Ich war ja ziemlich begeistert von dem Comic „V for Vendetta”. Dieses Buch lag zufällig in meiner Lieblingsbahnhofsbuchhandlung, kurz bevor der Kinofilm dazu anlief. Also las ich mich durch die vielen Seiten, wunderte mich darüber, wie man ein so umfangreiches Werk in 90 Minuten packen wollte und rannte tatsächlich ins Kino. Was ich normalerweise nur ungern tue.
Gerade im Moment ist die Geschichte wieder äußerst aktuell. Freiheit gegen Sicherheit einzutauschen erscheint ja nach den Terroranschlägen der letzten Jahre immer wieder attraktiv. Die in den Comics dargestellten Warnschilder, die immer wieder darauf hinweisen, daß Ausgangssperre und Videoüberwachung „nur zu Ihrer Sicherheit” dienen, sind vor allem dann spannend, wenn man sich die Hinweise auf der Reeperbahn, in U-Bahnen, Bussen und Geschäften mal anschaut. Dasselbe Vokabular. Alles dient natürlich nur unserer Sicherheit.
Irgendwann aber bricht die Geschichte mit ihrer eigenen Logik. Und dann wird es völlig absurd:
Um ein Zeichen für die individuelle Freiheit des Einzelnen zu demonstrieren, kleiden sich alle freien Bürger in dasselbe Guy-Fawkes-Kostüm. Klar! DAS ist die Freiheit, die ich meine.
Oder: Um einen positiven Effekt zu erzielen, nämlich die weibliche Hauptperson von ihrer Angst zu heilen und ihr „wirkliche Freiheit” zu schenken, wird sie tage- oder wochenlang von V gefoltert und mit dem Tode bedroht.
Und damit führt „V for Vendetta” die eigentlich richtige Aussage ad absurdum, daß eben der Zweck niemals die Mittel heiligen könne, daß die Freiheit des Individuums über der Staatsräson stehen müsse. Im Gegensatz zum Film zeigt das Comic nämlich auch noch, daß der faschistische Kanzler selbst von der Richtigkeit und Notwendigkeit seiner Dikatur überzeugt ist. Und dann haben wir dann zwei gleichartige Personen, die gegeneinander kämpfen. Wobei V außerdem noch verbittert, zynisch und unbelehrbar ist, während der Kanzler zumindest an einigen Stellen noch über seine eigenen Handlungen nachdenkt.
Nun, vielleicht könnte man den Autoren des Comics noch attestieren, daß sie diese Konstellation bewußt gewählt haben. Und damit auch erklären, warum V am Ende unbedingt sterben muß. Im Film aber geht diese Ambivalenz verloren: V ist ein Held, der die Welt rettet und seinen Tod dabei lediglich in kauf nimmt; nicht als zwingend voraussetzt. Und der Kanzler ist eben doch ein englischer Hitler (inklusive wenig subtiler Gestaltungsmerkmale in den Trendfarben rot, weiß und schwarz).
Daß der Film ansonsten aber unheimlich gut gemacht ist, trägt nur noch mehr dazu bei, daß ich (mal wieder) von einer Comicverfilmung maßlos enttäuscht bin.
