„Wer braucht denn nun dieses neue Twitter?” „Oh Mann, sieht das neue Facebook schwul (n.d.d.e.z.s.w.) aus!” – Die Reaktionen auf veränderte Websites sind immer dieselben. Es brauche keiner, es sei unübersichtlich, es sehe doof aus, es sei überladen. Die meisten Menschen reagieren exakt so auf Änderungen. Sie sind im Herzen konservativ, ohne daß sie sich jemals so bezeichnen ließen. Es scheint, als sei diese Art so tief in uns verwurzelt, daß selbst diejenigen sich gegen Neuerungen in sozialen Netzen wehren, die ansonsten nur Verachtung übrig haben für alte Politiker, die das Internet nicht verstanden haben.
Nun ist selbstverständlich nicht jede Neuerung automatisch gut. Oder sinnvoll. Nur: Unsere erste, intuitive Reaktion, daß eben das, was wir kennen, besser ist als das, was neu ist, muß auch nicht automatisch richtig sein. Gerade bei Websites ist sie fast immer falsch. Ist nun Facebook unbrauchbar, weil das Profil neu aufgebaut wurde? Kann nicht mehr getwittert werden, weil die Website neu gestaltet wurde und viel mehr Funktionen als vorher bietet? Erinnern wir uns: Die Twitter-Website hat kein Mensch mehr benutzt. Es gibt für jedes Betriebssystem mittlerweile ausreichend Twitterclients, so daß wirklich nur diejenigen von der Website aus twitterten, die ganz neu anfingen. Mittlerweile bin ich häufiger auf der Twitter-Website. Warum auch nicht? Die Listenfunktion wird mir dort sehr gut angezeigt, die Site zeigt mir an, wenn neue Tweets da sind, Unterhaltungen kann ich gut darüber verfolgen. Ebenso die Verwaltung der Follower.
Nun, ist die Twitter-Website also perfekt? Natürlich nicht. Gerade beim Einbauen neuer Funktionen werden immer Fehler gemacht. Das ist fürchterlich normal. Und genau da sollte die Kritik auch ansetzen. Was genau soll verbessert werden? Wo ist die Benutzerführung zu kompliziert? Welche Knöpfe gehören umpositioniert?
Die Reaktionen aber, die man – meist auch noch besonders lustig formuliert – in den sozialen Netzen lesen kann, sind einfach erzkonservativ und fortschrittsfeindlich. Zum Glück hört kein Mensch auf das Gemecker. Ansonsten wären wir nämlich immer noch bei Windows 3.11 („Ein Start-Knopf zum Beenden? Lol”), bei Mac OS 9 („der Unix-Unterbau ist miserabel integriert und die Objektorientierung ist nur noch simuliert”) oder gleich beim C64, denn wie wir alle wissen, war früher ja alles besser ™.
Und nun hören Sie bitte auf zu meckern, gucken sich die Verbesserungen Ihrer Lieblingswebsites an und beginnen mit konstruktiver Kritik! Danke.



8. Dezember, 2010 at 21:10
Exakt so. :)
Dazu auch ein Zitat des österreichischen Kabarettisten Gunkl: “Wer seine Umwelt mit der Behauptung, früher wäre alles besser gewesen, penetriert, sollte darauf achten, dass er die Nummer ‘Wir haben ja damals nichts gehabt!’ nicht im selben Atemzug bringt.”
9. Dezember, 2010 at 07:08
Genau so ist es.
Gerade bei Facebook stelle ich das immer wieder fest und jedes Mal, wenn irgendwas geändert wurde, wurden Gruppen gegründet:”If we have 1.000.000 members, Facebook will bring the old layout back”.
Klar…
Because Facebook cares. So much…
Aber schöne Biler haben Sie da gepostet… Wie hatten Sie Zugang zu meinen Geräten???
