Ein guter Ort, um vor der Schufa zu fliehen.

Ein guter Ort, um vor der Schufa zu fliehen.

Die Schufa sammelt also Daten. Jetzt auch über soziale Netze. Also empören wir uns! Schreiben wir lauter Tweets und Facebook-Einträge, die das Schufa-Ranking beeinflussen!

Und dann? Wie lange hält dieser Hype? Genau. Ein paar Wochen. Vielleicht einen Monat. Und dann beginnen wir, wieder ganz normal zu twittern.

Wissen wir eigentlich schon, was genau zwischen Schufa und Facebook für Daten ausgetauscht werden? Ah, dachte ich mir. Aber es ist bestimmt schlimm.

Wieso? Was genau ist schlimm daran, wenn ein Unternehmen diejenigen Daten sammelt, die wir sowieso über uns preisgeben? Und wieso regen wir uns nicht viel mehr darüber auf, daß die Schufa beispielsweise aufgrund unseres Wohnortes ihre Einstufung begründet? „Nur weil ich nicht in der teuersten Straße der Stadt wohne, heißt das doch nicht, daß ich keinen Kredit bekomme“ und so?

Die Schufa tut das, was sie immer schon tat: Aufgrund statistischer Wahrscheinlichkeiten eine Prognose abzugeben, wie hoch die Chance ist, daß jemand einen Kredit brav zurückzahlt. Mehr nicht. Aber eben auch nicht weniger.

Gäbe es keine solche Auskunft – wäre das besser?

Unternehmen müßten jeden einzelnen Antragssteller persönlich überprüfen. Bei der schieren Menge an Anstragstellern hieße das:
– längere Bearbeitungszeiten
– mehr Personal im detektivischen Bereich
– persönliche statt statistische Durchleuchtung
– höhere Kosten für alle durch höhere Personalkosten und den entsprechenden Aufwand.

Also fragt man eine Einrichtung, die nicht die einzelne Person betrachtet, sondern Wahrscheinlichkeiten heranzieht. Wer am Mümmelmannsberg wohnt, dem wird nicht per se der Kredit verweigert. Die Schufa sagt lediglich, daß von 100 dort lebenden Personen bereits 70 Probleme bei der Rückzahlung hatten.

Wir sehen also: Wenn sich die Schufa ausschließlich auf den Wohnort verließe, wäre es ganz schön fies: Nur diejenigen in guten Wohngegenden erhielten Kredite.
Also sammelt die Schufa weiter: Wie oft hat derjenige schon Kredite beantragt? Hatte er schon Begegnungen mit dem Gerichtsvollzieher? Und so weiter.

Und jetzt? Jetzt kommen die sozialen Netze hinzu.

Jetzt werden MEHR Daten gesammelt. Was bedeutet das in bezug auf die einzelnen Daten? Genau. Je mehr Daten ich über einen Menschen sammele, umso unwichtiger wird ein einzelner Posten. Der Wohnort mag zwar nicht der Beste sein, aber er hat bisher jeden Kredit anständig zurückgezahlt, er nimmt nur dann Kredite auf, wenn es unbedingt sein muß, er hat seit Jahren eine regelmäßige Arbeitsstelle.

Wir sollten es eigentlich begrüßen, daß die Schufa sich bemüht, immer mehr Daten zu sammeln – je mehr es werden, desto realistischer wird nämlich die Einschätzung, selbst wenn es einzelne Daten gibt, die falsch interpretiert werden.

Und genauso wird es auch ablaufen. Ein paar Mal werden wir lustige #twitternfuerdieschufa-Tweets lesen, aber letztlich werden wir uns auf Dauer genauso verhalten wie immer.

Eines vergißt man bei der ganzen Diskussion ja gerne: Je mehr Kredite bei einem Unternehmen „platzen“, umso teurer werden sie für all diejenigen, die sie ganz normal zurückzahlen. Und umso mehr Kredite eine Person aufnimmt, die sie sich nicht leisten kann, umso mehr wandert sie in die Schuldenfalle.

P.S. Verzeihung wegen der Überschrift. Das Wortspiel klaute ich mir bei @regendelfin.

About these ads