August 2010
Monatsarchiv
30. August, 2010

Eingang zu einer pädophilen Esoterikgruppe. Das Logo steht für Astralkörper.
„(…) und dann hat sie die Katze in die Mikrowelle gesteckt, um sie zu trocknen. Wirklich! Das hat mir eine gute Freundin erzählt!”
Mittlerweile glaubt fast niemand mehr daran, daß sich in den Kanälen unter New York Krokodile herumtreiben, daß Cola irgendwelche Süßigkeiten dazu bringt, im Bauch zu explodieren oder daß Killer sich bevorzugt auf dem Rücksitz geparkter Autos herumtreiben. Diese heutzutage eher skurril anmutenden Legenden sind eben aus einer anderen Zeit. Aus einer Zeit, in der man gutgläubig war. In der es noch kein Internet gab, mit Hilfe dessen solcherlei Lagerfeuergeschichten schnell enttarnt wurden.
Aber stimmt das denn? Sind wir wirklich kritischer geworden? Hinterfragen wir Dinge, die uns zugetragen werden?
Gestern konnte ich ein Phänomen auf Facebook erleben. Wer damit anfing? Wie üblich weiß man es nicht. Eine „Warnung” sah ich da auf den Profilen meiner Freunde. Sie lautete:
ACHTUNG!!!!!!Tretet auf keinen Fall der Gruppe mit dem Namen: „Vater oder Mutter zu werden war das grösste Geschenk meines Lebens“ bei. Es handelt sich um eine Gruppe von Pädophilen welche versuchen sich Zugang zu Fotos von Kindern zu verschaffen! Bitte kopiert diesen Status als Euren, so dass Jeder es …weiss!!
(Rechtschreibfehler absichtlich nicht korrigiert).
Zunächst einmal: Diese Legende ist wirklich schlecht gemacht. Es ist auf den ersten Blick ersichtlich, daß jegliche Quellenangabe fehlt (in der amerikanischen Version gab es immerhin noch einen Hinweis auf eine Fox-News-Sendung um 17:00h, natürlich ohne Datum). Auch gibt es keine Begründung für die Anschuldigung. Es gibt nur den Hinweis, man solle es diese Meldung als seine eigene ausgeben. Somit sollte auch ein wirklich gutgläubiger Mensch bemerken, daß er gar nicht beurteilen kann, ob der Freund, bei dem er die Nachricht gelesen hat, nun auch wirklich der Urheber ist.
Aber dennoch war dieser Hoax erfolgreich: Seit Anfang des Jahres bereits geistert er durch Facebook und scheint gerade wieder Fahrt aufzunehmen. Wie kann das sein, wo es sich doch um eine handwerklich wirklich schlecht gestrickte Legende handelt?
Das Thema. Der Autor hat bei der Auswahl des Themas ein glückliches Händchen bewiesen: Kinderpornographie ist ein Thema, bei dem die meisten Menschen ihren Verstand ausschalten. Da reicht es aus, mit dem Finger irgendwohin zu zeigen, und die Masse schreit nach Lynchjustiz. Seien wir ehrlich jenen gegenüber: Sie tun das aus hehren Motiven. Wie so ziemlich jeder Lynchmob glaubte, das zu tun. Sie wollen ja nur die Kinder schützen.
Schalten wir aber für einen Moment unseren Verstand wieder ein und gehen die Möglichkeiten durch:
1. Die Website / Gruppe gibt es, aber sie ist keine Kinderschänder-Site
2. Die Website / Gruppe gibt es nicht (bzw. sie ist erst nach dem Hoax als Satire entstanden, wie bei der oben genannten FB-Gruppe)
3. Die Website / Gruppe gibt es und die Anschuldigungen sind wahr.
Wenn ich alle drei Möglichkeiten mit derselben Wahrscheinlichkeit bewerte (was nach einer 2-minütigen Recherche allerdings schon unsinnig ist), dann habe ich also die Chance von 1/3, etwas Gutes zu tun – nämlich vor einer Gruppe zu warnen, die zu dem Zeitpunkt, zu dem ich die Warnung erhalte, vermutlich zwar schon längst von BKA, FBI oder sonstwem observiert wird, aber immerhin.