9. Dezember, 2010 at 11:15
Grundsätzlich geb ich Ihnen völlig Recht. Facebook allerdings unterstelle ich ebenso grundsätzlich, mit jeder Neuerung eine weitere Datenverknüpfung einzubauen, die es mir schwerer macht, die Kontrolle (also das bisschen, was ich habe) zu behalten.
Ansonsten bin ich aber viel zu neugierig und würde es auch elend langweilig finden, wenn sich Designs und Anwendungsplattformen nicht ändern würden.
Bei Twitter hab ich allerdings wieder zurückgeschaltet, weil Twitter sich m.E. leider an den falschen Dingen guter Clients orientiert hat. Aber wenn ich sowas mache, dann weniger mit dem Handrücken an der Stirn und Streichern im Hintergrund als vielmehr mit einem Schulterzucken.
9. Dezember, 2010 at 11:56
Komisch. Das sagen unsere Kunden und Partner auch immer, wenn wir eine neue Softwareversion releasen. #Hersteller-Content
9. Dezember, 2010 at 12:09
Andreas: Da hat er recht, der Herr Geheimrat Gunkl. Ein weiser Mann.
Feli: Ich habe mir erlaubt, Ihnen einen kleinen Virus auf den Rechner zu spielen, der mir stets aktuelle Screenshots schickt. Was dachten Sie denn?
Ramses101: Wir sind ja einer Meinung. Wie ich ja schon schrieb, sind nicht immer alle Änderungen automatisch auch gut. Ich glaube nur, daß sehr viele Menschen automatisch und unreflektiert der in uns verwurzelten Angst vor Neuerungen nach. Sie bemerken dann einfach gar nicht, daß dies keine logische Schlußfolgerung, sondern ein angeborener Reflex ist.
Guest68: Und wer von Ihren Kunden / Partnern reagiert da anders? Na? Hm? Eben. Genau…
9. Dezember, 2010 at 16:01
Früher war alles besser, sogar die Zukunft!
9. Dezember, 2010 at 20:09
Ach wissen Sie, ich dachte gar nicht.
10. Dezember, 2010 at 12:12
:-)
Ein Artikel zum abnicken! Und bei der neuen Twitter Oberfläche durfte ich mit meinem eigenen, unterschwelligen Konservativismus konfrontiert sehen.
Btw, lieber Germanpsycho: Früher waren Ihrer Artikel auch nicht besser!
10. Dezember, 2010 at 12:26
Ach, Herr Hugo, Sie haben ja so recht. Andererseits: Die Zukunft ist auch nicht mehr das, was sie mal war.
Darth: Ich muß mir noch mal ein paar Gedanken machen. Die meisten Menschen, die ich kenne, lehnen Neuerungen instinktiv zunächst ab, bis sie für sich einen Nutzen entdecken.
Aber dann gibt es die Spielkinder (Leute wie ich), die alle Neuerungen automatisch erstmal interessant finden.
In beiden Fällen muß man mit Überlegung gegen den Instinkt ankämpfen.
15. Dezember, 2010 at 20:44
Also aus meiner Sicht sind wir in den letzten beiden Jahren in Bezug auf Bedienerfreundlichkeit bei einem Wendepunkt angekommen. Mittlerweile scheint der Zwang bei Computeranwendungen, egal welcher Coleur, immer etwas neues und immer mehr zu bringen über den Prioritäten zugunsten der Bedienerfreundlichkeit zu stehen. Hier wird offensichtlich gerne gespart und lieber auf Beschwerden r.e.agiert, als von vorneherein eine passende Anwendung abzuliefern.
Um aus der MS-Welt, in der ich zuhause bin, Beispiele zu nennen, so war es ein grosser Schritt von Win 3.1 zu 95 und dann zu XP, was die Bedienung betrifft. Und danach? Bunter, vertrackter, unübersichtlicher, Hauptsache, alles wurde größer und Hardwareleistung wurde verbraten.
Gleiches gilt für Office XP, 2003, dann 2007 und jetzt 2010. Letztere Versionen bringen einen nur zum Fluchen, wenn man einen Menüpunkt sucht.
