(Bildunterschrift: Homöopathisches Photo)

„Probieren Sie doch einfach mal ein homöopathisches Medikament,” rät mir die freundliche Apothekerin, und ich drehe mich um und verlasse das Geschäft. Wer mit diesem Humbug handelt, der soll mein Geld nicht bekommen.

Wieso ich mit der Homöopathie so ein Problem habe, werden Sie sich vielleicht fragen. Und ich sage es Ihnen gerne.

Zunächst einmal muß mit einem Vorurteil aufgeräumt werden: Zwar glauben 83% der Deutschen, der Begriff stünde für „pflanzliche Arzneimittel”. Doch das ist einfach falsch: Die Homöopathie ist eine esoterische Heilslehre, die auf die Thesen eines einzigen Menschen zurückgehen. Und diese Thesen sind für Anhänger der Homöopathie nicht angreifbar. Der Grundsatz, der bei allen wissenschaftlichen Forschungen stets zugrunde liegt, nämlich der, daß jede Erkenntnis sich stets überprüfen lassen muß, wird mit Füßen getreten. Wer an die grundlegenden Thesen nicht glaubt, der kann mit der ganzen homöopathischen Medizin auch nichts anfangen.

„Aber es wirkt doch bei XY” höre ich dann oft, wobei XY ein entfernter Bekannter, ein Freund oder der eigene Hund sein kann. Niemals aber konnte in einem ganz sauberen, überprüfbaren und objektiven Test gezeigt werden, daß die Homöopathie über einen reinen Placebo-Effekt hinausgeht.

Wie auch? Wenn doch noch nicht einmal nachgewiesen werden konnte, daß in einem dieser ominösen Globuli überhaupt wirksame Medikamente enthalten sind!

Der Placebo-Effekt hingegen ist ebenfalls mit vielen Vorurteilen belastet: Es ist nämlich nicht so, daß nur Idioten auf diesen Effekt „hereinfielen”. Nein, der Placebo-Effekt beschreibt eigentlich die Selbstheilungskräfte des Körpers, die von außen durch nicht-medikamentöse Reize beeinflußt werden. Sprich: Der Körper reagiert, weil der Geist ihm sagt, alles sei gut. Dieser Effekt ist gut dokumentiert und auch wissenschaftlich belegbar. Da viele homöopathisch praktizierende „Ärzte” sehr gut darin sind, dem Patienten ein gutes Gefühl bei der „Beratung” zu geben, ist es durchaus einleuchtend, warum eben auch inhaltslose Präparate zu helfen scheinen.

Wir stellen also fest:
1. Die Grundlage muß geglaubt werden, sie ist nicht wissenschaftlich begründbar. Sie ist hunderte von Jahren alt.
2. Die Inhaltsstoffe, die auf Krankheiten wirken sollen, sind in objektiven Versuchen nicht nachweisbar.
3. Die Ergebnisse der Anwendung entsprechen denen von Placebos, was ja auch logisch ist, da homöopathische Arzneimittel (siehe 2.) nichts anderes sind.

Sofern irgendein Homöopath einen Beweis dafür hätte, daß seine Kügelchen etwas bewirken, hätte er sich recht locker mal 100.000 Euro verdienen können. Bisher hat das allerdings noch niemand geschafft.

Womit aber habe ich ein Problem, mag sich der geneigte Leser fragen, wenn die Leute Schrott kaufen wollen? Und es stimmt: An sich habe ich gar kein Problem damit. Ich selbst trage ja nun gerne auch Anzüge, deren Mehrwert in keinem Verhältnis zum Preis steht.

Aber: Allein dadurch, daß es in Apotheken verkauft, offiziell beworben und sogar teilweise von Krankenkassen (TKK) finanziert wird, entsteht bei einigen Leuten der Eindruck, daß es sich hierbei um Medizin im Sinne des Wortes handelt. Und wenn dann mit irgendwelchen Placebos versucht wird, eine wirklich schwere Erkrankung zu behandeln, vielleicht sogar bei den eigenen Kindern, die dagegen gar nicht protestieren können, dann platzt mir doch der Kragen. Hier wird bewußt hingenommen, daß Menschen schwer erkranken oder sterben, weil man ihnen nicht professionell hilft.

Wenn Sie sich dem Thema von dieser Seite nähern, bekommt dieser gutmütig dreinblickende „Alternativmediziner” auf einmal ein ganz anderes Antlitz.

Die beruhigende Notiz am Rande: Im Gegensatz zur homöopathischen Lehre sind Überdosen bei Globuli gar nicht schlimm. Sie bewirken dasselbe wie die vorgeschriebene Dosierung. Nämlich nicht.

Zurück zur Apothekensituation. Es wird Zeit für einen kurzen Selbstversuch. Ich klappere, da ich sowieso gerade Lust auf einen kleinen Spaziergang habe, alle erreichbaren Apotheken in der Nachbarschaft ab und frage bewußt nach homöopathischen Medikamenten. Ich habe mir das Ziel gesetzt, nur dann einzukaufen, wenn meine Frage verneint wird, oder ich wenigstens einen kritischen Hinweis diesbezüglich erhalte.

Glücklicherweise habe ich zuhause noch eine Ersatzpackung meines Antiallergikums.