(Bildunterschrift: Homöopathisches Photo)
„Probieren Sie doch einfach mal ein homöopathisches Medikament,” rät mir die freundliche Apothekerin, und ich drehe mich um und verlasse das Geschäft. Wer mit diesem Humbug handelt, der soll mein Geld nicht bekommen.
Wieso ich mit der Homöopathie so ein Problem habe, werden Sie sich vielleicht fragen. Und ich sage es Ihnen gerne.
Zunächst einmal muß mit einem Vorurteil aufgeräumt werden: Zwar glauben 83% der Deutschen, der Begriff stünde für „pflanzliche Arzneimittel”. Doch das ist einfach falsch: Die Homöopathie ist eine esoterische Heilslehre, die auf die Thesen eines einzigen Menschen zurückgehen. Und diese Thesen sind für Anhänger der Homöopathie nicht angreifbar. Der Grundsatz, der bei allen wissenschaftlichen Forschungen stets zugrunde liegt, nämlich der, daß jede Erkenntnis sich stets überprüfen lassen muß, wird mit Füßen getreten. Wer an die grundlegenden Thesen nicht glaubt, der kann mit der ganzen homöopathischen Medizin auch nichts anfangen.
„Aber es wirkt doch bei XY” höre ich dann oft, wobei XY ein entfernter Bekannter, ein Freund oder der eigene Hund sein kann. Niemals aber konnte in einem ganz sauberen, überprüfbaren und objektiven Test gezeigt werden, daß die Homöopathie über einen reinen Placebo-Effekt hinausgeht.
Wie auch? Wenn doch noch nicht einmal nachgewiesen werden konnte, daß in einem dieser ominösen Globuli überhaupt wirksame Medikamente enthalten sind!
Der Placebo-Effekt hingegen ist ebenfalls mit vielen Vorurteilen belastet: Es ist nämlich nicht so, daß nur Idioten auf diesen Effekt „hereinfielen”. Nein, der Placebo-Effekt beschreibt eigentlich die Selbstheilungskräfte des Körpers, die von außen durch nicht-medikamentöse Reize beeinflußt werden. Sprich: Der Körper reagiert, weil der Geist ihm sagt, alles sei gut. Dieser Effekt ist gut dokumentiert und auch wissenschaftlich belegbar. Da viele homöopathisch praktizierende „Ärzte” sehr gut darin sind, dem Patienten ein gutes Gefühl bei der „Beratung” zu geben, ist es durchaus einleuchtend, warum eben auch inhaltslose Präparate zu helfen scheinen.
Wir stellen also fest:
1. Die Grundlage muß geglaubt werden, sie ist nicht wissenschaftlich begründbar. Sie ist hunderte von Jahren alt.
2. Die Inhaltsstoffe, die auf Krankheiten wirken sollen, sind in objektiven Versuchen nicht nachweisbar.
3. Die Ergebnisse der Anwendung entsprechen denen von Placebos, was ja auch logisch ist, da homöopathische Arzneimittel (siehe 2.) nichts anderes sind.
Sofern irgendein Homöopath einen Beweis dafür hätte, daß seine Kügelchen etwas bewirken, hätte er sich recht locker mal 100.000 Euro verdienen können. Bisher hat das allerdings noch niemand geschafft.
Womit aber habe ich ein Problem, mag sich der geneigte Leser fragen, wenn die Leute Schrott kaufen wollen? Und es stimmt: An sich habe ich gar kein Problem damit. Ich selbst trage ja nun gerne auch Anzüge, deren Mehrwert in keinem Verhältnis zum Preis steht.
Aber: Allein dadurch, daß es in Apotheken verkauft, offiziell beworben und sogar teilweise von Krankenkassen (TKK) finanziert wird, entsteht bei einigen Leuten der Eindruck, daß es sich hierbei um Medizin im Sinne des Wortes handelt. Und wenn dann mit irgendwelchen Placebos versucht wird, eine wirklich schwere Erkrankung zu behandeln, vielleicht sogar bei den eigenen Kindern, die dagegen gar nicht protestieren können, dann platzt mir doch der Kragen. Hier wird bewußt hingenommen, daß Menschen schwer erkranken oder sterben, weil man ihnen nicht professionell hilft.
Wenn Sie sich dem Thema von dieser Seite nähern, bekommt dieser gutmütig dreinblickende „Alternativmediziner” auf einmal ein ganz anderes Antlitz.
