Selten hat mich ein Computerspiel so beeindruckt wie „Spec Ops: The Line“. Und zwar nicht, weil es spielerisch hochanspruchsvoll wäre oder die Grafik so besonders oder die Splattereffekte: Nein, Spec Ops hat etwas, das ich so noch nie in einem Shooter erlebt habe: Eine unheimlich gute Geschichte. Eine, die zum Nachdenken anregt.
Sie spielen die Story durch – und am Ende haben Sie einen Kloß im Hals. Die Besonderheit ist nämlich die: Sie sind nicht der strahlende Held, der gegen Massen von unheimlich bösen Menschen etwas Gutes bewirkt. Am treffendsten ist der Vergleich mit dem Roman „The Heart of Darkness“ oder eben auch die Filmadaption „Apocalypse Now“. Diesmal in Dubai spielend – und da ich die Stadt ein wenig kenne, muß ich sagen: Der Wiedererkennungswert ist hoch. Nur ging eben alles den Bach runter. Das moderne, klinisch wirkende Stadtzentrum ist dreckig, zerstört und hässlich. Die Feinde sind im eigentlichen Sinne keine.
Ich möchte Ihnen nicht zu viel von der Geschichte verraten, nur so viel: In meinen Augen gab es zuvor noch nie ein Spiel, das ich „Antikriegsspiel“ genannt hätte. So wie es auch nur wenige echte Antikriegsfilme gibt; die meisten zeigen ja doch nur den Krieg als Abenteuerspielzplatz erwachsener Kinder, in der die eine Seite klar „die Guten“ sind und die andere Seite das personifizierte Übel.
Was Yager (aus Berlin) hier abgeliefert hat, ist atmosphärisch das Beklemmendste, das ich je sah. In einigen Teilen übertrifft es den Film „Apocalypse Now“ sogar. Daß die Spielmechnik dabei nur Standard ist, fiel mir eigentlich erst nach dem Ende auf. Aber sie ist eben auch: solide.
Ich möchte diesen Titel denjenigen ans Herz legen, die sich mit dem Thema Krieg und vor allem „the greater good“ beschäftigen mögen. Die kein Schwarz/Weiß brauchen. Die sich nach dem Durchspielen mal richtig schlecht fühlen wollen und am liebsten noch Stunden danach über die Geschichte diskutieren wollen.
Für den kurzen Zeitvertreib taugt es nicht. Spätestens ab der Hälfte gab es für mich kein Zurück mehr: Ich wollte die Auflösung wissen. Ich wollte wissen, ob die drohenden Vorahnungen sich bestätigen würden (sie wurden weit übertroffen).
Bringen Sie Zeit mit, sehen Sie es nicht als lustiges Ballerspiel an. Spielen Sie es nüchtern – und das sage ich nur sehr selten über Spiele. Und machen Sie sich frei von der Erwartung, daß Sie am Ende fürs Durchspielen belohnt werden.



2. Juli, 2012 at 11:12
Wie lange zockt man denn an dem guten Stück?
2. Juli, 2012 at 11:13
Ein Artikel der es auf den Punkt bringt. Ich habe nach einigem Zögern am Freitag zuschlagen und es mir direkt im Playstation Online-Store gegriffen.
Und während einer sehr langen Nacht und weiteren Stunden erging es mir exakt genauso. Die Story fesselt und man möchte immer mehr wissen wohin sich das alles entwickelt.
Gestern habe ich neu begonnen, im nächsthöheren Schwierigkeitsgrad. Denn neben der Herausforderung möchte ich einige meiner Entscheidungen aus dem ersten Anlauf diesmal anders treffen.
2. Juli, 2012 at 11:23
Boba Fett: Nicht sehr lange. Um alle 4 Enden zu sehen brauchte ich:
1 Session am Freitagabend
1 kurze Session am Sonnabendnachmittag und
1 lange Session am Sonntag.
CD: Das werde ich auch tun. Es gab ja, wenn ich mich richtig erinnere, nur 2 Stellen, an denen der Spieler eine Entscheidung treffen konnte (Geiseln vs. Gould; Soldat vs. Einheimischer), oder trügt mich meine Erinnerung?
