Um sich einfach mal wieder vor Augen zu halten, wie gut wir es haben:
Wir können uns aussuchen, ob wir die WM verfolgen wollen oder nicht. Wir können sie zuhause sehen. In einer Kneipe. Bei Freunden. Auf Fanfesten, die übrigens auch noch kostenfrei zu betreten sind. Oder wir können uns entscheiden, die WM gar nicht zu sehen. Natürlich: So ganz entkommt man diesem Großereignis nicht. Es bedarf sicherlich einiger Mühe, nicht über die Spiele zu sprechen, die Flaggen an den Autos zu übersehen, die Hupkonzerte nach Italienspielen zu überhören. Aber das ist wohl selbst für den härtesten Fußballhasser irgendwie noch zu ertragen. Immerhin sind es ja auch nur 4 Wochen.
Andernorts jedoch sieht die Sache etwas anders aus. Wer dort einfach nur in Ruhe Fußball gucken möchte, wird erschossen. Stellen wir uns das bitte mal vor! Sie sitzen im Wohnzimmer, haben sich ein paar wenige, ausgesuchte Freunde eingeladen, vor Ihnen steht – kein Bier, weil das ja auch verboten ist, bei jedem Tor der eigenen Manschaft halten Sie sich die Hand vor den Mund, um bloß nicht zu laut zu jubeln. Und wenn Sie Schritte vor Ihrer Wohnungstür hören, schalten Sie sofort den Fernseher aus, um bloß nicht beim Fußballgucken erwischt zu werden.
Also hören wir mal alle gemeinsam wieder ganz kurz mit dem Nörgeln auf und freuen uns über unser freies Land. OK?

16. Juni, 2010 at 11:38
“OK – sehr gerne!”
Und vielen Dank für diesen Beitrag. Gelegentlich sollten wir uns wirklich mal vor Augen halten, wie gut es uns geht – bei aller berechtigter Kritik an anderer Stelle.
Für heute entscheide ich mich übrigens für “keine WM”. Und morgen – ach ich weiß noch nicht. Vielleicht grillen? Oder Bier trinken? Beides!
16. Juni, 2010 at 12:21
Ja, ich finde nämlich auch. Ich selbst komme viel zu oft ins Granteln, wie der Bayer sagt, der ich nicht bin, obwohl es so viele Dinge gibt, die bei uns so großartig sind.
Einfach mal ab und an freuen. Das sollten wir uns gönnen. Uns… und unserem Umkreis.
Hach! Pathostag heute. Ich freu mich.
16. Juni, 2010 at 16:42
Also wenn ich an das Spiel Japan-Kamerun denke, dann scheint die somalische Lösung fast … nein, vergessen Sie’s.
16. Juni, 2010 at 16:53
Leider wahr. Wenn man sich die Spiele so anschaut, dann könnte man allerdings noch eher auf die Idee kommen, anstatt der Zuschauer die Spieler… nein, vergessen Sie’s.
16. Juni, 2010 at 20:42
Also ich freue mich sehr häufig. Ich freue mich gerne.
Trotzdem sind, in meinen Augen, hupende Proletensportanhänger (merken Sie? Ich spezifiziere meine Beleidungen immer mehr!) nur verkappte Pur-Fans!
16. Juni, 2010 at 21:04
Und genau aus diesem Grund bin ich Mitglied bei Amnesty International, weil ich der Meinung bin, dass jeder sein Fussball gucken und jeder sein Block schreiben dürfen sollte.
16. Juni, 2010 at 22:30
Sie sprechen mir aber sowas von aus der Seele, Herr GP. Was wir hier in unserer freien, westlichen Welt tun ist doch wirklich oftmals nur Jammern auf sehr sehr hohem Niveau.
Ich habe ja vor nicht all zu langer Zeit für mich beschlossen, nicht mehr so oft zu granteln, selbst wenn es mal nicht so toll läuft. Und ganz erstaunlicherweise klappt das sogar recht gut. Wieso auch immer. Aber manchmal ein kleiner reminder ist schon nicht schlecht. ;)
Thanks!