Die beruhigende Notiz am Rande: Im Gegensatz zur homöopathischen Lehre sind Überdosen bei Globuli gar nicht schlimm. Sie bewirken dasselbe wie die vorgeschriebene Dosierung. Nämlich nicht.
Zurück zur Apothekensituation. Es wird Zeit für einen kurzen Selbstversuch. Ich klappere, da ich sowieso gerade Lust auf einen kleinen Spaziergang habe, alle erreichbaren Apotheken in der Nachbarschaft ab und frage bewußt nach homöopathischen Medikamenten. Ich habe mir das Ziel gesetzt, nur dann einzukaufen, wenn meine Frage verneint wird, oder ich wenigstens einen kritischen Hinweis diesbezüglich erhalte.
Glücklicherweise habe ich zuhause noch eine Ersatzpackung meines Antiallergikums.
29. April, 2010 at 18:38
Nunja ich würde lieber auf Selbstheilungskräfte vertrauen als mich z.B. mit cortisonhaltigen Antiallergika vollzudröhnen. Akupunktur hilft übrigens auch gegen Allergien.
29. April, 2010 at 19:49
Die Selbstheilungskräfte kommen ganz schnell an ihre Grenzen, wenn man einen richtigen Asthmaanfall hat. Da gehen die stiften, und ohne Cortisonspray landet man ganz schnell im Krankenhaus. Wenn man Glück hat, und der Notarzt kommt noch rechtzeitig.
Haben wir hier alles schon geübt.
Klar, das ganze Jahr wegen jedem kleinen Wehwehchen irgendwelche Dröhnung reinfahren ist natürlich nicht gut. Aber hin und wieder braucht man einfach “richtige” Medizin.
29. April, 2010 at 20:30
Oha. Wenn Sie da mal nicht in ein Wespennest gestochen haben. Ich bin mal auf die ganzen Trolle gespannt, die sich dann hier tummeln werden :D
Möge das Gebashe beginnen!
Zu meiner Meinung: Ich stimme Ihnen da vollends zu! Meistens gehen solche Esoteriker ja auch mit Verschwörungstheoretikern einher. Und die sind nun wirklich zu verachten!
Halten Sie doch am Samstag nach ein paar Esoterikern ausschau und ich nach Verschwöerungstheoretikern. Ich freue mich schon jetzt auf den wohltuenden Muskelkater, den wir nach dem Gemetzel der Freude haben werden.
29. April, 2010 at 21:18
In diesem Zusammenhang empfehle ich auch mal die “Neue Germanische Medizin”! Die ist ein Brüller! Und leider auch ein Schlag ins Gesicht eines jeden Schwerkranken.
Ein Bekannter von mir ist davon voll überzeugt. Leider. Inklusive Verschwörungstheorien. Ich sagte ja bereits, dass so etwas nah bei einander liegt.
http://www.neue-medizin.de/
Wenn man mal lachen möchte …
29. April, 2010 at 23:03
Ganz nach Vince Ebert:
“Wenn ich also nur behaupte “Im Kühlschrank ist Bier”, bin ich Theologe. Wenn ich nachschaue, bin ich Wissenschaftler. Wenn ich nachsehe, nichts finde und trotzdem behaupte, es ist Bier drin – dann bin ich Esoteriker!”
29. April, 2010 at 23:51
Ich kann da nicht mehr drüber lachen. Zumindest nicht, wenn ich mir vorstelle, daß Eltern vielleicht ihr krebskrankes Kind sterben lassen, weil sie an so einen – Verzeihung – Scheißdreck glauben. Und deshalb die nötige Therapie verweigern.
Ich hatte da im bekanntenkreis mal einen Fall…aber das führt jetzt zu weit.
Ich finde sowas ganz schlimm. Aber ich bin ja auch vom “anderen Lager”…
30. April, 2010 at 01:00
Ich erinnere nicht, jemals so sehr bei Ihnen gewesen zu sein wie bei diesem Beitrag.
