Die meisten Stilexperten raten beim Krawattenknoten zum Four-in-Hand. Gerade so, als sollte man sich nur einen einzigen Knoten merken und den zu allen Anlässen tragen.
Wieo eigentlich? Wieso verwenden wir Zeit darauf, die Schuhe passend zum Gürtel (oder umgekehrt) auszuwählen, warum achten wir auf Farbe und Muster des Einstecktuchs, der Krawatte, des Hemdes – wenn wir dann beim Krawattenknoten immer nur denselben Knoten binden, den alle anderen auch benutzen? Und warum muß es ein Four-in-Hand sein?
Verstehen Sie mich nicht falsch – dieser Knoten ist überhaupt nicht verkehrt. Und ich selbst binde mir Krawatten auch häufig asymetrisch. Aber ist er der richtige Knoten für alle Anlässe?
Vergleichen wir ihn einmal mit dem Klassiker: dem doppelten Windsor. Der doppelte Windsor sieht symetrisch aus. In meinen Augen sieht das eleganter aus. Er sitzt auch fester – beim Four-in-Hand merke ich immer wieder, daß ich die Krawatte nach einem halben Arbeitstag wieder zurechtrücken muß. Der Windsor: bombensicher.
Wenn ich mich wirklich entscheiden müßte, den Rest meines Lebens nur noch einen einzigen Knoten binden zu dürfen – nun, ganz ehrlich: Ich bevorzugte den Windsor. Gerade, unaufdringlich, formschön.
Aber zum Glück müssen wir das nicht. Wir können variieren.
Zu festlichen Anlässen oder zu besonders wichtigen Terminen trage ich weiterhin mit Vorliebe den Windsor. Meine Faustformel: Trage ich ein weißes Hemd, wähle ich den eleganteren Windsor. Trage ich ein gemustertes Hemd, wähle ich den lockeren, moderneren Four-in-Hand. Bei allem dazwischen kommt es auf den Gesamteindruck an – je eleganter ich erscheinen will, umso eher tendiere ich zum Windsor.
Wie sehen Sie das? Also diejenigen von Ihnen, die Krawatten tragen? Windsor? Four-in-Hand? Ein ganz anderer? Oder ist es völlig egal, weil sowieso keine Sau auf den Knoten achtet?

19. Januar, 2012 at 17:19
Eindeutig Windsor! Der sieht ordentlich aus und verrutscht kaum.
Beim Four-in-Hand denke ich immer, der Träger kann keinen ordentlichen Windsor binden, außerdem stört mich persönlich die Asymetrie…
19. Januar, 2012 at 17:21
Wie gesagt, ich finde den 4-in-Hand gar nicht so schlecht – zu einem Tweedsakko, beispielsweise. Aber generell bevorzuge ich auch den Windsor. Zu allen Anlässen, an denen ich ein einfarbiges Hemd trage.
19. Januar, 2012 at 17:21
Es kommt halt auf den Kragen an, und natürlich muss auch die Krawatte lang genug sein.
Ich persönlich mag den einfachen Windsor, der verbindet den Vorteil der Haltbarkeit mit einem passablen Aussehen bei den meisten Kragenformen.
Wobei ich hier “inna Fiama” schon dadurch auffalle, überhaupt Anzug und Krawatte zu tragen. Das ist aber ein anderes Thema.
19. Januar, 2012 at 17:22
Sehen Sie übrigens, kaum schreiben Sie was, prasseln die Postings. Es muss ja nicht immer Blut drin vorkommen.
19. Januar, 2012 at 17:26
Was mich überrascht bei den meisten „Stilexperten”: Die bezeichnen den doppelten Windsor häufig als zu breit. Ich habe nun viele Krawatten aus unterschiedlichen Jahrzehnten, also auch einige der breiteren, wie sie Anfang des Jahrtausends en vogue waren – selbst bei der breitesten Krawatte sieht der Windsor gar nicht zu dick aus. Vor allem nicht, da ich bei den meisten Hemden einen Cutaway-Kragen bevorzuge.
Daß die meisten Menschen in heutigen Unternehmen etwas komisch gucken, wenn man „grundlos” im Anzug herumläuft, kenne ich aus eigener Erfahrung. Habe daher beschlossen, AUSSCHLIESSLICH Anzüge zu tragen.
19. Januar, 2012 at 17:53
Ich bevorzuge ja den Henkersknoten. Bei mir selbst nehme ich allerdings lieber einen doppelten Windsor.
