Es ist ein Thema, das mich seit längerer Zeit beschäftigt. Egal, welches Buch ich aufschlage, überall wird gesagt, man solle Hemden mit Umschlagmanschette nur zum Anzug und nur mit Krawatte tragen. Die Begründung ist meist, daß ein solches Hemd ansonsten zu formell sei und somit nicht zum lockeren Aufzug mit Sportsakko passe.
Ich habe das auch stets weitergegeben, ohne mir darüber Gedanken zu machen. Aber irgendwann fragte ich mich dann schon: wieso eigentlich? Und ich habe mir mal angesehen, wie so ein Hemd eigentlich ohne Krawatte aussieht. Und wissen Sie was? Ich finde, es sieht überhaupt nicht übertrieben aus. Denn unterhalb eines Sakkoärmels hat die Umschlagmanschette einen entscheidenden Vorteil: Sie bleibt stets an der richtigen Stelle, so daß das Hemd eben nicht unter das Sakko rutscht. Es müßte also eigentlich umgekehrt sein: Unter ein Sakko gehört immer ein Hemd mit Umschlagmanschette, egal ob das Sakko nun Teil eines Anzugs ist oder Teil einer lockeren Kombination.
Und ohne Sakko? Sieht es denn dann wenigstens übertrieben aus? Ich finde nicht. Selbst wenn die funktionale Grund wegfällt, sieht der Gesamtauftritt etwas edler aus, aber ich vermag einfach nicht zu erkennen, worin der große Stilbruch bestehen soll. Gut, die Mischung aus Button-Down-Kragen und Umschlagmanschette wäre sicherlich unsinnig. Und ja, das sieht in meinen Augen wirklich merkwürdig aus. Aber auch meine letztens anprobierte Kombination aus dunkelblauer Rock&Republic-Jeans und rotem Hemd mit dunkelblauen Linienmuster und Umschlagmanschette gefiel mir ausgesprochen gut. Kein Stilbruch, aber schon ein Spiel mit den verschiedenen Stilrichtungen: Eine Jeans, aber deutlich edler aussehend als üblich, dafür ein Hemd mit Umschlagmanschette, dessen Design aber eher rustikal wirkt. Es wirkte stimmig.
Natürlich ist die entscheidende Frage, welche Art von Manschettenknöpfen der jeweiligen Situation angemessen sind. Da sollte man natürlich unterscheiden: Die brillantbesetzten Knöpfe aus Platin passen natürlich nicht zu einem braunen Sakko im Jagdstil. Die Platzhalterknöpfe aus Stoff wiederum passen nicht zum Anzug.
Je länger ich aber über das Thema nachdenke, umso weniger verstehe ich, warum Umschlagmanschetten ohne Krawatte so verpönt sind. Vielleicht übersehe ich etwas?

18. August, 2010 at 17:06
Nein, Sie übersehen überhaupt gar nichts! Ich bin für mehr Männer mit “sichtbare” Umschlagmanschetten. Das sieht einfach nur gut aus und keineswegs übertrieben. (Lassen wir die brillantbesetzten Knöpfe aus Platin aus dem Spiel…)
18. August, 2010 at 17:10
Es wundert mich nur, daß Rötzel und Co. allesamt diese wunderbare Manschettenform ausschließlich der formalen Kleidung vorbehalten.
Ich würde nun gerne verstehen, warum konkret das schlecht aussehen soll.
Denn ich bin ja Ihrer Meinung: Es sieht gut aus, selbst zu Jeans.
18. August, 2010 at 22:39
Menschen hangeln sich gerne an allgemein gültigen Dingen entlang. Das ist ja auch völlig ok, insbesondere in der Mode, ansonsten gäbe es ja das völlige Chaos.
