
Immer wieder lese ich davon, daß Landsleute von mir entführt werden. Sei es in der ägyptischen Wüste, vor der Küste Somalias oder in den Bergen Afghanistans. Es ist müßig, sich darüber Gedanken zu machen, ob es feige oder mitfühlend war, den Grundsatz „keine Geschäfte mit Terroristen” aufzugeben, de facto sind wir mittlerweile bekannt dafür, daß mit unseren Geiseln ordentlich Kohle zu machen ist. Nicht nur das: Spätestens seit der abgeblasenen Militäraktion gegen die somalischen Piraten weiß nun auch ein jeder Entführer, daß er nicht unbedingt sein Leben riskiert, wenn er deutsche Staatsbürger entführt.
Es stellt sich natürlich die Frage, ob Lösegeld nun zwingend von der Gemeinschaft getragen werden muß. Nehmen wir mal als Beispiel eine Studienreise in den Irak. Das Auswärtige Amt tut ja, was es kann und warnt vor solchen Reisen. Aber mehr als Warnen kann es zunächst ja nicht. Die Studienreisenden aber sind Freunde des irakischen Volkes und sagen sich, daß sie das Schicksal auch in einer Großstadt wie Hamburg (Berlin zu erwähnen wäre in diesem Zusammenhang sicher kontraproduktiv; besser wäre aber vielleicht noch: New York) ereilen könnte. Nun werden sie aber dennoch von einigen Verbrechern entführt, die auch leider nicht gut genug Deutsch sprechen, um ihnen zu erklären, daß sie gerade Freunde des irakischen Volkes entführen. Vermutlich wäre es ihnen auch egal, denn sie möchten ja auch nur Geld für ihre Familien und die Dorfgemeinschaft erpressen.
Nun verhandelt also der deutsche Staat mit diesen Entführern, wägt die Risiken eines möglichen Befreiungsversuches ab und kommt zu dem Schluß: Absolute Sicherheit, daß unsere Studienreise wieder unversehrt zurückkehrt, gibt es nur, wenn man Lösegeld bezahlt.
Und die anderen Bürger fragen sich: „Wieso muß ich eigentlich, der ich vielleicht alle vier Jahre mal an die Ostsee fahren kann, weil ich es mir einfach nicht leisten kann, mit meiner Familie so entfernte Orte wie den Irak zu bereisen, wieso muß ich also auch das Lösegeld bezahlen?”
So völlig unberechtigt ist die Frage nicht: Wieso soll die Gemeinschaft dafür bezahlen, daß einzelne Menschen sich über alle Sicherheitsbedenken hinwegsetzen? Wenn diese Menschen mit ihrem Leben spielten, weil es klar ist, daß der deutsche Staat nicht mit Terroristen verhandelt, so wäre dieses Risiko ihr eigenes. So aber ist es das Risiko der anderen Bürger.
Wie also kann dieses Problem gelöst werden? Die Variante, die unserer Staatsgläubigkeit am nächsten käme, wäre wohl: Die Listen des Auswärtigen Amtes verbindlich machen. Nicht mehr nur Vorschläge, sondern konkret: Ausreiseverbote. Oder noch besser: Für Reisen ins Ausland ist ein Antrag zu stellen, den das Auswärtige Amt nach Sichtung der Gefahrenlage positiv oder negativ bescheiden wird.
Das klingt zu sehr nach DDR? Natürlich! Die DDR hielt ja auch das Ideal der „sozialen Gerechtigkeit” hoch. Und zwar so hoch, daß Themen wie Freiheit dabei vernachlässigbar waren. Wenn unser Staat also so fürsorglich sein will, daß er Terroristen lieber Geld bezahlt, anstatt das zu tun, was man gemeinhin in solchen Fällen zu tun pflegte, dann muß er konsequenterweise auch einfordern, daß seine behüteten Bürger sich seinem weisen Ratschluß beugen.
Wenn doch nur ein Menschenleben dadurch gerettet werden kann…
2. November, 2009 at 16:55
[...] Es war nicht alles schlecht… « German Psycho a few seconds ago from seesmic [...]
