Wissen Sie, was mich nervt? Mich nerven gewisse Automatismen. Leider gehört meine Reaktion darauf im Prinzip auch dazu, aber wir wollen uns ja nicht gemeinsam das Hirn verknoten, vor allem nicht an einem so schönen Freitag nachmittag. Bei herrlicher Sonne und in der schönsten Stadt der Welt.

Da gibt es also einen Präsidenten in den USA, den irgendwie keiner so richtig mag. Und dieses Nichtmögen ist auch noch konsensfähig. Soweit ja schonmal gut, schließlich gibt es an ihm auch wirklich nicht viel, was positiv zu erwähnen wäre. Nicht einmal seine Anzüge sitzen besonders gut.

Und dann kommt der Gegner. Und dieser Gegner ist jung, charismatisch und schwarz. Und sofort beginnt der erste Automatismus: Alle jubeln ihm zu. Das finde ich ja erstmal gar nicht schlecht, immerhin ist der Konsens von Ablehnung (immer einfach zu finden) auf Zustimmung umgeschwenkt. Dann kommt dieser Herr Obama auch noch nach Deutschland, räumt unserem Land weitaus mehr Zeit ein als er für alle anderen europäischen Länder tut. Und hält eine Rede. Eine Rede, die uns aufforderte, gemeinsam Probleme anzugehen. Und er sprach auch offen eine Menge an Punkten an. Nicht alle dieser Punkte sind in den USA und in Deutschland gleichermaßen populär. Aber Obama macht es sich eben nicht einfach und spricht nur über Klimaschutz und Menschenrechte. Nein, er sagt auch, daß unser Engagement in Afghanistan gebraucht werde. Zumindest aus Sicht der USA.

Seine Rede dauert 30 Minuten. In dieser Zeit kann kein Thema besonders tiefgreifend behandelt werden. Das will Obama auch nicht. Er scheint nur sagen zu wollen: „Guckt her, Europäer, wir haben einige Eurer Standpunkte aufgegriffen, wir versuchen, uns in Euch hineinzuversetzen, jetzt tut bitte das Gleiche für uns!”

Er hält eine Rede, die gemeinhin positiv aufgenommen wird. Die die Menschen, die sie gehört haben, größtenteils begeistert. Obama schafft es sogar, eine Menge an Menschen für Politik zu interessieren, die von keiner deutschen Politikerfigur erreicht werden kann.

Und was lese ich in den Blogs über den Besuch? Nur noch Häme, Kritisieren um des Kritisierens willen. Obama entspricht also nicht allen Anforderungen, die wir so an einen US-Politiker haben? Er möchte, daß wir auch über unsere eigene Meinung nachdenken, eventuell sogar mal einen Schritt auf die USA zugehen? Dieser Scharlatan!

Überhaupt scheint es einen Konsens in der Blogwelt zu geben, daß grundsätzlich nur beißende Kritik, Spott und vielleicht noch ein elitäres Desinteresse an Obama zulässig seien. Begeisterung ist stets abzulehnen. Jeder, der sich nämlich positiv über Obama (oder irgendeinen Politiker, eine Tat, eine Sache) äußert, muß damit rechnen, angefeindet zu werden. Da ist es einfacher, mit allen brav im Chor zu schreien, sich selbst somit auch gleich noch intellektuell auf die Stufe der Skeptiker zu heben, die anschließend bei jedem kleinen Problem sagen können: „Das habe ich vorher schon gesagt.”

Ich möchte Ihnen, werte Mitblogger, etwas sagen: All diejenigen, die sich so besonders feinsinnig über die Fehler dieser Rede, die Fehler in Obamas Persönlichkeit echauffieren, und die Sie sich in Ihrem stupiden Antiamerikanismus suhlen, der übrigens genauso unreflektiert ist wie das, was Sie vorgeblich so hassen – schreiben SIE bitte mal über etwas, von dem Sie begeistert sind! Hauen Sie nicht nur ständig auf die Medien, die Wirtschaft, die Politik, die Neoliberalen oder Linken” drauf, sondern öffnen Sie sich! Teilen Sie uns mit, wovon Sie begeistert sind!

Und halten Sie dann auch aus, daß es tausende von Besserwissern gibt, die Ihnen sagen, was für ein zu kurz denkender Depp Sie sind.

Und während das alles in der Blogosphäre geschieht, lehne ich mich zurück und lese die Rede Obamas nochmal. Und freue mich auf den Wechsel in den USA.

P.S. Aber daraus wird wohl nichts: Herr Ad hat bereits entdeckt, daß Nummer 44 heimlich Terroristen schmuggelt.

Der Nutznießer?

Der Nutznießer?