Ähnliches lässt sich bei Web-Anwendungen und -Seiten feststellen. Immer mehr, immer bunter, klar, geht, ja, denn die Bandbreiten werden immer größer und die Performance passt.
Allerdings werden dadurch auch viele Darstellungen und Schriften immer kleiner, was vor allem für ältere Augen sehr lästig sein kann. Und Benutzerfreundlichkeit? Probieren Sie mal die gleiche Web-Seite in verschiedenen Browsern und bei verschiedenen Bildschirmauflösungen aus. Unterschiede sind hier garantiert.
Auf der anderen Seite muss man aber auch sagen, da stimme ich Ihnen zu, dass die Benutzer auf Änderungen häufig intoleranter reagieren als früher.
Vielleicht war früher der Pioniergeist und dadurch die Lust auf Neues größer, als heute, wo wohl auch mittlerweile ein gewisses Anspruchsdenken herrscht, was Web-Anwendungen betrifft – was bei den zumeist kostenlosen Angeboten doch eher verwunderlich ist.
17. Dezember, 2010 at 13:56
Verbesserungen in Form von besserer Bedienbarkeit und Features für User sind ja okay. Aber Änderungen, bei der sich die längst beerdigte Privatsphäre im Grabe umdreht… Facebook ist für mich einfach No-Go! Mein Kommentar dazu:
http://latrinum.wordpress.com/2010/12/16/facebook-wird-namen-und-ruf-mal-wieder-gerecht/
21. Dezember, 2010 at 08:07
“Schlimmer als AIDS”…den Spruch habe ich das erste mal…ACHTUNG….ja, von Paris Hilton gehört…die Dame hatte sich eingesaut und gab anschl. genanntes Kommentar ab. Ich habe HIV und finde so einen Spruch absolut okay und kann mich darüber köstlich amüsieren…mein Bekannter hat dein Post gelesen und fande den Titel ganz schlimm….Ingrid Steeger finde schlimm…LG Björn
21. Dezember, 2010 at 11:42
Blogspargel: Ich glaube, das sieht jede Generation ab einem bestimmten Punkt so. Ich behaupte, die meisten Menschen verlieren ab einem bestimmten Alter den Spaß daran, neue Dinge auszuprobieren.
Sie kennen doch die Leute, die immer herumplärren, wie unsinnig Blogs, Twitter et al ist. Und aus ihrer Warte heraus haben diese Leute auch recht: Das ist nichts mehr für sie. Und bei uns ist das eben auch nicht anders. Neuerungen werden eben ab jetzt immer erst einmal skeptisch beäugt.
Gerade Windows ist ja ein gutes Beispiel: Was wurde Windows 95 belächelt. Und? Wenn wir uns das Bedienkonzept ansehen, das damals eingeführt wurde, so kommen wir nicht umhin, zuzugestehen, daß es dem von 3.11 überlegen war. Und jetzt mit Windows 7 ist das erste Windows draußen, das sogar mich als Mac-Anwender nicht abschreckt.
Office: Für Neuanwender ist es viel einfacher, sich in das Programm einzuarbeiten. Aber diejenigen, die die alten Versionen kennen, müssen umdenken.
Und so ist das bei den Websites doch auch.
21. Dezember, 2010 at 11:43
Björn: Das zeigt, daß Sie meinen Artikel gelesen und verstanden haben und Ihr Bekannter nicht.
Was allerdings irgendwie auch nicht sein kann. Sonst würden Sie mich ja nicht duzen.
21. Dezember, 2010 at 11:45
Boah, fühle ich mich plötzlich alt…
21. Dezember, 2010 at 11:47
Vermutlich ist es nur Ihr geistiges Alter. ;-P
21. Dezember, 2010 at 11:56
So weit ist es also schon: Man verweigert sich (übrigens ausschließlich!) Facebook und ist damit mit einem Bein im Nirvana des Web 2.0 (oder sind wir schon bei 3.0?). Himmel! 8O
21. Dezember, 2010 at 12:05
Ach was :)