2. November, 2009 at 16:58
[...] Es war nicht alles schlecht… « German Psycho a few seconds ago from seesmic [...]
2. November, 2009 at 18:07
Dann aber auch Zigarrettenverbote. Und Saufverbote. Und fettes Essen verbieten. Und nächtliche Ausgangssperre. Und auf Einhaltung des ganzen wird per Kamera geachtet.
2. November, 2009 at 18:10
Ja, klar! Alles, was nicht in den gesunden und gemeinschaftsfördernden Ablauf paßt verbieten.
Vielleicht habe ich mich in meinem Artikel auch unklar ausgedrückt, wenn Sie das als Widerspruch zu meinen Worten gemeint haben.
2. November, 2009 at 19:02
Der Großteil, der in solch als gefährlich eingestuften Gebiete reist, ist dort ja nicht aus Erholungsgründen. Sondern leistet dort Aufbauarbeit, Forschung und/oder sind, wie Sie schon schrieben, Studienreisende oder Freunde des Volkes/Staates/Dorfes.
Natürlich wird es sich unter den Radikalen herumsprechen, dass mit deutschen Geiseln Geld zu machen ist, da wir zahlen. Wir zahlen sogar gut. Aber was ist die Alternative? Bzw, wie wurde früher (vor 20 Jahren, bspw.) damit umgegangen? Da gab es doch auch schon Entführungen. Kamen die einfach nur nicht an die Öffentlichkeit, oder was wurde damals gemacht?
Also, was ist die Alternative? Nicht zu zahlen und darauf hoffen, dass die Entführer die Geiseln einfach frei lassen und Gefahr laufen, diese könnten sie identifizieren?
Oder doch lieber einen Militärtrupp in die Nähre des Entführungsortes oder den Entführern freundlich gesinnten Gemeinschaften entsenden und dort mal für „Zucht und Ordnung“ nach westlichen Maßstäben sorgen? Dann können wir auch gleich ranghohe Mitglieder von terroristischen Vereinigungen auf Verdacht entführen und Geld von denen freipressen. Ach, ich vergaß, bis auf die Sache mit dem Geld erpressen, tun wir das ja schon längst.
Verdammt. Und nun?
Ich esse einfach mal Bio-Salzstangen (hat der Besuch vom Samstag noch da gelassen) und überlege mal …
2. November, 2009 at 19:23
Ich denke, die Gemeinschaft kann das grad noch so stemmen, paar Millionen im Jahr für entführte Deutsche auszugeben.
So what?
2. November, 2009 at 19:24
Zunächst mal ist meine Liste natürlich nur logische Folge Ihrer Polemik. Der Sie ja als Erster widersprechen müssten. Andererseits könnte es tatsächlich lustig (und soziologisch interessant) werden, eine Aktion „Wünsch dir was, verbiet mir das“ ins Leben zu rufen. Mit Voting und so Zeug.
3. November, 2009 at 09:41
Ramses, natürlich widerspreche ich. Aber das ist ja eben Konsens. Ich sage doch gerade NICHT, daß ich befürworte, wenn der Staat die Reisefreiheit einschränkt.
Ich gebe einfach zu bedenken, wohin es führt, wenn der Staat in guter Absicht für die Menschen mitdenkt. Es beginnt damit, daß es nicht mehr das Risiko der Einzelperson ist, wo sie hinreist und führt, konequent zu Ende gedacht, zur Einschränkung der Reisefreiheit.
Ihre Beispiele sind genauso passend: Wenn Dicke den Staat mehr kosten, dann ist die Überlegung naheliegend, daß man dagegen von Staatsseite aus tun müsste.
3. November, 2009 at 10:00
Sie kritisieren ein Szenario, das theoretischer Natur ist und geben die Schuld daran einer Gruppe, die es nicht herbeigeführt hat? Die es nicht mal herbeigeführt hätte, weil ja im Nachhinein eh der Staat Schuld an dem Verhalten gehabt haben würde, das dann irgendwann zu jenem nicht existenten Szenario führen würde?
3. November, 2009 at 09:28
Gibt ja auch viele Leute, die Geld reisen lassen, womöglich unversteuert.
Bei den heutigen technischen Möglichkeiten könnte man (der Staat) ganz schön ins Träumen kommen.
