Kennen Sie den „Grundrissmaker” von „Sachs Marketing”? Das ist eine Software, die lange Zeit als Freeware im Netz herumlag. Sie war laut Anwenderberichten selbst geschenkt noch zu teuer. Aber gut, der Ärger um eine verlorene Stunde ist ja nicht so schlimm, immerhin hat man wenigstens kein Geld dafür ausgegeben. Dachte sich wohl auch der Blogger, Photograph und Journalist Marco Maas.
Bis, ja bis eines Tages die Firma Sachsmarketing auf die Idee kam, mit den vielen, vielen E-Mail-Adressen, die bei ihnen herumlagen, ein Geschäft zu machen.
Also setzte man ein besonders bedrohlich wirkendes Schreiben auf, das man an die ganzen zur Registrierung der „Freeware” benötigten Mailadressen verschickte und in dem man zu einer Zahlung eines Phantasiebetrages aufruft. Inklusive falscher Mehrwehrtsteuer, unsinnigen Mahngebühren und so weiter. Das Perfide an der Geschichte: Der Betrag ist gering. So gering, daß es sich immer noch lohnt, wenn ein paar Tausend Menschen diesen Betrag bezahlen, aber für den Einzelnen nicht hoch. Viele werden also einfach bezahlen, weil sie Sorge vor dem Rechtsweg haben.
letzte aussergerichtliche Mahnung
sicher ist Ihnen entgangen die Rechnung(en)/Mahnung(en) zu begleichen. Wir fordern Sie hiermit letztmalig auf, den Rechnungsbetrag auf das unten genannte Konto zu ueberweisen. Sollten Sie die Zahlung inzwischen geleistet haben, prüfen Sie bitte, ob Sie als Verwendungszweck entweder Kundennummer oder Rechnungsnummer angegeben haben und betrachten Sie bitte die Mahnung als gegenstandslos. Als Anlage Ihre Mahnung/Rechnung im pdf-Format zum Ausdruck für Ihre Unterlagen. Sollten Ihre Angaben unvollständig oder falsch sein, können wir Ihnen auf Anfrage gegen Kostenerstattung von 5 Euro eine Korrekturrechnung zusenden.
Marco bezahlte nicht, informierte sich bei Gutefragen.de und antwortete entsprechend (siehe verlinkter Blogeintrag). Und erhielt dann, Jahre später, nämlich jetzt: Eine Unterlassungserklärung:
hiermit fordern wir Sie auf, die unrichtigen und verläumderischen Einträge zum Thema Grundrissmaker/Sachsmarketing vom 06.01.2008 und folgende zu löschen. Weitere Infos zum Thema erhalten Sie von Staatsanwaltschaft XY
Es ist ein Fall von vielen; das Internet lockt eben nicht nur ehrliche Menschen an. Interessant ist dieser Fall aber schon deswegen, weil er bis jetzt schon so gut dokumentiert ist, und vor allem aber auch, weil es mit Marco endlich einmal jemanden „erwischt” hat, der die Eier in der Hose hat, gegen solche Unternehmen auch tatsächlich den Rechtsweg zu beschreiten. Udo Vetter hat sich bereits des Themas angenommen, in der ihm üblichen, süffisanten Art.
Abgesehen von den juristischen Implikationen sind nun sowohl Produkt- als auch Firmenname dank Google für all diejenigen, die unbedarft nach einem Stück Software suchen, gebührend als potentielle Betrüger entlarvt. Darauf verlassen, daß nun weitere Personen aus Angst die, äh, Schutzgebühr bezahlen, sollte sich nun der gute Mann nicht.
Die URL Grundrissmaker.de ist übrigens mittlerweile bei den einschlägigen Sites als Malware gelistet. Und bei Gutefrage.net ist der ganze Vorfall von vielen, vielen Beteiligten ebenfalls wundervoll dokumentiert. Und bleibt es wohl auch.

