Vorbildlich: DIE PARTEI

Vorbildlich: DIE PARTEI

„Wer Citymaut will, muß Rot-Grün wählen” steht auf dem Wahlplakat der CDU in Hamburg, und natürlich ist das auch irgendwie korrekt. Bei den Grünen hingegen behilft man sich mit der aussagekräftigen Parole „Hamburg – Deine Stadt” (und ich frage mich schon wieder, warum die mich unaufgefordert duzen). Die FDP hingegen setzt auf das esoterisch anmutende „Positiv denken, positiv handeln”. Und die SPD wirbt mit einem Olaf Scholz nach erfolgreicher Photoshopdiät und ebenfalls weitestgehend aussagelos.

Also zusammengefaßt: Entweder, wir sagen überhaupt nichts Politisches mehr, oder wir zeigen das auf, was die anderen schlecht machen. Keine einzige Partei wirbt mit echten Inhalten. Also mit dem, was die Politik eigentlich ausmachen sollte: Gestaltung. Wir vermeiden tunlichst, uns angreifbar zu machen. Jedesmal, wenn jemand eine Idee präsentiert, einen Vorschlag macht, FÜR etwas eintritt, handelt er riskant. Viel einfacher haben es doch die Bedenkenträger, die, genüsslich an ihrer Intellektuellenpfeife nuckelnd, ihre Augenbrauen hochziehen, und betont langsam darüber referieren, daß der Vorschlag „nicht komplett durchdacht”, „nicht differenziert genug” oder „keinesfalls spruchreif” sei. Und werden dafür nicht etwa geteert und gefedert aus der Stadt / aus dem Besprechungsraum gejagt, sondern auch noch beglückwünscht für ihre Weisheit.

Wissen Sie, liebe Bedenkenträger, Sie können mich mal! Kreuzweise. In jeder Besprechung erlebe ich Sie. Alte Männer, die nur noch Risiken vermeiden wollen. Leute ohne Kreativität, die nur eines können: anderen Menschen ihre Kreativität zu zerstören. Natürlich ist keine neue Idee jemals zu 100% durchdacht, bevor sie geäußert wird. Im Gegenteil: Es sollte doch so laufen, daß eine neue Idee unfertig formuliert wird und dann mit Enthusiasmus gemeinsam zu einem Plan verarbeitet wird.

Aber so, wie ich diese Penner in Besprechungen erlebe, wenn mal wieder ein neues Konzept zerredet wird, um bloß nichts tun zu müssen, so ist es eben auch in der Politik. Jeder, der etwas tun möchte, macht sich angreifbar. Jeder, der vorsichtig darüber spricht, daß es eventuell ein paar Dinge gebe, die man positiv verändern könne, wird von den Berufsbedenkenträgern in der Luft zerrissen – und den Wählern gefällts! Viel klüger erscheint ja der, der sich negativ über Projekte äußert. Ein gutes Beispiel war die Agenda 2010. Von der wir heute merken, wie wichtig sie für Deutschland war. Die meßbare Erfolge erzielte. Die dafür sorgte, daß Deutschland als eines der ganz wenigen Länder eher gestärkt aus der Krise hervorging.

Nein. Viel mehr Zuspruch erhalten diejenigen, die sich jetzt die negativen Seiten vornehmen. Die von Anfang an immer schon wußten, daß das alles so nicht funktioniere. Und die, wären sie damals an der Regierung gewesen, dafür gesorgt hätten, daß unser Land keine Veränderungen erlebt. Und die eine Wirtschaftskrise dann als angenehme Entschuldigung dafür hergenommen hätten, wenn alles zusammengebrochen wäre.

Aber es sind nicht nur die Politiker – letztlich erstellen die ihre Wahlwerbung so, daß sie möglichst gut ankommt. Wenn wir alle uns also ein bißchen weniger in unserem destruktiven Zynismus wälzten und auch einmal neue Ideen nicht sofort zerredeten, dann wären vielleicht irgendwann auch unsere Politiker mal wieder das, was sie eigentlich sein sollten: Gestalter statt Verwalter.