17. Juni, 2010 at 09:27
Was weiß ich, was Sie so für Musik in Ihrer Freizeit hören. Ich habe von denen noch nie was gehört…
17. Juni, 2010 at 09:28
In seinen Notizblock, gell?
17. Juni, 2010 at 09:30
Es ist teilweise auch ein äußerst unfaires Jammern. Da gibt es Leute, die ernsthaft die „gleichgeschaltete” Presse monieren, die angebliche Unfreiheit der Gedanken und was weiß ich für bescheuertes Zeuchs.
Gerade letztens hat auf Twitter jemand ernsthaft darüber fabuliert, daß in unserem „System” ja ständig Menschen ermordet würden.
Es wäre schön, solchen Menschen mal eine Woche Erlebnisurlaub in Nordkorea oder Somalia zu schenken.
17. Juni, 2010 at 13:30
Im Prinzip gebe ich Ihnen Recht. Ärgerlich wird es nur, wenn das als Totschlagargument gebraucht wird, sobald man irgend etwas kritisieren will. Egal was, irgendwo ist es immer schlimmer. Aber: Darf ich mich nicht mehr über schlechtes Essen beschweren, so lange noch irgendwo irgendwer vor Hunger stirbt?
Ich kann mich ganz wunderbar über beides aufregen. Mach ich auch.
17. Juni, 2010 at 13:51
Quatsch. Klar dürfen und sollen Sie sich beschweren, wenn Sie etwas ärgert.
Das war nur mal eben für zwischendurch: Ab und an sollten wir einfach mal Luft holen, durchatmen und uns auch vergegenwärtigen, daß es uns ziemlich gut geht.
17. Juni, 2010 at 15:38
Ich sag ja, dass ich das genau so sehe. Trotzdem bleibt das eine weit verbreitete Unart (wenn auch eher kleinbürgerlicher Kreise).
17. Juni, 2010 at 18:25
[...] Verrückte Männer beim Auf- und Abspringen [...]
17. Juni, 2010 at 22:27
*Also hören wir mal alle gemeinsam wieder ganz kurz mit dem Nörgeln auf und freuen uns über unser freies Land. OK?*
Herr Psycho, aber gerne doch.
Ich freue mich, wenn Sie sich freuen.
Doch echt.
Denn wenn Sie sich freuen, dann kann ich mich zumindest der Hoffnung hingeben, dass von Ihnen entspanntere Texte hier Einzug halten.
18. Juni, 2010 at 00:34
@GP: Selbst in Nordkorea gibt es “5-Stars-Resorts”. Spendieren Sie mir eine Woche?
@Ramses: Bitte gehen Sie mit dem Begriff “Kleinbürger” großbürgerlicher um. DAS wäre die wahre Revolution.
Ich muss allerdings jetzt ins Bett. Mein Schwager bringt um 13 Uhr fünf Liter Hefeweizen; drei Kinder möchten mal in die Vuvuzela blasen trotz des Widerstands in dieses Instrument. Und einfach nur zusammen feiern.
30. Juni, 2010 at 16:23
Ich erwarte eine zügige Stellungnahme zur Wahl des Bundespräsidenten.
30. Juni, 2010 at 19:32
Zügig? Die können doch nicht mal zügig wählen.
30. Juni, 2010 at 20:18
Was für ein Trauerspiel!
Live-Ticker lohnen echt nur beim Fussball!
1. Juli, 2010 at 10:15
Rant ist fertig. Nicht zeitnah, nicht zügig, aber angemessen.
1. Juli, 2010 at 17:41
Herr Psycho,
Sie schreiben in einem Kommentar:
*Rant ist fertig. Nicht zeitnah, nicht zügig, aber angemessen.*
Wie soll oder darf denn ein Leser, der hier zufällig vorbeischaut, Ihren Kommentar verstehen?
Soll er ihn so verstehen:
Schön dass Sie hier gelesen haben, aber verstehen müssen Sie nichts?
1. Juli, 2010 at 17:44
Herr Psycho,
eine ganz schwache kommentartorische Leistung, die Sie hier gerade abliefern.