Vor einiger Zeit sagte mir ein mittlerweile von mir sehr geschätzter Kollege etwas, das ich im ersten Moment als esoterisch angehauchten Unfug beseite schob. Er sagte mir:
„GP, wenn Sie sich über etwas ganz besonders ärgern, dann liegt es vielleicht daran, daß sie selbst diese Eigenschaft aufweisen.” (Natürlich nannte mich der Kollege nicht „GP” und siezte mich auch nicht, aber das spielt ja keine Rolle.)
Was für ein Unsinn, dachte ich mir, schließlich ärgere ich mich ja genau über solche Sachen, die ich nicht akzeptieren kann. Doch der Satz ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich dachte jedesmal, wenn ich mich ärgerte, darüber nach, ob nicht ein wenig Wahrheit drin steckte.
1. Ich ärgerte mich maßlos über einen Kollegen, der einfach wichtige Arbeit liegen läßt, weshalb wir beim Kunden schlecht dastehen. Auf meinem Schreibtisch häufen sich die Rechnungen, die ich endlich einmal abzeichnen sollte.
2. Ich ärgerte mich über eine Frau, die laut im Restaurant über Beziehungsdinge sprach. In meinem Blog schrieb ich über sie.
3. Ich ärgere mich maßlos über Menschen, die erstmal kategorisch eine Meinung ablehnen, wenn sie aus dem falschen Mund kommt. Wenn ich einen Beitrag in der TAZ lese, dann nur, um herauszufinden, ob ich daraus nicht einen satirischen Blogartikel machen kann.
Es läßt sich nicht leugnen: So völlig unbegründet ist die Vorstellung nicht, daß wir bei anderen Menschen genau die Dinge am meisten hassen, die wir in uns selbst als Schwäche erkannt haben. Oder vielleicht auch: hatten?
So trug ich beispielsweise früher recht gerne Holzfällerhemden. Oder Jeans und Jeanshemd. Recht häufig auch Hemden mit… ach nein, lassen wir das. Das glauben Sie mir ja doch nicht.

12. März, 2010 at 10:39
doch doch, das glaube ich ihnen ;-)
wobei man sich doch am meisten über die dinge aufregt, die man an sich selbst (noch) nicht erkannt hat. bei erkannten eigenen schwäche nämlich hab ich plötzlich unbegrenztes verständnis bei anderen dafür – wenn sie es sich leisten können :)
12. März, 2010 at 10:40
Nerdhumor wäre, wenn neben der korrekten Urhzeit auch noch die korrekte Kilometerzahl von einself stehen würde ;)
Hemden mit … Kragen hoch? Tribals drauf? Camouflage-Sweatjacken und Jeans mit aufgesticktem Trampstamp? Zuhause im heimischen Wohnzimmer hängt über der durchgesessenen Couch ein schwarzumrandetes lila-glitzer Schneewolfsbild? Vor dem Sofa ein holzumrandeter Fliesentisch mit einem übervollen Totenkopfaschenbecher drauf? Und ein 15 Jahre alter 67cm Röhrenfernseher mit augenfreundlichen 50Hz, der in einer hellen Pressholzschrankwand von Poco Domäne steht, wo sich das RTL-Logo schon oben rechts ins Glas eingebrannt hat?
12. März, 2010 at 10:42
Wie? Sie meinen iPhone-Sucht?
12. März, 2010 at 10:44
All das zusammen, Nils, all das zusammen:
Kurzarmhemden, Camouflage-Westen, Jeans mit Logos, Jacken mit Aufnähern, volle Aschenbecher (aus der Eckkneipe geklaut)….
aber ich hatte NIEMALS einen 50Hz-Fernseher. Niemals.
