„Dann will ich mal meine Meinung dazu sagen,” flötet der Kundenmitarbeiter mit den lockigen Haaren, und beginnt eine längere und recht langweilige, immerhin von keinerlei Sachkenntnis getrübte, dafür aber mit großem Pathos – und viel Speichel – vorgetragene Rede.
Neben mir sitzt mein Chef, der anscheinend seinen Geist in einem anderen Termin geparkt hat, jedenfalls ist ihm nicht anzusehen, daß er irgendetwas zum Thema zu sagen hätte.
Ich versuche, mein Gegenüber durch den alten Schirmchentrick* etwas zur Ruhe zu bringen, aber er ist gerade dabei einen Komperativ zu einem gerade erst gebrachten Superlativ zu finden, dabei verdreht er die Augen halb nach innen und halb nach oben, was ihm eine düstere, allerdings auch leicht grotesk-komische Note verleiht.
„Gut, wenn wir dann soweit sind, sollten wir das Gespräch vielleicht durch Anwälte führen lassen,” sage ich relativ ruhig und beginne, meine mitgebrachten Unterlagen zu schließen, in denen übrigens ein äußerst kulanter Lösungsvorschlag für das Problem skizziert ist. Mein Chef guckt mich ziemlich irritiert an, packt dann aber immerhin seine Sachen ebenfalls zusammen, bis mich der Vorgesetzte des Rhetorik-Künstlers anspricht: „Niemand will hier irgendetwas anhalten. Wir sind doch hier, um gemeinsam eine Lösung zu finden.” Sein Blick in Richtung Mitarbeiter funkelt böse, aber der ist gerade damit beschäftigt, seine Locken zu sortieren, die anscheinend durch die ruckartigen Bewegungen etwas durcheinander geraten sind.
Wenn dieses Spiel gewünscht ist, kann ich es durchaus ertragen, aber es ist so überaus langweilig, ein schlecht einstudiertes Beispiel von „good cop / bad cop” zu sehen, daß mich die Langweile an der Verhandlung ergreift. Ich streiche auf dem Notizblock für meinen Chef gut ersichtlich das Kulanzangebot heraus und frage in die Runde, wo wir denn den Rotstift ansetzen wollen. Wobei ich mir persönlich bereits eine Notiz gemacht habe, bei wem ich später noch rot sehen möchte.
*Wenn sich der Gesprächspartner in Rage redet, hilft es häufig, symbolisch einen kleinen oder großen Regenschirm vor sich aufzuspannen, um ihm seinen Speichelfluß zu verdeutlichen

23. März, 2010 at 18:17
Hmm. Ich habe gerade hier am Schreibtisch in Schritthöhe pantomimisch einen Regenschirm aufgespannt. Entweder habe ich lange keinen mehr aufgespannt, oder aber Ihr gegenüber interpretiert Ihre Handlung nicht als Speichel …
23. März, 2010 at 19:09
Es hilft sehr, wenn man statt eines richtigen Regenschirms so ein Cocktailschirmchen aus Papier aufspannt. Daher sollte man stets solche bei sich führen.
23. März, 2010 at 19:15
Das würde auch die Maße stark an die Realität anpassen …
23. März, 2010 at 20:43
ich weiß gar nicht, was das Foto jetzt soll?
24. März, 2010 at 08:21
Was stimmt auf dem Photo nicht? Schlecht sitzender Anzug – aber trotzdem wird dem Opfer die Uhr geklaut!
In Frankfurt aufgenommen?
24. März, 2010 at 11:02
Vielleicht war es ein Uhrenfreak, der keine Ahnung von Anzügen hatte? Ja, selbst sowat gibtet.
24. März, 2010 at 12:57
Nun werden Sie mal nicht frech. Die Uhr hat mir gepaßt.
Auch Anzugkontaminat stehe ich nun mal nicht so.
24. März, 2010 at 15:21
@Nik:Nix für Ungut. Sie leben noch? Die Chromaxt war wohl stumpf?
Da fällt mir etwas Lustiges ein. Da gibt es so ein schönes (schön blödes) Buch: “Ich weiß, was Du denkst”. Von so einem ganz tollen Mentalisten.
Der stellte fest, daß wer schlechtes Schuhwerk trägt auch automatisch eine falsche Rolex tragen muss.
Ich musste herzhaft lachen. Das Buch laß ich am Flughafen im üblichen reisebedingten Pennerlook mit einer EX II am Arm.
;-)
24. März, 2010 at 15:27
Wer schlechtes Schuhwerk trägt… oh je, ich weiß gar nicht, wieviele Superlative ich hier jetzt gerne anbrächte.
Egal – Pennerlook mit EX II halte ich für äußerst angebracht. Schlimm finde ich die EX II nur, wenn sie zum Anzug getragen wird. Das ist so der Werber-Stil, den ich nicht mag.
Zu Jeans und Pulli allerdings finde ich die Uhr klasse.
29. März, 2010 at 00:05
Herr Psycho,
ich gebe zu, Sie gerne peripher zu lesen – mit passendem Schuhwerk.
Also reißen Sie sich zusammen.
Bilder die Blut zeigen, aber kein Schuhwerk, sind suspekt.