Natürlich geht jetzt die Verklärung schon langsam los: Soweit hat es ihnen ja keiner zugetraut, ist doch immerhin etwas. Dieses ganze Gesülze, daß man mit dem Erreichen des Halbfinalspiels zufrieden sein sollte.
Wieso aber sollte man das? Was bringt es denn einer Manschaft, überhaupt nur ins Halbfinale zu kommen? Nach ein paar Jahren ist es völlig egal, ob die Jungs im Halbfinale oder in der Vorgruppe ausgeschieden sind.
Aber darum gehts mir gar nicht. Mich störte vor allem die Art, wie die deutsche Manschaft das Turnier verlassen hat. Wir erinnern uns: Nach dem 4:1 gegen Argentinien begann auf einmal Lahm, an Ballacks Stuhl zu sägen. Mitten während des laufenden Wettbewerbs. Parallel dazu begann sich die Manschaft schon im Finale gegen Holland zu sehen. Dazwischen lag ja nur – Spanien. Die ja auch nur vor zwei Jahren die Europameisterschaft gewannen und vermutlich die spielstärkste Manschaft der Welt ist.
Das schwierigste Spiel überhaupt liegt vor den deutschen Fußballern. Was also sollte man in der spielfreien Zeit tun? Genau: Die Klappe aufreissen. Intrigen spinnen. Die Stimmung ein bißchen runterziehen. All das hilft ganz sicher.
Und dann das Spiel. Erhobenen Hauptes kann eine Truppe vom Platz gehen, wenn sie die Zweikämpfe verliert. Das aber tun die Deutschen nicht: Sie greifen gar nicht erst an. Und wenn sie dann mal den Ball erobern, dann schieben sie ihn schnell wieder einem Spanier zu. Zwei magere Schüsschen aufs Tor bringen sie zustande, ansonsten aber gar nichts. Sie spielen Fußball, wie es in Deutschland früher häufig getan wurde, früher allerdings erfolgreicher. Man nannte es „Rumpelfußball”.
Lahm hätte zum großen Helden der WM werden können. Leider scheint ihm der Erfolg zu Kopf gestiegen sein.
So bleibt es also wieder bei einem Halbfinale. Wenn schon der Preis für den 2. Platz unten bei der Damentoilette hängt (wie wir aus „Top Gun” wissen), dann braucht man sich das Spiel um Platz 3 wohl nicht mal mehr anzusehen.