Wie hat die ehemalige DDR eigentlich Entführungsfälle geregelt? Es waren ja mehr als genug Botschafter des Sozialismus unterwegs.
3. November, 2009 at 10:03
DDR-Bürger wurden aber nie entführt. Was hätte man als Entführer auch mit X Millionen Ostmark anstellen sollen? Andersrum war es natürlich, wenn die DDR selbst entführt hat. Dann wurde ja fleißig von der Bundesregierung freigekauft.
Was ich übrigens völlig richtig finde, genau so wie ich es richtig finde, wenn Lösegeld gezahlt wird, wo die GSG 9 nicht weiter kommt.
3. November, 2009 at 11:22
dabei haben unsere regierungen in der vergangenheit doch schon allerhand alternativen ausprobiert, vom supertopgmegageheimagenten maus „the mouse“, der von kolumbien bis zum libanon geiseln im alleingang befreite (mit köfferchen oder navalem kriegsgerät), über die glanztat im falle der famile wallert (philippinen), wo man es doch glatt schaffte, die libyer in die verantwortung zu nehmen (ja, ghaddafi zahlte 5 mios an abu sayaf) um die unsäglichen touris zu befreien (übrigens, keine reisewarnung für malaysia seinerzeit).
und es ist auch nicht gesagt, dass die immer geld erpressen wollen. insbesondere die freunde von der äh anti-zionisten-front, die palis und die hizbollah, haben sich in den 70er und 80ern, achja, und in den 90ern, und auch danach eigentlich immer mit brutalem terror an zivilisten dafür eingesetzt, mörder aus deutscher haft freizupressen. stichwort egon cordes…
sie werden sehen: wenn das liberal geführten entwicklungshilfeministerium nun die gelder kürzt, dürfte das die entführungsgefahr drastisch erhöhen, schliesslich kann man den leuten nicht erst das geld in der A. blasen, und dann glauben, ungeschoren davon zu kommen, wenn man damit aufhört. das geld gehört denen, womit sollen die sich sonst vom jüdischen joch befreien?
also augen auf beim terrorkauf!
3. November, 2009 at 11:48
Entwicklungshilfe kürzen? Die FDP wird das Entwicklungshilfeministerium selbstverständlich auflösen. Das hat sie schließlich immer gefordert. Gut, das würde sie jetzt einen Ministerposten kosten, aber die FDP ist doch eigentlich frei von Personalgeschacher, wenn es um liberale Ideale geht.
3. November, 2009 at 17:09
Der Staat bzw. Bundeskanzler Schmidt hat 1977 eine harte Entscheidung getroffen, nämlich nach der Entführung von Hanns-Martin Schleyer durch die RAF. Damals hat man beschlossen, nicht den Forderungen der Terroristen nachzukommen, wohlwissend, daß dies den Tod von Schleyer bedeutet, wenn es nicht gelänge, ihn vorher zu finden und zu befreien. Ich sehe keinen Grund, warum der Staat dies nicht auch genauso für Entführungsopfer in Krisenregionen beschließen sollte. Habe ich mich schon damals gefragt, als die dämliche Wallert in jede anwesende Fernsehkamera geheult hat.
Wenn jemand unbedingt in eine Krisenregion reisen muß – bitte, das soll ihm freigestellt bleiben. Er soll aber nicht erwarten, daß die Allgemeinheit für seine Risikofreude aufzukommen hat. Und das sollte auch für Studien- und Forschungsreisen gelten. Der nächste Entführte wird das wahrscheinlich auf die harte Tour lernen müssen, aber danach wissen es auch alle.
3. November, 2009 at 18:52
Der Fall Schleyer dürfte allen bekannt sein. Aber was ist mit den „normalen“ Entführungen? Die, die eben nicht so medienwirksam waren.
Wie wurden die denn gelöst?
Und warum abonniere ich die Kommentare dieses Beitrags, wenn bei mir eh nix ankommt?
Ich liebäugle mit dem Gedanken, diese Information zu erpressen!
