Liebe Mitstreiter im Dschungel des digitalen Büros, wenn Sie mir dieses völlig unpassende, dafür aber nichtssagende Bild verzeihen, wir müssen uns über ein wichtiges Thema unterhalten. Da es mittlerweile selbst Politiker geschafft haben, „irgendwas mit dem Internetz” zu machen, kommen wir nicht mehr darum herum, uns zu überlegen, wie wir gängige Umgangsformen auch in unser Lieblingsmedium (zumindest kommt es mir so vor) transferieren.
Die E-Mail. Technisch völlig veraltet, aber äußerst beliebt. Jedenfalls stelle ich fest, daß diese Form der Kommunikation mittlerweile im Arbeitsalltag überwiegt. Aber wie sollten wir nun mit diesem Medium umgehen?
Im täglichen Umgang fallen mir einige Dinge auf, die immer wieder als völlig normal angesehen werden, die aber mich und auch einige meiner Kunden regelmäßig auf die Palme bringen.
Beispiel
Meine Mitarbeiterin erhält eine E-Mail von einem Kunden, den sie bei einem Problem unterstützen soll. Der Kunde setzt eine Software ein, mit deren Hilfe er seine Kunden besser bedienen möchte. Nun hat aber einer seiner Kunden ein Problem. Somit haben wir ein Problem. Der Kunde beschreibt uns den Fehler. Und merkt an, wie wichtig ihm dieser Kunde ist.
Die Mitarbeiterin wendet sich nun per „forward” direkt an den Kunden unseres Kunden, um das Problem zu beheben.
Haben Sie es bemerkt? Genau. Da fehlte ein wichtiger Schritt. Den die Dame auch nicht ausführte: das Löschen des bisherigen E-Mail-Verkehrs. Der Endkunde bekommt also eine interne Diskussion mit, in der steht, wie wichtig er unserem Kunden ist. Gut, das ist in diesem Fall vielleicht nicht ganz so schlimm – andererseits war es äußerst schwierig, mit dem dortigen Verantwortlichen überhaupt noch zu sprechen, so wichtig fühlte er sich auf einmal.
Aber beim zweiten Fall, der dann zu ihrem Rausschmiß führte, stand in dem bisherigen Mailverkehr eben ein Satz über die charakterlichen Schwächen desjenigen, dem geholfen werden sollte.
Jetzt könnte man argumentieren, daß man eben bei E-Mails keine solchen Sätzen anzubringen habe, und irgendwie stimmt das auch, wenn man eine E-Mail eher als Pendant zum Brief sieht. Ich stelle aber fest, daß E-Mails heutzutage sehr häufig das Telephon ersetzen. Und in einem Telephongespräch wird man selbstverständlich auch ab und an einmal über den einen oder anderen Menschen lästern, so sind wir nunnmal alle.
Die Frage ist nun die: Wie gehen wir mit E-Mails um, deren Verteilerkreis erweitert wird? Was tun wir mit E-Mails, die direkt an uns geschickt wurden, von denen wir aber meinen, sie müßten einem größeren Personenkreis zur Verfügung gestellt werden?
Ich denke, es ist nicht zuviel verlangt, wenn jegliche Korrespondenz, deren Adressatenkreis wir erweitern, zunächst darauf geprüft wird, ob die enthaltenen Formulierungen auch so gemacht worden wären, wenn es dem Schreiber klar gewesen wäre, daß seine Worte nicht nur an eine Person, sondern an eine Gruppe von Menschen gesendet würden.
Im Falle meiner Kollegin ist der Fall noch klar. Sie hat eine interne Diskussion nach außen getragen und dabei offensichtlich gegen alle Gebote der Höflichkeit verstoßen.
Dann gibt es Grenzfälle. Wenn eine abteilungsinterne Diskussion auf einmal andere Abteilungen betrifft. Sollte man da ebenfalls den bisherigen Verlauf löschen, obwohl er eventuell wichtige Informationen beinhaltet?
Und dann gibt es auch noch die Idioten, denen einfach nicht zu helfen ist: Wenn eine E-Mail beispielsweise an einen großen Verteilerkreis geht, der Antwortende das übersieht, eine ziemlich flapsige Antwort verfaßt und sich dann wundert, wenn der ursprüngliche Adressatenkreis wieder mitliest.
Für letzteres bin übrigens ich Spezialist.

8. Juni, 2010 at 14:11
ich würde es begrüssen, wenn emails eine autdestruct option hätten. man verschickt eine email an den falschen adressaten – und sobald man es merkt, kann man die selbstlöschung der mail aktivieren. egal, ob der empfänger sie schon gelesen hat oder nicht. einfach nur *böff* und die mail is wech.
8. Juni, 2010 at 14:18
Oh, das wäre schön. Wobei ich seit einigen Jahren mir abgewöhnt habe, betrunken E-Mails an irgendwelche Frauen zu schicken.
Oder was meinten Sie?
8. Juni, 2010 at 15:24
Ich schaffe es sogar, mich mit nur 160 Zeichen lächerlich zu machen … Aber egal, da muss man drüber stehen! Irgendwann macht die Dame dann auch mal etwas “merkwürdiges” :)
8. Juni, 2010 at 15:27
Ich glaube, es würde schon helfen, wenn es irgendein Seminar in Richtung Email gäbe. Oder gibt es das in gewissen Branchen schon? Mir ist jedenfalls so etwas noch nicht untergekommen, obwohl ich oftmals im direkten Kundenkontakt war. Dass man nicht so computeraffinen Leuten überhaupt einmal erklärt, wie so eine Email funktioniert. Bei einem Brief ist jedem halbwegs klar, wie das geht (hoffe ich zumindest). Bei einer Email, oder generell bei digitalem Verkehr (nicht das, was Sie nun wieder denken, Sie Lustmolch! Obwohl … Gib mir deinen AUX-Eingang, ich geb dir meinen …), gestaltet sich das Verständnis dafür schon etwas schwieriger …
8. Juni, 2010 at 15:47
und ich schaffs in 80. Hah.