19. Januar, 2012 at 18:49
Halten Sie mich für spießig und altmodisch. Zwar mag der 4 in hand manchmal etwas leichter und lockerer auf das Publikum wirken, aber ich bevorzuge noch immer den doppelten Windsor.
Wie Sie selbst sagen, er hält was er verspricht. Er sitzt einfach.
19. Januar, 2012 at 18:57
Wobei ich notabene finde, daß der doppelte Windsor bei einem Sportsakko eher fehl am Platze wäre, weil er dazu zu formal wirkt.
Also nicht völlig fehl am Platze, aber ich bin eben doch froh, daß ich die Knoten abwechseln kann.
Interessant aber, daß hier in den Kommentaren der Trend klar zum Windsor geht, also ganz anders als bei den meisten Stilberatern. ich sag das wertfrei. Also halbwegs.
20. Januar, 2012 at 00:55
Krawatte?
Können der Herr keine Fliege binden? Ist wohl zu unkonformistisch, wie?
22. Januar, 2012 at 20:03
Auch wenn Sie mir Konformismus vorwerfen mögen – ich finde, Fliegenträger sehen immer etwas albern aus. Fliege geht eigentlich nur beim Smoking, oder wenn man höherer Beamter ist, dann aber geht es auch hoch bis zum Minister.
23. Januar, 2012 at 10:48
Mir fällt auf, Sie benutzen keine Kragenstäbchen. Gibt es dafür einen Grund?
Und ja, Fliegenträger kann man nicht ernst nehmen.
23. Januar, 2012 at 11:29
Ich gebe zu: Auch mir gefallen Fliegen ausschließlich zum Smoking / Frack. Ich muß immer an die Chemiker (und Riesenhuber) denken, die damals Fliege trugen, weil die Krawatte sonst im Weg gewesen wäre.
An sich aber würde ich Fliegen gerne mögen, da kaum noch ein Mensch sie trägt. Aber dazu wurde ich wohl in der falschen Zeit geboren.
Auf jeden Fall aber bin ich der Überzeugung: Jeder Mann sollte zumindest in der Lage sein, eine Fliege zu binden.
Edgar Hugo: Bei dem oberen Bild handelte es sich in der Tat um ein Versehen: Ich hatte die Kragenstäbchen vergessen. Üblicherweise verwende ich gerne Kragenstäbchen aus Metall, weil ich diese Form, wie man sie leider auch beim oberen Bild sieht, überhaupt nicht mag.
Das blaue Hemd hingegen hat Kragenstäbchen, ich finde, man sieht das auch. Als das Bild entstand, kam nur genau das oben beschriebene Problem des Four-in-Hand-Knotens zum Tragen: Er öffnet sich nach einem Arbeitstag leicht mal etwas. Zumindest bei mir. Vielleicht gibts da ja nen Trick?
23. Januar, 2012 at 12:06
Also ich muss zugeben, dass ich den Windsor noch nicht kannte. Allerdings wage ich mich auch erst langsam auf das Feld der Anzüge und Krawatten vor. Deshalb bin ich um so dankbarer, wenn ich solche Artikel lese und nicht in ein Forum gehen muss. Was ich mich aber immer wieder fragen: wenn man sich schon gut bei Krawatten auskennt (bezüglich Größe, Breite etc.), ist es dann auch legitim bei Onlinehäusern wie: http://www.daskrawattenhaus.de/ zu bestellen oder wirkt das einfach nur billig. Also würde ein Krawattenkenner merken woher die Krawatte ist?
23. Januar, 2012 at 12:22
Ich weiß es nicht. Ich habe keine Ahnung, wie die Krawatten von denen sind. Ich stelle nur fest: Eine Krawatte sollte aus Seide bestehen (oder Strick, wenn es um das Landadel-Outfit geht, aber das ist eine andere Geschichte).
Ich persönlich bevorzuge Krawatten von Hermès, aber ich gebe zu, daß die nicht unbedingt in einer vernünftigen Preisklasse liegen.
Das Problem für jemanden, der sich mit Krawatten nicht auskennt: Woher will man dann erkennen, wie die Krawatte aussieht, wenn sie kombiniert ist?
Gerade als Anfänger würde ich mich viel eher auf die Beratung eines kompetenten Herrenausstatters verlassen als über das Internet zu bestellen.
Der oben genannte Laden sagt mir nichts, die Krawatten sprechen mich allerdings auch überhaupt nicht an (wobei das stets Geschmackssache ist).
