Große Freude: Pleite eines Ed-Hardy-Ladens

Große Freude: Pleite eines Ed-Hardy-Ladens

Die größte Plage des menschlichen Hirns ist ja, daß jeder einzelne Mensch stets davon ausgeht, im Recht zu sein. Und selbst, wenn diese Erkenntnis einmal durchgesackt ist, selbst dann glauben wir weiterhin, eine besonders fundierte Meinung über das Leben zu haben. Ein völlig undurchbrechbarer Kreis, den selbst so Angeber wie der Sokrates („ich weiß, daß ich nichts weiß” – HAH! Überlegen fühlte sich der Schlauberger!) nicht zu durchbrechen vermochte, auch wenn er es immerhin probierte.

Diese Plage zeigt sich nicht nur in pseudointellektuellen Blogeinträgen, sondern natürlich viel schlimmer in der Politik: Der politische Gegner muß automatisch dumm oder böse sein; auf die Idee, daß er genauso das Gute in der Welt will, aber andere Methoden für richtig hält, kommt man nur selten. Daß er recht und man selbst unrecht haben könnte – ich bitte Sie!

Ganz schlimm wird diese Eigenschaft natürlich dann, wenn es um Religion geht. Ich meine, machen wir uns nichts vor, unsere christliche Religion klingt von der Story her nach einem B-Movie: Der allmächtige Gott kann es nicht ab, daß seine Geschöpfe einen Apfel essen, also jagt er sie aus dem Haus, will ihnen später vergeben, muß dazu aber erst einen Sohn erschaffen, den er dann opfert. Klar – ein Guy Ritchie könnte vermutlich selbst daraus einen vernünftigen Film drehen, aber der hatte auch, im Gegensatz zu den 12 Aposteln, Sinn für Humor.

Dann gibt es natürlich noch den freundlichen Islam, der immerhin so klug war, die anderen großen Religionen seiner Zeit zu vereinnahmen, um bei einem Diskurs trefflich darauf hinweisen zu können, daß die anderen beiden ja auch teilweise recht hätten.

Wir sehen die Taten dieser religiösen Fanatiker. Wir können objektiv sagen, daß es vermutlich ein Rückschritt in der Gesellschaft wäre, wenn wir die Emanzipation, die Liebesheirat, Musik, Kultur und Forschung abschafften, wenn wir Menschen solange mit Steinen ins Gesicht werfen, bis der Kopf aufplatzt und endlich ein Stein das Gehirn irreparabel beschädigt, wenn wir jeden Schwulen und jeden Atheisten am nächsten Laternenpfahl aufknüpften – aber es gibt Menschen, die wirklich überzeugt davon sind, daß es der Welt und allen Menschen in ihr besser ginge, wenn wir genau das täten.

Diese Menschen gucken sich morgens genauso im Spiegel an wie wir, sie denken genauso wie wir, daß sie im Prinzip gute Menschen seien.

Wir sind eben eine hochinteressante Spezies!