30. April, 2010 at 17:05
Auch ich habe einmal ein homöopathisches Mittel gekauft:
http://www.opendiary.com/entryview.asp?authorcode=D794738&entry=10093&mode=
30. April, 2010 at 18:18
>>Klar, das ganze Jahr wegen jedem kleinen Wehwehchen irgendwelche Dröhnung reinfahren ist natürlich nicht gut. Aber hin und wieder braucht man einfach “richtige” Medizin.<<
… wogegen kein verantwortungsvoller Homöopathie-Anwender etwas sagen würde. Ich finde es besonders schade, dass Eltern, deren Kinder seit Babytagen prächtigst auf Homöopathie ansprechen (aus welchem Grund auch immer, gnihi) und auf diese Weise z.B. seit 10 Jahren noch nie Antibiotika gebraucht haben, auf dieselbe Stufe gestellt werden wie die verantwortungslosen Personen, die offensichtlich schwerkranke Kinder wider jede Vernunft bis zum Tod mit Globuli vollstopften. Das ist eine schreckliche elterliche Fehlleistung und durch nichts zu entschuldigen. Aber mit solchen Leuten möchte ICH nicht verglichen werden – ICH, die ihre Kinder jederzeit mit "Chemie" behandeln WÜRDE, sobald es definitiv nötig wäre, z.B. bei einem Krupp-Anfall, Asthma oder Autoimmunerkrankungen. Alles andere ist doch Irrsinn.
Ich finde, die Debatte krankt daran, dass die Kritiker stets diese furchtbaren Fälle als Norm heranziehen. Die Wirklichkeit sieht SO anders aus. Echt schade.
30. April, 2010 at 19:43
Dramatic / Textzicke: Wissen Sie, es steht ja jedem frei, sich mit Wasser statt Medikamenten zu behandeln. Dagegen habe ich wirklich nichts. Und der Placebo-Effekt ist ebenfalls kein Hokuspokus, sondern tatsächlich wirksam.
Daß Sie meines Erachtens für Ihr Placebo zuviel bezahlen, stört mich wirklich nicht.
Solange Sie Ihren Kindern, so diese schwer erkranken, eine richige Medizin nicht vorenthalten, finde ich das völlig ok. Ehrlich.
30. April, 2010 at 19:44
Es gibt keine „Lager”. Die Schwerkraft wirkt auch für diejenigen, die nicht daran glauben.
30. April, 2010 at 19:45
Was hab ich denn nun schon wieder an Anglizismen verbrochen?
30. April, 2010 at 19:48
Das ist eben genau die Scheiße! Wenn ich in eine Apotheke gehe, erwarte ich eben eine ordentliche Beratung.
30. April, 2010 at 19:49
Den kannte ich noch nicht einmal. Und der ist gut.
30. April, 2010 at 20:28
Wenn Ihre Apotheke Ihnen nicht genug Glaubuli zu verkaufen vermag, versuchen Sie es doch hier:
http://tinyurl.com/3y8scnl
;-)
Homöoschallalie in rauen Mengen.
30. April, 2010 at 23:24
Als Allergiker gegen Birkenpollen und damit auch gegen Nüsse habe ich dieses Jahr durch Nichteinnahme von Medikamenten jeglicher Art bis jetzt nur zwei heftige Augentränenanfälle erleben dürfen, die mir meine Gattin mit ihrer Salzwasserlösung (sie trägt Kontaktlinsen) schlichtweg aus den Augen wusch. Und wenn ich mehrfach niesen muss, wird vorher die Nachbarschaft über die Steigerung des Lärmpegels informiert.
1. Mai, 2010 at 02:04
Bei solchen Themen agiere ich nahezu immer mit Sarkasmus. Ist für mich die beste Art, mit so etwas umzugehen.
1. Mai, 2010 at 10:00
Und ich dachte bei dem Titel erst an etwas ganz anderes.
1. Mai, 2010 at 10:29
Phantastische Idee! Können wir das dazu nicht noch ergänzen mit meiner Therapie der inneren Leere? Ich nehme das bei meinen Patienten übrigens wörtlich.
1. Mai, 2010 at 10:30
Es kommt halt immer auf die Stärke der Allergie an. Bei Heuschnupfen, wie wir ihn haben, kommt man mit der Strategie ganz gut durch. Asthmatiker hingegen dürften etwas mehr Chemie durchaus brauchen.
1. Mai, 2010 at 10:31
Ja, auch mit nem 22er Kaliber kann man gute Ergebnisse erzielen…
1. Mai, 2010 at 13:00
Und wieder und wieder und wieder stelle ich die Gegenfrage zum Placebo-Thema in den Raum: Warum nur wirkt das Zeug auch bei noch Neugeborenen, Komapatienten, Tieren, Pflanzen? Warum wirkte es auch bei meinem wirklich durch und durch “ungläubigen” Vater, dem ich die Globuli stillschweigend ins Wasser mogelte – und zwar wirkte es derart durchschlagend, dass er gar nicht wusste, wie ihm geschah?