8. Dezember, 2009 at 15:47
[...] This post was mentioned on Twitter by germanpsycho, Tuffelchen. Tuffelchen said: RT @germanpsycho: Abzocke im Internet; diesmal mit gutefrage.net, @themaastrix und @udovetter sowie Sachs Marketing: http://wp.me/pgxDR-af [...]
8. Dezember, 2009 at 20:21
das erinnert mich an den wolskin fall:
http://www.werbeblogger.de/2009/10/17/jack-wolfskin-eroeffnet-den-abmahn-herbst/
http://einheitskanzlei.blogspot.com/2009/10/wehrsportgruppe-wolfskin.html
am ende musste der markenartikler klein beigeben.
http://www.focus.de/digital/internet/abmahnwelle-jack-wolfskin-rudert-zurueck_aid_447402.html
blöd nur, wenn nicht eine teure marke, sondern eine subalterne softwarebutze dahinter steckt. da hilft nur die rechtschutzversicherung. ohne geh ich nicht mehr ins internet!
8. Dezember, 2009 at 20:36
Social comments and analytics for this post…
This post was mentioned on Identica by germanpsycho: Abzocke im Internet; diesmal mit gutefrage.net, @themaastrix und @udovetter sowie Sachs Marketing: http://wp.me/pgxDR-af…
8. Dezember, 2009 at 20:49
Die RSV hilft aber ja auch nur begrenzt, beispielsweise nicht zur Abwehr von Unterlassungsansprüchen. Jedenfalls meines Wissens.
8. Dezember, 2009 at 22:55
Google Maps ist schön. Insbesondere wenn man sieht, daß die Rechtsabteilung der Firma, die bei Udo Vetter im Prolldeutsch so dicke Backen macht, in einem Einfamilienhaus residiert. Dazu läßt mich das Impressum vermuten, daß Geschäftsführung, Rechtsabteilung sowie Klosettreinigungsservice alle in den bewährten Händen des Herrn Denner liegen. Und die Adresse im Impressum stimmt auch nicht.
Leute gibts, die haben es einfach nicht verdient, daß man sich ihrer mit einer Chromaxt annimmt. Ein nasser Lappen wäre viel passender.
9. Dezember, 2009 at 16:33
Ja, das alles läßt vortrefflich Vermutungen zu. Interessant übrigens das mit dem Impressum!
Nasser Lappen statt Chromaxt? Ich weiß nicht, wie steh ich denn dann da? (hier bitte norddeutschen Dialekt vorstellen)
9. Dezember, 2009 at 17:12
das ist völlig korrekt.
10. Dezember, 2009 at 10:56
stimmt, dieses risiko ist nicht versicherbar: http://www.pop64.de/blog/2007/01/25/rechtsschutzversicherung-bei-abmahnung/
das war mir neu :(
12. Dezember, 2009 at 20:21
Norddeutscher Dialekt?
Sie meinen: “Wie sdeh ich dänn dann doa, zur Wiehnachtszeit?”
Aber ich finde es unerhört, dass Sie hier von Abzocke sprechen. Ich meine, der Herr hat halt ein wenig geschludert bei der Veröffentlichung und der Bekanntgabe der Daten. Da finde ich es völlig legitim, dass er hier nun nach ein paar Jahren seine ihm zustehenden Gebühren einfordert. Ist doch ganz klar.
Oh, ich sehe gerade, die Ironie schneit gerade noch reichtzeitig zur Tür hinein.
In diesem Zuge fällt mir gerade ein, was treibt der Herr Freiherr von Gravenreuth eigentlich?
8. Oktober, 2010 at 15:49
Hallo, wir sind froh, dass wir auf diesen Artikel beim Googeln gestossen sind! Hat jemand einen alternativen Tipp, wo ähnliche also bessere Software, vor allem seriös und hochwertig lizenzierbar ist? Wir planen, einen solchen Service für unsere Vermieter einzusetzen.
12. Oktober, 2010 at 10:49
Ich habe keinerlei Ahnung von diesem Gebiet der Software, sorry.
Aber ich freue mich, daß ich dazu beitragen konnte, daß der Firma „Sachs Marketing” kein neues Opfer zugeführt wurde. :)