen Auswirkungen habe ich nie in dem Maße gespürt: Ich wachte morgens nie unter großem Husten auf, ich konnte problemlos Interkontinentalflüge aushalten, das Geld für Zigaretten hat mich nie gestört. Aber eines Tages wachte ich auf, lag in meinem eigenen Urin, in der einen Hand die abgebrannte Gauloises, in der anderen eine Flasche Astra, neben mir die Überreste von drei Gramm Kokain, und ich dachte mir: Irgendetwas muß ich ändern. Da war es das naheliegendste, erstmal aufs Rauchen zu verzichten.

Also zusammengefaßt: Ich hatte einfach eines Tages die Idee, daß ich auch ohne Zigaretten auskommen könnte. Zunächst einmal war das eher scherzhaft mir selbst gegenüber gemeint. „Rauchen Sie doch mal einen oder zwei Tage nicht”, sagte ich zu mir selbst, wobei ich mir etwas merkwürdig vorkam, mich selbst zu siezen, aber der Stil muß nunmal gewahrt werden.

Am ersten Tag war ich noch äußerst euphorisch: Das ist ja alles viel einfacher als gedacht. Auch am zweiten Tag spürte ich keine Auswirkungen, außer, daß ich ab und an mal dachte, daß ich ja normalerweise jetzt eine rauchen gegangen wäre.

Der dritte Tag war der, an dem ich fast rückfällig geworden wäre: Bei jeder Tätigkeit, die mich ans Rauchen erinnerte, wollte ich mir eine ins Gesicht stecken. Tat es aber nicht. Denn ob meiner Euphorie in den letzten beiden Tagen hatte ich schon zu großspurig herumerzählt, daß ich mich mit dem Gedanken anfreunde, aufzuhören.

Was hat mir geholfen? Vor allem der Gedanke daran, daß es ja die Mehrheit der Menschen auch schafft, ohne nennenswerte Einbußen an Lebensqualität ohne blaue Gauloises durchs Leben zu gehen. Ich habe einen großen Vorteil: Ich habe erst sehr spät angefangen. Ich kann mich bewußt noch an ein (Ausgeh-)Leben ohne erinnern.

Und ich fange an, all diese körperlichen Einflüsterungen als das zu begreifen, was sie sind: Suchtwahrnehmungen. Bisher ist das das stärkste von allen Argumenten, ihnen nicht nachzugeben. Und ein Argument, das auch auf Dauer ausreichen kann. Denn die ersten positiven Auswirkungen spürte ich heute morgen bereits: Zwar wachte ich auch früher nicht mit einem riesigen Haufen Schleim in der Lunge auf, der erstmal rausgehustet werden mußte, aber so locker, wie ich heute morgen nach dem Aufstehen durchatmen konnte, das war schon phänomenal. Und als G. dann in ihrer schläfrigen Morgenroutine wieder mal etwas brüllend Komisches sagte, konnte ich sogar lachen, ohne dabei zu husten!

Wie sich die Lage entwickelt, werde ich hier immer wieder mal aufschreiben. Verzeihen Sie mir, wenn ich irgendwann rückfällig werde, aber verzeihen Sie mir vor allem bitte, wenn ich es durchhalte. Ich weiß: Scheitern ist immer lustiger zu lesen.

Und eine Anmerkung: Jeder, der Alan Carr in den Kommentaren preist, wird sofort und ohne Verfahren geköpft. Über den Kerl schreibe ich bei Gelegenheit einen Extraartikel.