Aber es gibt zum Glück ja in jeder Stadt mindestens einen Laden, in dem Sie sowohl vernünftige Beratung als auch Krawatten für vernünftige Preise erhalten.
Eine Sache ist mir wichtig:
WENN Sie Krawatte tragen, dann sollte diese den Anzug aufwerten. Den nötigen Akzent (farblich und vom Muster her) setzen.
Wenn die Krawatte aber nach dem 5. Binden schon hässliche Falten wirft, wenn der Stoff abgetragen aussieht – dann wirkt die Krawatte nicht mehr als schöner Zusatz, sondern so, wie ich das häufig in Behörden sehe: Als notwendiges, aber ungebliebtes Übel. Und dazu können Sie dann den tollsten Anzug der Welt tragen, insgesamt wird es billig aussehen.
24. Januar, 2012 at 11:00
Erstmal danke für den hilfreichen Beitrag. Ich bin wie gesagt erst am Anfang meiner Krawattenkarriere und werde definitiv auch einen Herrenausstatter besuchen. Aber eben nur am Anfang, danach wollte ich mich doch auch nach anderen Läden umschauen. Wenn ich quasi die richtige Form und Größe gefunden habe.
Ich hoffe ich lande am Ende nicht in der Behördenkategorie.
24. Januar, 2012 at 11:03
Bei der Krawattengröße gibt es ja immer modische Änderungen. Anfang des Jahrtausends waren sie ziemlich breit, mittlerweile sind sie sehr schmal. Ich persönlich finde es sehr gut, daß beispielsweise Hermès seine Krawatten nie dem aktuellen Modegeschmack unterwirft, sondern meines Erachtens die perfekte Breite seit jeher immer gleich anbietet.
Die momentan gerade aktuellen Krawatten im 70er Stil empfinde ich als zu hipstermäßig, die früheren breiten als clownesk.
Aber das ist natürlich auch nur mein persönliches Empfinden – und es kommt natürlich auch immer auf die eigene Figur an. Und darauf, ob man die Hose eher tief (italienisch) oder hoch (englisch) trägt.
26. Januar, 2012 at 22:41
Die Wahl des Knotens ist, zumindest bei mir, auch vom Gegenüber abhängig. Zum durchschnittlichen, eher konservativen Kunden oder Zulieferer ist doppelter Windsor angesagt. Wenn ich weiß, dass aufgeschlosseneres Publikum da ist, gerne Kreuzknoten.
6. Februar, 2012 at 14:01
Werter Herr Psycho,
obschon bei Krawattenknoten ahnungsfrei, registriere ich immerhin mit Freuden, wenn Herren sich die Mühe machen, sie mit Mühe zu machen. Und zwar freue mich nun, dank Ihres Artikels nun den ein oder anderen kluken Satz zu Knoten in meiner Umgebung fallenlassen zu können.
Herzlichst,
ein alles b.indedatmalordentlischdo!
9. Februar, 2012 at 13:39
Ben, eine sehr vernünftige Herangehensweise. Nicht nur zum eigenen Outfit sollte der Knoten passen, sondern auch zum Gegenüber. Merci.
Frau B. – sofern ich dazu beitragen konnte, den Bereich „unnützes Wissen” bei Ihnen etwas zu erweitern, habe ich mit diesem Eintrag mehr erreicht, als ich mir hätte träumen lassen.
9. Februar, 2012 at 14:05
Doppelter Windsor! Gemusterte Hemden trage ich gar nicht mit Krawatte, ebenso wenig wie Krawatte zur Jeans, auch wenn das gewisse Vertreter der “Rugged” Wear a la Free&Easy etc. wieder für akzeptabel halten. Es mangelt mir also an Anwendungsfällen für andere, “leichtere” Knoten.
Der doppelte Windsor ist symmetrisch, hat ein angemessenes Volumen und wurde mir von jemand nahe gelegt, der mit diesem Knoten von Dalai Lama über Henry Kissinger bis General Westmoreland gegenüber getreten ist und sicher keine Sekunde seines Lebens über Krawattenknoten nachdenken wollte.
in diesem Sinne: “Over and Out”
21. Februar, 2012 at 13:06
Es ist: ein KAROSAKKO!
Als Leser aus der Anfangszeit dieses Blogs bin ich entsetzt! Da schaut man hier ein paar Jahre nicht rein, die Dinger werden “hip” und voilà: germanpsycho trägt Karosakkos.