2. Juli, 2012 at 11:35
Das klingt wirklich gut und deckt sich auch mit den ersten Rezis auf amazon. Zitat:
“Noch nie in einem Spiel habe ich dermaßen Schuldgefühle entwickelt. (…) Später werde ich das Spiel nocheinmal durchspielen und andere Entscheidungen ausprobieren… im Moment habe ich auf jedenfall das Gefühl, nur Fehlentscheidungen getroffen zu haben.”
2. Juli, 2012 at 11:37
Und das Tolle daran ist: Keine dieser Entscheidungen wirkt aufgezwungen. Als Spieler versuchte ich tatsächlich, das zu tun, was mir „richtig“ erschien. Wohin das – der Glaube daran, daß letztlich der Zweck die Mittel heilige – führen kann, zeigt Spec Ops auf sehr beeindruckende Weise.
Ach ja: Ich habs ja durch. Wollenses ausleihen? Sie als neuer XBox-Besitzer?
2. Juli, 2012 at 11:40
Sehr gerne, eilt aber nicht, muss noch meinen Star-Wars-Kram durchspielen.
2. Juli, 2012 at 11:43
Es sind auf jeden Fall mehr, auch wenn mir gerade nicht alle einfallen. Aber zu den erwähnten kommen noch:
- aufgebrachte Menge
- Riggs
- Wasserdieb+Mörder
Ich meine aber, neben den Enden, kommen noch 1-2 dazu.
2. Juli, 2012 at 11:45
Mit Freuden las ich eben, dass es das Spiel sogar für den PC gibt. Ich meine, wer will schon verwaschene, detailarme Grafik auf einer Konsole genießen? (War PC vs console starts now!)
(ich wollte schon immer mal als Troll anfangen!)
2. Juli, 2012 at 11:46
CD, aufgebrachte Menge – kann man da überhaupt etwas tun?
Riggs – oh ja, stimmt! DAS muß ich auch probieren.
Wasserdieb und Mörder hatte ich ja schon erwähnt.
2. Juli, 2012 at 11:51
Hmm ich weiß nicht. Ich hatte mich auf Spec Ops durchaus gefreut, vor allem des interessanten Settings wegen (für mich einer der Hauptfaktoren eines guten Spiels).
Nach gut drei Stunden Spielzeit (ich weiß – nicht allzu viel) bin ich aber noch sehr geteilter Meinung. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass das Spiel aufgrund der Herkunft und der vielleicht sogar etwas hineininterpretierten Bedeutung ungerechtfertigt hochgejubelt wird. Insbesondere der immer wieder gezogene Vergleich zu Apocalypse Now ist etwas … naja … deplaziert. Es mag Story-Parallelen geben, aber auch einen ganz großen Unterschied: Apocalypse Now lebt nicht nur von Story und Setting, sondern ist schlichtweg auch ein außerordentlich guter Film mit hervorragenden Schauspielern, Charakteren, Dialogen, einem guten Fluss und so weiter. Spec Ops hingegen ist – von dem her was ich bis jetzt gesehen habe – eher ein durchschnittliches Spiel, das viel des Potentials durch sehr bodenständige Gameplay, eine tumbe KI und die unglaublich nervigen, sich ständig wiederholenden Sprüche verschenkt, was für jemanden mit großer Spiele-Erfahrung das ganze ziemlich kaputt macht. :-/
2. Juli, 2012 at 11:57
Nun, es mag Sie überraschen, aber auch ich verfüge durchaus über eine große Spieleerfahrung. Das Argument, Spec Ops sei nur für jemanden, der keine anderen Shooter kennt, ist in meinen Augen nicht haltbar.
Die Grafik ist auf einem hohen Niveau. Sie mag nicht besser sein als das, was sonst aktuell noch angeboten wird, aber sie ist auch nicht schlechter. Und (für mich) sehr viel stimmungsvoller. Gleiches gilt für den Sound: Die Waffengeräusche sind sehr realistisch, das macht sie natürlich weniger bombastisch als bei anderen Shootern. Die ab und an einsetzende Musik war für mich sehr gut ausgewählt und paßte perfekt zum düsteren Drumherum.