12. März, 2010 at 12:04
Impliziert Ihre Aussage, dass sie im Besitz eines schwarzumrandeten lilaglitzer Schneewolfbildes sind? *Schauder*
12. März, 2010 at 12:06
http://media.photobucket.com/image/mystic%20wolf/chokermaker/Ice_Cave_Chant_by_SnowWolfMystic.jpg
So in etwa …
12. März, 2010 at 12:26
@Nils: Nein, soweit dann doch nicht. Ich hatte genaugenommen bis vor kurzem keine Bilder in einer meiner Wohnungen.
12. März, 2010 at 13:20
nee, bin poweruser…
12. März, 2010 at 16:31
Abgründe tun sich auf. Jeanshemden … Holzfällerhemden … Camouflagewesten … Waaaaaaaaaaaaa!
12. März, 2010 at 16:38
Glauben Sie doch nicht alles, was Sie hier lesen…
12. März, 2010 at 18:13
Ich biete entsprechende Beweisbilder an.
Wurden wir aus vertrauenswürdiger Quelle zugespielt.
13. März, 2010 at 07:56
Doch doch, voll und ganz. Sie sind doch keine Nachrichtenagentur. Wobei … nein, Sie sind keine.
14. März, 2010 at 10:28
Ich bin zwar sofort der Meinung, dass der Kollege REcht hat und dass viel zu viele vernünftige Dinge zunächst mal als Esotherik abgetan werden, nur weil sie weder berechnet boch bewiesen oder behandelt werden können. Aber mein Hauptaufreger momentan ist das Wetter. Bin ich am Ende der Regengott, der nicht weiß, dass er einer ist?*
(* Geklaut bei Douglas Adams, RIP)
14. März, 2010 at 10:31
(Wobei mich ja am meisten die Vollidioten aufregen, die Fremdwörter zwar nutzen, aber nicht richtig schreiben können.)
14. März, 2010 at 13:13
Werter GP, ich denke nicht das es mit dem spiegeln so einfach und ausreichend zu erklären ist. Das man selber auch ähnlich gelagerte Eigenschaften besitzt, die man bei anderen ärgerlich erachtet, sollte nicht allzu schwierig sein.
Um bei dem Bild mit dem Spiegel zu bleiben, sollten Sie sich klar machen, dass das Bild immer verkehrt dargestellt wird. Sie müssen also nicht Ihren Ärger auf Links drehen nur damit es passt. Sollen sich doch die anderen drehen.
14. März, 2010 at 21:57
Psychologie ist keine Esoterik, werter GP. Und dieser Satz des Kollegen stammt aus bester Freudscher Psychologie, der leider damals widerum nicht wusste, dass es eine DNA gibt. Verdammt, übrigens.
Ich lese und höre übrigens Richard David Precht recht gerne. Da kommen dann alle Spiegelneuronen mit und aus verschiedenen Ansichten vor.
14. März, 2010 at 22:31
Sehr empfehlenswert dieses Buch. Wer bin ich und wenn ja wie viele, meinen Sie?
Allerdings empfinde ich Freud als überbewertet. Jung hatte da schon interessantere Ansichten.
14. März, 2010 at 23:11
Der Kollege hat wohl recht. Vielleicht nicht immer, aber doch hin und wieder regt man sich genau über das auf, was man an sich selber erkennt und auch nicht mag.
Aber mein Herr. Kurzarmhemden? SIE? Hmpf.
…dafür habe ich heute in der Stadt erkennen müssen, daß H&M nun wohl farbtechnisch komplett Amok läuft. Also, ich glaube, ich würde der Versuchung wohl doch widerstehen, da was zu kaufen…
Aber nun erklären Sie mir bitte: Ich erkenne den Witz in dem Foto nicht. Oder bin ich wirklich schon reif zum Notschlachten?
15. März, 2010 at 01:04
@Cinema_Noir: Danke! Ich bekomme nur verbale Prügel oder – schlimmer noch – Schweigen zurück, wenn ich darüber spreche.
Aber das ist ja nicht mein Blog, und über die Unterschiede von Bonobos und Schimpansen muss jeder selbst entscheiden – laut dem heutigen Wissensstand.