Wenn es sich aber um eine Gruppe handelt, die überhaupt nichts Böses tut, dann vernichte ich diese damit. Wenn sich nun im angesprochenen Forum tatsächlich Eltern über die Freude an ihren neuen Kindern austauschen, dann wird ein solcher medialer Schlag dazu führen, daß die Mitglieder brutal angefeindet werden, teilweise bedroht werden. Das Forum wird sich zu wehren versuchen, aber es wird niemand mehr lesen.
Wir haben in Deutschland ein Rechtssystem, da im Zweifelsfall lieber einen Verbrecher entkommen läßt als einen Unschuldigen einzusperren. Es gilt: Im Zweifel für den Angeklagten. Das gilt übrigens unabhängig von der Schwere des Vergehens. Aber nicht nur dieses System wird auf den Kopf gestellt. Denn es gibt keinen Zweifelsfall. Eine Recherche von 2 Minuten ergibt, daß die Meldung eine Fälschung ist, ein Hoax. Ein einziger Klick auf die Gruppe und deren Info-Tab macht klar, daß diese Gruppe erst als Reaktion auf die Warnung entstanden ist und sich nun einen Spaß daraus macht, sich anfeinden zu lassen, von Leuten, die nicht lesen können oder wollen.
Es ist, ehrlich gesagt, ziemlich erschreckend, wenn wir uns diese Entwicklung am oben genannten Beispiel einmal ansehen. Es zeigt, daß Menschen so leichtgläubig sind, daß sie bei bestimmten Knöpfen, die gedrückt werden, all ihre Vorsicht, ihren Verstand, ihre Mitmenschlichkeit fallen lassen und zu den Waffen greifen. Ohne eine einzige Begründung wird gesagt: „Da ist der Kinderschänder”. Und alle rennen. Verbreiten die Meldung ungeprüft weiter. Geben ihren Namen dafür her, die Meldung glaubwürdiger zu machen. Beleidigen aufs Übelste die Betreiber der Gruppe, die in dem Fall glücklicherweise darauf eingestellt sind, weil sie eben eine Satiregruppe betreiben.
Stellen Sie sich bitte nur mal ganz kurz vor, dies wäre Ihr Lieblingsforum gewesen. Ein Ort, in dem man sich über ein ernsthaftes Thema unterhält, das Sie wirklich interessiert. In dem Sie vielleicht mit Echtnamen angemeldet sind, weil sie ja nur mit einer friedlichen Runde Gleichgesinnter diskutieren.
Und dann beginnt die Hexenverfolgung. Und vielleicht haben Sie ja zufällig einen Namen, den es in Deutschland nicht so oft gibt.
24. August, 2010
Solange Ihr „allmächtiger” Gott es noch nicht einmal schafft, mich davon zu überzeugen, daß es ihn nicht gibt, sollten Sie den Begriff „allmächtig” überdenken.
Solange Ihr „barmherziger” Gott es noch nicht einmal hinbekommt, Kriege und Folter in seinem Namen zu untersagen, sollten Sie über das Wort „barmherzig” nachdenken.
Solange es Ihrem „gerechter” Gott es gefällt, daß Kinder verhungern, weil sie am falschen Ort geboren wurden, daß Kinder cracksüchtig auf die Welt kommen, weil sie von der falschen Mutter geboren wurden, sollten Sie über das Wort „gerecht” nachdenken.
Bonustrack:
Ist ein Wesen allmächtig, wenn es einen Stein erschaffen kann, der so schwer ist, daß es ihn selbst nicht heben kann?
23. August, 2010
Posted by germanpsycho under
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Satire |
[14] Comments
Da liest man nichtsahnend und durchaus anerkennend schmunzelnd ein großartiges Satire-Blog, bis einem dann nach einiger Zeit auffällt: Fuck, Alter, der meint das ernst.
