„Wieso haben Sie denn einen Knoten im Mauskabel?” fragt mich der Kollege in seiner Fernfahrerweste unschuldig. „Um mich daran zu erinnern, daß ich Sie damit erwürgen wollte,” gebe ich so sanft wie möglich zurück, und der Kollege verzieht sich wieder ins Großraumbüro, nicht ohne vorher der Sekretärin zuzuraunen „mal wieder miese Laune heute”.
Eine Kollegin kommt vorbei, guckt mich mürrisch an, ich verziehe den Mundwinkel etwas. Immerhin: Wir verstehen uns. Sie hat anscheinend einen Mordskater von gestern, ich hingegen habe überhaupt keinen Grund: Ich habe fast 12 Stunden geschlafen, war konsequent beim Sport und freue mich aufs Wochenende: Junkhead aus Frankfurt gibt sich die Ehre, außerdem wird die neue WG am Sonnabend offiziell eingeläutet.
Vermutlich ist es einfach die Frühjahrsallergie, die sich anders nicht mehr zu Wort melden kann, da ich heute morgen in einem Anfall vorausschauender Planung ein Antiallergikum eingeworfen habe. Wer weiß?
Jedenfalls nehme ich das Mauskabel, tappe müde zu dem Kollegen, erdrossele ihn ohne große Freude und gucke dann die Sekretärin an. Sie weint nicht, sie scheint noch nicht einmal besonders besorgt zu sein. Aber sie ist anscheinend ziemlich sauer. „Können Sie damit nicht warten, bis ich weg bin?” blafft sie mich an und ich merke, daß dieser Tag nicht zu meinen besten gehören wird. Also rolle ich das Kabel sauber wieder auf, setze den Kollegen vor sein MacBook und starre aus dem Fenster.
Im Laufe des Tages bringen der Kollege und ich es immerhin auf drei Besprechungen, bei denen wir aus unterschiedlichen Gründen nichts von uns geben.
Am Abend setze ich ihn in sein Auto, schalte den Motor ein und spaziere in Ruhe nach Hause. Vermutlich wird der Dieselgestank irgendwann den Hausmeister dazu bringen, die Leiche endlich ordentlich zu entsorgen. Aber vermutlich wird er einfach nur den Motor abstellen.

22. April, 2010 at 12:38
Immer wieder eine Freude zu lesen wie leidenschaftslos Sie Ihren Mitmenschen ein frühzeitiges Ableben ermöglichen. Frei von emotionaler Gefühlsregung, sachlich und bestimmt. Sie sind, man sieht es, ein echter Profi.
Dennoch bin ich froh kein Kollege zu sein.
Aber Sie sind da ja nicht wählerisch.
22. April, 2010 at 12:51
Ich bin ÄUSSERST wählerisch. Manche Kollegen hier würd ich ja nie, also fast nie, jedenfalls nicht, wenn, hmmm… Mist, zu spät, doch abgedrückt. Sorry.
22. April, 2010 at 19:39
deswegen gibt es hier im buero nur schnurlose maeuse…
22. April, 2010 at 19:42
Mit dem Kabel einer Mouse jemanden erdrosseln zu wollen ist doch keine Kunst.
Da die Klavierseite ja leider aus stillistischen Gründen entfällt (die darf nur 47 benutzen!) würde ich eine Lichterkette vorschlagen. Die leuchtet auch noch schön dabei. Ist halt was für den Romantiker. Oder wenn es eher lustig anmuten soll, nehmen Sie einen Klingeldraht! Der Name macht den ganzen Schlamassel komplett ungeschehen.
Eigentlich wollte ich ja mit Ihnen mal wieder losziehen am Samstagabend/-nacht. Besteht da evtl. die Möglichkeit?
23. April, 2010 at 00:17
Es heißt Saite! Auf der Seite stehen nur die Noten, die Saite macht sie hörbar.
23. April, 2010 at 00:25
Oh, Herr Schlauschlau ist wieder unterwegs, Polizei, Polizei!
Ich weiß, dass man das mit ai schreibt. Keine Ahnung, warum ich das da mit ei geschrieben habe.
Glauben Sie mir, mich grämt dieser Fauxpas mehr als Sie!
23. April, 2010 at 13:29
In den Kommentaren steht ja saitenweise Quatsch.
23. April, 2010 at 17:26
Direkt auf den Kehlkopf platziert, lassen sich schnurlose Mäuse hervorragend aus der Distanz zum Entschlafen einsetzen.
23. April, 2010 at 17:27
Mist, da fehlte der Absender … sorry.
23. April, 2010 at 17:48
@Guest68
Entschlafen? Sucht Ihre Firma noch Leute?
23. April, 2010 at 23:48
Mich wundert diese Leidenschaftslosigkeit gar nicht. Das kommt vom Antiallergikum, das macht lethargisch, müde und dementsprechend übellaunig. Geht mir genauso. Ich hab auch keinen Spaß mehr beim Lancerabdrücken die Tage.
Langweilig!
…aber an die Umwelt hätten sie schon denken können. Diesel und so.
24. April, 2010 at 22:54
Hm, wenn Sie Java-Entwickler sind, kein Privatleben haben, 24/7- Arbeitszeiten und feinmechanische Werke der Firma Jura mögen, melden Sie sich einfach bei mir …
24. April, 2010 at 22:56
Hat jemand einen Tipp, wie man schnurlose Mäuse nach dem o.g. Treffer wieder zurückbekommt – ohne die bequeme Haltung auf dem Bürostuhl zu verlassen?
25. April, 2010 at 10:25
Sorry – 4x Nein
- Etwas Vernünftiges gelernt
- Ausschweifendes Privatleben
- 8-Stunden Tag
- Saeco Siebträger im Büro
Aber die Kolleginnen sollen bei Ihnen sehr adrett sein! Deshalb die 24/7 Arbeitzeit und das fehlende Privatleben?
26. April, 2010 at 09:18
Ach, daher ist es so ruhig bei Ihnen! Ich wunderte mich schon :)
26. April, 2010 at 09:19
Ja, aber die dürfte in Ihrem Fall nur schlecht greifen: Die Sekretärin fragen.
26. April, 2010 at 09:20
Ich befürchte, das isses. Übellaunig, launisch, aber auch lethargisch. Naja: In zwei Wochen ist die blöde Frühblüterphase auch vorbei.
26. April, 2010 at 09:27
Stimmt auffallend (obwohl jene, wie Frau M. bei Ihnen, eine andere Bezeichnung ihrer dienstlichen Tätigkeit vorzieht). Hm – Notiz an mich: beim Einarbeiten der neuen Mitarbeiterin geschickt einfließen lassen.
26. April, 2010 at 09:29
Und machen wir uns nichts vor: Leichter hab ichs da auch nicht… ;)
26. April, 2010 at 09:31
Doch. Bei Ihnen ist’s ja nur dienstlich ;)
26. April, 2010 at 09:33
Das machts aber nicht leichter, dieses Apportieren zu lehren.
26. April, 2010 at 13:14
das ist wie bei den retrievern nur eine frage der leckerli