15. März, 2010 at 07:42
Liebe Chiefjudy,
ich hoffe Sie sind nicht reif zum Notschlachten. Ich habe den Nerdhumor auch nicht verstanden.
Vom Schriftbild würde ich auf BMW 3er Serie tippen.
Viele Grüße, RWI
15. März, 2010 at 10:35
@Chief Hudy & RWI: Die Uhrzeit 13:37 = 1337 = leet = Leetspeak = Nerdsprache, Sie n00bs ;-)
15. März, 2010 at 10:36
… Judy natürlich, verzeihen Sie
15. März, 2010 at 11:02
Ein E90? Nene, aus sicherer Quelle kann ich Ihnen versichern, es handelt sich um einen A4 B8.
@Germanpsycho:
Ich übernehme hier einfach mal die technische Berichtigung, solange ich Urlaub habe, wenn das für Sie in Ordnung ist?!
15. März, 2010 at 11:03
Nun seien Sie mal nicht allzu hart mit sich, immerhin haben Sie ein Douglas-Adams-Zitat untergebracht. Dafür gebührt Ihnen Lob.
15. März, 2010 at 11:04
Meine Herren, ich habe keine Ahnung von Jung oder Freud. Jedenfalls nicht so viel wie Sie. Ich habe einfach nur eine These gehört, die mir zunächst falsch vorkam, nun aber richtig.
Den theoretischen Unterbau muß ich dazu nicht unbedingt kennen, oder? ;)
15. März, 2010 at 11:05
Nein, natürlich nicht immer. Und die Sache mit den Kurzarmhemden war natürlich gelogen. Geb ich zu.
H&M läuft Amok? Langsam wird die Marke mir doch noch sympathisch…
Den Witz muß ich ja nun nicht mehr erklären. Das tat ja weiter unten bereits Ramses.
15. März, 2010 at 11:06
Sie bekommen stets Antwort, werter JT, lediglich nicht immer sofort. Speziell am Wochenende bin ich nicht so oft in der Nähe des Rechners, so daß ich oft erst mit zwei Tagen Verzögerung antworte.
15. März, 2010 at 11:08
Vielen Dank. In der Tat handelt es sich leider nicht um das Cockpit eines 3er BMWs. Dieses sähe nämlich um einiges schöner aus. :(
15. März, 2010 at 11:08
lol, pwned!
15. März, 2010 at 22:06
Ja – und es gibt einige hochinteressante Diskussionen mit und von ihm, u.a. in “Sternstunde Philosophie” (3SAT).
Schade, dass Kollege GP da die Schotten dicht macht.
17. März, 2010 at 23:44
Okay. Bin ja schon still ;)
18. März, 2010 at 10:39
JT, ich mache keine „Schotten dicht” (mit der negativen Konnotation), sondern mich interessiert das Thema ein wenig, aber nicht genug, um mich von der Lektüre anderer, mich momentan mehr interessierender Lektüre abzuhalten. :-)
19. März, 2010 at 01:43
Welche wäre? Ich will ja auch nicht dumm sterben…
26. Mai, 2010 at 09:27
[...] | Schlagwörter: Selbsterkenntnis, Spiegel, untätigkeit, wut | Leave a Comment Ich hatte ja letztens schon einmal darüber geschrieben, wie es vorkommt, daß wir gerade die Dinge bei anderen furchtbar [...]
27. Mai, 2010 at 02:08
Wir sind ein Team? :-)
27. Mai, 2010 at 09:22
Ab und an geht das schon in Ordnung. Man muß ja nicht bei JEDEM Thema eine andere Meinung vertreten ;)
4. Juni, 2010 at 01:17
“Wir ähneln denen, die wir hassen, mehr als wir denken.”
Albert Sanchez Piñol
4. Juni, 2010 at 11:51
Nun halte ich ja grundsätzlich wenig davon, Schrifsteller zu anderen Dingen als Literatur zu befragen, aber der gute Alb hatte wohl recht.