Als endgültige und abschließende Zusammenfassung der Diskussion zwischen Ramses und mir:
21. Januar, 2009
Sprachdiskussion
Posted by germanpsycho under Deutsch für Berater | Schlagwörter: Anglizismen, deutsch, Gammelsprech, sprache, Sprachnörgler |[11] Comments
20. Januar, 2009
Strategiefrage
Posted by germanpsycho under Deutsch für Berater | Schlagwörter: Busfahren, deutsch, Gammelsprech, sprache, Sprachnörgler, VDS |[21] Comments

Soll man einen Kampf führen, wenn man weiß, daß man ihn verlieren wird? Eine simple Frage. Ein Militärstratege (beispielsweise der älteste unter ihnen, Sun Tsu) weiß die Antwort natürlich sofort. Eine Schlacht beginne ich erst, wenn ich weiß, daß ich sie gewinnen werde. Ein vernünftiger General wird sich daran zu halten versuchen. Es ist völlig unsinnig, Menschenleben zu opfern, wenn bereits feststeht, daß diese sinnlos sterben werden, weil eh keine Aussicht auf einen Sieg besteht.
Andererseits mögen wir doch unsere gescheiterten Helden besonders gerne. Der Kampf gegen Windmühlen. Die Attentatsversuche auf Adolf Hitler. Das kleine, gallische Dorf. Sie hatten zwar keine Chance, aber sie haben wenigstens gekämpft. Heroisch. Sicherlich geht unsere Liebe zu gescheiterten Helden nicht soweit wie bei den Japanern, die ja sowieso nur Leute verehren, die am Ende unterlegen sind.
Ist es also sinnvoll, gegen Windmühlen der Dummheit zu kämpfen? Nein. Das hat mir in einer längeren und durchaus bierseligen Diskussion mit Ramses sehr verständlich erläutert. Unsere Sprache, so sagte er sinngemäß, ändere sich eben unaufhaltsam, dagegen könne man auch gar nicht angehen. Der Einfluß anderer Sprachen verändere das Deutsche kontinuierlich, so wie das früher eben auch der Fall gewesen sei. Damals, als das Italienische oder das Französische derart überhand nahm, daß Sprachnörgler glaubten, es schützen zu müssen. Und es sei ja auch nicht untergegangen.
Natürlich stimmt seine Argumentation. Das tut sie fast immer. Man könnte viel darüber diskutieren, ob die Situation vergleichbar ist, ob dadurch, daß nicht nur die Elite schreiben und lesen kann, die Veränderung viel radikaler vor sich geht; man könnte darüber sinnieren, ob sich bestimmte Wirtschaftszweige mit ihren Kapriolen völlig aus dem allgemein verständlichen Sprachgebrauch verabschieden.
Aber all das ist müßig. Letztlich stellt sich nämlich wirklich die Frage: Lohnt es sich, gegen die allgegenwärtige Verenglischung der Sprache zu kämpfen? Obwohl ich genau weiß, daß die meisten Menschen sich überhaupt keine Gedanken darüber machen, wie sie mit dem wichtigsten Kommunikationsmittel umgehen, das wir haben? Obwohl ich weiß, daß unser Duden bereits in wenigen Monaten Formulierungen wie „ich erinnere das” gutheißen wird? Daß unsere Kompositaregelung in wenigen Jahren abgeschafft wird und die Getrennt Schreibung von Wör Tern ganz selbstverständlich wird?
Lohnt es sich also überhaupt, mit der Marketingabteilung darüber zu reden, daß eine korrekte Grammatik und Rechtschreibung durchaus nicht dem hübschen Erscheinungsbild der Schrift unterzuordnen sind?
Nein, es lohnt sich nicht. Denn wenn schon der VDS kapituliert und solche Sätze in seinem Namen duldet, dann kann auch ich aufgeben. Ich hoffe auf Ihre Sympathie
10. Juli, 2008
Die transparente Einmalanmeldung
Posted by germanpsycho under Deutsch für Berater | Schlagwörter: Anglizismen, Anglizismus, Übersetzung, Babelfish, Babylon, sprache |[20] Comments
Ich blättere eines dieser vielen Magazine durch, die sich mit Kommunikation befassen. Profis, möchte man meinen. Möchte ich meinen. Man soll ja nicht „man” schreiben. Noch weniger natürlich „frau”, weil das neben einer völlig verqueren Einstellung zu Gleichberechtigungsfragen auch noch erhebliche Mängel beim Sprachgefühl beweist.