Ich betone übrigens auch hier energisch: Das sind MEINE Erfahrungen. Und wer MEINEN entsprechenden Artikel liest, findet dort, dass ich das Dilemma der “Beweisbarkeit” durchaus sehe, warum ich aber finde, dass man es in diesem Fall bei den empirischen Fakten belassen kann. ;)
1. Mai, 2010 at 13:10
Auch kleine Kugeln haben manchmal eine ganz schöne Potenz. Mit .22ern kann man durchaus ansehnliche Therapieerfolge erzielen.
1. Mai, 2010 at 13:17
Oh, ich bin offenbar nicht der Erste, der auf diese Idee gekommen ist :-)
2. Mai, 2010 at 09:36
Ich Schelm dachte nun nicht in erster Linie an die Art der Bewaffnung. Hatte eher etwas biologisches gepaart mit menschlichen Bedürfnissen im Sinn. :-)
2. Mai, 2010 at 22:47
Jetzt muss ich aber doch mal einen ernst gemeinten Beitrag zu Ihrem hier veröffentlichtem Thema ansprechen. Mit Sicherheit ist es schwierig der Wirkungsweise kleiner Kügelchen, welche einen extrem verdünnten Wirkstoff in sich tragen sollen, einen Nutzeffekt gedanklich zukommen zu lassen.
Zuallererst muß man der Thematik zugestehen, das sie nicht grundlegend erklärbar ist. Das bedeutet allerdings nicht, das es nicht dennoch möglich ist.
Ich stehe dem Wirkprinzip auch skeptisch gegenüber, bin es in gewissen Bereichen der Realitätswahrnehmung aber auch von Haus aus.
Mit Ihrem Tag “Esoterik” sollten Sie zuerst einmal den wahren Inhalt dessen grundlegend vergewissern. Ein Problem das viele Esoteriker haben (wobei Sie ja gar keiner sind) ist, das sie damit Zusammenhänge erklären wollen, die sich ausserhalb ihrer selbst befinden. Da geht es dann um Exoterik. Esoterik befasst sich allerdings mit Zusammenhängen und Funktionen die sich in dem individuellen Menschen abspielen.
Gerade die Individualität von Geist und Denken bewirkt eine unterschiedlich bewusste Körperwahrnehmung und einhergehend mit einer unbewussten körperlichen Funktionsausübung. Wissenschaftliche Studien haben mittlerweile in Zwillingsstudien trotz genetischer Übereinstimmung einen Unterschied in der Wirkweise von Allergenen feststellen können.
Liegt es nicht nahe zu vermuten, das es eben unser Denken, unsre Sicht auf die mehr oder weniger bewusst reflektierten Inhalte unseres Lebens, eine körperliche Reaktion manifestieren?
Warum nun Personen oder Wesen, deren Bewusstsein nicht / noch nicht / niemals wieder, oder nicht wieder aktiv werden wird auf diese Art der Medikation anspricht kann ich nicht sagen. Aber es scheint tatsächlich in dem einen oder anderen Fall zu wirken.
Sagen Sie dem Apotheker Ihres Vertrauens beim nächsten Besuch doch einfach, das Sie ein schulmedizinisches Präparat bevorzugen, denn dieses wird mit Sicherheit wirken. Eben weil es Ihrem Denken näher liegt und deshalb auch wirken wird!
3. Mai, 2010 at 05:55
Ich wußte es! Jetzt kommen die esoterischen Spinner!
;)
3. Mai, 2010 at 09:01
Das hat im Grunde nichts mit Esoterik und Spinnerei zu tun. Neurologie und Psychologie reichen für Erklärungsversuche völlig aus, und so wollte ich meinen Kommentar auch verstanden wissen. Stellen Sie mich also bitte nicht in die New Age Ecke!
3. Mai, 2010 at 12:23
Also, erstens gibt es keine einzige Studie, die eine Wirkung dieser Globuli bisher nachgewiesen hat. Die Aussage, es wirke bei dieser und jener Gruppe, ist also schlichtweg falsch. Zweitens wird ein Komapatient wohl kaum ausschließlich mit homöopathischen Erzeugnissen behandelt, ansonsten wäre es aber klar, warum er im Koma liegt ;) – da er aber eben auch mit richtigen Medikamenten behandelt wird, ist es höchst unwahrscheinlich, daß bei ihm die homöopathischen Mittelchen wirken, sondern vermutlich die ganz normale Behandlung.