Immer wieder wenn irgendwo etwas Schreckliches passiert, wird schnell nach dem Staat gerufen. Kinder werden im Osten ermordet? Der Staat soll einen Elternführerschein einführen. Das Lottospiel ist unfair der Unterschicht gegenüber? Dann müssen die Menschen eben davor beschützt werden. Computerspiele schaffen Mörder (und umgekehrt)? Verbieten, zum Schutz der Kinder. In Filmen kommt zuviel Gewalt vor? Zensieren, was das Zeug hält.

Es sind ja immer alles sehr fromme Wünsche. Niemand käme auf die Idee, dem Satz zu widersprechen: „Wir müssen mehr auf unsere Kinder achten.” Daß dies nun zwingend die Aufgabe des Staates ist, nun gut, das ist vielleicht eine andere Frage. Und was geschieht? Wenn ich mir als Erwachsener Mann einen Horrorfilm ansehen möchte, dann muß ich erst im Internet recherchieren, ob es überhaupt in Deutschland eine ungeschnittene Version gibt. Wir haben uns sogar schon daran gewöhnt! Manche beruhigen sich dann selbst mit bescheuerten Phrasen wie „man MUSS doch nicht unbedingt diese kranken Dinge sehen”. Nein, man muß nicht. Aber wenn man es möchte? Als freier und erwachsener Mensch? Man muß „der Kinder wegen” darauf verzichten.

Was tue ich also, wenn ich Filme sehen möchte? Ich kaufe sie im Ausland. Ich gucke also den Schund, den ich sehen möchte. Lasse mir nicht vorschreiben, wie ich Splatterorgien wie „Freitag, der 13.” zu beurteilen habe. Ich erfreue mich sogar an Filmen wie „Saw”, „Hostel” und „Starship Troopers”. Mein Geld allerdings fließt ins Ausland. Dank der deutschen Politik der Bevormundung.

Und was sagt uns das? Das Gleiche, was ich bei Filmen tue, machen andere Menschen auch. Und zwar immer dann, wenn ihnen die Regelungswut des Staates zu sehr auf die Nerven geht. So wandern Firmen aus Angst vor dem deutschen Steuerrecht ins Ausland ab, Manager schaffen ihr Geld nach Liechtenstein, Minderjährige ziehen sich illegale Kopien von Unterhaltungsmedien aus dem Netz.

Der Effekt: Es tritt nicht das ein, was das Gesetz eigentlich bewirken sollte. Es kommt nicht mehr Geld von den Reichen, die Firmen bezahlen nicht mehr für die bereitgestellte Infrastruktur, die Kinder gucken nicht weniger Horrorfilme und spielen nicht weniger „Killerspiele”. Sondern es kommt weniger Geld von den Reichen, die Firmen zahlen gar nichts mehr und die Kinder gucken mehr und schlechtere Filme in schlechterer Qualität.

An dieser Art von Gesetzgebung erfreut sich vor allem das (westliche) Ausland. Und in meinen konkreten Fall Amazon.co.uk.

Natur frißt Technik

Natur frißt Technik

Zufällig entdecke ich im Netz eine Information darüber, daß die ersten iPhones 3G mit einer älteren Softwareversion (build: 5A345) ausgeliefert wurde, die fehlerhaft war. Nun, meine ersten Eindrücke bestätigten das ja. Nun liegt also die Version 5A347 vor. Aber iTunes ist nicht darauf ausgerichtet, solche Details zu erkennen und verweigert das Update mit der Begründung, daß die Version 2.0 – egal, ob 345 oder 347 – die aktuelle sei.

Die einzige Möglichkeit, die neue Version aufzuspielen, ist also ein manuelles Zurücksetzen des gesamten Telephones. Schade, zumal ich ungefähr 12 GB an Daten draufgespielt habe, außerdem 5 Anwendungen aus dem iTunes-Store. Dank „Mobile Me” wird sich die Wiederherstellung zwar nicht besonders schwierig gestalten, aber es wird dauern.

Das alles wäre sehr leicht zu verhindern gewesen, wenn Apple einfach nur das Update „Version 2.1” genannt hätte. Oder iTunes beigebracht hätte, auch auf die Build-Nummern zu achten. So jedenfalls ist das ein äußerst frickliger Vorgang, der so gar nicht zu Apples Benutzerfreundlichkeit passen will.

Ich überlege einen Moment lang, das Telephon kurzerhand wegzuwerfen. Auf daß sich die Natur wiederholen möge, was wir ihr entrissen. So wie das abgebildete Fahrradschloß in Ottensen.

Einige Mac-Benutzer benötigen ab und an auch mal ein Windows-Programm. Natürlich ist es möglich, Windows unter Bootcamp als eigenständiges Betriebssystem zu installieren, aber eigentlich braucht man ja nur ab und an Windows und möchte dafür nicht immer den Rechner neu starten. Also stellt sich schnell die Frage nach einer Virtualisierungslösung. Es gibt ja einige Anbieter im Markt, am bekanntesten dürften Parallels und VM-Ware sein. Sie haben, wie das bei Softwareprodukten so üblich ist, ihre Vor- und Nachteile. Gut benutzbar sind beide.

