Geschäftsreisen nach Köln habe ich eigentlich immer gern. Es ist zwar ein offenes Geheimnis, daß mich die andere Stadt am Rhein noch ein bißchen mehr in ihren Bann geschlagen hat, aber da ich als Außenstehender mich nicht entscheiden muß, kann ich beides mögen.
Nur beim Thema Bar war Köln für mich bisher stets ein schwarzer Fleck auf der Landkarte, assoziierte ich mit der Rheinmetropole doch vor allem das obergärige Gebräu, das man andernorts „bei die Limo“ fände.
Nun bin ich also wieder in der Stadt, habe meinen ersten Kundentermin am Morgen natürlich erst um halb elf und bin somit endlich in der entspannten Lage, das vielgepriesene „Shepheards“ auszuprobieren. Bevor ich mir allerdings den ersten Drink bestellen kann, muß ich den Laden erst einmal finden! Und das gestaltet sich als gar nicht so einfach – kein großes Schild hängt vor der Tür, keine laute Musik dringt nach außen. Ein unscheinbarer Treppenabgang ins Sousterrain, eine angelehnte Tür – und die Hausnummer, die mich es wagen läßt, tatsächlich in diese vermeintliche Privatwohnung einzutreten.
Aber was für ein Gegensatz, als ich diese Hürde hinter mir gelassen habe: Ein freundlicher junger Mann nimmt mir Mantel und Hut ab, fragt mich nach Sitzplatzwünschen und geleitet mich an die Bar, wo man mir sofort ein Glas kaltes Wasser sowie einige (allerdings alte) Chips hinstellt. Die Karte ist sehr umfangreich, aber ich halte mich nicht lange auf: Ein Martinez soll es sein. Nach dem ersten Schluck und ein paar kurzen Worten mit dem Barkeeper wird klar: Hier ist eine Oase für gehobene Trinkkultur! Klar – die Preise sind sehr, sehr hoch. Und das Shepheards ist sicherlich nicht der Ort, an dem eine Gruppe junger Menschen ihren Junggesellenabschied bei drei Litern „Sex on the Beach“ feiern sollten.
Aber wenn Sie alleine in Köln sind und einfach einen perfekt zubereiteten Klassiker trinken wollen, wenn Sie in kleiner Gruppe in Ruhe sich unterhalten möchten – dann kann ich mir kaum eine Bar vorstellen, die besser dafür geeignet ist als das Shepheards.
In Köln ganz sicher „meine“ Bar.

8. Oktober, 2012 at 20:21
Beim Wort „Chips“ bin ich zusammengezuckt. Passt das nicht ähnlich gut zu einer gehobenen Bar wie Gummibärchen zum Zander?
9. Oktober, 2012 at 10:00
Ich finde, Chips sind tendenziell nicht so passend wie Erdnüsse, aber an sich völlig ok. Hauptsache, etwas Salziges zum Ausgleich.
Nur: Frisch sollten sie sein. Andererseits sind mir Knabbereien in einer Bar auch bei Weitem nicht so wichtig wie freundliches und kompetentes #Personal.
9. Oktober, 2012 at 10:19
also das beste “bargebäck” hatte ich bei einer produktion im “yachthafen residenz hohe düne” sehr interessante mischung aus salzgebäck, getrockneten gemüse und pikant gewürzten nüssen
9. Oktober, 2012 at 10:28
Wenn es zu exotisch wird, wirds für mich meist eklig: Dieses japanische Reisgebäck, oder alles, was auch nur annähernd so ähnlich schmeckt, löst bei mir einen sofortigen und ununterdrückbaren Brechreiz aus.
9. Oktober, 2012 at 18:42
Stimmt, das gab es früher immer in der Mandarin Lounge. Brrr…
10. Oktober, 2012 at 10:18
Die gibt es leider immer häufiger, wie mir scheint. Soll wohl hochwertig wirken. Schmeckt aber trotzdem scheiße.
11. November, 2012 at 19:30
Herzlichen Dank für die Empfehlung! Ich hatte vorletzten Freitag zum ersten Mal das Vergnügen und werde den Inhalt meines Sparschweins in Zukunft nur noch in diesem Etablissement loswerden.
Die Chips waren frisch – aber sie hatten auch gar keine andere Wahl. Kaum konnte man den Boden des Schälchens auch nur erahnen, kam ein neu gefülltes angeflogen. Den aufmerksamen Kellner musste man, nach zwei, drei, acht “Refills” doch langsam um die verspeiste Masse besorgt, fast mit physischer Gewalt davon überzeugen, dass man es bei den restlichen Krümeln belassen wollen würde.
13. November, 2012 at 11:03
Gut, also ich hatte jetzt nicht die Chips im Vordergrund gesehen – aber ich freue mich auf jeden Fall, daß ich helfen konnte.