Die alte Frau mit Kind vor mir an der Kasse im Drogeriemarkt ist erschüttert: 34 Euro soll sie nun dafür bezahlen, daß sie all diese bunten Dinge aufs Band gelegt hat, die sie vorhin noch zu brauchen glaubte. „Wie kommt denn der Betrag zustande?” fragt sie dümmlich, obwohl jeder andere Kunde, und davon gibt es vor allem hinter ihr einige, allein an der Anzahl der bunten Kinderspeisetöpfe leicht errechnen kann, daß die Waren, die sie zu konsumieren oder ihrem Kind zur Nahrungsaufnahme zu überlassen gedenkt, sehr wohl nicht für einen Euro fuffzich zu haben sind.
Die trotz oder wegen ihrer Üppigkeit und ihres dümmlichen Gesichtsausdrucks hübsch anzusehende Kassiererin betet die einzelnen Positionen herunter. „In Zeiten wie diesen muß man einfach enger zusammenrücken,” fasele ich vor mich hin und rücke der alten Frau ziemlich dicht auf die Pelle, ohne genau zu wissen, wo der Zusammenhang besteht. Die Menge hinter mir guckt ziemlich verstört, aber ich vermag nicht zu erkennen, ob mein Satz, meine Handlung oder elendig lange Litanei über Babynahrungspreise dafür verantwortlich ist.
Als sie endlich fertig ist, bezahle ich mein Shampoo und zwei Energiesparlampen, die, wie ich später feststellen werde, nicht in das Gewinde meiner Lampen im Flur passen. Behenden Schrittes begebe ich mich zu meinem im absoluten Halteverbot geparkten Auto, reiße den obligatorischen Strafzettel herunter, überlege kurz, ob ich nun noch irgendetwas Teures einkaufen soll, damit die Ordnungswidrigkeit im Verhältnis günstiger wird, entscheide mich aber dagegen und fahre mit mäßig guter Laune in Richtung Elbchaussee. Ein Pinneberger (!) vor mir bemerkt ziemlich spät, daß er sich in die falsche Spur an der Ampel eingeordnet hat, obwohl beide geradeaus führen, hält mitten auf der Kreuzung an und versperrt mir und einigen anderen Verkehrsteilnehmern ein paar Minuten lang den Weg.
Zuhause. Ich gehe die Treppen herauf, mich mühsam beherrschend. Meine lästige Nachbarin kommt mir entgegen, möchte wohl wieder einen ihrer stundenlangen Monologe halten. Ich schneide ihr das Wort mitten im Satz ab.
Und ihren Kopf.