Haustiere und Kleinkinder sind übrigens nicht immun gegenüber dem Placebo-Effekt, und beide besitzen ebenfalls einen Körper, der alles tut, was er kann, um selbständig seine Wehwechen zu kurieren. Ich kann es nur immer wieder betonen: Der Placebo-Effekt ist kein Humbug oder eine Selbsttäuschung, auf die nur dumme Menschen hereinfallen.
Und wenn wir all das außer Acht ließen, also den Placebo-Effekt, die parallele Behandlung mit normalen Medikamenten, selbst dann bleibt eine Sache übrige: Der pure Zufall. Denn in einigen Fällen kann ich einem Patienten eben Wasser zu trinken geben und er wird scheinbar wundersam geheilt. Ich muß nur lange genug warten und genügend viele kranke Menschen beobachten.
Daher vertrauen wir ja auch auf Versuche, die Ergebnisse gezielt beweisbar machen. Anekdotenwissenschaft ist nichts, worauf man etwas geben könnte. “Ich kenne einen, der hat…” ist gut für eine Gruselgeschichte, aber nicht zur ernsthaften Behandlung kranker Menschen.
Ihre persönlichen Erfahrungen mit diesen Medikamenten in allen Ehren, und bitte: Benutzen Sie, was Sie möchten. Sie sagen ja selbst, daß Sie auf eine Diagnose eines richtigen Arztes nicht verzichten, also wird die Einnahme homöopathischer Mittel nichts negatives bei Ihnen bewirken. :)
3. Mai, 2010 at 12:27
Unabhängig von den Gedankenmodellen beschreiben Sie letztlich doch auch nur, daß es einen Placebo-Effekt gibt. Daran gibt es auch nichts zu rütteln. Ich verstehe nur nicht, warum immer noch Menschen an Wunderheiler wie im Mittelalter glauben, obwohl die Homöopathie längst widerlegt ist. Und zwar in allen Bereichen:
1. Die theoretische Grundlage (gleiches mit gleichem) ist falsch,
2. Es können keine Wirkstoffe in den Präperaten nachgewiesen werden und
3. sie wirken nicht über den Placebo-Effekt hinaus.
Dennoch setzt diese Branche 400 Mio Euro in Deutschland um.
3. Mai, 2010 at 14:03
Bei der Wirkweise von Medikamenten spielen viele Dinge eine Rolle. Zum Beispiel der Preis: Eine MIT-Studie hat gezeigt, dass ein Aspirin für einen Dollar besser wirkt als das Aspirin für einen Cent. Ob und wie homöopathische Mittel trotz Unbeweisbarkeit wirken, weiß ich nicht.
Ich finde es nur ärgerlich, dass auch von den Gegnern der Homöopathie gerne angenommen wird, pflanzliche Mittel (ambesten noch aus dem eigenen Garten! Pfui Teufel!) seien damit gleichzusetzen und deshalb abzulehnen. Kein Wunder, dass die Pharmaindustrie für ihre Mittelchen verlangen kann, was sie will.
3. Mai, 2010 at 18:49
Ich hatte eigentlich gedacht, dass der Smiley als Kennzeichnung meines ironischen Beitrages ausreichen würde.
4. Mai, 2010 at 09:08
Ich denke mal, das alles belegt, daß wir auf vielen Ebenen die Selbstheilungskräfte unseres Körpers verstärken können.
Und natürlich ist es ein großes Problem, wenn man pflanzliche Heilmittel, von denen es sehr viele mit nachgewiesener Wirkung gibt, und homöopathische Kügelchen gleichsetzt.
Ob das aber direkt mit den Preisen zu tun hat? Da dürften auch die immensen Forschungkosten eine Rolle spielen, denken Sie nichtß?
4. Mai, 2010 at 09:14
Nee. In dem Fall wurden natürlich identische Tabletten ausgegeben. Einmal teuer, einmal günstig. Die Teuren haben durch die Bank weg besser gewirkt.
Die genaue Anordnung der Testreihe krieg ich jetzt nicht mehr zusammen, ist aber nachzulesen in dem eh empfehlenswerten Buch “Denken hilft zwar, nützt aber nichts.”
4. Mai, 2010 at 09:16
Also wußten die Teilnehmer gar nicht, daß die Tabletten teurer waren?
Das klingt ja eigentlich danach, daß in den teureren einfach eine andere / bessere Zusammensetzung enthalten war, oder?
4. Mai, 2010 at 09:17
(Also: Nicht “identische Tabletten”, sondern Tabletten aus der gleichen Packung.)
