Freitag. Es ist später Nachmittag. Zeit, das Büro zu verlassen und ins Wochenende zu verschwinden. Da ich noch Besuch bekomme, außerdem zum Schnitzelessen verabredet bin, halte ich 1600h für den spätestmöglichen Zeitpunkt, die Kollegen alleine zu lassen. Mit ihren aufgeschnittenen Kehlen, den herausgetrennten Nieren, den liebevoll auf unserem Büroweihnachtsbaum verteilten Därmen werden sie wohl kaum noch Unsinn anrichten können.
„Kommen Sie doch noch mal eben in mein Büro,” höre ich noch, kurz bevor ich die entscheidende Ecke hinter mich gebracht habe, es ist der Chef, der zwar nicht bemerkt hat, wie ich seine gesamte Belegschaft unter Absingen furchtbarer Weihnachtslieder rituell geschlachtet habe, der aber durchaus weiß, daß ich gerade im Begriff bin, meine Produktivität auf 0 zu senken. Um mich daran zu hindern ist ihm kein Mittel zu fies: Er knallt mir eine 150-seitige Ausarbeitung auf den Tisch und erkläutert mir in Ruhe, welche Probleme er da so sehe. Ich nicke verständnisvoll, so wie ich das ja ganz gut kann, wenn mein Hirn auf Durchzug gestellt ist, sage ab und an „ja”, dann wieder „das sehe ich anders, aber es ist natürlich Ihre Entscheidung”, also all die Vokabeln, die man als Berater so draufhaben muß, um ohne als Jasager zu gelten mit geringstmöglichen Aufwand durchs Berufsleben gehen zu können.
Ich sage daher auch gerne zu, den gesamten Text am Wochenende in Ruhe zu analysieren, wohlwissend, daß ich am Montagmorgen auf dem Weg zur Arbeit mein „OK” auf die erste Seite kritzeln werde, ohne auch nur eine Ahnung davon zu haben, was genau eigentlich für dieses Projekt getan werden sollte.
Im Hinausgehen kommen mir zwei weihnachtlich bekleidete Sekretärinnen entgegen, denen ich schnell und ohne große Begeisterung die Köpfe vom Hals trenne, damit sie nicht anfangen können, ihre bescheuerten Gedichte aufzusagen; schon bin ich am Fahrstuhl, im Auto, zuhause.
Ich öffne die Tür und plärre meinen Mitbewohner an: „Hände vom Sack!”
Dann erst sehe ich neben ihm die Dame, die sich fürs Wochenende angekündigt hat.
(Fortsetzung folgt)

30. November, 2010 at 22:15
Aus persönlicher Erfahrung sage ich bzgl. diesen Weihnachtsdress für Frauen… AUFPASSEN.
Mit dem Köpfe abtrennen, haben Sie wirklich das Schlimmste verhindert.
30. November, 2010 at 23:16
Geht irgendwie in Richtung FSK 12…
Aber den Bunny´s die Zöpfe abtrennen? Bah!
1. Dezember, 2010 at 06:31
Auf Grund der Kommentare würde ich die Seite eher als ab 18 einstufen. Durch mangelnde und verkorkste Grammatikkenntnisse könnten Kinder und Jugendliche sozialethisch desorientiert werden.
Aber die Frage ist nicht ganz unberechtigt, warum weihnachtlich bekleideten Damen den Kopf abschlagen? Mir fallen da noch gang andere Dinge ein … Und jetzt wird’s wirklich ab 18 :)
1. Dezember, 2010 at 08:15
@ Nils
Ihnen fallen da noch gang andere Dinge ein?
Da wird einem ja gang bang!
So, jetzt wird es echt ab 18…
2. Dezember, 2010 at 12:50
MiM: Ich glaube auch. Zwar wachsen die stetig nach, wie wir das aus der Sagenwelt ja kennen, aber temporär wirkt die Enthauptung schon.
Nils: Ich hätte es nicht besser auf den Punkt bringen können. FSK 18, oder besser 21, erscheinen hier definitiv angebracht.
RWI / Nils: Ich möchte Sie beide darum bitten, Ihrer Phantasie freien Lauf zu lassen. Wir sind ja hier unter uns.