8. Juni, 2010 at 18:49
Derber Typ!
8. Juni, 2010 at 20:26
Großartiger Post. Ich stimme Ihnen zu. Aber ich muss auch zu bedenken geben, wie viel Spaß und Schadenfreude uns entgehen würde, wenn auf einmal alle sorgsam und gezielt mit dem Medium umgehen würden.
8. Juni, 2010 at 21:53
Dem kann ich mich nur anschließen!
Allerdings habe ich aus diesem genau diesem Grund aufgehört die Forward und Reply all – Funktion zu nutzen. Ich bin nämlich ebenso ein Spezialist.
8. Juni, 2010 at 21:53
Da war ein “diesem” zuviel.
8. Juni, 2010 at 22:11
nein nein, ich meinte die äh enterprise version.
im privatleben zeugt das nur von ihrer menschlichkeit. oft sind die besoffenen mails genau diejenigen, die von den verflossenen aufgehoben werden, bis sie 90 sind…
8. Juni, 2010 at 22:31
An Dritte darf selbstverständlich nie die bisherige Korrespondenz weitergeleitet werden. Das Geheimnis – aufgemerkt! – lautet: paraphrasieren.
8. Juni, 2010 at 23:29
Also in E-Mail-Zeug hab ich ja den schwarzen Gürtel. Tipp: Bei Urlaubsabwesenheitsautomails einfach mal “an alle im Posteingang anwenden” anwählen.
Der Herr GP kann, wie alle anderen in meinem damals unaufgeräumten Eingang (Rekord waren 900+ Autoantwortmails), die mit Antwortmails auf jede (!) je geschickte Mail bedacht worden sind, ein Lied drüber singen.
Die jeweiligen Antworten werde ich nicht als Buch veröffentlichen, obwohl es ein lustiges wäre.
Ansonsten hat aber der, der in Mails einfach mal runterscrollt, oft einen unverhofften Vorteil.
(Trotzdem sind und bleiben an allem die Programmierer Schuld. Der DAU ist ein Konstrukt der Abwehr. Ich kenne und verstehe das. Und “durchschauen” wollte ich auch noch sagen.)
9. Juni, 2010 at 09:02
Ich glaube, so etwas ist mir noch nie passiert. Was mich wundert. (Fwd-Fehler)
Jetzt denke ich erstmal über meine Emailkarriere nach…
Was auch nicht geht: Email ohne Begrüßung. Unter Freunden ist das was anderes, aber wenns an den Kunden geht, muss da oben was stehen. Finde ich.
9. Juni, 2010 at 14:04
Absolut. Ich möchte ja auch gerne weiterhin Nutznießer dieser Unsitte sein. Ich würd nur gern selbst etwas vorsichtiger werden.
9. Juni, 2010 at 14:06
Ja, „an alle im Posteingang anwenden” ist so ungefähr die beschissenste Formulierung und Funktion, die Apple Mail bereithält. Sie sind nicht der einzige, dem das passierte.
DAU: Es gibt in der Tat Menschen, die sich so blöde anstellen, daß man Absicht unterstellen muß. Wenn bspw. Warnhinweise ignoriert werden („wirklich an ALLE im Posteingang senden?”)
Aber zumeist ist es eine Schutzbehauptung unfähiger Programmierer. Unfähig, sich in den normalen Anwender hineinzuversetzen.
9. Juni, 2010 at 14:07
Ja, so sehe ich das auch. An sich müßte man automatisch die Mailinhalte löschen, sobald man Adressaten hinzunimmt.
9. Juni, 2010 at 14:07
Sehr geehrte Frau Feli!
Das sehen ja nun gerade Amerikaner ganz anders.
Grüße,
German Psycho
9. Juni, 2010 at 17:18
Vermissen Sie Ihre oben erwähnte Kollegin eigentlich?
9. Juni, 2010 at 17:23
Die war ganz nett, ja. Ich habe allerdings auch verstanden, daß man sie entlassen mußte.
Gut, so richtig gut kannte ich sie auch nicht. Dafür war sie nicht lang genug im Unternehmen.
Aber sexy war sie. Hatte dieses orientalische Ding am Laufen.
9. Juni, 2010 at 20:13
So vor 10 Jahren hatte ich bei einem großen deutschen Konzern den Fall, daß die supertolle (lach), dynamische (frisch von der Uni) eBusiness-Spezialistin die Lieferanten zur Katalogabgabe motivieren wollte. Dazu legte sie die aktuelle Datei des Hauptlieferanten bei. So mit Preisliste und so… Fand der Hauptlieferant nicht so gut.
Das Mädel hat dann die Probezeit auch nicht überstanden.
Leider sah die auch nicht gut aus…
10. Juni, 2010 at 09:59
Nun, ferner dürften dadurch auch die anderen Lieferanten nicht sehr motiviert gewesen sein, ihrerseits Preise zu übermitteln.
6. Juli, 2010 at 15:10
Bedenkenswerte Gedanken. Aber bitte machen Sie doch aus der Kohl-Ära auch zu einer solchen! (Era-re humanum est…)