Ach, von innen isses doch gar nicht so schlecht?

Ach, von innen isses doch gar nicht so schlecht?

„Sie hat die Niedlichkeit eines jungen Wolfs” plärrt Sven Regener durch die Boxen meines Wagens, während ich ins Heim fahre, um mich von einem langen Wochenende zu erholen. Obwohl ich gerade im Moment lieber noch den gerade vergangenen Moment konserviert hätte, aber das führt ja zu nichts, also nach Hause, ins Bett, abschalten, vorbereiten auf den Alltag.

Und dann mit offenen Augen herumliegen. Sinnlos durch das Fernsehprogramm schalten. „Ghost Rider” habe ich noch aufgenommen. Mal angucken? Nicolas Cage spielt ja in einem Trashfilm? Boah, ist das langweilig. Telefon in die Hand nehmen. Sinnlosen Unfug schreiben.

Dabei begann das alles ganz harmlos, wie es das eben meist so tut. Nämlich zwei Tage zuvor mit einem gepflegten, frischen, gezapften Pils in einem heruntergekommenen griechischen Lokal. Und in einer verrauchten Bar direkt daneben, dann allerdings schon mit Astra aus der Flasche und Schnaps. Ich ruiniere meinen Mantel diesmal gleich zu Beginn des Abends, damit ich ihn wenigstens nicht völlig zerstöre, wenn ich später betrunken bin.

Der Höhepunkt des Abends ist sicherlich der Besuch einer schäbigen Karaokebar auf dem Kiez. Vor allem deswegen, weil mich irgendwann S. in eine Diskussion mit zwei grünohrigen Araberjungens verstrickt vorfindet – ich glaube, ich erkläre ihnen gerade, was ich von ihrem vorher getätigten Satz „ich hasse Juden” halte – und allein durch Präsenz Schlimmeres verhindert.

Daraufhin beschließe ich, den Abend zu beenden, schließlich kann es insgesamt gar nicht viel besser werden. Und am darauffolgenden Tag will ich ja unbedingt noch Touristenführer spielen. Beim Spaziergang durch die Schanze erblicken wir übrigens diesen wundervoll kreativen Plattenbau, stellen uns die Unterhaltung zwischen kurzarmhemdentragenden Innenarchitekten und rollkragenpulloverbewehrten Agenturinhaber vor.

Und dann höre ich ja noch Menschen beim Lesen zu.