Und bitte fragen Sie mich nicht, wieso ich auf die Idee kam, mich selbst mit „Fuck, Alter” anzusprechen. Ist sonst nicht meine Art.
18. August, 2010

Praktischer Nutzen der Umschlagmanschette
Es ist ein Thema, das mich seit längerer Zeit beschäftigt. Egal, welches Buch ich aufschlage, überall wird gesagt, man solle Hemden mit Umschlagmanschette nur zum Anzug und nur mit Krawatte tragen. Die Begründung ist meist, daß ein solches Hemd ansonsten zu formell sei und somit nicht zum lockeren Aufzug mit Sportsakko passe.
Ich habe das auch stets weitergegeben, ohne mir darüber Gedanken zu machen. Aber irgendwann fragte ich mich dann schon: wieso eigentlich? Und ich habe mir mal angesehen, wie so ein Hemd eigentlich ohne Krawatte aussieht. Und wissen Sie was? Ich finde, es sieht überhaupt nicht übertrieben aus. Denn unterhalb eines Sakkoärmels hat die Umschlagmanschette einen entscheidenden Vorteil: Sie bleibt stets an der richtigen Stelle, so daß das Hemd eben nicht unter das Sakko rutscht. Es müßte also eigentlich umgekehrt sein: Unter ein Sakko gehört immer ein Hemd mit Umschlagmanschette, egal ob das Sakko nun Teil eines Anzugs ist oder Teil einer lockeren Kombination.
Und ohne Sakko? Sieht es denn dann wenigstens übertrieben aus? Ich finde nicht. Selbst wenn die funktionale Grund wegfällt, sieht der Gesamtauftritt etwas edler aus, aber ich vermag einfach nicht zu erkennen, worin der große Stilbruch bestehen soll. Gut, die Mischung aus Button-Down-Kragen und Umschlagmanschette wäre sicherlich unsinnig. Und ja, das sieht in meinen Augen wirklich merkwürdig aus. Aber auch meine letztens anprobierte Kombination aus dunkelblauer Rock&Republic-Jeans und rotem Hemd mit dunkelblauen Linienmuster und Umschlagmanschette gefiel mir ausgesprochen gut. Kein Stilbruch, aber schon ein Spiel mit den verschiedenen Stilrichtungen: Eine Jeans, aber deutlich edler aussehend als üblich, dafür ein Hemd mit Umschlagmanschette, dessen Design aber eher rustikal wirkt. Es wirkte stimmig.
Natürlich ist die entscheidende Frage, welche Art von Manschettenknöpfen der jeweiligen Situation angemessen sind. Da sollte man natürlich unterscheiden: Die brillantbesetzten Knöpfe aus Platin passen natürlich nicht zu einem braunen Sakko im Jagdstil. Die Platzhalterknöpfe aus Stoff wiederum passen nicht zum Anzug.
Je länger ich aber über das Thema nachdenke, umso weniger verstehe ich, warum Umschlagmanschetten ohne Krawatte so verpönt sind. Vielleicht übersehe ich etwas?
12. August, 2010

Schuld sind immer die anderen.
Es ist einfach zu geil. Ich kann einfach nicht glauben, daß das nicht im Satire-Bereich läuft: Die Zeit beginnt also einen Artikel mit den Worten
Dutzende Gewalttäter werden aus der Sicherungsverwahrung entlassen. Wo sie hinkommen, treffen sie auf Angst und Hass. Schuld ist der Staat.
Allerdings befürchte ich, die meinen das ernst. Schuld sind nämlich immer wir. Diese verdammten Nicht-Gewalttäter. Die erziehen nämlich erst die Menschen zu Gewalt, das ist ja alles nur eine Reaktion auf die verdammte Gewaltlosigkeit unserer Gesellschaft! Schuld ist außerdem aber natürlich der Staat, so daß wir uns nicht ganz mies fühlen müssen, letztlich erzieht ja uns der Staat.