Die Dialoge – in der Tat, das Spiel beginnt mit Standardsprüchen; aber genau das ist auch Absicht: Es gibt eine Entwicklung der Soldaten, die sich eben auch daran zeigt.
Die KI ist in der Tat nur medium, aber keinesfalls besonders schlimm.
Und die Story: Apocalypse Now war eine Interpretation des Conrad-Romans, Spec Ops auch. Daher wird der Film eben auch häufig genannt (und die entsprechenden Namen tauchen als Hommage im Spiel ja auch auf).
2. Juli, 2012 at 12:05
Ach das war “Soldat/Einheimischer”, verstehe. Ich bilde mir ein, dass man bei der Menge auch seinem Zorn freien Lauf lassen kann. Ich tat es nicht. Wobei ich mir auch sehr unsicher bin, ob es ausprobieren möchte.
2. Juli, 2012 at 12:14
Oh, stimmt – das hab ich auch nicht probiert. Aber stimmt, das wäre auch eine Möglichkeit. Das muß ich teste, Psycho, der ich nunmal bin.
2. Juli, 2012 at 17:24
Füttern Sie mich!!!
Ne, Spaß beiseite. Der letzte Shooter, den ich komplett durchgespielt habe, war, glaube ich, Crysis. Das ist nun schon 3-4 Jahre her. Seitdem habe ich keinen Shooter, der später herauskam, durchgespielt (Serious Sam: The First Encounter HD zähle ich nicht, da es quasi das gleiche Spiel nur mit höherer Auflösung war).
Könnte Spec Ops: The Line mich zum Durchspielen bewegen, oder ist es dazu auch zu plump?
2. Juli, 2012 at 17:28
Es kommt darauf an. Wenn Sie einen super gemachten Shooter sehen wollen, der vor allem bombastisch daherkommt und mit tollem Multiplayer aufwartet, empfehle ich Ihnen Modern Warfare oder Black Ops.
Spec Ops bietet vor allem eine unheimlich gute Geschichte, die aber nach 8 Stunden reiner Spielzeit durch ist. Es ist sehr schwierig, eine Empfehlung abzugeben: Rein als Computerspiel ist es leicht überdurchschnittlich. Wenn Sie sich auf die Hintergrundgeschichte einlassen, ist es besser als alle anderen Shooter zusammen. Also für mich war es jedenfalls so.
3. Juli, 2012 at 23:06
Haben wir auch gleich gekauft, und der MasterChief zockt es sogar gerade – trotz Baby und Umzug. Ist wirklich fesselnd, und ich kann’s kaum erwarten mich auch dran zu setzen, wenn sich hier die Wogen ein wenig geglättet haben…
4. Juli, 2012 at 09:02
Auch Welt-Online hat sich des Games angenommen:
http://www.welt.de/spiele/article107705803/Spec-Ops-macht-Spielern-ein-schlechtes-Gewissen.html
4. Juli, 2012 at 09:44
Judy:
„Die Wogen geglättet“ das ist ein wundervolles Bild für die Bauchrückbildung :)
Vor allem hat es den Vorteil für Sie beide (im Moment), daß es recht kurz ist. Nehmen Sie um Himmels Willen den höchstmöglichen Schwierigkeitsgrad, ansonsten ists zu kurz. Obwohl auch da die Story natürlich als hauptsächliches Element sehr gut wirkt.
Anonym:
Den Bericht las ich auch. Letztlich sagen sie das Gleiche, was ich auch fand.
15. August, 2012 at 10:02
Wir haben auch erst gestern über ein Spiel mit ähnlichem Horror-Faktor geschrieben: Dead Space. Ich finde es toll, dass es noch solche Spiele gibt. Immer dieses kunterbunte “Nintendo”-Design geht mir auf die Nerven…
Wenn ich mir die Werbung erlauben darf: http://1emc.de/jones/dead-space/1744
Gruß Gohfire
PS: Super Blog
16. August, 2012 at 09:02
Ich werd’s mir demnächst wohl auch mal holen müssen. :)