Vielleicht mal wieder ein paar schwarze Koffer wegbringen?

Vielleicht mal wieder ein paar schwarze Koffer wegbringen?

Beim Aufwachen am Morgen packt mich die Euphorie: Ein langes Wochenende steht bevor. Gut, an sich war der Anlaß ja der, mit meiner mittlerweile Exfreundin einen kurzen Urlaub zu verbringen, aber davon lasse ich mir meine gute Laune nicht vermiesen. Also drehe ich mich nochmal halb um, nehme die Dame neben mir in den Arm und flüstere ihr zärtlich ins Ohr: „Sie müssen morgen arbeiten, ich nicht. Ällabätsch.”

Derartig aufgemuntert schreitet sie gemessenen Schrittes aus dem Zimmer, ich dusche mich in aller gegebenen Ruhe und ziehe mich entsprechend an: Da ja heute quasi Freitag ist, wähle ich einen schwarzen Hugo-Anzug, tailliert geschnitten sowie ein einfaches, weißes Joop-Hemd. Dazu Schnallenschuhe von Lotusse und einen schwarzen Ledergürtel von Gräfin von Lehndorff.

Auf dem Weg zur Arbeit verschönere ich das Hemd noch mit ein paar mittelbraunen Flecken, die ich einer halbvollen Dose Cola entnehme – und der Tag kann kommen. Und er kommt: Bereits kurz nach Eintreffen klingelt das Telefon. Zwischen zwei Gesprächen bleibt kaum Zeit, um eine Zigarette zu rauchen. Dann gucke ich auf die Uhr und es ist kurz nach drei. Wunderbar – der Tag ist fast rum. Einer der Geschäftsführer rennt mit einer Truppe Asiaten wild gestikulierend an meiner gläsernen Bürotür vorbei, ich kann hören, daß er etwas sagt, aber glücklicherweise nicht was.

Ich wende meinen Blick ab, starre auf das Telefon, überleg eine Minute, dann lege ich es neben den Apparat. Erstmal durchschnaufen. 5 Stunden am Stück im Büro zu arbeiten ist doch etwas hart für mich. Muß dringend mal wieder ein paar Termine machen. Am besten im Ausland. Mit Übernachtung.

Oder wenigstens mal wieder nach Frankfurt. Da war ich ja nun auch schon so lange nicht mehr, daß mir der Grund, warum ich die Stadt nicht mag, schon wieder entfallen ist.