In der Herrenmode geht es da ja noch verhälnismäßig entspannt zu, weil viele Dinge seit 100 Jahren sind, wie sie sind. Es geht ja immer nur um Nuancen. Da verändern sich Kragenformen, Krawattenknoten und Kopfbedeckungen. Trotzdem würde man auch in Großvaters Rock noch ordentlich angezogen daherkommen.
Da sind die Damen viel ungesegneter.
PS: Wenn man die Übergangsknöpfe in den Umschlagmanschetten lässt, passen die zu jeder Hose (außer zu, zugegeben, kurzen). Auf Sylt gehen übrigens auch Brillantenplatinmanschettenknöpfe ohne Krawatte. (Böse Zungen behaupten: ohne überhaupt alles, nur mit Manschetten und Ledermaske, aber das ist nicht so meine Szene.)
18. August, 2010 at 23:10
Wie Sie wissen, lieber GP, war ich schon immer ein Verfechter von Umschlagmanschetten zum Hemd ohne Krawatte – allerdings finde ich Platzhalterknöpfe aus Stoff grundsätzlich unterirdisch. Das ist wie das Label am Ärmel lassen (falls eins vorhanden ist).
19. August, 2010 at 00:38
Nur Umschlagmanschette sieht gut aus. Auch zu meinem pinken Pulli. An mir.
Und an Ihnen an meiner Seite auch.
(Und auch so. Finde uns zusammen aber grundsätzlich besser.)
19. August, 2010 at 10:51
Ich find die Dinger auch nicht doll, aber machen wir uns nichts vor: Zu einem Freizeitlook passen die halt eher als zu feine Manschettenknöpfe.
Label aus dem Ärmel lassen ist ja das Gegenteil: Damit möchte man quasi den Aufzug durch die Marke aufwerten. Die Stoffknöpfe hingegen lassen es etwas nach Understatement aussehen.
19. August, 2010 at 10:52
Ja, jedes Outfit kann durch entsprechende Begleitung aufgewertet werden.
19. August, 2010 at 10:53
Das wären dann aber Ledermanschetten. Damit wäre man in Ihrem Lieblingsclub vermutlich ganz gut aufgehoben, in Geschäftskreisen vielleicht eher nicht so. Ich werd das mal ausprobieren.
19. August, 2010 at 18:11
Vorallem zur Jeans. Ich mag Männer in Jeans.
(Ich sollte dazu sagen, dass meinem Namen ein anteiliges “tiane” fehlt)
19. August, 2010 at 19:55
Ach, wir sind hier alle liberal. Ob nun ein Chris oder eine Christiane auf Kerle in Jeans steht, ist uns egal. Solange Chris nicht auf Typen in Kurzarmhemden steht…
20. August, 2010 at 11:22
niemals, es gibt grenzen die nicht überschritten werden sollen.
22. August, 2010 at 09:44
Ich finde auch, daß diese Hemden ohne Krawatte getragen werden können.
Eine meiner Lieblingskombinationen ist:
- Weißes Brooks Brother Hemd mit normalen Kragen oder CT Sea Island Hemd mit Umschlagmanschette
- Boss Jeans
- Emporio Armani Sport Sakko in Dunkelblau – dieses merkwürdige Armani Woll-Kunstfasergewebe
- Schwarze Chucka Boots
- Schwarze Ex II
23. August, 2010 at 09:44
Sie wissen ja, daß ich ein großer Freund des Mischgewebes bei Armani bin – spätestens seit der Vielfliegerei damals Anfang 2000.
Bei der angesprochenen Kombination frage ich mich allerdings, ob das nicht zu viel blau ist: Blaue Jeans, blaues Sakko? Andererseits: Nee. Ich trag ja auch Blazer zu Jeans, das ist ja letztlich die von Ihnen beschriebene Kombination.
Die ExII hingegen mag ich nicht mehr. Und zwar nicht, weil ich die Uhr hässlich fände – gegen eine Ex II läßt sich ja überhaupt nichts sagen. Aber sie ist einfach zu sehr Standard geworden. Ob nun in rot/schwarz, blau/schwarz oder eben schwarz: man sieht sie gefühlt an 100% aller Handgelenke von Immobilienmaklern. Leider.
