Kollegen mit Grammatik Schwäche

Kollegen mit Grammatik Schwäche

„Wieso haben Sie denn einen Knoten im Mauskabel?” fragt mich der Kollege in seiner Fernfahrerweste unschuldig. „Um mich daran zu erinnern, daß ich Sie damit erwürgen wollte,” gebe ich so sanft wie möglich zurück, und der Kollege verzieht sich wieder ins Großraumbüro, nicht ohne vorher der Sekretärin zuzuraunen „mal wieder miese Laune heute”.

Eine Kollegin kommt vorbei, guckt mich mürrisch an, ich verziehe den Mundwinkel etwas. Immerhin: Wir verstehen uns. Sie hat anscheinend einen Mordskater von gestern, ich hingegen habe überhaupt keinen Grund: Ich habe fast 12 Stunden geschlafen, war konsequent beim Sport und freue mich aufs Wochenende: Junkhead aus Frankfurt gibt sich die Ehre, außerdem wird die neue WG am Sonnabend offiziell eingeläutet.

Vermutlich ist es einfach die Frühjahrsallergie, die sich anders nicht mehr zu Wort melden kann, da ich heute morgen in einem Anfall vorausschauender Planung ein Antiallergikum eingeworfen habe. Wer weiß?

Jedenfalls nehme ich das Mauskabel, tappe müde zu dem Kollegen, erdrossele ihn ohne große Freude und gucke dann die Sekretärin an. Sie weint nicht, sie scheint noch nicht einmal besonders besorgt zu sein. Aber sie ist anscheinend ziemlich sauer. „Können Sie damit nicht warten, bis ich weg bin?” blafft sie mich an und ich merke, daß dieser Tag nicht zu meinen besten gehören wird. Also rolle ich das Kabel sauber wieder auf, setze den Kollegen vor sein MacBook und starre aus dem Fenster.

Im Laufe des Tages bringen der Kollege und ich es immerhin auf drei Besprechungen, bei denen wir aus unterschiedlichen Gründen nichts von uns geben.

Am Abend setze ich ihn in sein Auto, schalte den Motor ein und spaziere in Ruhe nach Hause. Vermutlich wird der Dieselgestank irgendwann den Hausmeister dazu bringen, die Leiche endlich ordentlich zu entsorgen. Aber vermutlich wird er einfach nur den Motor abstellen.