3. November, 2009 at 19:45
Die normalen Entführungen (die, bei denen Lösegeld gezahlt wurde) wird bewußt versucht, sie möglichst unter der medialen Decke zu halten, um potentielle Täter nicht auf die „Verdienstmöglichkeiten“ aufmerksam zu machen. Wie zu vermuten, mit begrenztem Erfolg – irgendwann kriegt man auch im hinterletzten jemenitischen Beduinenzelt mit, daß da viel Geld zu machen ist.
Und wen wollen Sie erpressen? Vor allem, womit?
18. November, 2009 at 22:01
Da ich zur Zeit etwas maulfaul bin, sag ich jetzt mal einfach: Ich schließe mich ihnen, Mr. Spritkopf, da ohne Wenn und Aber an.
Punkt.
4. November, 2009 at 09:45
Nur so zwischendurch: Die abgeblasene Militäraktion war in Wirklichkeit eine abgeblasene Polizeiaktion. Schön ist natürlich, dass gerade die Frage nach der Zuständigkeit erstmal ausdiskutiert wird, bevor man überhaupt etwas unternimmt. In München damals hatte man das Problem übrigens nicht – da gab es noch keine GSG9 oder gar ein KSK. Ob das Ergebnis anders gewesen wäre – wer weiß. Letztlich würde ich vermuten, dass beide Einheiten heute ausreichend Professionalität besitzen. Was bei den politisch Verantwortlichen manchmal eher angezweifelt werden darf.
Da lob ich mir tatsächlich die Konsequenz im „Deutschen Herbst“ (obwohl man Schleyer vielleicht hätte befreien können, wenn man die Hinweise richtig ausgewertet hätte … hätte, würde, wäre)
Im Übrigen finde ich die Forderungen nach Erstattung von Kosten durch eine Befreiung in einem als gefährlich eingestuften Land durchaus gerechtfertigt, sofern man keinen staatlichen Auftrag hatte, sich dort aufzuhalten.
4. November, 2009 at 19:55
achtung!!! kurzer post!!!
sagen sie mal herr GP…wollen sie uns jetzt wirklich alle vorführen und solchen (entschuldigen sie bitte) schwachsinn auch noch kommentiert bekommen??
achso…ich vergaß…kurzer post:
ohmannomann…
11. November, 2009 at 00:19
Also ich hab’ ja nicht alles verstanden und zum Lesen war’s auch zu viel, aber ich will nicht Jammern (müssen). Es ist aber auch ein Kreuz, und da sprechen jetzt nicht nur anti-katholische Ressentiments aus vorvergangenen Jugendtagen. Ich reise ja selber gern, aber leider nur selten. Ich hoffe nur, dass der Westerwelle jetzt nicht alles kaputt macht…
Vielleicht muss man aber den Sudan mit anderen Massstäben messen. Haben Sie denn auch die Kola Boof mal studieren können? Die ist ja ganz „ungeschützt“ dem Terrorfürsten begegnet. Ob die auchg so Witze machen würde von wegen auswärtigem Amt…?
11. November, 2009 at 22:04
Hmmm… Eigentlich keine schlechte Geschäftsidee. Ostseeurlauber entführen mein ich. :D
19. November, 2009 at 16:47
Hi German Psycho, ich weiß ja inzwischen, dass hier das „Sie“ vorherrscht, aber wir waren doch schon beim „du“?
Hier die Bitte um die Beantwortung von ein paar Fragen, ich bin doch sooo gespannt auf die Antworten… mit lieben Grüßen
Miki
http://mik-ina.de/2009/11/19/boing-warum-bloggst-du/
30. November, 2009 at 15:49
Es ist ein wenig her, sorry! Ich hab soviele solcher Stöckchen bereits beantwortet; und wenn ich ehrlich bin, dann ist dieses hier nicht besonders originell. Seit wann blog ich und warum? Die Antwort steht eigentlich in der „Über-”Seite.
Nehmen Sie es mir nicht übel, es ist nicht persönlich gemeint, aber dieses Stöckchen würde ich gern auslassen.
24. November, 2009 at 20:48
Ich befürchte seit Herr GP mit Fräulein F. zusammen ist, bloggt der nicht mehr.
30. November, 2009 at 15:51
Kommt alles wieder…