Und natürlich ist es unsinnig, etwas nicht zu mögen, nur weil es die falschen Fans hat. Aber das geht mir beispielsweise seit gestern mit dem HSV auch so…
23. August, 2010 at 11:35
Ist es verpönt? Das fände ich äußerst schade, ich trage ausschließlich Hemden mit Umschlagmanschette und habe darauf noch nie ein Sakko getragen. Am besten sieht das ganze mit einem dünnen schwarzen feinstrick-Pullover drüber aus. Hemd natürlich weiß. Dann kann man auch wirklich jede dunkle Jeans drauf anziehen. Wiederholt man die weißen Akzente, die Kragen und Manschetten bilden, zum Outfit-Abschluss nochmal durch weiße Schuhe steht stilvoll begangener Freizeit nichts mehr im Wege.
Nur Manschettenknöpfe habe ich noch keine perfekten gefunden. Entweder Sie sind so schwer das sie einem die Ärmel weiten und ständig irgendwo gegen schlagen (je nachdem wie wild die geplante Freizeitaktivität ist.) oder sie sind hässlich. Glaube da muss ich mich nochmal drum kümmern…
Für den Sommer gibt es auch Kragen und Manschetten einzeln, zum ansetzen. Drunter dann nackt.
23. August, 2010 at 11:53
Weiße Schuhe? Das erinnert mich daran, daß ich mir unbedingt zweifarbige Schnürschuhe kaufen wollte. Für die Freizeit-Outfits.
Muß ich wohl bald mal wieder zu diesem Laden da…
29. August, 2010 at 15:25
Sehr geehrter Herr GP,
was die Passform und die Knittereigenschaften angeht, ist dieses Armani-Gewebe wirklich hervorragend. Ich kann Ihnen nur zustimmen.
Ich befürchte, Sie verwechseln die EX II mit der GMT Master. Diese ist leider wirklich an mittlerweile jedem selbsternannten Kosmopoliten mit fragwürdiger Ausbildung zu sehen. Eventuell sollte man diese Menschen darauf hinweisen, daß man für Mallorca keine zweite Zeitzone benötigt. Die EX II hat keine farbige Lunette, sondern Edelstahl mit Sonnenschliff. Aber es stimmt schon – ein jeder Depp trägt heute Rolex. Schlimmeres gibt es eigentlich nur bei Panerai.
Viele Grüße, RWI
30. August, 2010 at 10:01
Sie haben vollkommen recht: Ich habe die GMT-Master im Kopf gehabt. Für die gilt das oben Gesagte: Großartige Uhr, aber leider zu oft am falschen Handgelenk.
Die Explorer sehe ich tatsächlich seltener. Allerdings sehe ich meine Lieblingsuhr nicht besonders häufig in der Öffentlichkeit. Und das ist ebenfalls eine Rolex: Die Daytona.
Panerai kommt mir nicht ins Haus. Wenn ich ein ETA-Werk will, kann ich gleich ne Omega kaufen.
30. August, 2010 at 13:29
Habe mich auch von dieser “Vorschrift” befreit und trage mit Vergnügen Umschlagmanschette mit und ohne Pullover und Krawatte.
30. August, 2010 at 14:28
Und letztlich ist das auch nur folgerichtig. Ich hab dazu ein wenig nachgedacht:
Früher war diese Regel sinnvoll, da man Krawatten eigentlich eh immer dann trug, wenn der Anlaß kein völlig lockerer war. Und zu der damaligen Zeit hätte es vielleicht wirklich deplaziert gewirkt.
So, wie ich auch heute noch finde, daß ein Einstecktuch im Sakko eigentlich auch eine Krawatte erfordert, aber auch da beginne ich, meine Meinung zu überdenken.