Ob ich mich in die nette und durchaus attraktive Dame verlieben werde, bei der ich die Nacht verbracht habe, frage ich mich. Nein, vermutlich nicht, antworte ich mir selbst, und immerhin ist sie auch so schlau, das zu wissen, nachdem wir uns soviele Jahre kennen. Sind es schon zehn?
Also drehen wir alles zurück, so, das nichts passiert ist. Warum auch nicht? Wir sind ja erwachsene Menschen, die können auch mal miteinander schlafen, ohne gleich in große romantische Gefühle auszubrechen. Obwohl wir beide eigentlich nichts anderes wollen, nur halt nicht miteinander.
Zuhause fällt mir die Decke auf den Kopf, also laufe ich ein wenig durch den Park auf der anderen Straßenseite, hinunter zur Elbe, sehe viel zu viele glückliche Pärchen, teilweise mit Kinderwagen, renne schon wieder zurück, ernte verständnislose Blicke, die ich mit irrem Grinsen quittiere und falle direkt wieder ins Bett, ziehe die Decke über den Kopf und warte auf das unvermeindliche Monster, das mich jetzt endlich fressen soll, verdammt! Das Mistvieh kommt natürlich nicht, wie immer, wenn man es mal braucht.
Beim Aufräumen (Hektik und Betriebsamkeit sind ja immer anzuraten in solchen Situationen) fällt mir auch noch ein Bild in die Hände, eines, das zeigt. warum es mir geht, wie es mir nunmal geht. Ich schmeiße es nicht sofort weg. Betrachte es ausführlich. Erinnere mich an die gar nicht so geglückte Veranstaltung, auf der es aufgenommen wurde. Erinnere mich an andere Begebenheiten. Schönere Bilder. Hässliche Bilder. Wundervolle Bilder. Ich weiß ja, daß es nichts gab, das ich hätte tun können, aber das hilft mir nicht.
Also packe ich das Photo in den Müll. Natürlich äußerst behutsam, damit ich es zehn Minuten später wieder an seinen alten Platz legen kann. Wieder unter einen Stapel Papiere, auf daß es mir zu einem ungünstigen Zeitpunkt wieder in die Hände fallen möge.
„Schöne Frau,” sagt meine neue Mitbewohnerin, die just in dem Moment zur Türe hineinkommt, drückt mir ein Astra in die Hand, steckt mir eine Zigarette in den Mund, schleppt mich auf den Balkon und bringt mich die nächsten Stunden auf andere Gedanken.

26. April, 2010 at 17:06
Da scheint etwas in Ihnen noch ordentlich Platz einzunehmen …
26. April, 2010 at 18:31
Sie wollen von einem Monster gefressen werden?
Ich habe dieses Verhaltensmuster mal an einen Experten weitergegeben, folgendes psychoanalytisches Profil ist dabei entstanden:
Sie hegen wirre Mordgedanken, fröhnen dem Sex, den Drogen und der Hottentottenmusik, sind egozentrisch, hilfsbereit und höflich, symphatisch und aufgeschlossen.
Danach hat der Experte in die Reinigungsbranche gewechselt …
Wir könnten, symbolisch, das Foto doch in Richtung Mond schießen – die dafür benötigten Mittelchen befinden sich ja, wie Sie wissen, in meiner Obhut :)
Und den dafür benötigten Kasten Astra sponsore ich gleich mit dazu!
26. April, 2010 at 19:41
Ach, das gibt sich schon. Hab ja mein therapeutisches Tagebüchlein hier ;)
26. April, 2010 at 19:42
Das ist der beste Vorschlag seit langem. Genau so machen wir das. Details fernmündlich.
26. April, 2010 at 19:44
Mordgedanken, Sex, Drogen etc. Kollege GP sollte vielleicht zu diesem Zweck an einer Studie teilnehmen, um seine Psychopathen Qualitäten mal “genau” zu messen:
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,690148,00.html
Der “Rauchen ist ein genetisch bedingtes Laster” ist auch nicht zu verachten und Signore GP würdig ;-)
Cheers!
26. April, 2010 at 20:44
Läuft.
28. April, 2010 at 23:56
auch ein grund, weswegen ich ab juni in einer wundervollen wg wohnen werde. sonntagsablenkung.
29. April, 2010 at 14:38
Sehr gut. WGs sind hervorragend dazu geeignet, Lageweile und unsinnige Gedanken zu vermeiden. Wie gut das bei mir klappte, sehen Sie an diesem Artikel ;)
29. April, 2010 at 14:39
An der Studie habe ich natürlich längst teilgenommen. Wurde aber aus dem Ergebnis herausgenommen, weil es den Lesern nicht zugemutet werden konnte.