Jetzt frage ich mich natürlich konsequenterweise, was wir tun können, um die Gesellschaft möglichst daran zu gewöhnen, daß Gewalt vielleicht doch gar nicht so übel ist? Also zunächst einmal: Weg mit der Diskussionskultur. Schwätzen kann jeder, ein Mann muß manchmal eben tun, was ein Mann tun muß: handeln. Mit der Waffe in der Hand. Weg mit dem Waffenverbot. Wenn wir zu einer pazifismusfreien Gesellschaft werden wollen, müssen wir erst einmal lernen, wie man überhaupt der Diskussion abschwört. Als kleine Übung zu Beginn: Jeder knallt seinen rechten Nachbarn ab. Rechts übrigens völlig unpolitisch gemeint.
Ferner müssen Gewalttäter besser in die Gesellschaft integriert werden. Ein erster Ansatz dazu: Die Redaktion der ZEIT komplett durch Serienmörder ersetzen. Ich biete mich übrigens freiweillig an, bei der Neubesetzung der Redaktion zu helfen.
Die Abschaffung der Polizei ist dann nur folgerichtig – und auch in doppelter Hinsicht gut: Mit dem gesparten Geld können wir verarmten Gewalttätern dabei helfen, Munition für ihre Kalashnikovs, Uzis und Mac-10s zu bekommen. Die freigewordenen Polizisten dürften sich außerdem gut bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr machen. Gute Wechselwirkung: Auch diese Leute können nach ihrer Rückkehr – hoffetntlich schwer traumatisiert – dabei helfen, die pazifistische Gesellschaft zu überwinden.
Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Schuld an ihm sind wie üblich alle, außer diejenigen, die kriminell sind. Schuld sind die Bürger, die Politiker, die Polizisten; kurzum: all jene, die es nicht schnell genug geschafft haben, sich zu einer verfolgten Minderheit mit besonderem Schutzbedürfnis zu erklären.
9. August, 2010

Eben noch Erschiessungskommando, jetzt nur noch stumme Anklage
Nordzypern – ein vergessenes Kleinod im Mittelmeer. Ich bin nun beileibe kein Experte in bezug auf die Nordzypernfrage, im Gegenteil: Ich habe bewußt darauf verzichtet, mir Fakten dazu anzulesen, bevor ich meine absolut feststehende Meinung bildete. Das habe ich aus anderen Konflikten so gelernt, und außerdem: Muß man nicht gerade als Deutscher auch ein Recht haben, die Nordzypernfrage anzusprechen? Klar, die türkisch kontrollierten Medien (hürriyet – Springer!) wollen uns einreden, daß man das Nordzypernthema nicht zu diskutieren habe. Aber dennoch ist dieses Freiluft-KZ direkt vor unseren Augen!
264.172 Menschen leben seit 1974 konstant unter der Gewalt der türkischen Armee, die konsequent eine Zweistaatenlösug verhindert. Und Europa guckt zu, nur weil es dort angeblich freie Wahlen gibt; in Wirklichkeit natürlich alle fingiert. Die türkische Gestapo greift hier mit der Härte der SS-Einsatzgruppen durch und frißt täglich kleine Kinder! Dazu habe ich selbst mit Photoshop einige Beweisbilder erstellt.
Daher sollte nun ein Hilfskonvoi bereitgestellt werden, der diese unerträgliche und von der internationalen Gemeinschaft längst als völkerrechtswidrig erkannte Besatzung durchbrechen wird. Wir werden alles geben: Abgelaufene Medikamente, Winterkleidung und Skiausrüstung. Außerdem Glühbirnen über 60 Watt, die werden dort besonders benötigt, wie mir eine Stimme in meinem Kopf zuflüsterte, die komischerweise sehr starke Ähnlichkeit mit der Jürgen Trittins hatte.
Denn gerade wir als Deutsche müssen wissen, wie es sich auf Nordzypern lebt!