Diese Profis jedenfalls versuchen etwas, das ich prinzipiell gut finde: Sie versuchen, einen technischen Begriff ins Deutsche zu übersetzen. Das ist zwar nicht unbedingt nötig, aber durchaus mal eine ganz gute Idee, weil ja in unserer Sprache kaum noch neue Ausdrücke erfunden werden, solange man (da! schon wieder!) ja einfach die englischen benutzen kann und dabei auch noch total, äh, hip klingt.
So macht sich also der Autor eines Artikels daran, den Begriff „Single Sign On” zu übersetzen. SSO bedeutet ja, daß der Benutzer sich nur einmal anmelden muß, beispielsweise beim Hochfahren des Rechners, und anschließend Zugriff auf alle Anwendungen hat, die er für seine Arbeit benötigt.
Der Autor aber beachtet lediglich die zu übersetzenden Wörter, eine Herangehensweise, die zu einer Vielzahl von Problemen in der heutigen Sprache geführt hat.
Er übersetzt also SSO mit: Einmalanmeldung.
Klingt erstmal ganz in Ordnung. Aber welche Assoziationen habe ich, wenn ich an Wörter denke, die mit „Einmal-” anfangen? „Einmalhandtuch”, „Einmalzahnbürste (oder auch „einmal Zahnbürste bitte). Also eigentlich ein Wegwerfprodukt.
Die Einmalanmeldung ist also eine Anmeldung, die für ein Mal gültig ist und dann weggeschmissen wird? SSO jedenfalls ist das Gegenteil davon.
Eindeutschen ist eben nicht ganz so einfach. Ich kann nicht einfach hergehen, und alle einzelnen Wörter eines englischen Satzes ins Deutsche übertragen. Und auch noch glauben, daß der Sinn erhalten bleibt.
„Der Wechsel zu einem dedizierten Bediensteten ist für den Benutzer transparent” ergibt, entschuldigung: macht, nämlich keinen Sinn. Das Wort „transparent” bedeutet (meint?), ähnlich wie im Beispiel der Einmalanwendung, in der englischen EDV-Sprache das Gegenteil dessen, was wir unter transparent verstehen. Englisch: „transparent for the user” = Vom Nutzer unbemerkt.
Und wenn dann ein Neusprechler mit einem Menschen kommuniziert, der die alte Bedeutung des Wortes versteht, dann redet man wunderbar aneinander vorbei.
„Wir können eine Einmalanwendung machen, transparent für den Benutzer.”
- „Herzlichen Dank, ich hätte es lieber, wenn meine Anwender sich nur einmal anmelden müssen und gar nicht merken, daß im Hintergrund ein Prozeß diese Anmeldung den anderen Anwendungen mitteilt.”
„Ja, das meine ich ja, der Benutzer realisert die Anmeldung gar nicht.”
- „Wer denn sonst?”
26. Juni, 2008
Edel, Mann!
Posted by germanpsycho under Deutsch für Berater | Schlagwörter: berater, denglisch, deutsch, sprache, volldeppen, werber |[8] Comments
Über eine tolle Veranstaltung stolpere ich gerade.
„Es geht um Social Media vs. Mainstream Media, um Kontrolle vs. Glaubwürdigkeit, Conversation & Co-Creation vs. Key-Messages.”
Gut, nun weiß ich zwar immer noch nicht, welche Assets ich da mitbringen muß, damit mein Mind Set damit geleveragt wird, aber ich habe schon mal eine Idee, ob das nun Sinn macht.
Derart inspired reade ich aber erstmal weiter, denn noch weiß ich nicht wirklich, was mich auf dieser Konferenz erwartet:
„Auch unser Weekend Summit wird keine klassische Konferenz im Sinne von “Top Down Lectures sein”
Gut, es ist also schon mal keine Konferenz. Sondern?
„wir wollen Diskussion, Dialog, Partizipation und Co-Creation.”
Klingt jetzt doch nach einer klassischen Konferenz, wenn ich honest sein soll. Vielleicht lerne ich ja mehr, wenn ich das Abstract mal top-bottom finishe:
„Die Idee zu diesem Weekend Summit hat uns unsere seit einigen Jahren erfolgreiche Summer University gegeben, bei der unsere “Next Generation Leaders” zusammenkommen”
Jetzt bin ich mir dann endgütlig sicher. Diese Konferenz ist nichts für mich. Aber für all die Creatives, die Future Leaders, aber auch Top Professionals aus der Line, die vielleicht mal nicht nur ständig mit Customern talken wollen, die sie eh nicht verstehen, die können sich mal ganz entspannt einmal mehr ihresgleichen hingeben. Und bemerken vielleicht nicht einmal, daß sie mittlerweile eine Sprache sprechen, die keiner mehr versteht.