Eigentlich.

Denn bei Parallels gibt es ein grundlegendes Problem: Es gibt keinen Support. Zwar existiert eine dürftige FAQ-Liste, aber um überhaupt nur Hilfe anfordern zu dürfen, muß der Benutzer erst sich und sein Programm registrieren. Das gilt auch bei offensichtlichen Fehlern des Herstellers, beispielsweise fehlerhaften Lizenzschlüssel.

Doch selbst dann steht der staunende Käufer vor einem ernstzunehmenden Problem: Er bekommt keine Antwort, abgesehen von der automatisch erzeugten, daß man sich innerhalb dreier Werktage in Verbindung setzen werde.

Ich sitze also vor meinem Rechner, versuche den Fehler bei mir zu finden. Aber wie ich es auch drehe und wende: Der Lizenzschlüssel will einfach nicht erkannt werden. Ich kann das Produkt, obwohl ich es bezahlt habe, obwohl ich es registriert habe, obwohl ich eine Woche gewartet und anschließend jeden Tag eine E-Mail geschickt habe, wo denn nun die unterstützende Kavallerie sei. Man sagt einfach nichts. Ignoriert das Problem.

Klar, ich bin ja auch schon Bestandskunde. Und verärgert. Mit solchen Leuten will man sich bei Parallels nicht abgeben. Lieber ein paar Mark mehr in neue Werbung stecken, die Konkurrenz langsam auch technisch an sich vorbeiziehen lassen, den Kopf in den Sand stecken.

Ich werde auf VMWare umsteigen. Und kann nur jedem, der sich einen Mac zulegt und Virtualisierungssoftware benötigt, von Parallels abraten.

Dieses Mal war es wirklich nicht einfach, mit der Nationalmannschaft mitzufiebern. Bis auf wenige Minuten waren sie einfach nur schlecht. Ballack ist aus gutem Grund der ewige Zweite. Weil er seine Leistung nicht konstant abrufen kann. Lahm ist natürlich eine sehr tragische Figur, im Gegensatz zu den Witzfiguren Gomez und Kuranyi. Schweinsteiger hat nach dem Spiel geweint. Ich hoffe, über seine eigene Leistung.

Jedenfalls bin ich doch sehr froh, wenn ich aus diesem Team in zwei Jahren nicht mehr allzuviele Gesichter wiedersehen muß. Was nützt ein toller Spieler, wenn er nicht konstant ist? Warum muß man bei jedem Spiel zittern, welches Gesicht die Jungs diesmal zeigen?

Leider war es diesmal das Gesicht, das wir schon gegen Kroatien sehen mußten.

P.S.
Ganz vergessen: Das spanische Spiel war so herrlich anzusehen, daß alles andere als ein Sieg sowieso eine Frechheit gewesen wäre.

OK, meine Prognose war nicht besonders gut. Von weghauen konnte nicht die Rede sein, 3:1 wurde es auch nicht. Im Gegenteil: Die Türken spielten in der Tat so stark wie vorher berichtet wurde. Rüstü war keineswegs ein Totalausfall. Altintop spielte auf dem Niveau, das Ballack in anderen Spielen erreichte. Und Lehmann bewies wieder einmal, warum er nach seinem hoffentlich baldigem Abgang als der schlimmste Fliegenfänger und größte Fehlgriff in die Geschichte unserer Nationalmannschaft eingehen wird.

Aber genug des Motzens. Letztlich haben wir ein spannendes Spiel gesehen, in dem zwei ebenbürtige Teams aufeinandertrafen, zwar nicht schön, dafür aber umso kampfbetonter spielten. Und am Ende gewann Deutschland. Nicht unverdient, aber ein umgekehrtes Ergebnis hätte auch nicht überrascht.

Jetzt ist die Trophäe nur noch ein Spiel entfernt. Gegen Spanien hätte ich wenig Bedenken. Da konnten die Jungs ja gegen Portugal schon mal üben. Aber wenn es, was ich befürchte, gegen Rußland geht, dann wird das eine üble Zitterpartie.

Aber sie werden es schaffen. Allein schon deswegen, weil sie jetzt Deutschland wieder ein schönes Spiel schuldig sind.

Leider ist es ja so, daß myblog.de keinerlei Exportfunktion anbietet, weswegen ich auch nur jedem Menschen davon abraten kann, dort mit der Bloggerei zu beginnen. Man versucht, Kunden zu halten, indem man ihnen den Weg versperrt – keine besonders gute Strategie, aber eine, die zu der Arroganz der dortigen Betreiber paßt.

Daher also beginne ich hier wieder bei 0. Auch nicht schlimm. Wer mag, kann sich ja die alten Ergüsse jederzeit angucken.

Ab jetzt also hier. Sieht schicker aus, bietet mehr Funktionen und ist vor allem stabiler.

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