4. Mai, 2010 at 10:08
Doch. Sie wussten, dass sie teurer waren, sie wussten aber nicht, dass es die gleichen sind wie die günstigen. Also ein Placebo-Effekt bei Mitteln mit eigentlich gleicher (nachgewiesener) Wirksamkeit.
Bei Ratten hätten die beiden Tabletten logischerweise die gleiche Wirkung gezeigt, denn Ratten ist ein Denken à la “war teuer, muss gut sein” eben fremd.
4. Mai, 2010 at 10:10
Also doch wieder meine Ursprungsantwort. Belegt ja nur, daß der Placebo-Effekt eben wissenschaftlich nachweisbar ist, auch bei exakt gleicher Wirksamkeit.
4. Mai, 2010 at 11:52
Nein, nicht ganz. Beim Placeboeffekt wirkt ein Nichtmedikament wie ein Medikament, weil ich gesagt bekomme, es sei ein Medikament.
Bei dem Versuch war es aber nicht so, dass irgendjemand von den jeweils anderen Pillen wusste. Die Versuche in dem Buch sind alle so gestaltet, dass es unmöglich ist, zu merken, was eigentlich getestet wird.
D.h. die Ein-Dollar-Pillen haben besser gewirkt, ohne dass die Probanden überhaupt von den 1-Cent-Pillen wussten und umgekehrt. Es wurde also nichts sugerriert, wie beim Placeboeffekt.
Und das dürfte eigentlich bei der Reproduzierbarkeit von Wirksamkeit nicht passieren.
4. Mai, 2010 at 12:13
Dies mag eventuell (je nach Definition) formell gesehen kein Placeboeffekt sein, fällt aber durchaus in der selben Familie. Allgemein gilt, dass Menschen dazu neigen Produkte mit einem höheren Preis als “besser” (in irgendeinem Sinne) einzustufen, und somit wäre es nur schlüssig, wenn teuere Zuckerpillen besser helfen als billige (ceteris paribus)—die Suggestion Teuer -> Gut (bzw. Billig -> Schlecht) ist nähmlich da.
4. Mai, 2010 at 12:29
Hat er ja! ;-)
Aber ich wollte ja auch mal was sagen.
4. Mai, 2010 at 12:35
Früher in der Schule gab es mal einen Spruch über den Zusammenhang der Verwendung des Buchstabens h in einem bestimmten Wort und der Denkfähigkeit. :-)
4. Mai, 2010 at 12:47
Immerhin war meine Denkfähigkeit gut genug um das Wort ausfindig zu machen, obwohl ich nicht in der deutschen Schule ging. Ein recht dämlicher Spruch, nebenbei.
4. Mai, 2010 at 13:09
Vielleicht sehe ich das auch zu pingelig.
Aber ich muss nochmal darauf hinweisen: Wir reden hier nicht von Zuckerpillen, sondern von echten Medikamenten. Zugelassene, mit nachgewiesener Wirkung.
Und auch nochmal: Es gab bei den jeweiligen Probanden keine Vergleichsmöglichkeit.
4. Mai, 2010 at 13:16
@michaeleriksson @ramses101
Es ist ja nur so, daß der Placebo-Effekt letztlich aussagt, daß wir die Selbstheilungskräfte des Körpers dadurch beeinflussen, indem wir auf eine Wirkung vertrauen.
Nachweisbar sind bei beiden Präparaten eine bestimmte Wirkung. Hinzu kommt aber der Effekt, daß die Leute je nach Preis eine bestimmte Wirkung quasi hinzuerfinden, die dann teilweise auch deswegen eintritt.
So gesehen sind natürlich für einige Menschen homöopathische Kugeln sehr gute Placebos, aber eben nur solange, wie sie sich dagegen wehren, daß es Placebos sind.
6. Mai, 2010 at 15:44
Übrigens wegen Akupunktur:
http://news.doccheck.com/de/article/199334-vorsicht-fuck-up-unktur
20. Mai, 2010 at 21:20
Passend zum Thema ist mir hier ein großartiger Artikel aufgefallen: http://www.nydailynews.com/gossip/2009/12/07/2009-12-07_nearly_impossible_to_od_on_drug_she_took.html
31. August, 2010 at 20:05
[...] wohl die Homöopathie, ich habe die letzte Glaubensschlacht grade hinter mir. German Psycho hat in diesem Artikel recht anschaulich seinen Standpunkt klargemacht, da kann ich nur beistimmend virtuell nicken und [...]