Junggesellenabschied: Einkehr im Gasthaus

Junggesellenabschied: Einkehr im Gasthaus

In den letzten Wochen habe ich nun diverse Hochzeiten hinter mich gebracht. Hochzeiten von einigen meiner besten Freunde. Darunter Menschen, die mir so nahestehen, daß ich mit ihnen bereits früher über das Thema gesprochen hatte. Was wollten wir nicht alles anders machen bei unserer Hochzeit. Ganz hoch im Kurs stand dabei die elegante Feier mit Smokingpflicht im Molotow bei entspannendem Punk. Oder die Junggesellenabschiede, die mit Kettenfahrzeugen auf dem Truppenübungsplatz beginnen und auf der Polizeiwache enden sollten. Oder die Variante im „Canadian Tuxedo”. Alles gute Ideen.

Aber sobald man tatsächlich über diese hoffentlich nur einmal im Leben stattfindende Feier nachdenken muß, stellt man wohl fest, daß man nicht der einzige ist, der da ein Wörtchen mitzureden hat.

So habe ich also drei sehr unterschiedliche Hochzeiten erlebt, die aber eines gemeinsam hatten: Sie waren weit von dem entfernt, was wir uns damals vorgestellt hatten.

Es gab eine einfache, aber schöne Feier mit Menschen aus so unterschiedlichen Städten wie Hongkong, Paris, Kuhkaff in Niedersachsen, New York und Peking. Diese dauerte nicht besonders lang, ich kannte kaum jemanden, unterhielt mich mit ein paar eher einfacheren Menschen und hatte das Gefühl, eine gute, aber nicht umwerfende Feier miterlebt zu haben.

Dann war da die elegante Feier in Hamburg. Smokings überall, Ballkleider, aber auch natürlich ein paar Leute, die einfach keine Ahnung haben, was festlich aussieht und was nicht. Tip: Der beigefarbene Anzug nebst weißem Button-Down-Hemd eher nicht. Diese Party krankte zwar auch an der Musik, aber immerhin war ich mit meiner Schwester da und es gab Gin Tonic.

Und dann war da die Feier in Hessen. Machen wir uns nichts vor: In gewisser Weise war das die beste Feier: Ich saß einem netten Pärchen gegenüber, der eine Lehrer, der andere Berater. Beide Zyniker. Neben mir eine ebenso witzige wie schöne Exfreundin des Bräutigams. In dieser Konstellation kommentierten wir die lustigen Hochzeitsspiele, die lieben Kinder mit ihren unschuldigen Spielen, das leckere Fett mit Fleischrand, die nett-naive Studentin, die Musiktherapie für Haustiere anbieten wollte. Wir verstanden uns derartig intuitiv, daß wir völlig selbstverständlich gemeinsam zum Photographen gingen, als es um die Pärchenbilder ging, daß wir wie selbstverständlich darüber stritten, wer denn nun mit wem auf ein Photo dürfe. Drei Männer, die sich gegenseitig im Herumtucken überboten und eine Dame, die zickte, als gäbe es kein Morgen.

Ich traf einen ehemaligen besten Freund wieder, der überraschenderweise von Arschloch zurück auf netter Kerl gewechselt hat, ich traf eine Jugendliebe wieder, der das Alter (noch) schlechter mitspielte als mir. Ich traf den ehemaligen Starathleten der Schule, der mittlerweile als Helmut Kohls Figurdouble fungieren könnte. Kurzum: Ich habe die Hochzeit genossen, weil mich auwertete, indem ich über andere Menschen lästerte. Es ist kein besonders erhebender Gedanke. Und als Beruhigung mir einzureden, daß das ja nahezu alle Menschen tun, reicht mir einfach nicht aus. Bin ich wirklich so? Reicht es mir aus, mich mit einer kleinen Lästergruppe zurückzuziehen und über Menschen zu lachen, nur weil sie vielleicht nicht so schick angezogen sind wie ich? Weil sie nicht dieselben Umgangsformen haben? Weil sie nicht so zynisch sind? Weil ihr Lebensentwurf anders ist als meiner (und vermutlich sogar noch besser)?

Ja. Leider.

All diese Erfahrungen zeigen mir nur eines: Wenn ICH mal heirate, dann mach ich alles ganz anders. Ganz bestimmt. Und damit ich das bald beweisen kann, rufe ich jetzt erstmal diese Frau an. Ach nee. Die kann wird eh wieder nicht rangehen. Im Kofferraum gibts nämlich kein Netz.