Schwarzarbeit?

Schwarzarbeit?

Verzeihen Sie das dämliche Wortspiel, aber durch das Lesen dieses Artikels bekomme ich es nicht mehr aus dem Kopf.

Üble Zustände! Da stirbt ein Mensch bei Klettern auf den Mast! Da werden Menschen unter Druck gesetzt! Da kursieren sogar ganz derbe Witze. Ja, verdammt noch mal, wenn man lieber keinen Druck aushalten möchte, Angst vor großen Höhen hat, oder sich körperlich nicht im Griff hat, dann soll man doch bitte einen der vielen gutbezahlten Jobs in einer Werbeagentur annehmen, aber doch bitte nicht als Offiziersanwärter zur Bundesmarine gehen! Die Seefahrt war immer schon ein rauhes Geschäft. Auf einem Schiff lebt es sich nunmal nicht ganz so einfach wie zuhause bei Muttern oder in einer gemütlichen 2-Zimmer-Wohnung in Eimsbüttel. Seemannsromantik war immer auch verwoben mit Gefahr, mit Verzicht auf Annehmlichkeiten und der Aussicht, alle Annehmlichkeiten nach der Rückkehr doppelt und dreifach zu genießen.

Überhaupt: Druck. Druck ist etwas, das gefühlt immer mehr wird in der heutigen Zeit – zumindest in Zeitungsberichten (und das offensichtliche Wortspiel mit „Presse” erspare ich uns allen mal). Und in der Realität? Ich glaube, wenn wir ein paar ehemalige NVA-Rekruten auf die Gorch Fock einlüden, sie würden es als Spazierfahrt mit hohem Komfort empfinden. Jedenfalls im direkten Vergleich.

Ja, verdammt, sicher MUSS man heutzutage nicht mehr in die Takelage. Aber die Ausbildung bei der Marine hat sich dieses wunderbare Stück Tradition nunmal bewahrt. Daß ein Seemann eben auch in der Lage sein muß, ohne technische Hilfsmittel zurecht zu kommen. Daß er auch ohne GPS den Standort ermitteln können muß. Und ja, daß er auch mal auf einem der letzten Segelschiffe der Welt gewesen sein muß.

Das alles ist jedem Bewerber eigentlich vorher klar. Ebenso ist es nunmal in größeren Gruppen auch nicht nur nicht zu vermeiden, sondern vermutlich sogar unabdingbar, daß es etwas rauher zugeht. Eingepfercht, ohne Privatsphäre – natürlich ist das keine Kreuzfahrt auf der Queen Mary 2. Da werden die Sprüche härter. Wer das nicht aushalten kann, der soll sich eben nicht bewerben.

Es können nämlich so viele gutgemeinte Anstrengungen unternommen werden, um diesen „furchtbaren Druck” zu mildern; ändern wird das nichts. Wenn Menschen in schwierigen Situationen auf engem Raum zusammenleben, wird sich die Anspannung entladen. Da ändert kein Beschluß am Kabinettstisch und keine wohlmeinende Reportage aus dem bequemen Journalistensessel heraus etwas.

Eine ganz furchtbare Wahrheit ist nämlich die: In großen Gruppen verhalten sich Menschen unter Druck anders als sonst. Und wer das nicht will, sollte solche Situationen vermeiden.

ANMERKUNG: Natürlich hat das der Fleischhauer viel besser beschrieben.